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Elektron Analog Rytm Test

Praxis

Features

Wie seit jeher bei Elektron üblich, wurde auch bei der Analog Rytm hinsichtlich der Features nicht gegeizt. In erster Linie zählen hierzu die umfangreichen Anpassungsmöglichkeiten in Sachen Klangformung. Da pro Instrument sowohl die analogen Drum-Synthesizer als auch Samples verwendet werden können, besitzen beide Wege jeweils acht anpassbare Parameter, die über je einen Push-Encoder angesprochen werden. Ein nettes Extra hierbei ist die Bit-Reduktion der Samples, die sich in 127 Stufen regeln lässt und für nette Klangspielereien sorgt. Jede Stimme verfügt weiterhin über ein analoges Filter und eine analoge Distortion, mit der sich Effekte von leichter Sättigung bis hin zu extremem Hi-Gain erzielen lassen. Über einen LFO lassen sich die einzelnen Sounds außerdem aufwändig modulieren. Parameter lassen sich beim Analog Rytm natürlich auch automatisieren, und selbst komplette Soundwechsel innerhalb eines Pattern sind möglich. Dieser Fakt prädestiniert die Maschine geradezu für den Live-Einsatz.

Fotostrecke: 2 Bilder Sampletransfer …
Fotostrecke

Auf einem separaten Kanal können den einzelnen Instrumenten typische Send-Effekte wie Delay oder Reverb hinzugefügt werden. Auch in diesem Fall sind die Möglichkeiten in Sachen Effektsteuerung vorbildlich. So verfügt der Reverb beispielweise über ein zusätzliches Hi- und Lo-Pass-Filter, während das Delay wahlweise auch in den „Ping-Pong-Modus“ versetzt oder via „Stereo Width“ in der Stereobreite beeinflusst werden kann. 
Auch im Summensignal lassen sich zusätzliche Effekte hinzumischen. Hierzu zählen Verzerrung und ein Summenkompressor mit optionalem Sidechain-EQ, der sich zwischen Lo- und Hi-Pass sowie Hit umschalten lässt. Während die beiden Filter für einen in der Frequenz eingeschränkten Wirkungsbereich sorgen, belässt „Hit“ diesen neutral und sorgt somit für eine gleichmäßige Kompression. Der generelle Wirkungsgrad des Kompressors lässt sich über den Dry/Wet-Mix in 127 Stufen regeln. 

Betriebsmodi

Für eine Verwendung außerhalb des Studios sprechen auch die unterschiedlichen Modi der Analog Rytm, welche der Maschine ungeahnte Flexibilität entlocken. Dies sind vor allem der „Performance Mode“ und der „Scene Mode“, die beide über einen eigenständigen Drucktaster aktiviert werden können. Beide Modi können am ehesten als eine Art Gruppierung von Parameteranpassungen beschrieben werden, die für einen oder mehrere Instrumente getroffen und anschließend durch Druck auf ein Triggerpad aktiviert werden können. Die Unterschiede der beiden Modi liegen trotz etwa gleicher Funktionsweise im jeweiligen Anwendungszweck. Im „Performance-Mode“ werden die Anpassungen als so genannte „Makros“ abgespeichert. Darin sind dann bis zu 48 verschiedene Parameteränderungen möglich. So könnten zum Beispiel Hall und Delay gleichzeitig auf alle Instrumente außer der Kick gelegt und während der Performance beliebig hinzugefügt werden. Das Besondere dabei ist die Berührungsempfindlichkeit der Triggerpads, die sich ebenfalls auf die Intensität des Effektes auswirkt. Der „Scene-Mode“ hingegen orientiert sich mehr an radikaleren Klangveränderungen und bewirkt beim Hinzuschalten durch Druck auf das jeweilige Pad eine komplette Veränderung der eingestellten Parameter. Ein Anwendungsfall hierfür wäre beispielsweise das Austauschen von bestimmten Drumsounds oder eines gesamten Kits.

Die Synth-Engines und ihre korrespondierenden Pads.
Die Synth-Engines und ihre korrespondierenden Pads.

Für das optische Feedback sorgt bei beiden Modi die LED-Hintergrundbeleuchtung der Pads. Der „Performance-Mode“ ist in grün und der „Scene-Mode“ in blau gehalten.
Natürlich soll auch der dritte Modus nicht unerwähnt bleiben. Im „Chromatic-Mode“ wird der Drum-Sound in chromatisch gestimmte Töne umfunktioniert, die dann über die zwölf Pads gespielt werden können. Durch Umschalten sind dabei vier Oktaven spielbar. Auch wenn diese Funktion auf den ersten Blick eher für experimentellere Klänge geeignet zu seien scheint, sei an dieser Stelle erwähnt, dass sich aus tief gestimmten Toms hervorragend Basslines zaubern lassen. 
Im vierten, letzten und „Mute“ genannten Modus können die einzelnen Stimmen natürlich bei Bedarf auch stummgeschaltet werden. Das optische Feedback über die LED-Beleuchtung der Pads sorgt auch hierbei für eine gute Übersichtlichkeit bei der Arbeit.
Im internen Speicher der Analog Rytm lassen sich insgesamt bis zu 128 Projekte ablegen. Jedes dieser Projekte kann über bis zu 128 Pattern verfügen, welche wiederum bis zu 64 Steps enthalten dürfen. Neben der Zuweisung der Pattern auf unterschiedliche Bänke zum Schnellzugriff können diese natürlich auch zu kompletten Songs verkettet werden.

Bedienung

Die Benutzeroberfläche der Analog Rytm lässt sich grob gesprochen in drei separate Bereiche einteilen. Auf der linken Seite befinden sich vor allem die Sequencer- und Performancefunktionen, die sich mit den 12 Pads steuern lassen. In der Mitte sind die Bedienelemente für die Display-Menüs sowie die acht Pattern-Bänke im Direktzugriff angeordnet, die rechte Seite bietet neben den Transportfunktionen vor allem die komplette Effektsektion. Wie auch bei anderen Elektron-Produkten sind beinahe alle Bedienelemente doppelt belegt und via „Function“- bzw. „FX“-Drucktaster umschaltbar. Ein Umstand, den man definitiv mögen muss, der jedoch aufgrund des Verhältnisses von gebotenen Features zur Gehäusegröße auf jeden Fall vertretbar ist.
Zur Programmierung der einzelnen Spuren stehen zwei verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Zunächst natürlich der klassische Step-Sequencer, der per roter LED ein optisches Feedback zum Status des jeweiligen Steps bietet und meiner Ansicht nach bis heute die beste Möglichkeit darstellt um ein Drumpattern zu konstruieren. Elektron bezeichnet diese Methode als „Grid-Mode“, hierfür muss lediglich die rote Recording-Taste gedrückt werden. Über die Trackauswahl mittels gedrücktem „Track“-Button und einem Klick auf das jeweilige Instrument mit den Drumpads können nun im klassischen Lauflicht-Verfahren die einzelnen Steps programmiert werden. Jeder Schritt kann dabei in Zeit und Klangverhalten individuell angepasst werden. Hierfür wird zunächst der jeweilige Step ausgewählt und anschließend die gewünschte Funktion über die Pfeiltasten unter dem Display. Da sich das Timing jedes Schrittes sehr präzise variieren lässt, können auf diese Weise auch aufwändige Grooves problemlos realisiert werden. Leider lässt sich der interne Step-Sequencer jedoch nicht für die Ausgabe von MIDI-Signalen an externe Hardware nutzen. Dies bleibt nach wie vor dem Octatrack vorbehalten, was zugegebenermaßen doch ein wenig schade ist.
Die zweite Möglichkeit ist der „Live Recording Mode“, bei dem die Triggerpads zum Einsatz kommen und die einzelnen Sounds direkt eingespielt werden. Auf diese Weise lassen sich natürlichere Rhythmen wesentlich einfacher erzeugen, da der Sequencer gespielte Noten nicht automatisch in ein vorgegebenes Raster presst. Bei Bedarf lassen sich Pattern aber natürlich auch quantisieren. Wem diese Art der Pattern-Erzeugung besser gefällt, der kann den Modus durch gleichzeitiges Drücken von „Rec“ und „Play“ aktivieren und gleich loslegen.
Angenehm intuitiv gestaltet sich die Soundformung der einzelnen Klangerzeuger. Sobald eine Spur ausgewählt wird, werden die zur Verfügung stehenden Parameter jeweils einem Encoder zugewiesen, und das Display stellt sich automatisch auf die entsprechende Menüseite um. Zwar bietet die Anzeige aufgrund der geringen Größe und Auflösung nur wenig Platz für eine aufwändige Benutzeroberfläche, lässt sich aber im Studio dennoch gut bedienen. Ich könnte mir vorstellen, dass das in hektischen Live-Situationen etwas anders aussieht. Hier sollten Anpassungen demnach lieber mit dem Ohr als mit dem Auge vorgenommen werden. Vielleicht sollten sich die Entwickler hierbei noch ein wenig mehr an den schwedischen Landsmännern von Teenage Engineering orientieren, die ihrem OP-1 ein OLED-Display spendiert haben.

Overbridge

Die lange erwartete Overbridge-Schnittstelle bietet eine umfassende Lösung für die Kommunikation zwischen DAW und Hardware. Nachdem die neueste Firmware-Version über USB auf den Analog Rytm kopiert und die Software auf dem Mac oder Windows-Rechner installiert wurde, lässt sich die Drummachine von der DAW aus über ein VST- bzw. AU-PlugIn ansprechen. Die vom Analog Rytm kommenden Audiosignale können direkt über USB als Stereosumme oder Einzelsignale mit bis zu 24 Bit aufgezeichnet werden, wobei die Hardware selbst zum Audio-Interface wird. Selbiges gilt natürlich auch für den Input. So können eine Menge Audiokabel wegfallen.
Auf einer modernen und sehr übersichtlich gestalteten Oberfläche stehen neben den PlugIn-Optionen zwei verschiedene Ansichten zur Verfügung: der Kit Editor und der Sound Browser. Ersterer enthält zunächst ein paar globale Anpassungen des gerade geladenen Kits sowie eine übersichtliche Darstellung der Scenes und Performances. Während die Scenes analog zur Hardware nur hart umgeschaltet werden können, besitzen die Performances Drehregler, die im Wertebereich von 0 bis 127 eingestellt werden können und somit die Anteile der gewünschten Klangänderungen repräsentieren. Passend hierzu leuchten auch die Drucktaster der Hardware mehr oder weniger deutlich auf. Die zugewiesenen Parameter der jeweiligen Scenes und Performances werden in einer Listenansicht unterhalb der Pad-Zuweisung angezeigt. Somit ist leicht nachvollziehbar, welche Änderung mit welcher Intensität auf welchem Taster liegt. Diese lassen sich bei Bedarf sogar „on the fly“ anpassen und austauschen.

Fotostrecke: 5 Bilder Über die Overbridge-Software werden die Hardware Ein- und Ausgänge verwaltet. Über die „USB Bandwidth“ Anzeige wird der erforderliche Datenstrom veranschaulicht.
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Natürlich können im Overbride-PlugIn auch alle Instrumente des jeweiligen Kits penibel genau angepasst werden. Alle Synth-, Sample- und Effektmodule der Hardware werden samt den entsprechenden Parametern pro Track individuell in einer Tab-Ansicht dargestellt. Pro Kit kann jedes der zwölf Instrumente nun umfangreich bearbeitet werden. Da die auf der Hardware in Untermenüs versteckten Sound- und Effektmodule hier in ansprechender Optik und mit präzise justierbaren Bedienelementen aufwarten, gestaltet sich dies auch besonders intuitiv. Die separate Ansicht für die internen Effekte Delay, Reverb, Distortion und Compressor sowie den LFO fällt ebenso üppig aus und steht in Sachen Bedienbarkeit selbst eigenständigen Effekt-PlugIns in nichts nach. Nicht vergessen werden sollte an dieser Stelle auch, dass die Berechnung der Effekte auf dem Hardware-DSP des Rytm stattfindet und somit keinerlei Systemressourcen beansprucht. 
Der Umgang mit Automationen gestaltet sich dank Overbridge ebenfalls wesentlich intuitiver, da beinahe jeder verfügbare Knopf oder Slider als Ziel ausgewählt werden kann. Ableton-Nutzern sei an dieser Stelle gesagt, dass die Liste der hierfür zur Verfügung stehenden Parameter nicht wie von anderen PlugIns gewohnt sofort sichtbar ist. Um eine Automation zuzuweisen, muss im jeweiligen Track zunächst das kleine Dreieck neben dem PlugIn-Namen gedrückt werden und anschließend der „Configure“-Button, der hierdurch sichtbar wird. Nun müssen in Overbridge nur noch die jeweiligen Bedienelemente angeklickt werden und schon lassen sich diese wie gewohnt direkt in der Automationsanzeige ansprechen.

In Ableton Live müssen die Automationsparameter manuell hinzugefügt werden. Dank Mehrfachauswahl stellt dies aber keine große Hürde dar.
In Ableton Live müssen die Automationsparameter manuell hinzugefügt werden. Dank Mehrfachauswahl stellt dies aber keine große Hürde dar.

Ein zweiter wesentlicher Vorteil von Overbridge ist die intuitive Sample-Verwaltung im Sound-Browser, wobei die Liste an zur Verfügung stehenden Sounds dank zahlreicher Kategorien-Filter stets überschaubar bleibt. Via Drag’n’Drop lassen sich die ausgewählten Samples auf die Instrumente der Hardware übertragen, wo sie gemeinsam mit dem analogen Drumsynth, aber auch unabhängig hiervon gespielt werden können. Im Editor des jeweiligen Instruments lassen sich die Sounds in Länge und Tuning bearbeiten und auch die Bit Reduction ist hinzuschaltbar. Alle Änderungen lassen sich abspeichern und dank Total Recall natürlich auch jederzeit wieder laden.

Sound

Kommen wir nun zur Paradedisziplin der Analog Rytm – dem Sound. Hier muss natürlich auch noch einmal zwischen Instrumenten und Effekten unterschieden werden. Zunächst ein paar Worte zu den Instrumenten. Auch wenn die einzelnen Machines per Definition zur Generierung bestimmter perkussiver Klänge konzipiert wurden, lassen sich durch die Vielzahl an Parametern auch extrem wilde Klänge zusammenstellen, weshalb die Analog Rytm auf gar keinen Fall als „komplexe TR-808“ oder „TR-909“ gesehen werden darf. Stattdessen ist sie ein wirklich eigenständiges und flexibles Instrument, das so ziemlich jedes elektronische Genre bedienen kann. Aufgrund der analogen Klangerzeugung besitzen alle Instrumente eine ordentliche Dosis „Punch“ und überzeugen durchweg. Einzig und allein der Hi-Hat-Sound klingt meines Erachtens nach ein wenig zu übertrieben mechanisch, was jedoch durch das Hinzufügen entsprechender Samples leicht behoben werden kann und deshalb keinen wirklichen Kritikpunkt darstellt.

Audio Samples
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808ish Abstract Beat Natural Rythm Dreamscape Abstract FX Overload Smooth Groove Minimal Minimal Beat Amp Oldschool

Passend zur sehr guten Qualität der Sounds klingen auch die internen Effekte wirklich hervorragend. Besonders die beiden analogen Effekte „Filter“ und „Amp“ fügen eigentlich jedem Instrument die passende Prise „Schmutz“ hinzu, und selbst Extremeinstellungen klingen hierbei  angenehm. Aber auch die digitalen Vertreter stehen diesem Eindruck in nichts nach. Das Reverb und das Delay klingen meines Erachtens nach besser als so manches spezialisierte PlugIn. Der Master-Kompressor hingegen dürfte bei den Anwendern für gespaltene Meinungen sorgen. Dieser behandelt das eingehende Material nämlich nicht mit Samthandschuhen und neigt hier und da auch ordentlich zum Pumpen. Ich für meinen Teil begrüße diese Entscheidung der Entwickler, da es neutrale Kompressoren wie Sand am Meer gibt und ich mir von einem Gerät auch immer einen etwas bissigeren Ton wünsche. Dies bleibt aber Geschmackssache und soll deshalb nur neutral genannt werden.

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Henry sagt:

#1 - 29.09.2015 um 20:28 Uhr

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Die Rytm hat genau das, was der Tempest immer gefehlt hat und auch trotz OS 1.4 immer noch fehlt: Eine ordentliche Kick. Ich jedenfalls tausche gerade die eine gegen die andere, auch wenn die Tempest natürlich 100 mal schicker aussieht, und der Swing des Herrn Linn weiterhin unerreicht ist.

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Henry sagt:

#2 - 29.09.2015 um 20:31 Uhr

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Übrigens: UVP laut Elektrons Website (und Thomann) ist 1599,- Euro.

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Sepp sagt:

#3 - 23.04.2017 um 07:12 Uhr

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Wie kann man der Kiste 5 Sterne geben?
-richtigen Druck bekomme ich ohne Kompressor nicht hin. O.K. der legt dann auch richtig zu.
-Samples in den Speicher laden geht nur über Sysex. Totaler murks und völlig unübersichtlich. Die Kiste hat doch USB!
-Die Pads sind viel zu hart und zu unsensibel. Machine oder Arturia lassen sich da im Vergleich bedienen wie Violinensaiten.
-Durch die Verwendung von Overbridge lassen sich zahlreiche Bedienhürden einfach umschiffen. Wird nicht immer von Euch dieses "Umschiffen von Hürden mittels Computer" als Hürde gesehen?
-die Effekte sind gut aber auch nicht sooo gutAlso: was bekomm ich hier für meine 1600 Kröten?Wenn die Kiste nur mit einem durchschnitts Sequencer kommen würde dreht sich keiner nach um. Aber genau dieser ist leider Geil...

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