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Pearl Rhythm Traveler Gig Drumset Test

PRAXIS

Das Rhythm-Traveler-Kit ist nicht das erste Drumset, das für den leichten Transport konstruiert wurde. Wohl am bekanntesten ist das Hipgig von Yamaha, dessen Produktion allerdings zu Beginn des Jahres 2012 aufgrund zu geringer Absatzzahlen eingestellt wurde. Das aktuell einzige wirklich portable Set aus einer Großproduktion ist das Pearl Rhythm-Traveler und das zu fast einem Fünftel des Preises des Hipgig. Bei Thomann bekommt man das Drumset sogar schon für 289 Euro, was auch eine Nutzung als Blumenkübel rechtfertigen würde – aber das Traveler kann mehr, viel mehr! Zuerst eine kleine Kritik: Will man die Trommeln praktisch ineinander stapeln, muss man eines der beiden Bassdrumfelle abschrauben. Da bringt es einem auch wenig, dass es sich lediglich um sechs Schrauben handelt, denn dieser Handgriff nervt, wenngleich er schnell erledigt ist. Das Problem ist, dass das Fell jedes Mal neu gestimmt werden muss. Praktisch wäre gewesen, man hätte wieder den Azubi gebeten, die Bassdrum in der Mitte durchzusägen und mit Haltescharnieren zu versehen, ganz nach dem großen Vorbild Yamaha Hipgig. Vermutlich wäre dieser Vorgang aber zulasten einer Frequenzbereich gegangen, der bei der Rhythm-Traveler-Bassdrum sowieso unterrepräsentiert ist: dem Bass. Egal wie man die liegende Tom stimmt, alles was sich verändert sind Attack und Tonhöhe – denn mehr Saft als eine Standtom hat der 16 mal 14 Zoll große Eimer nicht. Auch das Sustain bleibt durchweg relativ schwach. Bei den Test-Aufnahmen unterstützt deshalb eine Subkick das MD421 an der Bassdrum, denn auf weniges verzichte ich so ungerne wie auf Subbass! Aber hochwertiges und spitzenmäßig verarbeitetes Holz würde auch zu einem deutlichen Lautstärkeplus führen, was dem Rhythm-Traveller, der von Pearl vor allem als Übe-Kit beworben wird, nicht unbedingt zugute käme. Alle fünf Trommeln bilden eine homogene Einheit, die sogar mit einiger Kraft gespielt noch ein spannendes Hörerlebnis entwickelt.

Und genau das ist wahrscheinlich die große Stärke der Mini-Schießbude: Sie macht einfach Spaß, ist klein, nicht zu laut und klingt fast wie ein echtes, erwachsenes Drumset. In Kombination mit dem entsetzlich niedrigen Preis ist das kompakte Kit der ideale Partner für Anfänger und solche Hobbydrummer, die nach der Arbeit gerne mal im Keller Dampf ablassen wollen. Die Hardware übersteht vermutlich sehr viele Wutausbrüche und Stick-Gewitter. Alles wirkt grundsolide, die Scharniere sind aus dickem Stahl und kleine Plastikball-Gelenke sorgen für absolute Beweglichkeit der Toms und der Snare. Die Standfestigkeit des fertig aufgebauten Sets ist hingegen nicht ganz so solide – wenn man die vier Bassdrumfüße nicht mit absoluter Sorgfalt montiert, droht dieses umzukippen. Hat man dann die Füße endlich richtig platziert, wünscht man sich ein paar Memory-Locks, von welchen aber weit und breit keine Spur ist – ein weiteres Risiko in Sachen stabiler Stand. Sehr stabil hingegen ist das Tuning der Toms ohne Resonanzfell. Zwar entwickeln diese so gut wie kein Sustain und klingen ein wenig nach den Roto-Drums der 80er-Jahre, haben aber dafür auch keine Chance, nervig zu flirren oder sich in schier endlosen Raschel-Arien mit der Snare zu verlieren.

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Toms Boing Tomgroove

Der eine oder andere Trommelneuling ist wahrscheinlich ob der fehlenden Tom-Rückseite dankbar, denn nichts ist komplizierter, als eine Tom mit Schlagfell und Resonanzfell zum Klingen zu bringen. Die vormontierten Protone-Felle von Pearl mit dem eingebauten Verstärkungsring machen das Stimmen dann so einfach, dass man die Felle nur irgendwie festschrauben muss und schon entfalten die Drums beinahe ihr komplettes Potenzial. Da stellt sich die Snare schon etwas komplizierter an, aber auch nicht wesentlich. Sie ist mit etwas mehr Sustain ausgestattet als die anderen Trommeln. Mit diesem Sustain lässt sich dann tatsächlich auch eine Menge anfangen. In folgenden Soundfiles ist einmal der leicht schneidende Oberton im hohen Tuning gut zu hören und dann wiederum klingt die Trommel wie eine ganz große mit viel Bauch im tiefen Tuning. Für eine zehn mal vier Zoll große Snare beweist sie Vielseitigkeit, ohne besonders laut zu knallen.

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Snare Second Line LooseLowSnSloppy
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