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Euphonix MC Control und MC Mix Test

MC Control
In meinen Augen gehört die MC Control zu den interessantesten neuen Controllern, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind. Warum? Weil dieses Gerät nicht nur die standardmäßigen acht Fader, acht Endlosdrehregler und ein bisschen „Drumherum“ bietet, sondern mit Touchscreen und den sogenannten „Soft Keys“ ganz neue Bedienelemente bietet. Damit reicht das Einsatzgebiet weit über den typischen Mix-Controller hinaus, mit dem sich primär Mischpult-Elemente steuern lassen.

Das Gerät ist ein wenig breiter als die MC Mix, aber trotzdem erstaunlich kompakt. Im Vergleich zu anderen Controllern der gleichen Preisklasse ist die Verarbeitungsqualität der Hardware sehr konkurrenzfähig – und optisch ist es den Mitbewerbern meiner Meinung nach um Längen voraus. Aber das ist ja nur der erste Eindruck.

Die Verbindung zum Computer erfolgt über ein Ethernet-Kabel. Wenn beispielsweise eine MC Control um eine MC Mix-Einheit ergänzt werden soll, ist ein Ethernet-Switch/Hub erforderlich. Solche Geräte gibt es mittlerweile für weniger als 50 Euro. Die Kommunikation zwischen der MC Control und der jeweiligen DAW organisiert eine Software namens „EUControl“. Mit diesem Programm werden auch die Voreinstellungen des Controllers geändert, Fader-Layouts zusammengestellt und einiges mehr.

Nach der Installation dieser Software und dem Anschluss der Hardware ist es bei manchen DAWs erforderlich, weitere Einstellungen vorzunehmen. Bei Logic Studio 9, das ich im Test vornehmlich benutzt habe, ist nichts weiter zu machen. Apple unterstützt das EuCon-Protokoll, die Euphonix-eigene Steuerung der Hardware, direkt.

Wer eine andere DAW im Einsatz hat, ist nicht notwendigerweise von der Nutzung der MC Control ausgeschlossen. Die Controller der Euphonix-Artist-Serie emulieren, wie bereits erwähnt, auch das HUI- und das Mackie-Control-Protokoll. Bei allen Anwendungen lassen sich die Lautstärken der Spuren, die Panoramaregler, Sends, Effektparameter, das I/O-Routing, die Insert-Auswahl und einiges mehr fernsteuern. Mehr dazu im Folgenden.

Kaindl-Hšnig Fotostudio+Werbeteam GmbH Salzburg www.kaindl-hoenig.com
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Die Oberfläche des Controllers
Die linke Seite der MC Control wird von den vier 100mm-Fadern beherrscht, die mit denen der MC Mix identisch sind. Allerdings sind die Fader weiter oben am Gehäuse angesetzt als bei der MC Mix, sodass bei gemeinsamer Verwendung beider Controller die Faderstellungen nicht direkt vergleichbar sind – schade. Jeder der vier Fader bietet oberhalb zusätzlich Schalter für Solo und On (Mute einmal umgekehrt) sowie einen Record- und einen Select-Schalter jeweils links auf halber Höhe. Durch den Einsatz eines der beiden Shift-Buttons, die sich jeweils in der linken und rechten unteren Ecke der Bedienoberfläche befinden, erhält der Nutzer Zugriff auf Zweitfunktionen: Shift-Select öffnet das Assign-Fenster der EuControl-Software, mit der sich einzelne Fader bestimmten Kanälen der DAW fest zuordnen lassen. Shift-Record schaltet zwischen den Automations-Modi der DAW um. Bei Logic Studio 9 klappte das allerdings nicht für alle Automations-Modi, Latch wurde beim Durchschalten ausgelassen.

Im Zentrum des Controllers sitzt der Touchscreen, der auf beiden Seiten vier berührungsempfindliche Endlosdrehregler besitzt. Diese Regler kontrollieren bei jeweils acht Kanälen entweder das Panorama, die Sends, oder dienen zur Auswahl beziehungsweise Steuerung von Plug-Ins. Unter dem Display befinden sich die zwölf sogenannten Soft Keys. Dazu später mehr.

Auf der rechten Seite befinden sich insgesamt acht Schalter zur Navigation zwischen den Kanälen und zum Wechsel der fernzusteuernden DAW, die auf der MC Mix genau so ebenfalls vorhanden sind. Unten rechts finden sich die üblichen Transportfunktionen und ein Jog/Shuttle-Wheel, das neben den klassischen Funktionen auch zum Zoomen und Editieren der Region-Grenzen verwendet werden kann.

Das iPhone der Pro-Audio-Welt?
Das innovativste Merkmal der MC Control ist sicherlich der Touchscreen, der immerhin 800×480 Bildpunkte liefert und einer leicht verständlichen und übersichtlichen Logik folgt. Ein schmaler Bereich an beiden Seiten ist für die Darstellung der Funktion und Werte der direkt benachbarten Endlosdrehregler reserviert. Das untere Viertel des Anzeigefeldes wird verwendet, um die Funktionen der Soft Keys anzuzeigen und zwischen drei Modi umzuschalten, die den Rest des Displays füllen: Tracks, Soft Keys und Setup (zur Verwendung der Monitor-Kontroll-Lösung „Studio Express“).

Im voreingestellten Tracks-Modus zeigt das Display 32 Mixerkanäle im aktuellen DAW-Projekt an. Berührt man einen Track in dieser 8×4 Matrix, wird der Kanal auf den ersten der vier Fader geroutet. Zusätzlich gibt es an der linken Seite des Displays Schalter für Solo, On und Record, um den Track direkt vom Touchscreen in den betreffenden Modus zu schalten.

Die von einigen Anwendern kritisierte Ansprache des Touchscreens ist mir genauso wenig negativ aufgefallen wie die vielfach kritisierte Umschaltgeschwindigkeit zwischen einzelnen Anzeigeseiten. Der Touchscreen hat bei der Bedienung meine Erwartungen in vollem Umfang erfüllt – prima. Ein Problem kann jedoch der Blickwinkel darstellen. Für eine typische Sitzposition aufgestellt, konnte ich die Anzeigen im Touchscreen nur dann gut erkennen, wenn ich die Helligkeit des Bildschirms recht hoch einstellte. Mit diesem Problem haben aber auch andere Touchscreen-Geräte zu kämpfen.

Erheblich mehr gestört hat mich, dass die vier Fader keine eigenen Displays haben, auf denen man sofort ablesen kann, welchen Kanal sie aktuell kontrollieren. Bei EuCon-DAWs im Tracks-Modus wird zwar farbig angezeigt, welcher Kanal als Erster auf den Fadern liegt. Dieses Prinzip wird jedoch spätestens dann schwer überblickbar, wenn man etwa die ersten beiden Fader bestimmten Kanälen direkt zugeordnet hat. Dann gilt diese farbige Kennzeichnung nämlich erst für den dritten Fader, sprich den ersten, der in der EuCon-Software auf „Auto Assigned“ steht. Ergänzend muss ich einräumen, dass in der oberen Zeile des Touchscreens schon angezeigt wird, welche vier Kanäle an den Fadern anliegen. Trotzdem halte ich diese Lösung nicht für besonders glücklich.

Ausgesprochen schade finde ich auch, dass die MC Control keinen Flip-Modus bietet, um Parameter von den Endlosdrehreglern auf die Fader umzuschalten. Mir ist schon klar, dass der Switch von acht Drehgebern auf vier Fader logische Probleme mit sich bringt, aber viele Parameter lassen sich meiner Meinung nach erheblich besser mit Fadern kontrollieren.

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Die Soft Keys
Das herausragende Merkmal der MC Control sind die Soft Keys. Hinter diesem Schlagwort verbergen sich sowohl die bereits erwähnten 12 Schalter unterhalb des Touchscreens als auch die Befehls-Icons, die auf dem Touchscreen erscheinen, wenn dieser im Soft-Keys-Modus arbeitet. Glücklicherweise hat Euphonix für viele Programme bereits eine Vielzahl an Soft-Key-Belegungen vorbereitet. Selbstverständlich für das EuCon-hörige Logic, aber auch für das nur über HUI kontrollierte Pro Tools. Die Belegungen für die zwölf Tasten und die Bildschirmseiten können unabhängig umgeschaltet werden. Für Logic gibt es alleine fünf verschiedene Funktionen für die Tasten und sieben Bildschirmseiten mit Kommandos auf dem Touchscreen. Für Pro Tools gibt es sogar 20 verschiedene Bildschirmseiten. Allerdings liefen einige wenige Soft-Key-Belegungen bei Pro Tools ins Leere.

Dass man mit den Soft Keys bequem einzelne Tastaturkommandos der jeweiligen DAW abrufen kann, ist noch nicht besonders außergewöhnlich. Wie clever das Soft-Key-Konzept ist, wird erst deutlich, wenn die Benutzeroberfläche die Kommandos zu einem sinnvollen Workflow verbindet. Wenn man zum Beispiel bei der Benutzung von Logic das Mixer-Icon im ersten Fenster des Touchscreens antippt, öffnet sich nicht nur (wie erwartet) das Mixer-Fenster, die Anzeige auf dem Touchscreen wechselt auch zu Mixer-relevanten Aktionen wie Show/Hide Track-Typen und so weiter.

Die verschiedenen Soft-Key-Anzeigen förderten für mich das eine oder andere Tastaturkommando in Pro Tools oder Logic zutage, das mir bisher noch nicht über den Weg gelaufen war. Diesen positiven Nebeneffekt bietet die MC Control also auch.

Personalisierte Kontrolle
Eine der größten Einschränkungen vieler Controller ist, dass die vorgegebenen Bedien-Szenarios oft nicht den eigenen Vorlieben entsprechen. Bei der MC Control verhält es sich anders: Über den Soft-Key-Editor kann sich jeder Nutzer seine Kommandos selbst zusammenstellen. So lässt sich nicht nur ein Name für die Funktion vergeben und die Farben festlegen, der Editor ermöglicht es auch, ganze Abfolgen von Befehlen als ein Kommando zu speichern. Ähnliches bietet zwar auch die Software QuicKeys auf dem Mac, aber auf einem speziellen Controller mit beschrifteten Soft Keys ist das deutlich komfortabler als mit auswendig gelernten Kommandos auf der Computertastatur.

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Profilbild von Peter Eichstaedt

Peter Eichstaedt sagt:

#1 - 08.10.2011 um 11:22 Uhr

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Hallo Mark, sehr gut geschriebener Test, alles ist nachzuvollziehen und fachlich kritisch beschrieben worden. Da ich jetzt eine MCC beitze interessiert mich natürlich die von dir abgefragte Aussage "Plug-In-Parameter nach eigenen Vorlieben zu organisieren" zu implementieren. Gibt es da etwas neues/geplantes? Das würde die MCC perfekt machen.
Danke für den Test
Peter.

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