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American Audio Versadeck Test

Bereits auf der letzten Frankfurter Musikmesse ließ American Audio die Katze aus dem Sack und bonedos DJ-Dreigestirn durfte vor Ort einen Blick auf ein Vorserienmodell des Versadeck werfen. Dieses Gerät ist Dual MP3-Player, Mischpult und MIDI-Controller in Personalunion und ein Paradebeispiel dafür, dass die voranschreitende digitale Vertriebspolitik von Musikalien und die Miniaturisierung des Equipments deutliche Auswirkungen auf das Hardwaredesign der Hersteller hat. Statt auf CD-Player setzt das Versadeck ganz auf USB-Sticks, den PC oder externe eingebundene Zuspieler.

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Zu seinen Ausstattungsmerkmalen gehören zwei MP3-Abspieleinheiten, die mittels zweier USB-Ports gefüttert werden. Dazu gesellt sich ein klassischer Zweikanal-Mixer mit getrennt regelbarem Master- und Booth-Out, symmetrischen XLR-Ausgängen für die Profi-PA sowie zwei Mikrofonanschlüssen für Moderatoren.

Damit die Mixsession einen persönlichen Anstrich bekommt, der über die bloße Trackauswahl hinaus geht, sind zudem Hotcues, Loops und Effekte integriert. Obendrauf gibt es noch ein integriertes Vierkanal USB-Audio-Interface, MIDI-Funktionalität und Virtual DJ 7 LE. Grund genug, den Burschen zur genaueren Begutachtung auf unseren OP-Tisch zu befördern. Das mobile Wunderkind kommt mit einer Preis-Empfehlung von 529 Euronen und muss gegen DJ-Techs U-Station für 399 Euro und Numarks Mixdeck Express für 719 Euro antreten. Schwester Hildegard, Skalpell bitte!

DETAILS

Statt eines Skalpells reicht mir die imaginäre OP-Schwester ein Teppichmesser aus der Schreibtischschublade, mit dem ich vorsichtig die Klebestreifen auf der graubraunen Umverpackung durchtrenne. Ein Blick in den darunterliegenden orange-bunten Karton zeigt eine gut gegen Transportschäden verpackte Versadeck-Einheit, je ein USB- und Stromkabel, eine Hybrid-Installer-CD für PC und Macintosh-Systeme sowie ein Garantieblatt und einen Produktkatalog. Leider konnte ich kein gedrucktes Handbuch finden, auf der CD jedoch ein 48-seitiges, englisches PDF ausmachen. Ein Ausflug zur Herstellerseite zeigt zum Testzeitpunkt (Dez. 2011) zwar diverse Übersetzungen, Deutsch ist jedoch noch nicht dabei. Man versicherte mir aber seitens des Supports, dass das deutsche Handbuch so gut wie fertiggestellt sei.

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Es gibt ja bekanntlich keine zweite Chance für einen ersten Eindruck. Umso mehr freue ich mich, folgende Zeilen niederschreiben zu dürfen: Die Verarbeitung ist in Anbetracht der Preisklasse ausgezeichnet gelungen, die haptischen Bedienelemente in Form von Fadern, Drehreglern, Encodern und Buttons finden überwiegend positiven Anklang und das Layout erscheint auf Anhieb klar und übersichtlich strukturiert. Obwohl teilweise aus Kunststoff gefertigt wirkt der kompakte MP3-Mixer relativ hochwertig und genügend widerstandsfähig für den mobilen Gebrauch und den rauen Außeneinsatz. 4,42 Kilo Lebendgewicht sind zwar für den urbanen Wander-DJ nicht übermäßig rucksackkompatibel, aber wenn man nicht 20 Kilometer Huckelpiste auf dem Rennrad bei Gegenwind bewältigen muss, sind sie wohl bei Maßen von 420mm (W) x 300mm (D) x 91mm noch zu stemmen. Auf jeden Fall eher, als vergleichbares Einzelwerk (Mischpult, CD/MP3-Player, Controller) samt Kabellage.
Hat man euch auf der Party, in der Disko oder in der Kiezbar in eine dunkle Nische verschoben, wo ihr den Rauch von Zigaretten und Nebelmaschine mit tränendem Auge in Scheiben schneiden könnt, keine Bange. Die überwiegend milchtrüben Tasten liefern ein helles, optisches Feedback, was nicht nur gut aussieht, sondern auch für eine gewisse Treffsicherheit sorgt. On-stage oder auf der Hochzeitsbeschallung ist dies vielleicht nicht ganz so wichtig, aber in schummerigen Gefilden absolut von Vorteil. Eine Sache am Rande: Falls euch das Beleuchtungskonzept nicht zusagt, gibt es noch ein baugleiches OEM-Produkt mit dem Label Citronic, welches auf blaue LEDs setzt. Nun ist es ja nicht ungewöhnlich, dass die Presse mit erhobenem Zeigefinger auf fernöstliche OEM-Produkte deutet. Ich bin jedoch der Meinung, gerade im preislichen Einsteigersegment ist dies nicht so bedeutungsschwer, wenn Qualität, Preis und Lebensdauer stimmen – was im Falle des Versadeck noch herauszufinden wäre.

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Die angewinkelte Arbeitsfläche ist vom ergonomischen Standpunkt her sehr begrüßenswert, denn sie sorgt für einen angenehmen Zugriffs- und Betrachtungswinkel. Auch Pioneer setzt im Übrigen bei seiner letzten DJ-Controller Schöpfung DDJ-Ergo (Test hier) auf die leichte Schräglage. 

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Frontpanel
Ein Blick auf das linksseitige Frontpanel offenbart einen regelbaren 6,3-Millimeter-Mikrofoneingang, der genau wie sein Pendant auf der Rückseite mit einem großen griffigen Drehregler eingepegelt wird (Mic1/Mic2). Ein Kippschalter fügt die Signale der Summe zu. Ferner senkt er die Hintergrundmusik in Stellung Talkover um 20 Dezibel ab. TONE ist ein bipolarer Hi/Low-EQ, der sich um die klanglichen Befindlichkeiten der Mikrofonkanäle kümmert, aber nach meiner Auffassung bei weitem nicht mit einem klassischen Zwei- oder Dreiband-EQ gleichziehen kann. Bedauerlicherweise lassen sich die zwei Mikrofone nur gemeinschaftlich klanglich abstimmen, was bei unterschiedlichen Mikrofonen ziemlich suboptimal wäre. Auch ein Monitoring auf dem Kopfhörer ist nicht möglich. Schade. Das Signal der Mikrofon-Vorverstärker indes ist als rauscharm und natürlich einzustufen und für Moderationszwecke allemal ausreichend. 

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Audio Samples
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Mikrofon Preamp Versadeck

Auf der gegenüberliegenden Seite ist die Vorhörsektion untergebracht. Sie besteht aus einem Standard-Kopfhörerausgang mit Lautstärke-Regelung und Cuemix. Gern hätte ich an dieser Stelle einen zweiten Output als Miniklinke gesehen, damit man auch zu zweit am Gerät arbeiten kann. Ist aber nicht. Interessanterweise entschied sich die Konstruktionsabteilung für einen Cuefader, der zwischen den Kanälen eins und zwei stufenlos blendet. Der Kopfhörerausgang klingt nicht nur ausgewogen, sondern ist auch noch partytauglich laut und dabei ziemlich zerrfrei. So soll es sein! 

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Backpanel
Am rückseitigen Anschlussfeld sehe ich von links nach rechts: eine Kaltgerätekabel-Buchse, einen schutzumrandeten Einschaltknopf, eine USB-Schnittstelle Typ-A für Wechseldatenträger (USB2) und ein Typ-B-Exemplar für die Verbindung zum PC. 
Eingangsseitig nehmen zwei Stereo-Cinch-Inputs die Signale externer Zuspieler in Empfang. Jedes Paar ist mit Phono/Line-Switch nebst Rändelschraube für das Massekabel eines Plattenspielers ausgestattet. Faderstart-Buchsen für CD-Geräte sind nicht zu finden. Ausgangsseitig übernimmt ein symmetrisches Master-XLR-Paar die Besaftung der PA, ferner liegen ein geklonter Cinch-Master und ein getrennt regelbarer Booth-Out gleichen Formates zur Beschallung eines zweiten Raumes oder für den Anschluss einer Monitoranlage vor.

Backpanel_American_Audio_Versadeck

Bedienoberfläche
Rechts und Links zwei identisch konstruierte Abspieleinheiten, in der Mitte ein Mischpult. Das ist ein Erfolgskonzept, welches nun schon seit fast einem halben Jahrhundert fruchtet und daher auch hier zum Tragen kommt. Im Zuge digitaler Kommandozentralen wurde diese traditionelle Anordnung zuletzt häufiger erfolgreich aufgebrochen und auch ich als begeisterter Controller-Nutzer habe nichts gegen spiegelsymmetrische Layouts mit Pitchfadern an den Seiten einzuwenden – aber da hat bekanntlich jeder DJ seine eigenen Präferenzen. Zum Mischpult: Beim vorliegenden Modell handelt es sich um einen „Zweikanäler“ mit Crossfader und Dreiband-Klangregelung nebst Aufholverstärker. Hoch im Norden sitzen die Quellwahlschalter (Deck, Phono/Line, PC). Dazwischen ist ein weiterer USB-Anschluss für den Stick zu finden. Beide Abspieleinheiten können wahlfrei auf die angeschlossenen USB-Medien zugreifen. Prima.

Die Equalizer arbeiten mit einem maximalen Boost von zehn Dezibel und einem Cut von minus 35, was bei Linksanschlag zur kompletten Absenkung des entsprechenden Bandes führt. Der Kill-Effekt kann alternativ auch durch Auslösen der integrierten Button-Funktion (!) in den Drehreglern erzielt werden. Ein Test belegt: Alles auf „Kill“ und es wird still… 

Kill_EQ
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Bass EQ Cut Kill EQ Buttons Kill EQ Knobs

Die gummierten Drehregler sind griffig und profitieren (mit Ausnahme der Gains) von großzügigem Abstand zueinander. Die Equalizer schnappen an der Nullstellung ein und verdeutlichen dies visuell durch eine weiße Nabe auf 12 Uhr. Darüber sind die Aufholverstärker positioniert, Master und Booth sind in die Mitte gerückt. 
Leider ist für die Gains und sämtliche Lautstärkeregler (rote Nabe – auch Booth, Master, Kopfhörer, Mikro) nur eine Skaleneinteilung von null bis zehn gewählt worden, was einen im Dezibel-Regen stehen lässt. Befinden sich alle Regler in Mittenstellung, schlägt der Master-Meter bei meinem Probestück etwa mit maximal 4 dB aus. Löblich erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass die zehn-schrittigen LED-Meter sowohl den Pegel der Kanäle separat (Pre-Fader, Post-EQ) als auch den Master anzeigen können.
Darunter folgen zwei 45-Millimeter-Linefader und ein ebenso langer Überblendregler, denen allen ein praxistaugliches Gleitverhalten zuteilwurde. Naturgemäß flutscht der Crossfader etwas leichter über die Leiterbahn. Er lässt sich zudem in drei Ausrichtungen von hart bis weich betreiben, damit Scratcher und Mix-DJs gleichermaßen auf ihre Kosten kommen. Der Hot-Swap-Crossfader ist im laufenden Betrieb austauschbar und kompatibel mit American Audios Feather-Fader-Plus. Obendrein sind die MP3-Player mit einer optional zuschaltbaren Faderstart-Funktion ausgestattet. So lassen sich Titel in Abhängigkeit von der Crossfader-Position starten und stoppen. Dabei beginnt der Song immer vom zuletzt aktiven Cue-Punkt, also durchaus auch von einem Hotcue oder aber von einem aktivierten Loopspeicher. Holla!

Fadersektion

Jogwheels
Versadecks Jogwheels messen 110 Millimeter, erfreuen mit angenehmer Haptik, exaktem Rundlauf und unterscheiden zwischen Seiten- und Oberflächenkontakt. Sehr schön, denn somit lassen sich Jog-Bending und Scratch-Manöver gleichermaßen durchführen, obschon letztgenannter Modus durch die Taste VINYL einzuschalten ist. CDJ hingegen stellt den klassischen Nudge-Modus. Bei aktivierter Scratch-Option startet ACUE die Wiedergabe vom zuletzt ausgewählten Cue-Punkt. Was bedeutet, dass der DJ vier Scratch-Marker anlegen kann, die er abwechselnd beackert. Das hört man gern. Im Pausenmodus navigiert der Teller framegenau mit 1/75 Sekunden im Audiomaterial, was akkurates Anlegen von Positionsmarkierungen vereinfacht. 

Jogwheel_American_Audio_Versadeck

Display 
Bei der Anzeige handelt es sich um ein VFD-Display, welches in seiner Helligkeit vierstufig regelbar und auch bei ungünstigeren Lichtverhältnissen und Blickwinkeln gut abzulesen ist. Der Screen ist angenehm groß ausgefallen und versorgt den DJ mit allen mixrelevanten Daten während einer Session. Dazu gehören unter anderem Laufzeiten, Fortschrittsbalken, Tempo- und Pitch-Werte sowie Status-Feedbacks zu Loops und Cues. Besonders hervorzuheben ist die zehn-segmentige Dot-Matrix, die auf zwei Zeilen Titelinformationen, ID3-Tags, Ordnerbezeichnungen und Effektwerte anzeigt. Display-Time und Scroll-Geschwindigkeit sind regulierbar, Abzug in der B-Note gibt’s, weil der Screen im MIDI-Betrieb keine Titelinformationen von Traktor oder VDJ ausgibt. 

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Kreativwerkstatt
Die Kreativabteilung kann sich für einen Allrounder der 400-Euro-Klasse durchaus sehen lassen. An vorderster Front sind zunächst einmal die vier digitalen Effektalgorithmen Echo, Flanger, Filter und Skid zu nennen. Sie spielen klanglich auf recht ordentlichem Niveau und dürfen in den Parametern Time und Ratio, wenngleich nicht simultan, über das Jogwheel gesteuert werden. Die aktuelle Modulationszeit und das Mischungsverhältnis zwischen Original- und Effektsignal können auf Wunsch mit der Taste Hold eingefroren werden. In meinen Augen wären jedoch zwei separate Drehregler effizienter gewesen, weil ich mir so das Hin- und Herschalten zwischen den Steuergrößen und das Einschalten der Hold-Funktion sparen könnte (ansonsten springt der Parameter zum letzten Freeze-Wert zurück). Sämtliche Effekt-Attribute werden auf Standardeinstellungen zurückgesetzt, sobald man das Versadeck ausschaltet. Der Hold-Button hat im Übrigen noch eine zweite Funktion inne, denn er dient als Lock für die gesamte Player-Einheit und somit als Schutz vor ungewollter Fehlbedienung (der Mixer ist hier nicht betroffen). Nachstehend einige Audiobeispiele. 

Audio Samples
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Echo Filter Flanger Skid

Die Tasten eins bis vier speichern in Kombination mit Save maximal vier Hotcues, Loops oder Variationen aus diesen ab, welche sich dann durch erneutes Betätigen der zugehörigen Nummer aufrufen lassen. Markierungen werden in Echtzeit an Auslöseposition erstellt. Loops stellt das Versadeck durch grüne Tastenbeleuchtung dar, Hotcues illuminieren rot. Das ist übersichtlich, doch leider stehen die vier Bänke nur global zur Verfügung, was im Klartext bedeutet, dass es nicht möglich ist, für jeden Titel separat vier Cues/Loops anzulegen, sondern dass eine frisch angelegte Speicherstelle die entsprechende Bank bei einem anderen Track löscht. Auto-Loops sind nicht mit an Bord, daher müssen die Schleifen manuell über die Tasten IN und Out angelegt werden. Es ist nicht möglich, die beiden Flankenpunkte des Audiozyklus im Nachhinein über das Jogwheel zu justieren, ergo sind ein gutes Taktgefühl und eine gute Ohr-zu-Finger-Koordination notwendig – vor allem im Mix mit einem zweiten Track. Reloop holt eine deaktivierte Schleife von jeder Songposition aus zurück ins Spiel. Clear macht zuvor belegte Speicherplätze frei. 

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Beatos sagt:

#1 - 20.01.2012 um 00:51 Uhr

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Danke für diesen Test! Allerdings sei folgender Hinweis gestattet: Citronic hat den Vertrieb des MPX10 eingestellt. Kein Support mehr für das Gerät!Des weiteren gibt es die Workstation noch als:- Synq Audio DMC-2000
- Voxoa S60
- Akiyama Synchron
- DJInn AudiophonyAlles exakt die gleiche Hardware.
Besitze selber den DMC-2000 und bin soweit zufrieden da ich weiterhin meine Plattenspieler nutzen kann ohne einen weiteren Mixer.

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Peter sagt:

#2 - 20.01.2012 um 15:33 Uhr

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Hallo Beatos, danke für den Hinweis. Ich glaube es gibt sogar noch ein Modell von DJ-Tech namens U3. Besten Gruß Peter.

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Markus sagt:

#3 - 14.04.2013 um 02:59 Uhr

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Sehr interessantes Review, aber leider habt ihr ausgerechnet hier mal nichts zur Qualität der Keylock-Funktion geschrieben.
Hat jemand ne Info bis zu welchem Pitchbereich der Keylock artefaktfreie Ergebnisse liefert?

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