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Line 6 Helix Test

Mit dem neuen Helix Multi-Effektprozessor von Line 6 – lange angekündigt und von Line 6 Fans sehnsüchtig erwartet – zieht das aktuelle Flaggschiff mit neuem Amp Modeling in den Handel ein. Ende der 90er Jahre begann es mit dem POD, der damals Maßstäbe in Sachen Multi-Effekt und Amp-Simulation setzte, fortgesetzt vom POD HD, einem weiteren erstklassigen und erfolgreichen Gerät und gekrönt vom Helix, laut Hersteller der ganz große Wurf.

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Preislich bewegt sich der Helix mit knapp 1500 Euro sehr weit oben im Multieffekt-Angebot, liegt aber immer noch unter den Axe-FX Geräten oder dem Kemper Profiler. Ob die Qualität der neuen HX-Modeling-Sounds den Preis rechtfertigen und ob der Helix ein weiterer Mitstreiter für den professionellen Bühneneinsatz ohne Amp ist, werdet ihr im folgenden Test erfahren.

Details

Gehäuse/Optik

Der Helix kommt im Floorboard-Format mit den stattlichen Maßen 558 x 300 x 85 mm und einem satten Gesamtgewicht von 6,6 kg. Das Gehäuse, in unauffälligem Bühnenschwarz, ist aus Metall gefertigt und wirkt absolut robust. Dasselbe gilt für Schalter, Potis und Regler, die auf der Oberseite ihren Platz einnehmen. Auch das Expression-Pedal, das per Inbus in der Gängigkeit verstellbar ist, macht einen nahezu unverwüstlichen Eindruck. Die Oberfläche sieht insgesamt sehr aufgeräumt und übersichtlich aus, obwohl sie von 12 Fußschaltern bevölkert wird, zweireihig angeordnet und von farbigen LED-Kränzen umrahmt. Über jedem Schalter befindet sich ein farbiges Display, das dessen Funktion beschreibt. Resultat ist eine sehr gute Übersicht und versehentlich aktivierte Distortion-Effekte durch nicht beschriftete Schalter sind definitiv nicht mehr an der Tagesordnung.

Fotostrecke: 5 Bilder Der Helix kommt im stattlichen Floorboard-Format
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In der oberen Hälfte sind die Elemente zum Einstellen der Sounds positioniert, das Herzstück des Ganzen ist das große, farbige LC-Display. Unterhalb finden sich sechs Regler, mit denen die angezeigten Werte wie auf einem Verstärker-Paneel eingestellt werden können. Die Anwahl der jeweiligen Module erfolgt mit dem Joystick, der sich auf der rechten Seite des Displays befindet. Für die Gesamtlautstärke und den Kopfhörerpegel gibt es je einen großen Regler, sodass man auf die wichtigsten Funktionen direkten Zugriff hat.

Fotostrecke: 5 Bilder Das Expression-Pedal ist mit einer robusten und griffigen Oberfläche versehen
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Rückseite/Anschlüsse

Line 6 meint es natürlich ernst mit dem professionellen Einsatz, was sich unmittelbar beim Blick auf die Rückseite mit all ihren Anschlüssen erschließt, denn die ist vollgepackt und üppig ausgestattet. Ganz links finden wir die Buchsen für zwei weitere Expression-Pedale (EXP2, EXP3) und den Anschluss EXT AMP, über den man zwei Schaltfunktionen steuern kann – beispielsweise die Kanäle eines externen Amps und dessen Hall. Der CV-Anschluss wird mit dem Expression-Eingang eines externen Effektgerätes verbunden, sodass auch dessen Steuerung vom Helix übernommen wird. Dann folgen die Eingänge, drei an der Zahl: Guitar In, Aux In und Mic In. Die beiden letztgenannten lassen sich für Aufnahmezwecke belegen, denn der Helix ist in der Lage, über die USB-Schnittstelle mehrkanalige Signale an einen Rechner auszugeben. Mehr dazu später. Falls man doch noch das eine oder andere liebgewonnene Effektpedal benutzen möchte, stehen hier vier (!) Send/Returns zur Verfügung, die beliebig in der Signalkette positioniert werden können. Die Output-Sektion kommt mit zwei XLR- und zwei Klinkenbuchsen, dazu gesellt sich der Anschluss für den Kopfhörer (6,3 mm Klinke Stereo). Für Line 6 Variax-User gibt es einen direkten Eingang per Netzwerk-Kabel, über das der Helix mit der Variax-Gitarre kommuniziert. Dabei lassen sich verschiedene Funktionen der Variax-Gitarre (z.B. Digitalausgabe) übertragen und bestimmte Parameter des Helix von der Gitarre aus steuern. Der Helix kommuniziert bei Bedarf auch über MIDI, wofür MIDI In und Out zuständig sind. So kann das Pedal einen externen Sequenzer genau so steuern wie dieser umgekehrt die Programmwechselbefehle des Helix. Rechts finden sich schließlich die digitalen Anschlüsse mit S/PDIF Ein- und Ausgang und einem AES/EBU-Out mit XLR-Anschluss, der auch zur digitalen Übertragung an Line 6 StageSource-Systeme verwendet werden kann. USB-Buchse, Netzanschluss und Power-Schalter schließen die Bestückung der Rückseite ab.

Fotostrecke: 5 Bilder Auf der Rückseite des Helix ist einiges los
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Display/Bedienung

Das Display gibt übersichtlich Auskunft über den Stand der Dinge. Die Anzeige ist in vier Sektionen aufgeteilt. Ganz oben wird erst einmal der Speicherort und Name des Presets angezeigt, letzterer ist selbstverständlich frei wählbar. Die beiden nächsten Reihen stellen die Signalketten mit Symbolen dar. Der Helix verfügt über zwei Signalstränge, die es möglich machen, beispielsweise zwei Ampsimulationen gleichzeitig zu benutzen oder auch den Ausgang des ersten Signalstrangs in den Eingang des zweiten zu routen, wie man auf den Fotos sehen kann. Ist ein Effektmodul aktiv, leuchtet es in der entsprechenden Farbe und mit hellem Rand. Im unteren Drittel werden die Parameter des gerade angewählten Effektmoduls/Amps dargestellt. Diese können dann mit den sechs Reglern verändert werden. Die Regler verfügen auch über eine Schaltfunktion, die durch Drücken aktiviert wird. Sie erlaubt es zum Beispiel, den Delay-Wert schnell von Millisekunden auf Notenwerte umzuschalten. Hat ein Effektmodul/Amp mehr als sechs Parameter, lässt sich mit den Page-Tastern eine weitere Seite aufrufen.

Fotostrecke: 2 Bilder Display mit den sechs Reglern, die für die darüber stehenden Parameter zuständig sind
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Das funktioniert recht simpel und dafür muss man auch nicht lange im Handbuch lesen, das sich übrigens umweltfreundlich und mehrsprachig auf einem mitgelieferten USB-Stick befindet. Die Module werden über links/rechts-Bewegung des Joysticks angewählt, zusätzlich dazu hat man über die Amp-Taste links neben dem Display auch direkten Zugriff auf die Amp-Parameter. Auch das ist sehr sinnvoll und praxisnah gelöst. Noch besser wird es mit der neuen “Handfreien Bedienung”. Wer mal schnell auf der Bühne ein paar Settings verändern will, hat die Möglichkeit, das Ganze per Fuß zu tun, und sich dafür nicht länger auf den Boden knien zu müssen. Hierfür muss lediglich der MODE-Taster einen Moment lang gedrückt gehalten werden, anschließend lassen sich über die Schalter ein Effektmodul oder ein Amp anwählen. Die Parameter werden nun in den oberen sechs Displays angezeigt, per Schalter wird der zu verändernde Parameter angewählt und mit Schalter 4 (Value-) und Schalter 5 (Value+) in der unteren Reihe verändert. Schalter 2 und 3 übernehmen die Page-Funktion, falls weitere Parameter eingestellt werden können. Ein geniales Konzept, mit dem man sogar während des Spielens Settings im Detail ändern kann. Das Bedienkonzept ist wirklich sehr ausgereift und übersichtlich. Die Struktur des Ganzen ist sehr klar und die Effektmodule und Ampsimulationen lassen sich äußerst komfortabel und im Detail anpassen. Dabei hält sich der Parameter-Dschungel absolut im Rahmen.

Struktur – Amp Simulationen – Effekte

Der Helix hat zwei getrennte Signalwege, die beliebig mit Effekt/Amp-Modulen belegt werden können. Es stehen pro Signalweg acht Blöcke für Effekte/Ampsimulationen zur Verfügung. Jedem Signalweg wird ein Eingang zugewiesen, sodass auch zwei Gitarren am Helix angeschlossen und beide auf separate Ausgänge gelegt werden könnten. Nimmt man einen Eingang für beide Signalwege, ergibt sich der Luxus von zwei komplett getrennten Wegen. Leistungsmäßig ist der Helix gut gerüstet, denn er verfügt über eine Engine mit zwei leistungsstarken DSPs. Immerhin sind unter anderem neun unterschiedliche Effektmodule zu bewältigen, die frei im Signalweg verschaltbar sind und jedes für sich noch einmal mehrere Effektmodelle zur Auswahl hat. Insgesamt gibt es davon 79 Stück, was ist in dieser Menge noch recht überschaubar ist und auch weniger als bei manchen Vorgängermodellen. Aber wie man weiß, kommt es auf die Menge nur bedingt an, und mit den hier vorhandenen Effektmodellen ist man auf jeden Fall für alle Einsätze gerüstet. Bei den Amp-Simulationen geht es etwas üppiger zur Sache, 38 unterschiedliche Gitarrenamps und sieben Bass-Amp-Modelle sind an Bord, 30 Boxentypen stehen zur Verfügung und zur Abnahme hat man die klanglichen Charakteristiken von 16 Mikrofon simuliert. Beim Amp und Cab-Modeling wurde eine neue Stufe eingeläutet, laut Hersteller ist es nun noch detailgetreuer als das HD-Modeling des POD HD. Insbesondere bei den Impulsantworten (IR) der Lautsprecherboxen hat man sich große Mühe gegeben und sie in einem aufwendigen Verfahren hoch auflösend gemessen und in die Cab-Modelle integriert. Es ist auch möglich, externe IRs in den Helix zu laden, 128 Speicherplätze für Impulsantworten stehen zur Verfügung. Außerdem ist man jetzt etwas flexibler in der Wahl des Amps und Cabs. Es gibt einmal die Möglichkeit, Amp und Cab kombiniert für einen Block zu wählen, was bedeutet, dass man über die komplette Auswahl verfügt, aber nur einen Block belegt und so die DSP-Ressourcen schont. Legt man Amp und Cab auf getrennte Blöcke, dann besteht die Möglichkeit, die Dual Cab Funktion zu aktivieren und zwei simulierte Lautsprecherboxen an den Amp anzuschließen und die Signale beider zu mischen.

Hier ist noch einmal eine Übersicht, welche Module für die einzelnen Blöcke verfügbar sind:

ModulTypAnzahl Modelle
DistortionOverdrive/Distortion/Fuzz12
DynamicsCompressor/Limiter5
EQEqualizer4
ModulationModulations-Effekte (Chorus, Flanger, Phaser, Tremolo, etc)16
DelayEcho12
ReverbHall12
Pitch/SynthHarmonizer, Pitch-Shifter, Guitar Synth3
FilterFilter-Effekte2
WahPedal Wah, Touch Wah10
Amp+CabAmp & Cab Simulationen45 Amp, 30 Cab
AmpAmp Simulationen45
PreampNur Preamp Simulationen (zur Verwendung mit einem Gitarrenamp oder Endstufe mit Gitarrenbox)38 Git Amp, 7 Bass Amp, 1 Mic Preamp
CabCab Simulationen (Single und Dual)30
Impulse ResponsesLaden von IRs statt internem Cab128 Speicherplätze verfügbar
Volume/PanVolume-Pedal, Gain, Pan3
Send/ReturnExterner Effektloop wählbar zwischen nur Send, nur Return, Loop, Auch Stereo möglich (zwei Loops kombiniert)4 Loops
Fotostrecke: 8 Bilder Distortion- und Dynamics-Modelle
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Das Menü zum Anwählen der Effekte

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Das Amp-Menü mit den Amp-Parametern

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USB Audio

Der Helix kann über die USB-Schnittstelle acht Audio-Kanäle an einen Computer senden. Die Signale der Ausgänge 1 bis 6 lassen sich dabei frei routen. Das bedeutet, dass an verschiedenen Positionen im Signalweg das Signal abgreifbar ist, um zum Beispiel den puren Amp-Sound vor den Effekten aufzunehmen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt hinzuzumischen. Am Ausgang 7 wird das direkte Gitarrensignal vom Eingang abgegriffen, das sich für späteres Reamping nutzen lässt. Das Mikrofonsignal des MIC IN liegt an Ausgang 8 bereit. Wer Apple-Geräte (Mac, Macbook, iPad) besitzt, kann sich freuen, denn hier müssen keine weiteren Treiber installiert werden. Lediglich für die Verwendung mit dem iPad wird ein Apple Kamera-Adapter benötigt. Windows User müssen den Line 6 Helix Asio Treiber auf der Line 6 Website herunterladen und auf ihrem Rechner installieren.

Kommentieren
Profilbild von MichaHo

MichaHo sagt:

#1 - 06.03.2016 um 18:55 Uhr

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Guter Test Thomas. Kann ich alles so aus meiner Erfahung bestätigen.
Die Firmware ist inzwischen bei 1.6.5. Ein neuer Amp, der Matchless, kam dazu mit einem Update. Klingt sagenhaft gut!
Den Druck und die Durchsetzungskraft eines "echten" Röhrenamps hab ich Anfangs auch vermisst. Nimmt man IRs statt der Boxensimulation, ist diese Lücke schnell geschlossen. Die IRs fressen zwar DSP-Leistung, aber wer braucht schon endlos lange Effektketten, wenn er dafür richtig fetten Röhrenampsound bekommt. :)
Besonders bei bluesigen Nummern oder fetten Heavyriffs kommt der Sound mit IRs kraftvoller und natürlicher rüber.
.
Der Editor ist, so viel ich gelesen habe, in Arbeit und soll demnächst verfügbar sein.
Für mich war und ist der Helix auch so ein Hammerteil! Zu jeder Zeit realistischen, fühlbaren Ampsound, ohne taub zu werden, oder Nachbarn zu ärgern und dazu noch die Austtattung und die übersichtliche, leichte Bedienung. Gitarrensound in guter Qualität aufnehmen, ohne die Bandkollegen mit Gehörshutz versorgen zu müssen, da werden Träume wahr. ;)
Seit November spiele ich nur noch über den Helix. Meine Amps verstauben.;)

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2xR sagt:

#2 - 23.08.2017 um 00:34 Uhr

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Keine Ahnung, ob die Leute einfach nur noch taub sind, aber etliche der Sound -Beispiele klingen typisch digital. Egal ob IRs oder nicht. Nehmt nen Röhrenamp, dann wisst ihr, worauf es tatsächlich ankommt.

    Profilbild von Jens

    Jens sagt:

    #2.1 - 13.04.2018 um 12:21 Uhr

    Empfehlungen Icon 0

    Wenn wir einen Röhrenamp nehmen, wissen wir vielleicht, worauf es DIR ankommt. Aber Du könntest mal in Betracht ziehen, dass es Leute gibt, die auch mit dem Helix sehr zufrieden sind. Außerdem vergleichst Du Äpfel mit Birnen, wenn Du tatsächlich erwartest, dass das Helix wie der Sound, der direkt aus der an einen Röhrenamp angeschlossenen Box klingt.

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