TC Helicon Play Acoustic Test

Bei sämtlichen Geräten mit der Bezeichnung TC Helicon stehen im Regelfall Tonhöhen-Korrekturen und das Generieren von Chorstimmen im Mittelpunkt, aber auch zusätzliche Tools und Effekte, mit denen die Stimme massiv aufgewertet werden kann. Geht es nach dem dänisch-kanadische Hersteller TC Helicon, trennen sich hier die Wege des Elektro- und des Akustikgitarristen. Mit dem Play Acoustic und dem Play Electric begrüßen wir zwei frisch gebackene Mitglieder der singenden Helicon-Familie. Unser aktueller bonedo-Testkandidat, der Play Acoustic, wurde jedenfalls für den Akustikgitarristen entwickelt, der auch stimmlich aktiv ist. Äußerlich unterscheidet er sich, abgesehen vom Namen, lediglich durch die Farbgebung in Anthrazit von seinem silbernen Bruder, dem Play Electric.

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Die Bedienelemente der beiden Pedale sind ansonsten “oberflächlich” betrachtet völlig identisch. Allerdings wurden unserem aktuellen Testkandidaten die beiden Anschlussbuchsen Guitar Out und Thru an der Rückseite im Gegensatz zum elektrischen Pendant nicht implantiert. Und unser Akustiker ist nicht dazu in der Lage, Zerrsounds zu generieren, hat dafür aber viele andere nützliche Tools an Bord, die dem singenden Akustikgitarristen das Leben auf der Bühne versüßen sollen.

Details

Die Oberfläche

Um es gleich vorwegzunehmen: Der flache Bodentreter aus Metall mit den Abmessungen 15,5 cm x 19,5 cm x 3,5 cm kann nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Heimstudio mit einer gehobenen Soundqualität punkten. Drei Fußschalter überfordern den gestandenen Bühnenmusiker nicht, wenn Entscheidungen schnell getroffen werden müssen. Mit dem ersten (Down) und zweiten (Up) steppt der Spieler sich durch die Presets. Eine gut beleuchtete LC-Anzeige zeigt im aktiven Modus Presetnamen und -nummer sowie einige weitere Informationen zum aktuell gewählten Setup. Insgesamt 110 Presets – eine Auswahl mit unterschiedlichen Chorsätzen und Effekten – machen bereits einen kompletten Eindruck und bieten deshalb optimale Voraussetzungen für eigene Kreationen. Die Settings werden natürlich im Vorfeld einer Performance eingestellt.

Fotostrecke: 4 Bilder Kompaktes, roadtaugliches Design

Mit einem Tritt auf den Hit-Schalter (ganz rechts) kann der Spieler frei konfigurierbare Effekte und Chorstimmen spontan zu jedem gewählten Soundprogramm hinzufügen. So kann man sein Publikum im Refrain mit einem urplötzlich einsetzenden bombastischen Chorsatz schocken. Im Talk Modus (bei längerem Drücken der Hit-Taste) werden alle Chorstimmen und Effekte abgeschaltet. Plaudertaschen haben nun freie Fahrt, denn das Publikum braucht keine mehrstimmige Ansprache mit Kathedralhall und Oktavstimme, sondern ein völlig trockenes Signal, um den Sprecher zu verstehen. Wenn eine Akustikgitarre angeschlossen ist, springt gleichzeitig der Tuner an und das Gitarrensignal wird stummgeschaltet. Stimmen und gleichzeitig aus dem Nähkästchen plaudern, dass ist die hohe Kunst des Entertainments.

Ein Gain-Regler an der linken Seite dient zur Mikrofonanpassung und eine kleine LED mit der Bezeichnung In an der linken Oberseite steckt den Pegelbereich ab. Einen separaten Regler für den Eingangspegel der Akustikgitarre findet man im Übrigen auch auf Seite 1 des Setup-Menüs, denn schließlich sollen die Lautstärkeverhältnisse zwischen Stimme und Gitarre ebenfalls passen. Auf der Bühne und zwischen zwei Stücken hat man kaum die Zeit, sich in das Menü einzuwählen. Ein direkter Zugriff mit separatem Poti auf der Oberfläche könnte das Leben erleichtern, vor allem, wenn eine Akustikgitarre ohne Preamp im Spiel ist.

Fotostrecke: 2 Bilder Links wartet ein Gain-Regler auf seinen Einsatz

Das Display wird an beiden Seiten von je drei blauen, beleuchteten und beschrifteten Softkeys flankiert, mit deren Hilfe man sich schnell in das passende Untermenü einwählen kann, um die Settings zu modifizieren. Mit dem gummierten Drehregler unter dem Display werden alle Einstellungen manuell vorgenommen. Die beiden kleinen Pfeiltaster dienen zum Umblättern der Seiten im jeweiligen Untermenü. Das Display gibt eine Rückmeldung, doch kann man die Ziffern jetzt nur noch aus der Nähe erkennen. Die Zahl der programmierbaren Parameter bleibt überschaubar, sodass sich der Musiker auf die wenigen wichtigen konzentrieren kann. Mit der Back-Taste gelangt man immer wieder sicher zurück ins Hauptmenü. Der Store-Taster speichert die geänderten Presets, wobei ausreichend Speicherplatz (von 177 bis 500) zur Verfügung steht.

6 beleuchtete Softkeys umrahmen das Display
6 beleuchtete Softkeys umrahmen das Display

Die Softkeys

Wir beginnen mit den wichtigsten Steuerfunktionen:

Die Taste VOCAL FX

Hinter der Taste VOCAL FX verbergen sich sieben Seiten, die für die Basiseinstellung der Stimme zuständig sind. Eine komplette Effektkette behandelt das Mikrofonsignal mit allem, was im Live-Betrieb potentiell gebraucht wird. Die programmierbaren Effekte sind Harmony, Double, Delay, Reverb, HardTune, Transducer sowie µMod. Alle Effekte können auch grundsätzlich in Bereitschaft versetzt und dann per Knopfdruck mit der Hit-Taste abgerufen werden.
Die Harmony-Seite verlangt gründliche Beschäftigung. In dieser Komfortzone sollte sich der Sänger einrichten und seine genialen Chorsätze programmieren. Seine eigene Stimme kann er zusätzlich mit ein oder zwei Harmoniestimmen ergänzen und die Intervallstruktur des Satzes bestimmen, während die Hauptstimme als Ober-, Unter- oder Mittelstimme ertönt. Gewählt wird aus 22 sinnvollen Presets. Sätze mit Terzen und/oder Sexten, aber auch Quinten und Quarten produzieren ein sehr schönes homogenes Soundbild. Bei Bedarf wird die Hauptstimme am Output an- bzw. abgeschaltet. Die Tonart für den Chorsatz wird manuell eingegeben und mit einem Modus (z.B. Kirchentonleiter) noch näher bezeichnet. Eine Referenztabelle in der Bedienungsanleitung stellt dar, wie sich die verschiedenen Skalen einer Kunststimme zur Tonleiter der Hauptstimme verhalten können. Andererseits kann der Sänger die Analyse des Eingangssignals auch dem Gerät überlassen, wenn der Auto-Key eingeschaltet wird. In diesem Fall identifiziert das Gerät selbständig und meist zuverlässig die verschiedenen Klänge einer Folge und bildet daraus die Skalen. Ist eine Gitarre angeschlossen, liefern die Klänge des Instruments in erster Linie die Informationen für die Tonart. Allerdings kann im Auto-Key-Modus die Kommunikation auch scheitern, vor allem wenn Power-Chords im Spiel sind. Mit solchen rudimentären Gebilden kann unser Kandidat an seine Grenzen stoßen, aber eben nur im Auto-Key-Modus. Allerdings sollte das beim Spiel mit der Akustikgitarre nicht unbedingt zum Problem werden. Wenn der Gitarreneingang nicht belegt wird, verwendet der Play Acoustic auch den Aux-Eingang (externer MP3 Player) oder die RoomSense-Mikrofone für die Generierung der Skalen. Die RoomSense-Mikrofone, die an beiden Seiten des Gerätes integriert sind, verarbeiten den Umgebungsschall z. B. eines einzelnen Instruments oder einer Band, lassen sich bei Bedarf aber auch abschalten.

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Mit dem Double-Effekt (auf Seite 2) wird eine weitere Stimme der Hauptstimme oder einer Kunststimme erzeugt. Diese ertönt dann nach Wahl unisono, eine Oktave höher oder tiefer, sodass ein “unechter” vier- bzw. fünfstimmiger Satz entstehen kann. Diverse Ping-Pong- oder Multitap-Effekte, insgesamt 18 Optionen, findet man auf der Delay-Seite. Beim Hall kann die Stimme mit einem Raum veredelt werden. Davon stehen 29 modifizierbare zur Auswahl, vom Kathedralhall bis zum Snappy Room.

Wer nicht ganz so stimmsicher ist, aktiviert den Auto-Tuner zur Tonhöhenkorrektur. Für diesen sogenannten Hard-Tune-Effekt wurde eigens eine Seite eingerichtet. Auch Töne, die sich relativ weit entfernt von der korrekten Lage ergeben, können damit noch gerettet werden. Mit dem Parameter “Pitch Cor Amt” werden Geschwindigkeit und “Aggressivität” festgelegt, mit denen dieser Effekt bei der Tonhöhenkorrektur zupacken darf. Außerdem lässt sich damit der sogenannten Cher-Effekt (Believe) generieren, indem man die Stimme plötzlich zur nächsten Stufe kippen lässt. Mit dem Parameter “Gender” wird die Stimme einer virtuellen Hormonbehandlung unterzogen, sodass sie männlicher oder weiblicher klingt. Diese Form der Geschlechtsumwandlung ist nicht gesundheitsschädlich und jederzeit wieder umkehrbar.
Auf der Transducer-Seite findet man 13 Effekte, die den Klang der Stimme durch das Hinzufügen verschiedener Filter (Cell Phone, Radio Megaphone u.v.m.) verändern. Der μMod-Effektblock auf der letzten Seite umfasst gängige 24 Effekte wie Flanger, Phaser, Panning, Auto Wah oder Chorus, die das bearbeitete Signal in irgendeiner Weise modulieren lassen.

Die Taste GUITAR FX

Mit einem Druck auf die Taste GUITAR FX tauchen wir in ein Menü mit vier Seiten ein, das für die Basiseinstellung der Akustikgitarre zuständig ist. Die Gitarreneffekte des Play Acoustic sind global und werden nur einmal eingestellt, d.h., der Gitarrensound bleibt bei allen Vocal-Presets gleich. Dieses Konzept macht nur dann Sinn, wenn der Musiker bei seiner Performance lediglich eine Akustikgitarre benutzt, denn deren Klangkörper sollte sich ja nicht laufend auf wundersame Weise verändern. Andererseits müssen bei einem Wechsel der Akustikgitarre auch die EQ-Einstellungen der gegebenen Situation entsprechen. Hier müsste TC etwas nacharbeiten, damit das Programmieren auf der Bühne entfällt. Auf der Reverb-Seite stehen 36 Räume aus dem zur Verfügung, die den Klang der Akustikgitarre verschönern, für den Modulationsbereich hat man die Effekte des Corona Chorus implantiert. Den BodyRez-Effektblock gibt es in dieser Form nur im Play Acoustic. Er umfasst die Module Equalizer (Entzerrung), Komprimierung und Ambience. Gemeinsam sollen sie dafür sorgen, dass der vom Pickup der Gitarre eingefangene Klang Räumlichkeit gewinnt.
Der Spieler kann acht Presets (EQ-Einstellungen) für die Akustikgitarre einlesen und modifizieren. Allerdings hätte auch ein vollparametrischer Equalizer an dieser Stelle gereicht: Frequenzen auswählen, anheben oder absenken, Frequenzbreite auswählen und abspeichern! Für jede Akustikgitarre, die unter dem Bett liegt, könnte man so eine separate Kurve erstellen und damit ein Preset, dass man wieder laden kann.

Mix-Menü

Das Mix-Menü ist die Schaltzentrale für sämtliche Lautstärkeverhältnisse und Stereobilder. Ein Vergleich mit einem richtigen Mixer bietet sich an. Auf zwei Seiten werden sämtliche Pegelstände bzw. Lautstärkeverhältnisse für die Harmonie- und Doppelstimmen, das Gitarren- und Hauptstimmensignal, die beiden RoomSense-Mikrofone, die Effektblöcke, den Kopfhörerausgang sowie das eingehenden USB-Signal festgesetzt. Die Summe wird schließlich auf der zweiten Seite am Ausgang eingestellt.
In Live-Situationen wird die Akustikgitarre durch Schallquellen wie Bühnenmonitore oder PA-Lautsprecher einer größeren Rückkopplungsgefahr ausgesetzt. Mit dem integrierten Anti-Feedback-Modul kann dieses Risiko vermindert werden.

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Setup-Menü

Im Setup-Menü werden die Basiseinstellungen (Input, Output, System, Looper, USB) des Gerätes eingestellt. Wir wollen an dieser Stelle nur eine Auswahl der wichtigsten Funktionen vorstellen. Auf der Input-Seite wird der Mikrofontyp ausgewählt. Es stehen vier verschiedene Settings zur Wahl, die den Mikrofoneingang an unterschiedliche Mikrofontypen anpasst. Mit dem Parameter “Mic Type” wird der Mikrofontyp (Kondensator- oder dynamische Mikrofone) ausgewählt. Gleichzeitig kann der XLR-Eingang an der Rückseite auf “Condenser” (Phantompower on) geschaltet werden. Auch “MP-75” oder “e835-fx” Mikrofone dürfen bei Bedarf ihr Können unter Beweis stellen. Diese verfügen über eine integrierte Taste, mit der verschiedene Funktionen des Play Acoustic wie Hit oder Looper gesteuert werden. Natürlich sind diese Mikrofone nicht im Lieferumfang enthalten.
Im Output-Setup wird festgelegt, welches Signal (mono oder stereo) über die XLR-Buchsen ausgegeben werden soll. Außerdem gibt es hier die Möglichkeit, die Hauptstimme aus dem Audiosignal des Aux-Einganges zu entfernen. Mit dem Parameter “RoomSense” wird die Arbeitsweise der beiden im Gerät integrierten RoomSense-Mikrofone festgelegt, und last, but not least gibt es auch einen Schalter für Gate und Pitch Correction. Ein besonderes Schmankerl hat der Play Acoustic mit dem Looper zu bieten, der auch auf der Setup-Seite aktiviert werden kann. Drückt man die Fußschalter (Up & Down) gleichzeitig, wird die Loop-Funktion aktiv. Nun erhalten auch die drei Taster Up & Down und Hit neue Funktionen: Der linke Schalter wird jetzt in der Funktion als Rec/Play/Overdub benötigt, der mittlere als Stop- und Clear-Button.

Die Tasten GENRE und FAVOURITE

Wer einen bestimmten Sound sucht, sollte die blaue Genre-Taste betätigen. Diese filtert sämtliche Presets nach Stilkategorien oder Effekttypen. Weil dann nur noch eine entsprechende Auswahl im Genre-Menü angezeigt wird, kann ein zeitraubender Soundcheck unterbleiben, denn alle weiteren unerwünschten Presets werden nun in der Auswahl ausgeblendet. Auch die Reihenfolge der Presets kann nach Belieben verändert werden – besonders live eine sinnvolle Einrichtung, damit man nicht auf der Bühne vor jedem Stück das richtige Programm suchen muss. Die Lieblinge werden mit der Taste Favorite selektiert und für die Performance in Reihe geschaltet.

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Rückseitige Anschlüsse

Mit einem Kopfhörer und einem Mikro kann man auch ohne größere Verstärkeranlage in die Welt des Play Acoustic eintauchen und die ersten Programmierungen vornehmen. Leider kann die Lautstärke des an der Miniklinkenbuchse eingesteckten Kopfhörers nur eingestellt werden, wenn man sich in das Mix-Menü einwählt, ein externes Poti an der Oberfläche könnte den direkten Zugriff erleichtern. Das Mikrofon (dynamisches Mikrofon, Kondensatormikrofon, MP-75 oder e835-fx) wird an die XLR-Buchse Mic In angeschlossen, die Akustikgitarre an die Klinkenbuchse Guitar In. Über die beiden (Stereo) XLR-Ausgangsbuchsen wird der Play Acoustic mit Anlage oder Interface verbunden. Ist ein Brummen zu hören, sollte sich das Problem mit dem GND-Lift-Taster beseitigen lassen. Eine externe Signalquelle (z.B. CD-Player) wird mit einem 3,5 mm-Klinkenkabel an die Aux-Buchse angeschlossen, wo bei Bedarf auch der heiß geliebte SONY-Walkman aus dem Jahr 1981 noch seine Dienste anbieten könnte. Mit einem Klinkenkabel finden auch externe Fußschalter wie der Controller Switch-3 (separat erhältlich) über die Buchse mit der Bezeichnung “Pedal” Anschluss. Mit dieser Schaltleiste lässt sich komfortabel auch der integrierte Looper bedienen und weitere Effekte zu- bzw. abschalten. Das beiliegende USB-Kabel verbindet den Play Acoustic mit dem Computer, sodass ihm von dort oder von der Workstation bereits aufgenommene Stimmen zur weiteren Bearbeitung weitergereicht werden können. Mit der zum Download auf der Website bereitstehenden Software VoiceSupport lassen sich die Presets per PC verwalten. Auf die Suche nach einem On/Off Switch braucht man sich nicht zu begeben, es gibt schlichtweg keinen. Das Play Acoustic meldet sich automatisch, wenn das mitgelieferte 12V-Netzteil mit der Netzbuchse verbunden wird. Im Vergleich zum Play Electric verzichtet die akustische Variante auf die beiden Anschlüsse für Guitar Out und Thru.

Fotostrecke: 3 Bilder Die Rückseite des Pedals beherbergt alle Anschlüsse
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