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Presonus StudioLive 32.4.2AI Test

Praxis

Das Pult hat ein eingebautes Netzteil, was natürlich praktisch ist. Wenn man das StudioLive 32.4.2AI in Betrieb nimmt, erzählt es einem laut und deutlich, ob es sich selbst im Studio- oder im Livebetrieb besser aufgehoben sieht. Es kann gar nicht sprechen? Doch, kann es, und zwar in der universellen Lauter-Lüfter-Sprache… Im Studiobetrieb haben Geräte, noch bevor sie ergonomisch sein oder gut klingen können, besonders eines zu tun: schön die Klappe halten! Bedenkt man, dass derartige Geräusche im Laufe der Zeit selten besser werden, ist das eine schmerzliche Kontraindikation für die Verwendung in einem kleinen Regieraum. Sicher, Komponenten müssen gekühlt werden und auch externe Netzteile haben ihre Nachteile, aber das hier ist kein besonders gelungener Kompromiss. Allerdings ist das Presonus-Pult mit dieser Problematik nicht alleine auf weiter Flur: Das Thema ist heute wichtiger denn je, denn alle Systeme werden immer leistungsfähiger…

Der laute Lüfter ist mir im Studiobetrieb ein Dorn im… ähm… Ohr
Der laute Lüfter ist mir im Studiobetrieb ein Dorn im… ähm… Ohr

Hat man sich aber einmal die Aufteilung der Pultoberfläche angesehen und verstanden, ist die Arbeit mit dem 32.4.2AI ein Kinderspiel. Es gibt keine nervigen Layer-Umschaltungen, der Fat Channel erklärt sich von selbst und ist eine große Hilfe, wenn es schnell gehen soll. Die Meterfunktion des Fat Channel ist ebenfalls hilfreich, wenn auch auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich. Für den Neuling am Pult ist es verwirrend, dass der von analogen Pulten bekannte Aufbau hier nicht nur durch den Fat Channel unterbrochen wird, auch die Auxe liegen irgendwie wahllos auf der Oberfläche herum. Nach der Eingewöhnungsphase ist das sogar praktisch, doch verlängern Umstände wie diese die angesprochene Phase ein bisschen. Schade ist übrigens, dass man nicht plakativ die Namen von Channels leuchtend vor der Nase hat. Das Leben ist einfacher, wenn man mit Kanal “Bass D.I.” arbeiten kann und einem dieser Begriff überall um die Ohren gehauen wird.

Besser als Kanalnummer wären allgegenwärtige Namen.
Besser als Kanalnummer wären allgegenwärtige Namen.

Technisch nachvollziehbar, aber recht unpraktisch ist auch, dass die Channelnummern auf der Oberfläche nicht mit den rückseitigen Anschlüssen korrelieren. Ein schnelles Umstecken “von oben” ist damit unmöglich. Die Navigation mit dem Display finde ich durch die Anordnung der Blättertasten und des mittigen Drehgebers etwas gewöhnungsbedürftig (aber gewöhnen kann man sich ja an allem, auch am Dativ). Genau richtig liegt Presonus mit der Wahl der Flexibilität des Routings. Dieses ist selten zu starr, als dass es Wünsche nicht erfüllen könnte noch derart komplex, dass man zu schnell den Überblick verlieren könnte. Die Input-Router-Matrix für die “D”-Signale beispielsweise bewegt sich diesbezüglich auf dem goldenen Mittelweg. Im Zweifel weiß die gute Dokumentation Rat, das ist keine Selbstverständlichkeit dieser Tage, denn ein technischer Redakteur kostet ein Unternehmen schließlich auch Geld. Über genaue Erklärungen, übersichtliche Diagramme und Blockschaltbilder hinaus gibt es sogar zahlreiche Tipps, darunter auch “EQ Settings Suggestions”, die immerhin nicht zu sehr wie “So macht man’s”-Kochrezepten wirken. Sagte ich Kochrezepte? Ja, die gibt es auch im Manual (Wirklich!), und zwar für eine “Chicken and Andouille Gumbo”. Dieser kreolische Eintopf wird allerdings mit Innereienwurst gekocht, daher widme ich mich doch lieber den Innereien des Pultes… 
Presonus sind keine dummen Leute, daher hat man dem StudioLive 32.4.2AI wirklich gute Mikrofonvorverstärker spendiert, die genauso sind, wie man es von einem modernen Digitalpult verlangt: Komplett, unaufdringlich, mit hoher Dynamik und fehlerfrei. Gleiches kann etwas eingeschränkter auch von den digitalen Effekten behauptet werden, die EQs dürften gerne ein wenig rigoroser zur Sache gehen, wenn man die Klangformung im Live-Einsatz als Maßstab nimmt. Doch für ein 48kHz-System klingt auch das Air-Band erstaunlich gut! Der Kompressor arbeitet recht rustikal, bringt aber für Studioanwendungen möglicherweise etwas zu schnell “hampelige” Bewegung in das Signal – insgesamt kann ich aber auch für diese Abteilungen reinen Gewissens gute Noten vergeben. Die Zumischeffekte wird man jedoch woanders als in der Live-Session nicht verwenden wollen: Zu löchrig, altbacken und leicht zu durchschauen klingen die Fahnen der Reverbs. Das ist schon eher Marke “Digital Vintage”, aber das ist ja auch schwer in Mode. 

Audio Samples
0:00
Mikrofon + EQ/DYN + Reverb

Die Anbindung an ein Netzwerk ist ebenfalls keine Schwierigkeit für jemanden, der so etwas generell schon einmal gemacht hat, es ist allerdings schade, dass im WiFi-Betrieb unbedingt ein Router nötig ist – mal eben eine Direktverbindung zu iPad oder iPhone aufbauen geht leider nicht. Nutzt man eine der Fernsteuerungsmöglichkeiten, vermisst man dann doch etwas, das das Pult aufgrund der eigentlich begrüßenswerten layerlosen Architektur nicht mit auf den Weg bekommen hat: Motorfader! Zwar funktioniert das Updating durch die optischen Rückmeldungen (“Fader Locate”) sehr gut, doch ist man da von anderen Systemen mehr Komfort gewohnt. Dennoch ist die Umsetzung insgesamt gelungen, so wird man von der Funktionsvielfalt nicht erschlagen, sondern kann per iPad oder iPhone die wesentlichen Sachen steuern – und behält stets den Überblick. Bei allen modernen Schnittstellen: MIDI ist in vielen Fällen eine sehr willkommene Möglichkeit, sei es für SysEx, Program Change/Bank Select, für Controller-Funktionen, Clocking oder Machine Control. 

Nicht motorisiert: 100mm-Fader des StudioLive
Nicht motorisiert: 100mm-Fader des StudioLive

Die beiliegende Software in vollem Umfang zu besprechen, das würde natürlich den Rahmen komplett sprengen, ich möchte daher beispielhaft etwas herausgreifen (und auch erneut auf den Test von Studio One verweisen): Wenn man das Pult per FireWire an den Rechner gestöpselt hat, öffnet man “Capture” (bezeichnender Name) und muss sich nicht durch irgendwelche Menüs fummeln, Myriaden Fragen beantworten, konfigurieren, benennen und einstellen. Man kann, wenn man will. Wenn man nicht will, drückt man einfach den Button “Instant Recording”, und eine halbe Sekunde später läuft die Aufnahme! So einfach ist das! Ich finde, jede Software sollte diese einfache “Ich will aufnehmen, und zwar sofort!”-/”Bitte mach, und zwar schnell!”-Funktion besitzen.

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Markus Galla sagt:

#1 - 28.02.2014 um 17:03 Uhr

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Vielen Dank für den Testbericht. Was mich an dem PreSonus-Pult sehr stört (ich bin Nutzer der ersten SL-Serie), ist, dass es kaum Änderungen gegeben hat. Natürlich: Never change a winning team. Aber es gibt eben auch den Ausspruch: Never change a running system. Ob PreSonus mit diesem Pult die Nutzer der älteren SL-Pulte zum Wechseln bewegen kann? Gut, man benötigt keinen Rechner für die Fernsteuerung per iPad mehr. Doch ist dieser nicht eh immer an jedem FoH-Platz am Start? Und für das Recording wird er auch benötigt. Also kaum ein Pluspunkt. Statt vier Effekt-Prozessoren zu integrieren, wäre eine feinere Parametrisierung schön gewesen oder ein Upgrade der Algorithmen, die, wie im Testbericht ja auch gesagt, sehr altbacken wirken. Selbst dann, wenn man diese Parameter nicht am Pult direkt zugänglich machen möchte, wäre dies doch für die VSL Software ein Kinderspiel gewesen. An die fehlenden Motor-Fader hat man sich bei PreSonus mittlerweile ja schon gewöhnt. Der laute Lüfter ist ein K.O.-Kriterium - nicht nur im Studio. Auch in einem beliebten Einsatzbereich der alten SL-Serie: in Kirchen! Wer möchte schon beim Gebet den Fön aus dem Off hören?Weiterhin fehlen Möglichkeiten, mit einem digitalen Multicore zu arbeiten. Das wird immer wichtiger. Natürlich verspricht PreSonus hier das Nachrüsten über Erweiterungskarten. Doch diese kosten Geld. Und auf welche Features muss man verzichten, wenn man diese installiert?Ein entfallenes Feature ist die Möglichkeit, zwei Pulte zu kaskadieren. Dies wurde von vielen Anwendern, insbesondere vom SL16.4.2, ausgiebig genutzt. So kommt man ebenfalls auf 32 Kanäle und kann diese sogar noch per FireWire mitschneiden.Insgesamt muss man sich angesichts der Konkurrenz, gerade durch Behringer, fragen, ob der Preis gerechtfertigt ist. Die Smaart Integration allein rechtfertigt diesen nicht (die gab es auch schon bei den alten Mixern - und ist nur sehr eingeschränkt im Vergleich zur Software!).Unterm Strich würde ich deshalb die Contra-Liste ergänzen um:- Effekte-Parametrisierung nur eingeschränkt
- Effekte sehr altbacken
- keine Motor-Fader
- zur Zeit keine Möglichkeit, ein digitales Multicore zu nutzen.
- kein Quantensprung im Vergleich zur alten SL-Serie
- Preis-Leistungsverhältnis

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