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10 Problemmusiker-Typen im Studio

Kein Mensch ist wie der andere. Aber dennoch kann man ab und an verschiedene Charakterzüge an Musikern ausmachen, die in Recording Studios aufnehmen.

(Foto: Shutterstock / Iurii Stepanov)
(Foto: Shutterstock / Iurii Stepanov)
Inhalte
  1. Der unsichere Neuling
  2. Der Bandtyrann
  3. Der meinungslose Spielsklave
  4. Der Gearhead
  5. Der Schlunz
  6. Der Partymusiker und Netzwerker
  7. Der Nonperformer
  8. Der emotionslose Profimucker
  9. Der wissbegierige Recording-Laie
  10. Der besserwissende Recording-Kollege

Hier haben wir – natürlich etwas karikiert – neun Typen für euch dargestellt. Und es gibt ja bekanntlich in allen Dingen ein Körnchen Wahrheit…

Der unsichere Neuling

„Ojeh… so viele Geräte! Ich bin auch das erste mal in einem richtigen Tontstudio, das ist alles so neu für mich. Ob ich das alles so schaffe? Ohne verspielen, wenn die alle zugucken? Jetzt, wo man alles so genau hört, merke ich, wie schlecht ich eigentlich bin. Ich glaube, ich muss erst mal an die frische Luft…“

Was tun?

Ängste kann man nehmen, wenn man ein wenig Empathie mitbringt.

Der Bandtyrann

Prince, Frank Zappa – und er, der omnipotente Allesbestimmer. Alleine seine Meinung zählt, er hat bei allem „Vetorecht“, gibt allen vor, was sie zu tun oder zu lassen haben. Dabei entstehen Situationen, in denen er – selbst wenn er offensichtlich von dem Topic keine blasse Ahnung hat –  Musikern und Tontechnikern kleinliche Vorgaben macht, die wohl weniger in seinem Bemühen für ein gutes Produkt begründet sind, als dem weiteren Aufbau seines Egos zugute kommen.

Was tun?

Vermeiden. Wenn das nicht geht: Streit und Stress vermeiden, denn diese Sorte Mensch ändert man kaum. Vor allem nicht in einer Recording-Session.

Der meinungslose Spielsklave

Passend zum Tyrannen gibt es auch immer seine Spielsklaven, die genau das tun, was der „Boss“ verlangt. Dumm nur, wenn dieser selbst keine Tipps annimmt, es einer Meuterei gleichkäme und anschließende Bandauflösung zur Folge hätte, wenn ein Spielsklave auf Vorschläge des Studiostaffs eingehen würde.

Was tun?

In einem ruhigen, unbeobachteten Moment signalisieren, dass man die Situation erkannt hat und im Grunde auf seiner Seite ist.  

Der Gearhead

„Boooah, Alter! Ich habe gerade mein altes Fuzz gegen diese Wahnsinnsmaschine getauscht! Und endlich klingt meine Custom-Strat von dem Gitarrenbauer aus Hinterhausen in Kombination mit dem mit den Mullard-NOS-Tubes ausgestatteten ’73er-Hiwatt mal so RICHTIG geil. Moment, ich probiere das mal mit der Tele, die ich 1997 gebraucht vom ehemaligen Gitarristen…“ Der Gearhead vergisst dabei gerne mal, weshalb er im Studio ist: die Musik ohne viele Fehler und zum Song passend aufzunehmen.

Was tun?

In die Spur bringen und mit Zielen arbeiten. „Schön! Dann gib mir doch mal den twangy Tele-Sound.“ Und dann so tun, als würden die eigene Arbeit (und das Interesse) erst mit dem Mikrofon beginnen.

Der Schlunz

Der Schlunz vertraut einfach auf seine Genialität. Dafür sorgen, dass das Equipment funktioniert? Songabläufe einstudieren? Tricky Passagen gezielt üben? Sich Gedanken um den eigenen Sound und das Endprodukt machen? Viel zu viel Aktion!

Was tun?

Helfen. Schließlich geht es darum, aus den Menschen das Maximum herauszuholen. Im Nachgang vielleicht mal klarmachen, dass das ganz schön teuer für die Band war, weil er wahnsinnig viel Zeit in Anspruch genommen hat.

Der Partymusiker und Netzwerker

Der Partymusiker/Netzwerker ist ebenfalls weniger mit der Aufnahme beschäftigt. Stattdessen postet er lieber wichtigtuerische Fotos von sich im Regieraum für seine Follower, auch wenn er erst in frühestens zwei Stunden gebraucht wird. Und steht allen im Weg und nervt. Er redet ununterbrochen, kommentiert alles, ist dauerhaft gut drauf, trinkt zu viel, um ordentlich einspielen oder einsingen zu können.
Schlimm: Der Partymusiker ist oft nicht alleine, sondern kommt Rockstar-like mit einer feiernden Entourage, die vor allem eines tun: stören.

Was tun?

Ihm klar machen, dass Recording Arbeit ist. Und ob das Produkt gut oder schlecht wird, kann er selbst entscheiden. Seine Kohle, seine Wahl. Nervenden Anhang: freundlich zügeln.

Der Nonperformer

Ja, es gibt sie, die Leute, die man eigentlich noch mal für ein paar Jahre zum Unterricht schicken will. Vielleicht ist da ja Potenzial, aber wenn der Drummer im Stück eiert, weil er es einfach nicht kann, und auch zum Click null groovt, dann ist er da gerade sehr verkehrt. Aber Sprüche wie „Danke! Jetzt bitte nochmal spielen, aber mit etwas mehr Talent!“ wären dann doch zu gemein.

Was tun?

Man sollte versuchen, das Beste draus zu machen. Realistisch die Möglichkeiten aufzählen (aufwändiges Editing, Studiomusiker buchen und Stillschweigen vereinbaren).  

Der emotionslose Profimucker

Ihm ist alles egal. Er macht seinen Job, wie verlangt. „Malmsteen-Solo? Hier, bitteschön.“ „Police-Gitarre wie auf Roxanne? Moment, eben am Kemper den Sound wählen… hier, bitte sehr.“ “Achtelquintolen gegen den geraden Basslauf? So meinste, ne? Drück Record!” Aber einen Part nochmal spielen, mit etwas mehr Pathos? „Wie notiert man bitte ‘Pathos’?“ Sein Bus kommt gleich, er hat heute noch zwei Gigs. Da war der Studiojob nur eingeschoben. „Sorry, Leute.“ Profileben halt.

Was tun?

(Möglicherweise erst nach dem Job…) Einstreuen, dass es auch etwas wie Soft Skills gibt und eine musikalische Performance auch von Gefühlen lebt. Sonst hätte der Profimucker ja auch Bänker werden können.

Der wissbegierige Recording-Laie

„Oooh! Das sind ja alles interessante Sachen, diese ganzen Geräte. Sagt mir alles nichts. Stimmt es eigentlich, dass das da gar kein Mischpult ist, sondern eigentlich nur eine Fernbedienung? Und wie ist das mit Plug-ins, klingen die wirklich schlechter? Ist es eigentlich wahr, dass man heute mit Programmen wirklich jedes Instrument spielen kann? Welches Mikrofon ist eigentlich das beste?“

Was tun?

Recording-Buch in die Hand geben und auf’s Sofa setzen. Oder die Seite „www.bonedo.de/Recording“ empfehlen. Oder einen Terminvorschlag machen. Du würdest ja schließlich auch Privatworkshops anbieten. Sind auch gar nicht sooo teuer.  

Der besserwissende Recording-Kollege

„Ach nee, weißte… meinen 1176 Rev. F habe ich schon vor ein paar Jahren verkauft. Weißt Du, da fliegen ja mittlerweile alle drauf, das ist heute echt Mainstream, aber der Mohog-Clone, der mit der Holzfront, weißt schon, der ist doch um einiges geiler. Gerade auf Snares! Den bekommt man aber nicht so einfach. Und wusstest Du, dass die alten Drawmer-Gates voll geil sind für Gated-Reverb-Snares? Das klingt so mega Achtziger! Ich habe da drei von, eines könnte ich dir verticken!“
Äh, ja, danke. Lass mich mal bitte arbeiten…

Was tun?

Im kurzen Gespräch fallen lassen, dass es vor allem professionell ist, zügig und kreativ mit dem zu arbeiten, was da ist. Und dann direkt genau das tun.

Welche Typen gibt`s noch?

Lasst es uns wissen!

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(Foto: Shutterstock / Iurii Stepanov)

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von Nick Mavridis

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