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Shure MOTIV MVi Test

Praxis

Anschluss & Touchpanel

Shure hat für das MVi keine eigenen Treiber entwickelt. Stattdessen arbeitet das Audio-Interface benutzerfreundlich mit den generischen Treibern verschiedener Betriebssysteme zusammen. Wird das MVi mit einem PC, Mac, Tablet oder Smartphone verbunden, installiert dessen Betriebssystem automatisch den erforderlichen Audiotreiber nach. Das war’s auch schon. Wie bereits beim Test des Shure MOTIV MV51 so habe ich auch beim Shure MVi zusätzlich den Betrieb mit älteren Betriebssystemen getestet. Resultat: Sogar wenn Ihr nicht über die vom MVi unterstützten Betriebssysteme Windows 7 und Windows 8 verfügt, solltet Ihr das Mini-Audio-Interface nutzen können. Denn im Test verstand es sich auch wunderbar mit einem älteren Vista-Rechner. Doch es gibt noch eine weitere Parallele zum Test des MV51. Denn leider fallen die mitgelieferten Adapterkabel mit nur 1 m Länge allesamt ziemlich kurz aus. Verbinde ich das MVi mit einem Laptop, Tablet oder dergleichen, das sich auf einem Tisch befindet, mag das noch OK sein. Der Anschluss an einen Desktop-Rechner (der für gewöhnlich auf dem Fußboden steht) gestaltet sich mit einem 1 m-Kabel dagegen schon deutlich schwieriger. Hier könnte Shure nachbessern.
Das Highlight des Shure MVi stellt für mich ohne Frage sein Touchpanel dar. Zum Einpegeln des Signals kann ich mit dem Finger über das Touchfeld streichen, das sich im unteren Bereich des Panels befindet. Streiche ich von links nach rechts, so erhöht sich die Verstärkung. Streiche ich von rechts nach links wird sie geringer. Eine achtstellige LED-Kette gibt visuelle Auskunft über den Stand des jeweiligen Verstärkungsgrads. Das Touchfeld hat eine Doppelfunktion. Es dient auch zur Lautstärkeregelung des Kopfhörerausgangs. Dazu muss ich nur das Touchfeld mit dem Kopfhörer-Symbol antippen. Schon wechselt die Funktion, die auch von einer kleinen LED im oberen Bereich des Kopfhörersymbol-Touchfelds angezeigt wird. Zusätzlich wechselt die LED-Farbe der Pegelanzeige von Grün auf Orange. Was hier so kompliziert klingt, ist in der Praxis ist absolut übersichtlich und intuitiv.
Auch das Touchfeld mit dem Mikrofonsymbol sorgt für eine Doppelfunktion. Zum einen lässt sich hier der Eingang stumm schalten. Das ist praktisch, wenn beispielsweise der Stecker eingesteckt oder abgezogen wird. Halte ich das Tastfeld längere zeit gedrückt, wird die Phantomspeisung am Mikrofoneingang aktiviert. Eine kleine LED im oberen Bereich des Mikrofonsymbol-Touchfelds zeigt dies zusätzlich an. Nicht zu vergessen ist natürlich das “Mode”-Touchfeld, das zentral in der Mitte prangt. Mit seiner Hilfe lässt sich aus den verschiedenen DSP-Modi wählen. Auch hier zeigt eine kleine LED die getroffene Auswahl neben dem entsprechenden Symbol an.
Leider aber muss das Pegel-Management von latenzfreiem Aufnahmesignal und Wiedergabesignal beim Abhören per Kopfhörer mittels Recording-Software austariert werden. Auch wenn mir das keinen Minuspunkt wert ist, so ist es doch zumindest schade. Das Gleiche gilt für den schwachen Pegel des Kopfhörerausgangs. Er dürfte für meinen Geschmack ein wenig höher ausfallen.
Positiv bemerkbar machen sich dagegen Gewicht und Anti-Rutsch-Pad. Aufgrund dieser Features verrutscht das MVi bei eingestecktem Instrumentenkabel kaum, wenn der Zug am Kabel sich ändert. Das ist für ein Audio-Interface, das so klein ist wie das MVi, keine Selbstverständlichkeit.

Fotostrecke: 3 Bilder Die Vorderseite des MVi nimmt sein intuituives Touch-Panel ein.
Fotostrecke

Klang

Auch wenn es in anderen Fällen schwierig sein kann, die Klangqualität eines Audio-Interfaces zu beurteilen, macht mir das Shure MVi die Sache leicht. Denn mit seinen DSP-Modi bietet es klanglich deutlich unterschiedliche Ausgangspunkte. Durch diese DSP-Aufarbeitung des Signals ist das MVi für viele verschiedene Aufnahmesituationen gut gerüstet.
Damit ein Klangvergleich der verschiedenen Modi möglich wird, habe ich mich dazu entschlossen in allen fünf Fällen dasselbe Mikrofon und dieselbe Klangquelle heranzuziehen. In allen Audiobeispielen hört Ihr deshalb eine Sprechstimme, die vom Brauner Phantom aufgegriffen wird – einem Kondensatormikrofon mit Phantomspannung.
Los geht’s mit dem Modus “Flat”. In diesem Modus klingt die Mikrofonaufnahme unaufgeregt und – wer hätte das gedacht – ein wenig “flach”. Dieser Modus ist deshalb zweifellos auch hervorragend dafür geeignet, Line-Signale weitgehend unverfälscht in die Recording-Umgebung einzuspeisen. Im Vergleich dazu setzt das MVi beim Modus “Sprache” auf eine wesentliche Kompression des Signals. Auch sind die Mittenanteile hier hervorgehoben. Unterhalb von 100Hz greift zwar ein deutliches Bass-Roll-Off. Der Bereich um 125 Hz wirkt dennoch immer noch stark überbetont. Nicht selten werden Sprachaufnahmen mit naher Mikrofonierung umgesetzt. Deshalb würde es dem Modus “Sprache” gut tun, wenn das Low-Cut-Filter ein wenig weiter oben im Frequenzbereich einsetzen würde. Dadurch könnte der Nahbesprechungseffekt nochmals deutlicher gemindert werden. So aber lässt sich in diesem Modus immerhin ein Hervorheben stimm-typischer Frequenzanteile verzeichnen. Beim Modus “Gesang” liegt die Sache anders. Hier stören keine Bassanteile der Nahbesprechung das Signal. Vielmehr sorgt die DSP-Bearbeitung im Bereich der tiefen Frequenzen für eine wunderbar aufgeräumte (Klang-)Umgebung. Auch wird die Dynamik des Signals in diesem Modus nicht so stark eingeschränkt wie im Modus “Sprache”. Mit dem DSP-Modus “Akustisch” hat das MVi eine weitere Alternative am Start. Hier treten die unteren Mittenfrequenzen weniger stark hervor. Die Dynamik wirkt vergleichsweise “offen”. Transienten werden weniger stark begrenzt. Das gilt auch für die Signaldynamik im Modus “Laut”. Hier werden noch dazu auch krassere Dynamikspitzen wunderbar eingefangen. Die Eingangsverstärkung wird in diesem Modus automatisch entsprechend gering vorgegeben.
Und wo wir gerade beim Thema Gain sind: Was die Audiobeispiele in diesem Test nicht zeigen, sind die immensen Unterschiede, die die verschiedenen DSP-Modi in puncto Vorverstärkung bewirken. Denn die DSP-Abteilung des Shure MVi übernimmt die grobe Gain-Justierung, die der Anwender dann nur noch per Touchfeld oder App-Steuerung optimieren muss. Die Wave-Dateien der Audiobeispiele habe ich für Euch allerdings normalisiert. So sollen Euch die Audiodateien besser die Dynamikunterschiede der verschiedenen Modi aufzeigen können, ohne dass Ihr die Abhörlautstärke bei jedem Beispiel nachjustieren müsst.
Trotz der mitunter starken Kompression konnte ich kein “Aufrauschen” des Signals feststellen. Überhaupt macht das MVi in Sachen Grundrauschen einen sehr guten Eindruck.

Audio Samples
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Modus „Flat“ Modus „Sprache“ Modus „Gesang“ Modus „Akustisch“ Modus „Laut“
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