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Avid Mbox Studio Test

Die neue Avid Mbox Studio in diesem Test trägt zwar einen ähnlichen Namen wie viele Mbox-Vorgängermodelle, ist aber konzeptionell in vielerlei Hinsicht ein anderes Produkt. Wie anders Mbox Studio ist, erkennt erst auf den zweiten Blick: Die ursprüngliche Mbox und ihre Nachfolgemodelle stammen aus einer Zeit, als Pro Tools nur mit Avid-Hardware betrieben werden konnte. Und so war die Mbox die günstigste Einsteiger-Hardware für Pro Tools. Seit Avid diese Hardwarebindung 2009 aufgegeben hat, gab es keinen Grund mehr, selbst günstige Audio-Interfaces anzubieten. Schließlich ist der Markt überschwemmt mit preisgünstigen Audio-Interfaces.

Audio-Interface mit Controller

Der Name Mbox Studio ist aus meiner Sicht missverständlich, denn:  Erstens ist Mbox Studio mit etwa 1000 Euro kein besonders günstiges Audio-Interface. Und zweitens wirbt Avid offensiv damit, dass Mbox Studio ohne Einschränkungen auch mit jeder anderen DAW verwendet werden kann. Konzeptionell ist Mbox Studio aus meiner Sicht am ehesten mit Produkten von RME oder anderen Herstellern zu vergleichen, die Audio Interfaces mit cleverer Mixer-Software zum Monitoring und mehr ausliefern. Neben den klassischen Audio- Ein- und -Ausgängen bietet Mbox Studio einen vollwertigen Stereo Monitor Controller, viele Extras für E-Gitarristen und Bluetooth-Konnektivität.

Quick Facts zur Avid Mbox Studio

  • 21-In/22-Out USB-C-Audio-Interface im Pultgehäuse
  • vier MicPres, zwei Kopfhörerausgänge, sechs Line-Outs
  • ADAT-Optical I/O, S/PDIF I/O, DIN-MIDI I/O

Ein- und Ausgänge des Avid Mbox Studio

Mbox Studio bietet insgesamt 21 Eingänge, so die Aussage des Herstellers. Das trifft zwar zu, ist aber insofern zu relativieren, als dabei das interne Talkback-Mikrofon und der Bluetooth-Eingang mitgezählt sind. Es gibt vier Eingänge, die als Mikrofon-, Line- oder Instrumenten-Eingang genutzt werden können und vier weitere Line-Eingänge im analogen Abschnitt. Hinzu kommen bis zu acht digitale ADAT-Kanäle und ein koaxialer S/PDIF-Anschluss. Addiert man zu den acht analogen und zehn digitalen Eingängen den Stereo-Bluetooth-Eingang und das Talkback kommt man so tatsächlich auf 21 Eingänge.

Rückseite mit Anschlüssen
Die meisten Ein- und Ausgänge befinden sich auf der Rückseite.
Combo-Buchsen
An der Front finden sich zwei Mic/Line/Instr.-Eingänge
HP Outs
Kopfhöreranschlüsse an der Vorderseite

Ausgangsseitig gibt es zwei reguläre Analogausgänge, die mit „Main“ und „Alt“ bezeichnet sind. Das deutet an, dass sie zum Anschluss von Lautsprechern gedacht sind. Zwei Stereo-Kopfhörerausgänge mit jeweils unabhängigen Lautstärkereglern (Endlosdrehregler) kommen dazu. Die mit „Line/FX 1“ und „Line/FX 2“ benannten Mono-Ausgänge sind zum Rückspielen der Audiosignale aus der DAW gedacht, etwa zum Reamping. So lässt sich „Line/FX2“ auf „Hi Z“ einstellen, damit ein Gitarrenamp oder Bodentreter den richtigen Pegel bekommen. Sie sind aber auch als reguläre Line-Ausgänge zu einem weiteren Kopfhörerverstärker oder Lautsprechern nutzbar. 

Mbox Studio: sonstige Hardware

Mbox Studio ist in einem schicken und recht massiven Pultgehäuse untergebracht, das knapp drei Kilogramm auf die Waage bringt. Die Oberfläche ist gut strukturiert und bietet auf der linken Seite sämtlichen Bedienelemente für die Eingänge und auf der rechten Seite für die Ausgänge.

Buttons
Die je sechs Tasten für die Ausgänge sind eindeutig beschriftet und im Betrieb farblich kodiert. 
weitere Taster
Rechts liegen diese Taster für die Outputs.

Auffällig sind die beiden großen Endlosdrehregler auf der Gehäuseoberfläche: Mit dem linken wird der Pegel der Eingänge eingestellt, mit dem rechten die Abhörlautstärke des Main- und Alt-Ausgangs geregelt. Da die jeweils sechs Buttons für die In- und Outputs je nach Status in verschiedenen Farben leuchten, hat man nach kurzer Eingewöhnungszeit an der Hardware einen guten Überblick über die aktuellen Einstellungen von Mbox Studio. Der Abgleich mit der Software Mbox Control ist dann nur noch selten notwendig.

Zusätzlich gibt es zwei Buttons mit Spezialfunktionen:  Der Knopf mit dem stilisierten Mbox-Logo startet die Software Mbox Control oder schließt sie. Der Button mit der Aufschrift „Tune“ verwandelt die Mbox-Pegelanzeigen in ein großes Stimmgerät, etwa für Gitarren. Parallel wird auch ein klassischer Tuner in Mbox Control angezeigt.

Stimmgerät
Im Modus Tuner zeigt Mbox Control einen Gitarren-Tuner.

Die vier weißen „User Action Buttons“ in der Mitte der Gehäuseoberfläche lassen sich mit jeweils zwei Funktionen belegen: Eine wird beim Drücken ausgelöst und eine weitere, wenn der Button gedrückt und gehalten wird. Es stehen 19 verschiedene interne Aktionen der Software Mbox Control zur Auswahl, unter anderem auch Mute und Solo. Last but not least komplettieren ein MIDI-Ein- und Ausgang, zwei Fußschalter-Anschlüsse, der USB-C-Anschluss (Adapter auf USB-A wird mitgeliefert) und die Buchse für das externe Netzteil die Hardware-Ausstattung.

Rückseite Anschlüsse
USB-C-Buchse zum Anschluss an Mac oder PC

Damit ist Mbox Studio tatsächlich eine kompakte Studiozentrale, die nur um einen Rechner (Windows oder Mac), ein Lautsprechersystem und Mikrofone oder andere Klangquellen für die Eingabe ergänzt werden muss, um ein vollständiges Studio darzustellen.

Alle anzufassenden Bauteile machen einen soliden Eindruck, der für Langlebigkeit sorgen sollte. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Hardware dank Farbcodierung und Endlosdrehreglern jederzeit den Ist-Zustand abbildet. Als EuCon-verwöhnter Pro-Tools-Benutzer finde ich es schade, dass weder die „User Action Buttons“ noch die Endlosdrehregler über EuControl zur Fernsteuerung von Pro Tools oder anderen DAWs genutzt werden können. Für die Buttons ist eine direkte Steuerung von Pro Tools für die Zukunft wohl angedacht, wie ich hörte.

Logo Avid Mbox
Im schicken Pultgehäuse: das neue Mbox Studio von Avid
Kommentieren
Profilbild von JH

JH sagt:

#1 - 04.01.2023 um 00:24 Uhr

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„Kein vergleichbares Produkt“ ist eine interessante Feststellung, wo die neue MBox nicht nur optisch starke Ähnlichkeit zur Arturia Audiofuse Studio aufweist. Nur scheint bei dieser Software und Routing etwas ausgereifter als bei Avid. Zumal man mit dem Loopback keinen der anderen Kanäle blockiert. Gut, auf onboard DSP muss man bei Arturia verzichten, da der bei Avid aber eh eher unter Gimmick zu verbuchen ist, dürfte das zu verschmerzen sein. Niemand kauft sich ein Interface wegen eines integrierten EQs und zwei mittelmäßigen send Effekten. Auf die nicht uninteressante Reamping Funktion der MBox hätte man vielleicht auch eingehen können. Oder habe ich das überlesen? Das ist schließlich wirklich mal ein besonderes Feature (das die Audiofuse auch beherrscht ;) )

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