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Genelec 8040A Test

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Das Metallgehäuse dient natürlich nicht nur dem Verwitterungsschutz und der Optik. Durch eine derart massive Verarbeitung bleibt auch bei höheren Pegeln der Bassbereich frei von ungewollten Resonanzen (Stichwort „Verwindungssteifheit“). Natürlich nur, wenn der Raum halbwegs vernünftig klingt und man die beigelegte, vorbildliche Aufstellungs-Anleitung befolgt: Sie klärt detailliert, welche Auswirkungen die Filter auf den Frequenzgang haben und welche Aufstellungsbedingungen welches Filter benötigen. So kann das Lautsprecher-Raum-System zuverlässig entzerrt werden.

Die Einstellmöglichkeiten für den Bassbereich fallen dabei besonders umfangreich aus: Ein Roll-Off @ 45 Hz ist mit -2 dB, -4 dB und -6dB Absenkung möglich und soll helfen, die Energieabgabe an der tiefsten Eckfrequenz zu begrenzen. Bass-Tilt ermöglicht eine Breitbass-Absenkung unter 800 Hz mit ebenfalls -2 dB, -4 dB und -6dB. Es dient vor allem der Kompensation von Bassüberhöhungen durch Eck-nahe Aufstellung. Umso näher Boxen an Wände heran und in Raumecken hinein gestellt werden, desto mehr sollte man also deren Bassbereich bedämpfen.

Mir persönlich zeichnet die 8040 allerdings von Haus aus schon ein wenig zu stark bei 70 Hz. Das -2 dB Filter ist deshalb bei mir grundsätzlich aktiv.

Auch der Hochtonbereich ab 5 kHz ist variabel gestaltet: – 2 dB, – 4 dB sowie + 2 dB sind möglich. Ideal, um die Monitore an ein ungedämpftes bzw. gedämpftes Umfeld anzupassen.

Ein “Desktop Control” genanntes Filter dämpft bei der 8040 mit -4 dB Frequenzen von ca. 150 Hz bis 300 Hz und hilft so, Interferenzen zu vermeiden, die sich bei einer Aufstellungen auf Meterbridge oder Konsole ergeben würden. Ähnlich, wie bei  Eck-naher Aufstellung, begünstigt ein Tisch die Überbetonung der unteren Frequenzen, allerdings nicht Allzutiefe. Denn je nach Größe von Tisch und Box beugen sich die Wellenfronten von unserm Bass um den Tisch. Erst ab ca. 300 Hz können wir wieder von einem gerichteten Abstrahlverhalten sprechen. Hier wird wieder der professionelle Charkter deutlich: Natürlich wissen wir alle, dass ordentlich Speaker auch auf ordentliche Stative gehören, und nicht auf den Bürotisch… Nur, wenn das partout einmal nicht geht, freut man sich über so einen Zusatzschalter. Pluspunkt.

Neben den Dip-Schaltern und den kleinen Bildchen, die wie kleine Spickzettel an die Filtereinstellungen erinnern, thront der – ebenfalls nur mir Schraubenzieher bedienbare – Trim-Regler. Er dient der  Pegelkalibrierung.

Ist der Lautsprecher erst einmal an den Raum angepasst, gewöhnt man sich sehr schnell an seinen durchaus analytischen, wenn auch ein wenig beschönigenden Klang. Im Gegensatz zu den Vorgängern 1029A (8030) bzw. 1030A (8040) fokusiert die neue 8000er Serie den Mittenbereich nicht mehr ganz so stark – von “HiFi Charakter” zu sprechen geht aber zu weit. Fakt ist, mit ihnen lässt noch länger und noch ermüdungsfreier im gesammten Frequenzraum arbeiten.

Alle im Stereopanorama positionierten Instrumente sitzen bombenfest und lassen sich klar lokalisieren. Großzügig ist auch der Sweet-Spot bemessen, der vor allen in der Breite sehr tolerant ist: Ein Hin- und Herrutschen auf dem Regiestuhl wird somit überflüssig – selbst ein zweiter Mann passt noch mit hinein (in den Sweet-Spot, nicht den Regiestuhl).

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Sehr professionell und mit einem gewissen Hang zum Understatement zeigt man sich auch bei der Pflichtkür: Ruherauschen im Stand-By und Strömungsgeräusche bei hohen Pegeln sind praktisch nicht wahrnehmbar. Letzteres ist vor allem dem rückseitig positionierten Bassreflexrohr geschuldet.

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Auch sehr erfreulich: Der lange Produktlebenszyklus macht auch Nachfolgeinvestitionen kalkulierbar. Bei Genelec braucht man in der Regel nicht befürchten, dass ein vor kurzem eingeführtes Produkt wieder schnell aus dem Portfolio verschwindet. Man kann also beruhigt mit einem einfachen 2.0 Stereo-Set starten und später auf bis zu 7.2 erweitern – die hauseigenen Subwoofer 7050, 7060 und 7070 machen es möglich. Auf die 8000er Serie abgestimmt und mit einem integrierten Bass-Management (bis 6.2) versehen, steuern sie bis zu sechs Satelliten an. Gerade Einsteiger werden sich beim Kauf von einem Paar 8040 nicht gleich noch den passenden Subwoofer leisten können. Gut zu wissen, dass man den auch noch fünf Jahre später bekommt…

Höreindruck:
Standesgemäß hab ich mich mit ein paar Referenztracks zurückgezogen, um mir die Genelecs in Ruhe anzuhören. Das sollte man vor einem Kauf immer tun! Die nun folgenden Tracks sind nicht meine Lieblinge, haben sich aber wegen ein paar Eigenheiten zum “Einhören” ganz gut bewährt.

Madonna – American Life:
Dieser Track ist ultrakomprimiert, verzerrt aber bei guter Impulstreue der Boxen nicht. Bis zu einer gewissen Lautstärke klappt das richitg gut – für diese Leistungsklasse mehr als zufriendestellend. Der Vocal-Teil klingt auf den Genelecs extremst crisp, ohne jedoch aufdringlich zu werden. Die hohe Auflösung trägt dazu bei, dass selbst die leisesten Delays, die sich zwischen den “gated” Sounds befinden, klar und deutlich hörbar sind. Die Kick-Drum dieses Tracks kommt ohne großen Kessel und Resonanz aus – auch das bildet die Genelec sauber ab, von Dröhngeräuschen keine Spur. Trotz höherer Verdichtung sind die Akustikgitarren klar “on top” wahrnehmbar. Sobald die verzerrten Synthies einsetzen, ist der Sound “very in your Face”, so ist das aber auch gewünscht. Top!

50 Cent – Just a Lil Bit:
Sub-Bass-Test ist nun angesagt. Die Kicks und Bässe dieses Tracks sitzen drei Etagen unter Allem. Bei moderaten Lautstärken kommt die 8040 damit noch gut zurecht,  dreht man allerdings mehr auf, macht sich dann doch der der begrenzet Tiefgang der Genelecs bemerkbar. Erhöht man die Lautstärke noch mehr, fängt der Bass schnell an zu pressen. “50s-Nuschel-Rap” ist trotz sprachlicher Verdeckung akustisch 1a und klar zu hören. Ein schwieriger Track, dennoch meistert ihn der Genelec-Monitor  zufriedenstellend, auch wenn er sich in diesem Genre nicht mit Ruhm bekleckert.

Mark Knopfler – You can´t beat the house:
Typischer, handgemachter Blues-Rock. Hier wurde nicht viel komprimiert, sodass der Mix luftig-klar und absolut nicht anstrengend klingt. Auch auf den Genelecs wird der Mix luftig, transparent und warm abgebildet. Hierfür zeichnet sich vor allem die hohe Trennschärfe der Box verantwortlich – Obertöne werden klar abgebildet und selbst den Bässen geht nicht die Puste aus. Man braucht bei dieser Musik aber auch nicht soviel Pegel, um einen ausgewogenen Klang zu bekommen. Die Ortbarkeit der einzelnen Instrumente ist bei jeder Lautstärke hervorragend. Natürlich könnte man noch mehr Seidigkeit in den Höhen vertragen, läuft dann aber Gefahr, einen “kalten” Mix zu überhören.

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Der Frequenzgang ist laut Datenblatt ziemlich linear. Das kann man aber auch hören: Kaum ein Frequenzbereich ist überbetont, selbst der Bassbereich bleibt sauber, nachdem er per Dipschaltern angepasst wurde. Der “bissige”, hervorragend-analytische Klang, täuscht keinerlei Räumlichkeit vor, die nicht im Mix vorhanden ist. Die Stereobreite und Tiefenstafflung im großen Sweet Spot ist hervorragend; Instrumente werden klar aufgelöst und Stimmen sitzen fest in der Phantommitte.

Im Direktvergleich zu anderen Mitbewerbern, z.B. Adam Audio P22a, zeigt sich Genelec vor allem im Höhenbereich aggressiver, was aber als durchaus sinnvoll zu betrachten ist, denn so werden zu scharfe S-Laute rechtzeitig erkannt.

Sehr vorteilhaft ist auch der geringe “Minimum Arbeitspegel”. Selbst bei geringen Lautstärken ist schon schön Bass vorhanden, so dass nicht unbedingt laut gearbeitet werden muss. Manche wollen aber partout nicht leise arbeiten. Bei höheren Lautstärken offenbart das 360 Watt System natürlich irgendwann seine Grenze. Nur wer im absoluten Nahfeld bleibt, kann sich mit den Pegelreserven anfreunden. Den Hauptverwendungszweck und die Anforderungen zu kennen, spielt bei der Dimensionierung eine entscheidende Rolle. Ein Audiosystem am Limit zu fahren, macht in der Regel nie Sinn.

Arbeitet man mit Rock und Pop, bzw. betreibt viel Video-Post,  und braucht deshalb keine derart lauten Pegel, – oder kann sie sich auf Grund der Nähe zum Nachbarn eh nicht leisten – kann man eventuell schon zur 8030 greifen.

Abschließend ist festzustellen, dass es sich bei dem Genelec 8040 um ein absolut professionelles Nahfeld-Werkzeug handelt, das sich preislich in der oberen Mittelklasse platziert und da auch hingehört.

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Profilbild von Houser

Houser sagt:

#1 - 08.06.2013 um 03:21 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Hi und vielen Dank für den Bericht, ich hätte eine Frage:
Mein nächstes Projektstudio ist 17qm gross, was für meine zwecke (Elektronische Musik Produktion) reicht, der Raum wird auch von mir Optimiert, im moment habe ich die KRK VXT8 als Abhöre und möchte mir einen Genelec 7050 Subwoofer dazu holen, weil die KRKs für mich persönlich den Bass etwas weniger Sauber wiedergeben und um sie zu entlasten. Eine weitere Idee wäre die Genelec 8030 oder 8040 dazu zu Kaufen nur ist der Unterschied vom 8030 zum 8040 um soviel Größer? Noch wichtiger: wie gross ist der Unterschied zu den VXT8?
Ich habe hier leider nicht die Möglichkeit alle LS zu hören, die 8030 und den 7050 habe ich schonmal gehört und war von ihnen Begeistert..

Profilbild von Felix Klostermann

Felix Klostermann sagt:

#2 - 08.06.2013 um 17:13 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Hallo Houser, ich würde mir bei nur 17qm Raumgröße keinen Subwoofer kaufen. Deine VXT8 ist schon recht groß und macht auch ne Menge Bass; wenn du also zu wenig Bass hörst bzw. dieser schwammig ist, dann ist deine Positionierung der Boxen bzw. deine Abhörposition schlecht bzw. falsch. Der Unterschied zwischen einer 8030 und 8040 ist meiner Einschätzung nach deutlich vorhanden, gerade wenn man produziert und nicht nur "fertige Musik" hört. LG; felix.

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