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Focusrite ISA Two Test

Praxis

Ein Manual benötigt man eigentlich nicht, um auf Anhieb gute Ergebnisse aus dem ISA Two herauszukitzeln. Sämtliche Schaltzustände werden mit roten und gelben LEDs visuell unterstützt, so dass auch in einer schummrigen Regie immer Klarheit über den Betriebszustand besteht. Drei Bedienelemente für die Pegeleinstellung bei Mic-Signalen – das ist zunächst ein ganz kleines bisschen unübersichtlich, hat in der Praxis aber tatsächlich Vorteile, wenn man sich erst einmal damit vertraut gemacht hat.
Klanglich liegt der Vorverstärker auf der klaren, sauberen Seite. Das ist trotz der Neve-Referenz kein Wunder, denn schaltungstechnisch hat der ISA Two nichts gemein mit den legendären Class-A-Modulen à la 1073, welche der britische Designer um 1970 auf den Markt brachte. Auch wenn die 80er-Jahre, in denen das ISA-Original das Licht der Welt erblickte, aus heutiger Sicht auch schon lange zurückliegen: In den 15 Jahren, die zwischen der Markteinführung des 1073 und des ISA 110 liegen, hat sich in technischer und geschmacklicher Hinsicht einiges getan. Der Lundahl-Übertrager liefert nicht die sämigen Sättigungsprodukte der Carnhill-Übertrager der alten Neves, aber das will er auch gar nicht. Viel mehr wurde er auf Transparenz und Breitbandigkeit abgestimmt, mit Fokus auf knackig-druckvolle Ergebnisse, die sämtlichen heute zeitgemäßen Ansprüchen voll und ganz genügen. Bis in die tiefsten Lagen – das Audiobeispiel mit der Minimoog-Basssline zeigt dies – liefert der ISA Two sauber konturierte, druckvolle Ergebnisse. Dier Eindruck bleibt über das gesamte Frequenzband hinweg bestehen, und wenn man dem Übertrager doch einen Einfluss auf das Klanggeschehen zugestehen möchte, dann allenfalls bezüglich einer gewissen Smoothness, die sich durch alle Aufnahmen zieht. Der ISA Two klingt transparent, sauber und ausgewogen, neigt aber niemals zu einer unangenehmen Schärfe, die man bisweilen mit solch einem Klangbild assoziieren würde.

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Moog, Instrument Input E-Gitarre, Instrument Input E-Gitarre, mikrofonierter Amp

Mit diesem Selbstverständnis werden auch Mikrofonsignale verstärkt: Den Charakter liefern hier die Klangquelle (und das Mikrofon) selbst, der Focusrite-Preamp stellt dazu lediglich die nötige Recording-Infrastruktur zur Verfügung, ohne sich selbst allzu sehr in den Vordergrund zu spielen. Es gelingt dem ISA Two stets sehr gut, das Eingangssignal in Szene zu setzen; die breitbandig-knackige, aber nicht harte Klangabstimmung macht das Gerät zu einem echten Allrounder.
Die kleinen Extras, die Focusrite an verschiedenen Stellen eingebaut hat, bewähren sich in der Praxis. Insbesondere das flexible Trittschallfilter macht eine gute Figur. Es greift dank der 18 dB Flankensteilheit effektiv, die ungewöhnlich hohe obere Eclfrequenz von 420 Hz lädt durchaus zum einen oder anderen Experiment ein.

Audio Samples
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E-Gitarre, Instrument Input, HPF Off E-Gitarre, Instrument Input, HPF 100 Hz E-Gitarre, Instrument Input, HPF 420 Hz

Auch der Instrumenteneingang kann überzeugen. Naturgemäß liefert er ein anderes Klangbild als ein mikrofonierter Amp, aber nichtsdestrotrotz sind die Signale dicht und druckvoll und weit mehr als bloß Demo-tauglich.

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