Anzeige

Syrincs D110SP, D112SP und D115SP Test

Praxis

Auspacken, aufbauen – und anstatt „loslegen“ versuche ich es erstmal mit „zerlegen“. Ein kleiner Blick unter die Haube sollte gestattet sein. Das Lautsprechergitter ist schnell entfernt und gibt den Blick auf die Kunststoffschallwand frei. Für den Blick ins Innere habe ich mir die Syrincs D112SP als Anschauungsobjekt herangezogen. Der 12-Zoll-Treiber wird von vier Dreieck-Reflex-Ports umgeben, während der Hochtontreiber an ein in die Schallwand integriertes Hochtonhorn ankoppelt. In den technischen Daten wird die vertikale Abstrahlung mit 60 Grad angegeben, horizontal dürfte diese 90 Grad betragen. Eine gebräuchliche Kombination für 2-Wege-Aktivboxen.

Unter der Lupe

Als nächstes entferne ich die 12-Zoll-Pappe, die sich als einfacher Ferrit-Treiber mit Presskorb entpuppt. An den Hochtöner gelangt man nur durch die komplette Demontage des Aktivmoduls. Daher fotografiere ich kurzerhand „um die Ecke“. Zumindest optisch hinterlässt der Hochtöner einen soliden Eindruck. Großzügig dimensioniert und mit einem stattlichen Magneten versehen, ist er weit von einer Sparvariante entfernt.

Bei der Operation am offenen Herzen lässt sich zudem das Innere des Aktivmoduls betrachten. Da es nicht in einem separaten Gehäuse sitzt, lässt sich alles gut erkennen. Die Verarbeitung ist tadellos. Alle Kabelverbindungen sitzen fest und sind fachgerecht isoliert. Größe Bauteile sind zusätzlich mit Kleber fixiert, sodass Erschütterungen beim Transport oder Betrieb keinen Einfluss auf die Betriebssicherheit haben sollten. Die Syrincs-Box hinterlässt technisch einen guten Eindruck bei mir, besonders für diese Preisklasse. Ich bin gespannt, was mich klanglich erwartet.

Integrierte Montagepunkte
Fotostrecke: 5 Bilder Integrierte Montagepunkte
Fotostrecke

Das Testszenario

Wie immer füttere ich die Boxen mit Zuspielermusik, Virtual-Soundcheck-Signalen und meiner eigenen Stimme über ein direkt angeschlossenes Mikrofon. Dass in den Boxen ein „echter“ DSP arbeitet, erkennt man daran, dass die Boxen tatsächlich nach dem Einschalten einige Sekunden brauchen, um hochzufahren. Erfreulich ist, dass die Boxen erstaunlich wenig Grundrauschen an den Tag legen. Klanglich sind die drei Boxen sehr ähnlich, weshalb man davon ausgehen kann, dass in allen drei Modellen der gleiche Hochtönertyp zum Einsatz kommt. Unterschiede gibt es im Bassbereich, bedingt durch unterschiedliche Treiber- und Gehäusegrößen.

Qual der Wahl – welche Box wofür?

Die Syrincs D110SP ist wirklich kompakt, klingt aber im Bassbereich auch „kleiner“ als der Boxenberg mit der Bezeichnung Syrincs D115SP. Letztere Box verfügt tatsächlich über annähernd Fullrange-Kapazität und dürfte bei kleineren Partys ohne zusätzliche Subwoofer genügend „Durchzug“ erzeugen. Das typische „Mittenloch“, das entsteht, wenn man einen 15-Zoll-Treiber hoch an einen 1-Zoll-Hochtöner ankoppeln muss, kann sie nicht ganz verdecken. 15/1-Zoll-Tops wie die Syrincs D115SP sind beliebte Optionen für kleinere DJ-Jobs, bei denen ein zu vordergründiger Mittenbereich oftmals gar nicht erwünscht ist, besonders bei zu hohen Lautstärken.

Für eine Stimmenwiedergabe oder Band-Beschallung wäre die Syrincs D112SP meine Wahl. Diese verfügt über einen guten Kompromiss aus Basstauglichkeit und plakativen Mitten. Mit aktiviertem „live“-Voicing klingt mein direkt angeschlossenes Mikrofon (AKG D5) wie aus einem Guss. Rund, warm und dennoch direkt – der Griff zum EQ kann ausbleiben. Für mich ist die Syrincs D112SP die beste Allroundbox in diesem Trio. 

Die kleine Syrincs D110SP klingt schlanker als die 12-Zoll-Schwester, aber ebenfalls gut. Warm, transparent und nicht aufsässig wie ein Teenager ohne W-LAN-Zugang. Die Grundabstimmung dieser Boxen ist gelungen. Die Syrincs D110SP und D112SP entpuppen sich mit aktiviertem „monitor“-Voicing zudem als ordentliche Bühnenmonitore, die erst bei höheren Lautstärken Koppeltendenzen entwickeln. 

Der verbaute 12-Zoll-Treiber der Syrincs D112SP
Fotostrecke: 4 Bilder Hinter dem Lautsprechergitter
Fotostrecke

Wertegemeinschaft

Stichwort „Lautstärke“. Gerade im unteren Preissegment schrecken viele Hersteller nicht davor zurück, mit teilweise sehr „mutigen“ Werten in Bezug auf den maximalen Schalldruck in ihren Datenblättern aufzuwarten. Da kaum ein Hersteller seine Messmethoden offenlegt oder zumindest einen Standard definiert, wie die Messergebnisse zu Stande gekommen sind, sind viele diese Angaben Makulatur. Es sieht aber auf dem Papier schlichtweg imposanter aus, wenn eine einfache 12/1-Zoll-Box mit einem maximalen Schalldruck (SPL max.) oberhalb von 130 dB angegeben wird. Mit der Praxis hat das allerdings nicht viel zu tun. 

Daher bin ich positiv überrascht, dass Syrincs nachvollziehbare Werte angibt. Die D112SP soll einen SPL max von 125 dB verfügen. Das könnte tatsächlich eine Leistung sein, die diese Box bei Pegelspitzen in bestimmten Frequenzbereichen erzielen kann. Damit möchte ich nicht sagen, dass die Boxen leise sind. Im Gegenteil. Die Syrincs-Boxen sind mindestens genauso laut wie ähnliche Konstrukte mit vergleichbaren Endstufenleistungen und Treibern.

Mehrwert Monster

Zurück zur Praxis. Ein schöner Mehrwert sind die praxisnahen Voicings und die 2-Band-Klangregelung, falls man etwas EQ-Unterstützung benötigt. Beispielsweise um Zuspielermusik etwas mehr „Bumms“ im Bassbereich zukommen zulassen. Zuspieler lassen sich bequem kabellos via der integrierten Bluetooth-Schnittstelle einbinden. Das Koppeln mit meinem iPhone 12 klappt auf Anhieb und dank Bluetooth Version 5.0 ist auch die Reichweite deutlich größer als bei dem alten Bluetooth-4.0-Standard. Zudem verfügen die Syrincs-Boxen über TWS (True Wireless Stereo), und so lassen sich zwei Boxen per Knopfdruck zu einem Stereosystem koppeln. Erstaunlich, was Syrincs dem Anwender an Features und Mehrwerten mitgibt. 

Kommentieren
Kommentare vorhanden
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.