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Test
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29.10.2014

Harley Benton Santos Series C-40SCE Test

Klassik-Gitarre

Die Startergitarre

In der Regel sind Einsteiger mit einer Konzertgitarre gut beraten, auch wenn diese ursprünglich für den „klassischen“ Gitarristen konzipiert wurde. Geschätzt werden vor allem die Nylonsaiten, weil die schmeichelhafter mit den Fingerkuppen umgehen.

Stilbrüchigkeit möchte man generell keinem Musiker mehr unterstellen, da der Sound der Konzertgitarre spätestens mit dem gigantischen Erfolg von Eric Claptons Unplugged-Album Bestandteil der Popularmusik geworden ist. Doch welche Gitarre ist die richtige? Harley Benton hat mit der C-40SCE eine besondere Konzertgitarre für den Einsteiger entwickelt, die den Interessen des werdenden Rockmusikers entgegenkommt.

Details

Wir nehmen vorweg, dass die C-40SCE vor allem die Interessen eines Sologitarristen auf dem Schirm hat. Unsere Kandidatin wirft dafür mehrere starke Argumente in die Waagschale:

• Cutaway

• 20 Bünde

• Neck-Joint am 14. Bund

• Tonabnehmer/Preamp

• flacher Halsfuß

Mit einem rund geschwungene Cutaway kommt man normalerweise schon hoch hinaus, weil aber der Neck-Joint bei diesem ungewöhnlichen Modell im 14. Bund ansetzt, werden Eingriffe bis in den 18. Bund möglich. Ein flacher Halsfuß leistet ebenfalls einen nicht unerheblichen Beitrag. Schließlich kann ein in der Zarge verbauter Vorverstärker (dazu später noch mehr) die vergleichsweise leisen Einzeltöne akustisch verstärken. 

Mit einem größeren Body, einem schmalen Sattel, Cutaway, einem zusätzlichen Bund, abgeflachtem Halsfuß, einer Halsverstärkung, Onboard-Vorverstärker und  geschlossenen Mechaniken unterscheidet sich unser Testmodell jedenfalls schon relativ deutlich von der guten alten „Klassikgitarre“ nach der Torresnorm. Doch hat man ihr, einmal abgesehen von den Nylonsaiten, viele weitere klassische Merkmale gelassen. Aber wie viel Klassik steckt überhaupt noch drin? Die Abmessungen am Resonanzkörper bleiben mit einer max. Breite von 39 cm (29 cm) an der unteren (oberen) Schulter und einer Länge von 49 cm im grünen Bereich der Konzertgitarren-Norm. Auch der bescheidene Auftritt entspricht eher dem einer echten Klassikgitarre.

Wir betrachten zunächst den Resonanzkörper. Die zweiteilige massive Fichtendecke wurde hauchdünn hochglänzend versiegelt, die Nahstelle in der Mitte ist auf ganzer Länge gekonnt kaschiert. Die Oberfläche, die honiggelb erstrahlt,  macht einen soliden Eindruck und feine Strukturen ergeben ein schönes Spiegelbild der beiden Deckenhälften. Konzertgitarren wollen eigentlich mit den Fingern gezupft werden und brauchen daher keinen Schlagschutz. Falls doch ein Plektrum zum Einsatz kommt, sollte man sorgsam mit ihm umgehen. In diesem Fall kann ein selbstklebender Pickguard im Handel erworben werden, der die edle Oberfläche vor Beschädigungen schützt. Auch unsere Kandidatin präsentiert sich zwar elegant, aber - wie schon angedeutet - bescheiden. Am Deckenrand erblickt das Auge eine schmale Randeinlage. Außerdem umrundet eine schwarze Holzrosette das kreisrunde Schallloch, das mit einem Durchmesser von 8,3 cm vergleichsweise klein ausfällt - mehr Schmuckwerk erwartet man von einer Lady im Konzertgitarren-Look nicht. Aber vielleicht darf man mehr Ansprüche an Klang und Verarbeitung stellen. Dazu später mehr.

Der dunkelbraune, aufgeleimte klassische Rechteck-Saitenhalter besteht aus einem soliden Stück Palisander. Die Nylonsaiten werden „klassisch“ am Tieblock verknotet, in der Fräsung ruht eine einteilige Stegeinlage aus Graphit (Ebonol). Die totale Soundexplosion erwartet man von dem vergleichsweise weichen Material nicht, aber es lässt sich in der Fabrikationsphase gut bearbeiten. Der Body setzt sich aus zwei symmetrisch schön gemaserten Hälften aus leichtem, verwindungssteifem Mahagoni mit einem rötlich-braunen Farbton zusammen. Ein rückseitiger Zierspan wurde der Gitarre nicht geschenkt, aber wichtiger ist, dass die tiefe Zarge (Maße s. u.) einen Beitrag zur Steigerung der Klangfülle leistet. Die C-40SCE ist nämlich eine echte Vollakustikgitarre und keine „Schmalzarge“, deshalb können wir unsere Erwartungen ruhig etwas höher schrauben. Betrachtet man die Zarge, so erkennt man deutlich eine sanfte Profilverjüngung (1,3 cm), die auch das Handling der Gitarre verbessert. Schwarzes Binding sorgt rundum für den Zusammenhalt der beiden Mahagoni-Zargen mit den Mahagoni-Bodenhälften und der Fichtendecke. 

Die C-40SCE lässt sich an einen Akustikgitarrenverstärker anschließen, eine Kombination, mit der man sich im Ensemble gut behaupten kann. Der Fishman Isys, der in der oberen Zarge eingebaut ist, leistet dabei einen entscheidenden Beitrag. Bei ihm handelt es sich um einen piezokeramischen Untersatteltonabnehmer, der unter der Stegeinlage parkt und die Schwingungen der Saite in elektrische Signale umwandelt. Ein 9V-Block ist im Lieferumfang enthalten und versorgt das aktive System mit Energie. Das Batteriefach befindet sich neben der Eingangsbuchse in der unteren Zarge. Einstellen lässt sich die Lautstärke per Volume-Regler,  eine Klangreglung fehlt wohl aus Kostengründen - diesen Part muss der Amp übernehmen. Immerhin lässt sich mit Contour der „Bauch“ im Frequenzspektrum der Gitarre vergrößern. Darüber hinaus bietet der Pre-Amp einen Phasenumkehrtaster, der bei Brummen und Rückkopplungen helfen soll. Das integrierte chromatische Stimmgerät ist leicht zu bedienen und arbeitet präzise, wie der Vergleich mit einem „hochwertigen“ Messgerät ergibt, allerdings kann man den Referenzton nicht kalibrieren, der fest auf  a = 440 Hz eingestellt ist. Eine rote LED meldet rechtzeitig, wenn der Batterie der „Saft“ ausgeht. 

Wir werfen nunmehr einen prüfenden Blick durch das Schallloch. Das Herzstück bildet ein leichter, massiver Halsblock, der Decke, Hals und die beiden Zargen stabil miteinander verbindet.  Auch der flache Halsfuß ist stabil mit dem Halsblock verzapft und verleimt. Ein modifiziertes Leitersystem mit drei robusten Querverstrebungen sorgt für stabile Bodenverhältnisse. Auch die Decke ist mit drei Querverstrebungen unterbaut, sodass sich die beiden Hälften nicht voneinander ablösen können. Boden- und Deckenleisten sind spiegelbildlich angeordnet. Ein Leistenpaar erblickt man im Oberbug, ein zweites im Bereich der Taille und das dritte Paar (kaum sichtbar) im Unterbug an der breitesten Stelle. Nanu?Nach der Torresnorm müssten hier eigentlich vier Leistenpaare verbaut sein, vier Leisten an der Decke und vier am Boden, aber preisgünstige Gitarren müssen sich inzwischen auch mit drei Leistenpaaren zufrieden geben, was der Decke, zumal in unserem Fall mit kleinerem Schallloch, hier anscheinend keine Stabilitätsprobleme bereitet. Ein längs verleimter Mittelstreifen, der normalerweise die beiden Bodenhälften zusammenhält, fehlt jedenfalls. Echte Reifchen, die mit einem Ring aus keilförmig gesägtem Holz den Boden und die Decke mit den Zargen verbinden, verstärken den Zusammenhalt an den Verleimstellen.  Soweit das Auge reicht, wurden sie sauber und regelmäßig verleimt. 

Durch die Zugkraft der Saiten steht der Hals jahrelang unter Spannung. Der Werkstoff (hier Mahagoni) sollte verwindungssteif, aber auch leicht sein, damit die Gitarre nicht kopflastig reagiert. Normalerweise kommen Konzertgitarren mit einem Mahagonihals auch ohne metallene Halsverstärkung (Truss Rod) bestens klar, denn Nylonsaiten generieren eine nicht ganz so große Zugspannung. Trotzdem hat der Hersteller Vorkehrungen getroffen und unserer Kandidatin einen solchen implantiert. Der Hals unserer Kandidatin hat nämlich einen Umfang von nur 12,5 cm und ist damit vergleichsweise dünn. Sicher ist sicher. Ein Vorteil dieser integrierten Verstärkung ist die Möglichkeit, mit ihr auch die Halskrümmung justieren zu können. Die entsprechende Stellschraube befindet sich am Hals im Schallloch und lässt sich mit einem Inbus (im Lieferumfang enthalten) benutzerfreundlich bedienen, ohne dass die Saiten entfernt werden müssen. Handlungsbedarf besteht eigentlich nur dann, wenn ein neuer Satz dünnerer oder dickerer Seiten für veränderte Spannungsverhältnisse sorgen sollte. Die Verleimstelle des angesetzten Halsfußes kann man bei diesem Modell gut erkennen, genau wie die der Kopfplatte. Alle Komponenten wurden transparent matt versiegelt, sodass die dunklen Holzstrukturen durchscheinen. 

Das nicht eingebundene, flache Griffbrett aus Palisander ist sauber mit dem schmalen Mahagonihals verbunden, eine Wölbung kennt die traditionelle Klassikgitarre ohnehin nicht. Der Hersteller hat unserer Kandidatin außerdem einen zusätzlichen Bund (hier 20) geschenkt. Bundmarkierer fehlen auf dem Griffbrett, aber die kleinen Punkte auf der Sichtkante sollten zur Orientierung ausreichen. Die Saiten laufen über einen schwarzen Graphitsattel, der passgenau eingesetzt und korrekt befeilt wurde. Die Kerben sind gerade so breit, dass die Saiten nicht festklemmen und nur zur Hälfte ihres Querschnitts darin liegen. Das heißt, jede Kerbe ist halb so tief wie der jeweilige Saitendurchmesser. Trotzdem bleiben die Saiten auch bei härteren Attacken mit dem Plektrum sicher am Platz. Das Griffbrett ist schmaler als das einer traditionellen Konzertgitarre (zum Vergleich: 5,2 cm am Sattel), allerdings ist es breiter als das einer Westerngitarre (zum Vergleich: 4,25 cm am Sattel). Der Sattel unserer Kandidatin zeigt sich mit einer Breite von 4,8 cm kompromissbereit. 

Die Form der doppelt gefensterten Kopfplatte gehört zum traditionellen klassischen Erscheinungsbild, bei dem die Nylonsaiten um sechs Achsen gewickelt werden. Ein hauchdünnes Furnier aus dunklem Mahagoni wertet das Instrument weiter auf. Sechs geschlossene (!) gusseiserne Deluxe-Mechaniken mit griffigen Stimmflügeln, drei auf jeder Seite, sind jeweils auf einer einteiligen schwarzen Grundplatte verschraubt. Dort kann sich kein Schmutz ansammeln, weil die Zahnräder und Gewindeachsen durch das mit Schmierfett gefüllte Gehäuse geschützt werden. Die Mechaniken wirken nicht nur edel, sondern verrichten einen ordentlichen Job.

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