Anzeige
ANZEIGE

Arturia AudioFuse Test

Praxis

Beim Verkabeln des Arturia AudioFuse fällt erstmal auf, wie viel da dran passt. Bei anderen Audiointerfaces ist schon die Breakout-Box in etwa so groß wie das kleine AudioFuse selbst. Ohne Kabelpeitschen kann alles direkt verkabelt werden, nur die beiden MIDI-Adapter sind Zugeständnisse an die kompakte Bauform. Nun sind zwei rückwärtige Line-Eingänge nicht besonders viel, aber dank ADAT-Lightpipe gewinnt man mit einem externen ADAT-Interface noch mal acht weitere Ein- und Ausgänge dazu. Für die meisten Bedroom-Studio- und Homerecording-Anwendungen reicht das heutzutage aus.  

Am AudioFuse ist alles drin und alles dran, was der Bedroomproducer so braucht.
Am AudioFuse ist alles drin und alles dran, was der Bedroomproducer so braucht.

Das Arbeiten mit AudioFuse ist straight forward. Alle wichtigen Funktionen können am Gerät selbst bedient werden. Bei anderen Desktop-Audiointerfaces mit „One knob to rule them all“-Philosophie muss man stets erst den einen großen Masterregler der jeweiligen Funktion zuordnen. Beim AudioFuse hat fast alles seinen dedizierten Schalter oder Regler und das macht auch auf kleinstem Raum sehr viel Spaß. Natürlich sind die Schalter alle etwas klein, aber das kann ja auch nicht anders sein.
Die vier kleinen Regler für Kanal-Gain und Kopfhörerlautstärke wirken allerdings etwas wackelig, da muss die Zukunft zeigen, wie hoch die Bauqualität wirklich ist. Immerhin sind sie beim Transport durch den Deckel gut geschützt. Die beiden Haupteingangskanäle des AudioFuse klingen sehr sauber und mit meinem Audio-Technica AT4040 hatte ich schon kurz nach halbem Regelweg eine vernünftige Aussteuerung erreicht. Ich empfinde die Aufnahmequalität des AudioFuse als sauber und für Projektstudio-Anwendungen absolut empfehlenswert.

Das AudioFuse kann einen Monitorcontroller ersetzen, wenn man nicht allzu verwöhnte Wünsche an so ein Gerät hat. Zwei Monitor-Boxenpaare können angeschlossen und alternativ abgehört werden. Die Ausgangslautstärke kann nicht einzeln angepasst werden. Aber Standardfunktionen wie Monoschaltung, Dim (per Software justierbar) und Mute sind mit an Bord.
Talkback funktioniert, aber es rauscht wie die Niagarafälle. Hier wurden garantiert keine DiscretePRO®-Vorverstärker verbaut. Die Funktion erfüllt ihren Zweck, aber längere Unterhaltungen möchte man darüber nicht führen.
Dank der beiden getrennten Kopfhörerausgänge kann der Producer ohne zusätzliche Hardware mit einem Co-Produzenten, Sänger oder Instrumentalisten zusammenarbeiten. Und dank der doppelten Ausführung der Kopfhörerbuchsen können bis zu vier Leute über zwei Wege abhören. Das vermeidet Ärger im Proberaum, wenn alle mal in die Aufnahme reinhören wollen.
Die Kopfhörerausgänge können den Masterausgang (1/2) abhören, aber auch entweder Cueweg 1 (externer DAW-Ausgang 3/4) oder Cue 2 (Ausgang 5/6). Soll heißen, die Kopfhörerausgänge können theoretisch als Audioausgänge genutzt werden, auch für das Reamping von Gitarren, wofür in der Software sogar ein Groundlift vorgesehen ist. Auch eine Nutzung als DJ-Audiointerface ist denkbar.

Fotostrecke: 2 Bilder Das AudioFuse Control Center bietet schnörkelloses Re-Amping.
Fotostrecke

Die Direct-Monitoring-Funktion ist sehr praktisch, weil ohne großes Rumstochern in der Software bedienbar. Stufenlos kann zwischen dem „Direct“- und dem „Computer“-Signal hin-und hergeblendet werden. Schade, dass das Poti so flach ist, ein höher hervorstehender Regler wie für Gain oder Kopfhörervolumen hätte mir besser gefallen. Steht das AudioFuse erhöht auf seinem rutschigen harten Metalldeckel lässt sich das Direct-Monitoring-Poti nur vernünftig bedienen, wenn man das Gerät dabei festhält. Und wenn man zu sehr am Interface herumwackelt, dann flutscht auch gern mal das USB-Kabel heraus und die Verbindung zum Computer wird unterbrochen. Und das passierte mir im Laufe des Tests mehr als einmal. Ja, USB ist eine wackelige Angelegenheit und es ist verwunderlich, das mit solch einer nicht verriegelbaren Digitalverbindung tagtäglich weltweit professionell gearbeitet wird. Mein MacBook hat sicher schon recht ausgeleierte USB-Ports. Aber beim AudioFuse fiel mir extrem oft auf, das die Verbindung zum Laptop nicht mehr da war. USB-Kabel austauschen ist auch keine Lösung, denn möchte man bus-powered und ohne zusätzliche Netzteilversorgung arbeiten, ist das mitgelieferte Kabel leider Pflicht.
Auch der Mikro-USB-Stecker sitzt wackelig im AudioFuse. Beim Einstecken und wieder Abziehen von Kopfhörern oder Mikrofonen sollte also nicht zu sehr am Gerät geruckelt werden, sonst ist die Audioverbindung weg und das AudioFuse muss stets neu als Audiointerface angemeldet werden. Das kann schon nervig sein. Und wo ich gerade schon am Rummäkeln bin: Die Beleuchtungsintensität der LEDs ist nicht gut gewählt. Die Umschalter für den Cueweg der Kopfhörer sind weiß und grell. In einem schummrigen Studio stechen die richtig ins Auge. An anderen Stellen wiederum ist der Schaltzustand gar nicht so einfach identifizierbar. Bei wichtigen Schaltern wie Dim oder Mute lässt sich anhand der LED oft nur ahnen, ob sie aktiviert sind oder nicht. Vielleicht hätte Arturia die Schalter mit unterschiedlichen Farben ausstatten können, so wie den 48V-Phantomspannungsschalter, der aktiviert rot leuchtet. Aber selbst das Rot ist blass, fast eher ein Rosa. Obwohl ich monochrome Geräte eigentlich vorziehe, hätte ich beim AudioFuse nichts gegen eine durchgehend mehrfarbige Hintergrundbeleuchtung der Buttons gehabt.
Das Gerät wird bei Dauerbetrieb unangenehm heiß. Wenn es mal über Nacht angeschaltet bleibt, ist es am nächsten Morgen warm wie eine kleine Heizung. Also sollte man es ruhig nach der Session abschalten. Einen Schalter gibt es aber nicht – man muss schon den Stromstecker ziehen.

Fotostrecke: 2 Bilder Nicht jedes Anschlusskabel passt in die sehr eng und tief verbaute S/PDIF-Cinchbuchse.
Fotostrecke

Die verbauten Cinchbuchsen sind schön tief in die Gehäuserückseite versenkt – zu tief. Um meinen Roland-AIRA-MX-1-Mixer digital an die S/PDIF-Schnittstelle anzuschließen, musste ich fleißig in der Kabelkiste graben, um ein Cinchkabel zu finden, dessen Stecker schlank genug war, um Kontakt zu finden. Und richtig bombenfest saß er da immer noch nicht. Gleiches gilt für die Phono-Cincheingänge: Die an meinem guten alten Technics SL-1210 MK2 fest angeschlossenen Cinchkabel konnte ich nicht auf die Cinchbuchsen des AudioFuse aufstecken und musste mir mit Cinchverlängerungskabeln mit schlanken Steckern behelfen. Das ist ganz und gar nicht optimal!

Kommentieren
Profilbild von Pat

Pat sagt:

#1 - 02.05.2018 um 17:00 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Das mit den Cinch-Buchsen ist natürlich nicht ordentlich durchdacht von Arturia, aber mal ehrlich: Wer hat den heutzutage noch die Original-Kabel an den 1210ern? ;-)

Kommentare vorhanden
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.