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Twisted Electrons Acid8 MkII Test

Praxis

Press Run

Mit der Taste Run wird der Acid8 gestartet. Über Shift und Run steppen wir uns durch die verschiedenen Abspielmodi, als da wären: „Vorwärts“, „vorwärts und rückwärts alternierend“ und „Random“, hier springt der Acid8 zufällig zwischen den einzelnen Steps hin und her und erzeugt auf Basis der eingespielten Scale wilde und dennoch harmonische Zufallssequenzen. Wird der Run-Modus während der Wiedergabe gewechselt, kommt der Acid8 schon mal aus dem Tritt, da muss dann kurz neu gestartet werden. Eine Sequenz bietet allein schon durch die verschiedenen Run-Modi viele interessante Variationen.

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Run-Modi des Acid8

Patternstruktur

Die Patternstruktur des Acid8 besteht aus sechzehn Patterns in acht Bänken, das sind schön viele Speicherplätze. Die Bänke werden mit den weißen Klaviaturtastern angewählt, die Pattern mit dem Encoder. Die 128 Patterns können auch per MIDI Program Change angewählt werden. Die fünf schwarzen (bzw. grauen) Klaviaturtaster dienen als Slots für fünf Lieblingspatterns.

Kopieren und verknüpfen on the fly

Patterns können bei laufendem Sequencer mit gedrückter Shift-Taste und den Copy- und Paste-Tastern kopiert werden. Außerdem lassen sich die 128 Patterns zu fünf „Chains“ verknüpfen, die jeweils bis zu acht Patterns beinhalten können. Diesen Modus erreicht man mit einem Druck auf den „Chain“-Button. Zum Anwählen der fünf Chains wird der Chain-Button gedrückt gehalten und einer der fünf Klaviaturbuttons angewählt, die die fünf Chains repräsentieren. Innerhalb einer Chain können die einzelnen Patterns durch Drücken der weißen Klaviaturtaster „on the fly” neu arrangiert werden. Das Wechseln zwischen den Chain-und Pattern-Modi, das Anwählen von Chains und das Verknüpfen von Patterns zu Chains geht alles bei laufendem Sequencer, ohne dass der Acid8 aus dem Takt gerät. Toll!

Schritt für Schritt

Selbstredend ebenfalls bei laufendem Sequencer begeben wir uns per Druck auf den Encoder in den Step-Modus. Nun selektiert der Encoder den Step im Pattern, beginnend mit Step 1. Die Note wird natürlich mit der Behelfsklaviatur gesetzt, die Taster Down/C und Up/P fungieren nun als Oktavschalter. Einmal gesetzt, springt der Acid8 zum nächsten Step. Natürlich kann man mit dem Encoder auch wieder zurücksteppen, um die Note zu korrigieren oder vorwärts scrollen, um Steps zu überspringen. Weniger ist ja bekanntlich oft mehr. Prinzipiell funktioniert der Stepwrite-Modus identisch zu dem der Roland AIRA TB-3. Im Gegensatz zur TB-3 lässt sich das automatische Vorspringen auf den nächsten Step aber per Shift und Druck auf den Encoder auch deaktivieren – sehr praktisch beim Suchen und Finden der perfekten Note. Patterns können natürlich auch gelöscht werden, es lassen sich Zufallspatterns erzeugen und Patterns auf weniger als 16 Steps verkürzen – und das alles im laufenden Betrieb.
Im Step-Modus kann das komplette Pattern per Shift und Up/C oder Down/P um eine ganze Oktave transponiert werden. Allerdings besteht hier die Gefahr, dass die programmierten Noten den minimalen oder maximalen Notenumfang des Acid8 unter- oder überschreiten. Dann werden die überlappenden Noten einfach auf C1 bzw. C4 verschoben und bleiben dort auch nach erneutem Transponieren. Dieser geringe Notenumfang ist ein erster kleiner Kritikpunkt bei einem Gerät, das sich ansonsten bislang keine Blöße gibt. Per MIDI-Note angespielt, stehen übrigens fünf Oktaven zur Verfügung, aber die Noten unter und über den vorgesehenen Hauptoktaven klingen ziemlich verstimmt, was laut Twisted Electrons auch der Grund für die Limitierung auf drei Oktaven ist.

Wellenreiten

Der Acid8 erzeugt seinen Sound im Gegensatz zum optischen Vorbild Roland TB-303 nicht mit einem analogen Oszillator, sondern mit einem digitalen 8-Bit-Modul. Die vier Grundschwingungsfomen Rechteck, Dreieck, Sägezahn und Sinus sind jeweils in vier lohnenswerten Variationen vorhanden, was insgesamt 16 verschiedene Schwingungsformen ergibt. Die jeweils angewählte Form wird übrigens mit dem Pattern gespeichert und dann bei erneuter Anwahl des Patterns wieder geladen. Diese recht nützliche Funktion kann aber auch deaktiviert werden, um mit dem gleichen Sound von Pattern zu Pattern wechseln zu können.
Die Rechteckschwingung klingt am lautesten und sattesten. Mit dem Pulsewidth-Effekt sind besonders fette Basslines möglich. Im Beispiel sind die Parameter Cutoff, Resonance, Envelope und Decay zu Anfang und zum Ende jedes Durchlaufs auf Mittelstellung, Accent auf 3 Uhr.

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Rechteck-Variationen: Prophet, Distorted, SID and Perfect Rectangle

Videospiel-Ästhetik gefällig? Die Dreieckschwingungsformen NES (wie Nintendo Entertainment System) und SID (wie der berühmte Commodore C64 Chip) sorgen in Zusammenarbeit mit dem Arp Effekt für Super-Mario-Feeling. Wieder sind Cutoff, Resonance, Envelope und Decay zu Anfang und zum Ende jedes Durchlaufs in der Mittelstellung, der Accent auf 3 Uhr.

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Dreieck-Variationen: NES, Prophet, SID and 3-BIT Triangle

Bei den Sägezahn-Schwingungsformen klingt die 3-BIT Saw Variation am überzeugendsten und setzt sich auch im dicksten Soundgetümmel sehr gut durch.

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Sägezahn: Prophet, TB-303, SID and 3-BIT Saw

Die pure Sinusschwingung klingt erstmal sehr leise und unspektakulär, aber die Envelope-to-Pitch-Funktion entlockt ihr sehr markante und perkussive Töne.

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Sinus: Pure, Overtone Sine, Acoustic Guitar und Piano

FX

Die Sounds können natürlich in Echtzeit mit den auch von der TB-303 bekannten Klangparametern moduliert werden. Zusätzlich gibt es den Effekt-Regler, der die Intensität der fünf integrierten DSP-Effekte reguliert. Dabei handelt es sich nicht um „gewöhnliche” Effekte wie Delay und Reverb: Die FX des Acid8 hören auf die schönen Namen Scrub, Accent Oscillator, Crush, PW (Pulse Width) und Arp. Sie sind über die grauen Klaviaturtaster anwählbar. Die Effekte lassen sich im Step-Modus mit Shift und dem jeweiligen FX-Schalter aktivieren, bei Bedarf auch alle fünf gleichzeitig. Im Pattern-Modus geht das noch intuitiver: Bei Druck auf den jeweiligen FX-Schalter bleibt der „One-Touch-Effect“ solange aktiv, wie er gedrückt wird und lässt sich in der Intensität mit dem FX-Regler regeln. Somit lassen sich die Effekte während einer Performance spontan einsetzen.
Am ungewöhnlichsten ist sicher „Scrub“: Hier stottert der Acid8 auf einer einzelnen Note des Patterns in Sechzehnteln herum und eben diese Note kann über den FX-Regler angewählt werden. Sehr effektiv, um Spannung in einer ansonsten dynamischen und melodiösen Sequenz zu erzeugen und im Patternmodus quasi der melodische Gegenpol zum Snare-Roll. Aber Obacht: Ist per FX-Regler eine Pause selektiert, hört man auch nichts.

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Scrub Effekt

Beim Crush-Effekt hat der FX-Regler gleich zwei Funktionen. In der Mittelstellung ist der Effekt inaktiv. Beim Drehen im Uhrzeigersinn wird die Samplerate reduziert, gegen den Uhrzeigersinn die Bitrate, was besonders bei den Dreieck- und Sinusschwingungen schöne, disharmonische Effekte erzeugt.

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Crush Effekt

PW kontrolliert die Pulsbreite der Schwingungsform.

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PW Effekt

Der Arp-Effekt schließlich erzeugt mit seinen schnellen Arpeggios sofort ein 80s-Feeling. Die Super Mario Bros. lassen schön grüßen.

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Arp Effekt

Ebenfalls sehr effektiv sind im Pattern-Modus die Funktionen Realtime-Rest, Accent und Slide. Wie auch bei den Effekten werden die jeweiligen Funktionen ausgeführt, solange die Buttons gedrückt bleiben. Rest ist also quasi ein Mute-Button, der Druck auf Slide erinnert an eine LFO-Modulation.

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Slide Realtime Effekt

Swing

Der Acid8 stellt acht Swing-Faktoren zur Verfügung. Stufenlos wäre natürlich noch vielseitiger, dafür bietet das Gerät damit eine gewisse Reproduzierbarkeit. Die Swing-Intensität nimmt laut Entwickler Alex Smith bei jedem Schritt um ca. 10% zu.

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Swing

Bit Flipping

Wem der schräge Charme des 8-Bit-Chips noch nicht trashig genug ist, der kann die acht einzelnen Bits invertieren. Jedes Bit von 0 – 7 kann separat „umgedreht“ werden.

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Bit Flip

Alle diese effektvollen Zugriffsmöglichkeiten zeigen schon, dass die Patterns im Acid8 lediglich Rohmaterial darstellen, das mit den verschiedenen Run-Modi, den Realtime-Effekten und dem Scrub-Effekt sehr unkompliziert in Echtzeit manipuliert werden kann. Allein diese innovativen und intuitiven Sequencing-Funktionen auf kleinstem Raum garantieren stundenlanges Vergnügen bei Live-Jams. Da der Acid8 auch MIDI-Noten ausgibt, kann auch ein anderer MIDI-Synthesizer eurer Wahl mit seinem Sequencer gesteuert werden und von den innovativen Funktionen profitieren.

Die kleine Blackbox ist vollgepackt mit klugen Features und diese müssen durch die Möglichkeit von Firmware-Updates auch noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Eine Hürde für weitere Funktionen könnte natürlich die begrenzte Anzahl der vorhandenen Bedienelemente sein, die fast allesamt bereits doppelt belegt sind. Aber trotz der vielen Doppelbelegungen findet man sich schnell auf dem Gerät zurecht. Trotzdem ist Aufmerksamkeit geboten, denn die meisten klangverändernden Funktionen sind nur im Step-Modus verfügbar. Da hat man dann aber bei nicht gedrückter Shift-Taste gleich mal die Noten der Sequenz verändert. Ideal wäre es, wenn alle klangverändernden Parameter auch im Pattern-Modus zur Verfügung stünden.

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techno toni sagt:

#1 - 09.11.2016 um 14:39 Uhr

Empfehlungen Icon 0

die 333,- sind so nicht richtig es kommen noch 68,-VAT und 14,- Versand hinzu wenn mann es direkt bestellt somit ist mann bei 415,- was trotzdem ein fairer preis für eine tolle maschiene ist

Kommentare vorhanden
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