In den gut fünfzig Jahren, in denen ich mich mit der Entwicklung von Schlagzeugen beschäftige, habe ich über alle möglichen Hersteller und Modelle gelesen oder auch selbst berichtet. Natürlich gibt es Dutzende Artikel zur Ludwig Supra Phonic Snaredrum oder auch zu K-Zildjian-Becken. Aber es sind auch die Kleinigkeiten, die mich heute interessieren: In welchem Jahr kam das erste Spannböckchen auf den Markt, oder ab wann gab es eigentlich Standtoms? Eine solche Frage ist auch: Wie kam es eigentlich zu dem Tomhalter, wie wir ihn heute kennen?

- Wie sind die ersten Tomhalter entstanden? Von der Lasche zur Konsole
- Die Rail Consolette und der Beginn moderner Tomhalter
- Traditional Grip vs. Matched Grip – und was das mit der Tomhalterung zu tun hat
- Die Geburt des Tomhalters mit Kugelgelenk: Rogers Swiv-O-Matic
- Meazzi, Slingerland und der Durchbruch der Kugeltechnik
- Experimente der 1970er: Funktion vor Klang
- Ludwig, Sonor und das Wettrüsten der Hardware
- Japanische Innovationen: Pearl, Tama und Yamaha
- Isolationssysteme: Der Weg zum besseren Klang
- Ohne Loch in der Bassdrum: Neue Wege der Montage
- Vintage-Comebacks und moderne Lösungen
Wie sind die ersten Tomhalter entstanden? Von der Lasche zur Konsole
Moderne Toms entwickelten sich aus den alten chinesischen Tom-Toms, die an den ersten kombinierten Schlagzeugsets ab den 1920er-Jahren verwendet wurden. Sie wurden mit einer Lasche in ein abgewinkeltes Metallband eingehängt und mit einer Klemme am Spannreifen der Bassdrum angeschraubt. Wollte man die Position verändern, musste man das Metallband verbiegen, kürzen oder verlängern. Solche Link-Hoop-Klemmenhalter wurden weiterentwickelt, sodass sie mit Gelenken in mehrere Positionen geneigt oder gekippt werden konnten. Wem das damals zu instabil oder kompliziert war, stellte das Tom einfach auf einen Snareständer neben die Bassdrum.

Mit der Zeit wurden die Halterungen größer, stabiler und komplexer. In dieser frühen Zeit wurde auch eine sogenannte „Console“ verwendet, ein zu einem Halbkreis gebogenes Rohr, das auf Rollen über die Bassdrum geschoben wurde und an dem Toms, aber auch anderes Zubehör befestigt waren – der Urgroßvater des Drumracks.

Die Rail Consolette und der Beginn moderner Tomhalter
Im Jahr 1951 entwickelte Bill Mather, ein New Yorker Slingerland-Händler, ein fest am Kessel montiertes Verbindungsstück, das der Hardware-Spezialist Walberg & Auge für Slingerland unter dem Namen „Ray-McKinley-Halterung“ – benannt nach dem 1910 geborenen Drummer mit dem Spitznamen „Eight Beat Mack“ – fertigte. Basierend auf der Idee der früheren Console, nutzte die McKinley-Halterung nur eine kleine Schiene für ein einzelnes Tom.

Walberg & Auge begannen daraufhin mit der Produktion einer eigenen Version dieser Konstruktion und nannten sie „Rail Consolette“. Als universelles Zubehör war diese Hardware für alle großen Schlagzeughersteller erhältlich, die im Laufe der Jahre jeweils ihre eigenen Namen und Katalognummern verwendeten. Die Schiene passte mit heruntergeklapptem Verbindungsstück auch gut in Transportkoffer.
Die wirklich echte Neuerung führte erst die Firma Ludwig zu Anfang der 1960er-Jahre ein: mit ihrem „Tom Tilter“, bei dem die Metalllasche durch eine L-förmige Stange ersetzt wurde, die in einer am Tom montierten Aufnahme (Rosette) nach vorne und hinten geschwenkt werden konnte. Dieses L-Arm-System kommt bis heute bei fast allen Herstellern für Tomhalterungen, Standtom-Beine, klappbare Bassdrum-Füße und am Kessel montierte Beckenhalter zum Einsatz.

In Europa entwickelte sich jedoch die Tomhalterung nach dem 2. Weltkrieg in eine andere Richtung. Praktisch alle Hersteller setzten hier auf zwei in den Kessel eindringende Rohre, die durch ein Zahngelenk verbunden waren. Ein simples System, das auf einfache Weise viele Positionierungen zuließ.
Alle diese Systeme boten jedoch immer noch Einschränkungen, und spätestens ab dem Zeitpunkt, als ab den 1960er-Jahren zwei und mehr Toms zum Einsatz kamen, stießen sie an ihre Grenzen. Denn mit den herkömmlichen Systemen waren große Abstände, unterschiedliche Höhen und unvorteilhafte Winkel an der Tagesordnung und sorgten für nicht ergonomisch günstige Positionierungen der Toms.
Traditional Grip vs. Matched Grip – und was das mit der Tomhalterung zu tun hat
Diese Zeit brachte auch einen radikalen Wandel der Stockhaltung. Instinktiv wird jeder Anfänger, der zum ersten Mal ein paar Stöcke in der Hand hält, sie automatisch im Matched Grip halten. Der Traditional Grip stammte noch aus der Zeit der Militärmusik, bei der die Trommeln mit Riemen am Körper befestigt waren. Natürlich bleibt bei dieser Befestigungsmethode die Trommel nicht in waagrechter Position, sondern kippt zwangsläufig in eine Richtung. Daher war eine Anpassung der Stockhaltung die natürliche Folge.

Wer heute anfängt, Schlagzeug zu spielen, hält die Stöcke mit hoher Wahrscheinlichkeit in beiden Händen identisch. Einige ältere Schlagzeuger und vor allem Jazz-Spieler verwenden jedoch immer noch die traditionelle Stockhaltung. Wir vergleichen die Vor- und Nachteile.
Als jedoch die ersten kombinierten Schlagzeuge auf den Markt kamen, wäre es eigentlich logisch gewesen, die Snare waagrecht auf einen Ständer zu montieren. Dies tat man jedoch nicht, denn jeder spielte im Traditional Grip. Bis zu dem Zeitpunkt, als die Schlagzeuge größer und größer wurden und man schlichtweg im Traditional Grip manche Trommeln und Becken nicht mehr erreichen konnte. Ab da setzte sich der Matched Grip durch.
Die erste Idee, eine schwenkbare Kugel zu verwenden, kam 1955 vom deutschen Hersteller Trixon – allerdings bei einem Beckenhalter. Das System war jedoch nicht stabil genug, um ein Tom zu tragen.
Die Geburt des Tomhalters mit Kugelgelenk: Rogers Swiv-O-Matic
Erst fünf Jahre später, 1960, brachte Rogers den von Joe Thompson entworfenen Swiv-O-Matic-Tomhalter auf den Markt – den Vorläufer unserer heutigen Kugel-Tomhalter. Er bestand aus zwei Sechskantstangen und einem dazwischenliegenden Kugelgelenk, bei dem kleine Schlüsselbolzen die Kugel fixierten. Der Swiv-O-Matic war nach heutigen Maßstäben alles andere als perfekt, aber für die damalige Zeit innovativ. Ringo Starr, John Bonham und Ginger Baker nutzten ihn an ihren Ludwig-Kits, Keith Moon an mehreren Premier-Sets in den späten 1960er-Jahren. Auch Camco und Pearl griffen das Prinzip auf.

Meazzi, Slingerland und der Durchbruch der Kugeltechnik
Das erste wirklich gut funktionierende Kugelsystem kam 1967 vom italienischen Hersteller Meazzi mit den Marken Hollywood und Wooding. Es erlaubte durch eine große Kugel und ein komprimierbares Gehäuse nahezu jede Positionierung. Slingerland folgte ein Jahr später mit dem sehr ähnlichen Set-O-Matic-Tomhalter. Mit der Einführung von Single-Post-Konstruktionen mit Halteplatte entstand das Prinzip, das wir heute noch kennen. Anfangs führten jedoch falsch platzierte Rosetten zu ungünstigen Spielpositionen – ein Problem, das sich bis in die 1980er-Jahre hielt.

Experimente der 1970er: Funktion vor Klang
Der amerikanische Hersteller Fibes präsentierte 1972 mit dem UniBall-Tomhalter eine neue Variante des Kugelgelenks. Auch Gretsch folgte mit dem „Monster“-Tomhalter. In dieser Phase richteten die Konstrukteure ihr Augenmerk vor allem auf Funktionalität – Klang und Ästhetik blieben oft auf der Strecke. Typisch dafür war der Hayman Shell Mount Double Tomholder, der trotz innovativer Schienenlösung wegen seiner Unhandlichkeit schnell den Spitznamen „Knucklebone Breaker“ erhielt.
Ludwig, Sonor und das Wettrüsten der Hardware
Ludwig setzte lange nicht auf Kugeltechnik, sondern auf Kippmechanismen und L-Arm-Systeme. Sonor wiederum gewann in den 1970er-Jahren das Wettrüsten um Stabilität und Gewicht – mit massiven, aber klanglich problematischen Konstruktionen. Nur das Ludwig Modular-System konnte an Monstrosität mithalten, wenn auch nicht an Ästhetik.

Japanische Innovationen: Pearl, Tama und Yamaha
Einst bekannt als Kopierer westlicher Hersteller, entwickelten sich japanische Marken in den 1970er- und 80er-Jahren zu führenden Innovatoren. Pearl, Tama und Yamaha hörten auf die Wünsche professioneller Drummer und setzten neue Maßstäbe in der Hardware-Entwicklung. Tama kombinierte Ende der 1970er-Jahre L-Arme mit Kugelköpfen zum Omni-Sphere-Tomhalter – Grundlage vieler heutiger Systeme. Yamaha perfektionierte 1978 mit dem TH90W das Kugelprinzip nach dem Vorbild von Meazzi und Slingerland.

Isolationssysteme: Der Weg zum besseren Klang
Ein weiterer Meilenstein war 1979 das von Gary L. Gauger erfundene R.I.M.S.-System (Resonance Isolation Mounting System). Es entkoppelte das Tom vollständig vom Kessel und ermöglichte freieres Schwingen. Trotz anfänglicher Skepsis setzte sich das System in den 1990er-Jahren weitgehend durch. Bald folgten firmeneigene Lösungen: Pearls I.S.S., Tamas Starcast, DWs S.T.M. und Yamahas Y.E.S.S., das bis heute als besonders unauffällig und effektiv gilt.
Ohne Loch in der Bassdrum: Neue Wege der Montage
Auch die Durchbohrung der Bassdrum für Tomhalter geriet zunehmend in die Kritik. Sonor präsentierte 1993 bei der Designer-Serie eine massive Schiene, die ohne Kesseldurchbruch auskam. Ayotte und DW setzten auf Schlitten-Systeme, andere Hersteller auf isolierte Halteplatten.
Doch viele dieser Lösungen erwiesen sich als zu schwer, zu teuer oder zu kompliziert. Am Ende kehrten viele Hersteller zur klassischen Bassdrum-Rosette zurück oder verzichteten ganz auf die Montage am Kessel und setzten auf Stative oder Racks.
Vintage-Comebacks und moderne Lösungen
In den letzten Jahren erleben Vintage-Designs wie die Rail Consolette ein Comeback – etwa in Form des Ludwig Atlas Mount, der ohne zusätzliche Bohrungen auskommt. Einen Überblick über die vielen Möglichkeiten zur Befestigung von Toms zu behalten, ist heute schwer. Und wem das alles zu viel wird, stellt das Tom am Ende einfach auf einen Snareständer.
























