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Yamaha Genos Test

Praxis

Nach mehreren Wochen im täglichen Einsatz kann ich feststellen: Der Genos fährt mit ca. 20 Sekunden Boot-Zeit recht schnell hoch, arbeitet zuverlässig und ohne Abstürze. Als Band-Keyboarder habe ich mit dem Instrument auf der Bühne sehr schnell zielorientiert passende Klänge gefunden und als Registrierungen abgespeichert. Die Sounds genügen dabei höchsten Ansprüchen. Richtig abgedrehte Synthesizer-Sounds findet man allerdings im Genos weniger, eher konventionelle Klänge in sehr hoher Qualität. Die Super Articulation Voices bilden dabei die typische Spielweise bestimmter Instrumente sehr authentisch ab.
Bei Gigs ohne Bassisten konnte ich für den Left Part einen Bass-Sound nach meinem Geschmack auswählen, um den Bass mit der linken Hand zu spielen. Im Line-Out-Menü konnte ich den Bass dann zur Freude des Tontechnikers auf einen der separaten Ausgänge legen. Macht man im Menü der Freeze-Funktion einen Haken bei „Style“, so bleibt bei aktivierter Freeze-Taste auch die Voice des Left Parts erhalten, selbst wenn man die Register wechselt um die Sounds der rechten Hand zu verändern. Damit bleibt der Bass-Sound während des Gigs derselbe, es sei denn man wechselt ihn aktiv. Der druckvolle Bass konnte dabei auch den Tonmann überzeugen. Ich habe bei einem anderen Auftritt auch das Metronom auf einen separaten Ausgang gelegt und unserem Drummer geschickt. Dann konnte ich ein komplettes Playback-Sample synchron zu diesem Klick von einem Multi-Pad einstarten.
Solche Techniken werden heute oft von Bands eingesetzt. Die eigentliche Anwendung des Genos als Arranger-Keyboard mit Styles und Songs ist ebenfalls sehr praxistauglich. Dadurch, dass man die Bedienung auf die eigenen Bedürfnisse anpassen kann, geht alles leicht von der Hand. Es macht einfach Spaß, die Beats und Sounds mit den Live-Control-Reglern während der Performance zu verbiegen. Durch die geballte Power der Sound-Engine reagiert der Arranger auf alle Steuerbefehle sehr direkt und ohne Verzögerungen oder unerwünschte Effekte.

Externes Keyboard: Workaround

Es wird bestimmt viele Genos-User geben, die nie mit Midi-Files spielen, sondern in einer Band oder mit Styles. Oft wünscht man sich dann für das Live-Spiel eine zweite Tastatur unterhalb des Genos, z. B. ein 88-Tasten-Keyboard, das man Midi-mäßig oder über USB mit dem Genos verbindet und über das man hauptsächlich Piano-Sounds aus dem Genos spielen will. 
Dann hat man nur einen Klangerzeuger auf der Bühne, weniger Verkabelung und trotzdem zwei Tastaturen. Schließt man dieses zusätzliche Keyboard über einen der beiden Midi-Ports an den Genos an und steuert damit beispielsweise den ersten Song-Part an, so ist man fast am Ziel. Denn jetzt kann man sich kleine Midi-Dateien basteln, die keine Noten enthalten, sondern nur die Informationen für die Klänge des Songs.
Legt man sich auf Song-Part 1 das CFX Concert Grand und auf Part 2 einen String-Sound darunter, so könnte man die Lautstärken dieser beiden Klänge sowohl mit den Live Control Reglern am Genos als auch vom unteren Keyboard auf den Midi-Kanälen 1 und 2 steuern. Unterstützt das externe Midi-Keyboard auch den Split-Modus, so wäre auch eine Aufteilung Bass/Piano denkbar. Dann hätte man den Manual-Bass immer sofort griffbereit für die linke Hand. Will man einen anderen Klang für das untere Keyboard, muss man einen anderen vorher entsprechend programmierten Midi-Song anwählen und der Sound schaltet sich um. Man kann alle Midis in eine Songlist packen und hat mit einem Knopfdruck auf SONG sofort die Auswahl für die Sounds des externen Keyboards im Display.
Vorteil: Die Einstellungen der Genos-Live-Parts Lower und Upper bleiben davon völlig unbeeinflusst. Es bietet sich sogar die Möglichkeit, die Sounds, die das externe Keyboard ansteuert im Line-Out-Menü auf separate Audio-Ausgänge zu routen, z. B. auch den „Manualbass“ auf denselben Ausgang wie den Style-Bass. Das Ganze ist zwar etwas zweckentfremdet, und es steht sicher nicht in der Bedienungsanleitung, aber es funktioniert tadellos. Man kann auch den gewählten Midi-Song mit einer Registration verknüpfen, sodass beim Aufrufen einer Gesamteinstellung auch immer direkt der passende Sound für das untere Keyboard geladen wird. Entscheidend für ein gutes Klangergebnis ist, dass die volle DSP-Effekt-Power des Genos auch für die Song-Parts zur Verfügung steht. Auf die Effektsektion gehe ich später noch genauer ein. Audio-Files kann man dann übrigens auch bei diesem Workaround immer noch mit dem zweiten Songplayer abspielen.

Sonstiges

Leider hat Yamaha dem Genos im Gegensatz zum Montage kein USB-Audio spendiert. Auch hätte ich mir die gewünscht, dass der Genos Class Compliance für iOS-Geräte anbietet, wodurch man Midi und Audio mit dem iPad oder iPhone hätte austauschen können. Selbst die sehr günstigen MX-Synthesizer von Yamaha besitzen diese Möglichkeit. Hier sieht man deutlich, dass man mit dem Genos eine andere Zielgruppe ansprechen will, als mit der Synthesizer-Linie. Der typische Genos-Käufer wird keine Sounds aus dem Laptop oder iPad nutzen und den Genos auch nicht digital mit einer DAW im Computer vernetzen wollen. Dafür kann man mit dem Recorder im Genos sehr schnell ohne zusätzliche Hardware komplette Songs aufnehmen.

Yamaha Genos - das Logo. (Foto: Bonedo)
Yamaha Genos – das Logo. (Foto: Bonedo)
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Profilbild von Darius

Darius sagt:

#1 - 30.03.2018 um 16:10 Uhr

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Danke Andreas für diesen sehr guten Artikel. Ich gehöre zu den potentiellen Käufer von einem solchen keyboard, habe trotzdem den Schritt noch nicht gewagt. Genos hat eindeutig viele Vorteile, du hast sie gelistet (z.B.: Sounds, Arrangements, Drums, Touchscreen...). Leider war ich von der arroganten Werbung von Yamaha beim Produktlaunch enttäuscht. "Willkommen in der neuen Welt digitaler Workstations": kann man aber wirklich den Genos als Workstation bezeichnen? Die Philosophie des Geräts ist sehr nah an dem Tyros 5 geblieben. OK, es besitzt einen internen Sequencer, einen internen Mixer, interne DSP-Effekte… aber
* warum so viele MIDI Anschlüsse, und keine Audio Interface? Der Tyros 1 von 2002 hatte schon 4xMIDI Anschlüsse und 1 MIDI-über-USB. Es wäre so praktisch, einen Laptop/IPad mit 1 USB Kabel direkt an dem Genos für MIDI und AUDIO gleichzeitig anschließen zu können. Der kleine MX49 kann das!
* warum einen Digital-Audio Ausgang als SPDIF (Stereo) in 44,1 kHz? Bei der aktuellen Generation von digitalen Mischpult von Yamaha (TF-1) gibt es keinen SPDIF Anschluss mehr, sondern einen USB-TO-HOST, der alle Audiokanäle über 48 kHz sendet und empfängt.
* warum einen so schönen Kontrollbereich mit 9 Sliders, 6 Knöpfen und einem OLED-Display, die aber nur interne Parameter steuert? Keine Kontrolle über MIDI, um z.B. ein VST-Instrument auf einem Laptop/Ipad zu steuern? Und warum springen die Werte? Beim Montage wurde alles richtig gemacht, hier leider nicht.
* warum keine Integration mit den gängigen DAWs (Cubase, ProTools, Ableton Live, usw.)?
Ich habe natürlich hohe Erwartungen. Für 4600€ (Einführungspreis 2017) sollte man auch. Inzwischen ist der Preis niedriger geworden (ca. 3830€ dank der Preiskampf mit Korg). Vielleicht werde ich doch den Schritt wagen. Ich hätte trotzdem gerne noch die Möglichkeit, Arpeggios selbst zu programmieren. Und vor allem die Möglichkeit den WLAN manuell abzuschalten: ein Gerät, das in meinem Musikzimmer permanent strahlt ist für mich ein no-go.
Darius

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Paul sagt:

#2 - 06.10.2018 um 09:02 Uhr

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Ich als gelernter Pianist und nur live spieler kann ich leider den Genos solche leute nicht empfehlen.

Profilbild von Michael Brehmer

Michael Brehmer sagt:

#3 - 24.10.2019 um 06:55 Uhr

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Ich lese gerne eure Tests, nun auch den des GENOS.Als Tyros 4 Spieler habe ich dem Vesuch widerstanden die Nachfolgemodelle zu kaufen und bereue es nicht. Im Wesentlichen hat sich nämlich nicht viel gwändert.
Beim GENOS ist ein Touchscreen und separate Slider sowie einige Soundverbesserungen neu. Aber den grossen Wurf mit IT Anbindung und innovativen Sounds hat es nicht gegeben.So kann ich auch diesmal keinen Sinn an einem Gerätewechsel erkennen.
Als Livespieler schätze ich nach wie vor die Tasteneinstellungen anstatt Menüs.
und der Sound hängt im Wesentlichen von den Styles und deren Programmierung ab. Der grosse Wurf ist somit beim GENOS m.E. nicht gelungen.

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