Mit dem Positive Grid Reactor 50 präsentiert der Amp- und Effektspezialist aus dem kalifornischen San Diego einen kompakten 1×12″-Modeling-Combo mit einigen interessanten und neuartigen Features. Neben 50 Watt Leistung, 24 Amp-Modellen und 27 Effekten bietet der Verstärker eine KI-gestützte Sounderstellung, die komplette Signalketten anhand von Texten, Bildern oder Audioaufnahmen generieren soll. Hinzu kommen eine dreistufige Leistungsreduzierung, 8 interne Presets, ein frei platzierbarer Effektweg, Bluetooth und ein integriertes USB-Audiointerface.

- vielseitige Amp- und Effektsounds
- flexibel, praxisnah und druckvoll
- hohe Konnektivität
- drei Leistungsstufen
- KI-Sounderstellung aus Text, Bild und Audio
- geringes Gewicht
- KI stellenweise ungenau
- kein Federhall, eingeschränkte Ambient-Effekte
Wie sind Gehäuse und Bedienfeld des Positive Grid Reactor 50 aufgebaut?
Der Positive Grid Reactor 50 steckt in einem robusten, offenen Holzgehäuse, das den eigens abgestimmten 12″-Lautsprecher beherbergt. Mit Abmessungen von 460 × 240 × 420 mm fällt der Combo vergleichsweise kompakt aus und auch das Gewicht von lediglich 10,3 kg zeigt sich extrem transportfreundlich. Das Bedienfeld befindet sich auf der Oberseite und ermöglicht den Zugriff auf alle wichtigen Funktionen, ohne dass dafür zwingend ein Mobilgerät benötigt wird. Neben dem Netzschalter und dem Volume-Regler stehen Taster zur Auswahl der beiden Preset-Bänke sowie ein Amp-Selector mit sechs grundlegenden Verstärkerkategorien bereit. Die eigentliche Verstärkersektion kommt mit Gain, Bass, Middle, Treble und Master im klassischen Gewand. Zusätzlich bietet der Reactor 50 die beiden Funktionen Push/Smooth und Heat, auf die ich im Praxisteil eingehe.
Wie viele Effekte und Presets bietet der Positive Grid Reactor 50?
Auf dem Bedienfeld präsentieren sich sechs beleuchtete Taster für Gate, Modulation, Compressor, Delay, Drive und Reverb. Über einen gemeinsamen FX-Level-Regler wird jeweils ein Parameter des gewählten Effekts verändert, während sich über einen Tap-Taster das Delay-Tempo oder die Modulationsrate bestimmen lässt. In der Summe enthält unser Kandidat 27 Effekte aus den Kategorien Noise Gate, Compressor, Distortion, Wah, Modulation, EQ, Delay und Reverb. Bis zu acht Effektblöcke können gleichzeitig genutzt und innerhalb der App frei angeordnet werden. Hinzu kommen ein Amp-Modell und ein FX-Loop-Block, die sich ebenfalls in der App verschieben lassen.
Der Reactor 50 bietet acht editierbare Hardware-Presets, die sich auf zwei Bänke verteilen. Zusätzlich können in der App zahlreiche Sounds abgespeichert werden, von denen man 8 auf den Amp übertragen kann. Darüber hinaus warten in der App tiefere Editierfunktionen und Zugriff auf alle 24 Amp-Modelle. Insgesamt ist die App sehr intuitiv aufgebaut und lief während meines Reviews auch sehr stabil. Lediglich die KI-generierte Hintergrundgrafik wirkt auf Dauer etwas kitschig und überladen, was allerdings Geschmackssache ist. Ein chromatisches Stimmgerät ist natürlich ebenfalls an Bord.
Positive Grid Reactor 50: Anschlüsse und Schnittstellen
Sämtliche Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite. Hier stehen ein USB-C-Port, ein frequenzkorrigierter Line-Out, ein Kopfhörerausgang, der Anschluss für den optionalen Reactor-Control-Fußschalter sowie Send und Return für den seriellen Einschleifweg bereit.
Über den Power-Amp-Input können die interne Vorstufe und die Modeling-Sektion umgangen werden, sodass sich der Combo auch als Endstufe mit Lautsprecher für einen externen Preamp nutzen lässt. Die Ausgangsleistung von 50 Watt kann zudem auf 25 Watt oder 1 Watt reduziert werden. Über USB-C fungiert der Reactor 50 als 24-Bit/48-kHz-Audiointerface mit einem Eingang und zwei Ausgangskanälen. Bluetooth 5.0 ermöglicht das Streamen von Songs und Backing-Tracks, während via WLAN unter anderem Firmware-Updates vorgenommen werden können.
Positive Grid Reactor 50: Amp Intelligence mit Text, Bild und Audio
Die größte Besonderheit des Reactor 50 ist die sogenannte Amp Intelligence, die laut Positive Grid auf einer Analyse unzähliger Gitarrensounds und Amp-Designs fußt. Im Creator Hub der Reactor-App lassen sich daraus nun Amp- und Effekt-Setups per Text, Bild oder Audio erzeugen. Bei Text to Tone beschreibt der User den gewünschten Klang als Texteingabe und kann das Ergebnis anschließend anpassen. Audio to Tone analysiert eine Aufnahme und bastelt daraus ein Preset. Bei Image to Tone dient ein Foto – das kann ein Amp, aber auch ein abstraktes Motiv sein – als klangliche Vorlage.
Neben den 24 Werks-Amps lassen sich auch eigene virtuelle Verstärker erstellen und bearbeiten. Die Ergebnisse können dann gespeichert und über die ToneCloud geteilt werden. Tone Memory berücksichtigt zudem frühere Eingaben und Anpassungen, um künftige Ergebnisse auf die persönlichen Vorstellungen abzustimmen. Das kann sowohl Fluch wie Segen sein: Gerade Anfänger verweilen dadurch unter Umständen länger in einer „Ästhetikblase“, die nicht auf professioneller und erfahrener Soundgestaltung basiert.























