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05.10.2020

Zultan Impulz Cymbal Set Test

Beckensatz aus B20-Bronze

Nicht nur der Preis ist heiß

Mit dem dreiteiligen Impulz Beckenset stellt Zultan Cymbals eine brandneue Serie im unteren Preissegment vor, die sich auf den ersten Blick ausdrücklich an Einsteiger richtet, aber auch den einen oder anderen Sparfuchs interessieren könnte. Bislang galten Zultan’s Rockbeat Becken als die ultimative Empfehlung für handgehämmerte B20-Schlagzeugbecken zum überschaubaren Kurs, mit den neuen Impulz-Modellen könnte man glatt für Konkurrenz im eigenen Hause sorgen. Das vorliegende dreiteilige Set, bestehend aus 20“ Ride, 16“ Crash und 14“ Hi-Hat, macht den Einstand, ob noch weitere Modelle folgen, wird die Zukunft zeigen. Was der Beckensatz für unter 250 Euro kann, lest ihr jetzt.

Details & Praxis

Ein Blick in die aktuellen Preislisten zeigt, dass 250 Euro bei den großen Marken wie Meinl, Sabian, Paiste und Zildjian zumeist nicht mal ausreichen, um ein(!) handgehämmertes 16“-Crashbecken zu erwerben. Da stellt sich die Frage, ob die Impulz Becken auch etwas anspruchsvollere Ohren erfreuen können, oder sich der günstige Preis dann doch eins zu eins im Klang niederschlägt. Bevor ich das ergründe, packe ich erst einmal aus und schaue mir die Verarbeitung der Modelle an. Die Zultans sind in einem bedruckten Karton verpackt, darin befindet sich eine schwarze Transporttasche mit Tragegriff und Umhängegurt. Die Becken lagern darin – ohne weitere Unterteilung – einzeln in Folien verpackt. 

Breites Abdrehmuster und klassischer B20-Look

Mit Ausnahme der Aja-Serie werden alle Zultan Becken aus B20-Bronze in Handarbeit in der Türkei gefertigt. Die Impulz-Modelle sehen wie klassische B20-Becken alter Schule aus. Vor allem das breite Abdrehmuster auf den Oberflächen sticht mir als Erkennungsmerkmal der Serie direkt ins Auge. Die Becken sind im Natural Finish gestaltet, d.h. sie werden nach dem Hämmern beidseitig fein abgedreht und poliert, danach folgt als letzter Schritt das eben erwähnte, breite Abdrehmuster. Die Impulz Becken glänzen allerdings nicht so stark wie die Geschwister aus der Rockbeat-Serie, anscheinend wir hier auf eine starke Versiegelung verzichtet. 

Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Medium!

Die weitere Begutachtung ergibt, dass alle Becken plane Kanten und runde Mittellöcher haben. Hier wird also schon einmal nicht gespart! Das 16“ Crashbecken weist im Vergleich die stärksten Hammerspuren auf. Sämtliche Glocken wirken standardgemäß, sie besitzen eine mittelgroße, rundliche Form und sind auf der Oberseite abgeflacht. Bei den Glocken wird auf eine Bearbeitung mit dem Hammer verzichtet. Der Gewichtstest ergibt 2476 Gramm für das 20“ Ride, 1037 Gramm für das 16“ Crash und 1260 auf 1045 Gramm für die 14“ Hi-Hat. Also eine ganz klare Medium-Kategorie. Jetzt bin ich auf den Soundcheck gespannt. 

Die Impulz Becken überzeugen mit facettenreichen Sounds

Das 16“ Crashbecken spricht schnell und direkt an und geht in einem vollen Klang mit einem dunklen Unterton darunter auf. Wenn ich für die Bezeichnung „Dark Crash“ ein Klangbeispiel suchte, wäre dies ein idealer Kandidat. Gut gefällt mir zudem, dass es auch bei stärkerer Bearbeitung nicht „zu“ macht. Ein tolles Becken, das locker mit wesentlich teureren Modellen mithalten kann.

Die 14“ Hi-Hat hat einen eher hellen und definierten Klang und klingt von allen drei Modellen am schärfsten. Geschlossen gespielt klingt sie präzise, geöffnete Sounds klingen etwas kehlig und der mit dem Fuß gespielte Chicksound setzt sich gut durch. Durch die gelungene Gewichtsverteilung mit dem etwas schwereren Bottom Cymbal spielt sich die Hi-Hat sehr direkt und alle Bewegungen lassen sich mühelos umsetzen.

Das 20“ Ride entpuppt sich ebenfalls als toller Allrounder ab mittellauten Einsatzgebieten aufwärts. Es hat eine sehr gut abgesetzt klingende, durchsetzungsstarke Glocke, auch lässt es sich am Rand ohne große Mühe angecrasht spielen. Zum Sticksound in der Mitte des Beckens gesellt sich stets ein leichter Wash, trotzdem finde ich das Becken ausreichend definiert, zur Not könnte man hier mit etwas Klebeband auf der Unterseite nachhelfen. Gut gefällt mir auch der dunkle Grundton, der unter dem fein perlenden Sticksound der Fläche liegt, der Ausklang ist hingegen recht lang. Wer ein sehr trockenes Ridebecken sucht, wird hier eher nicht fündig.

Ich bin vom Klang der Impuls Becken wirklich positiv überrascht, solche Becken hätte ich mir in meiner Jugend (und auch später als Schlagzeuglehrer an diversen Unterrichtssets) immer gewünscht! Was mir ansonsten aufgefallen ist und vor allem die „Beckenputzer“ interessieren könnte: Bereits nach dem ersten Anspielen zeigen sich Spuren von Stickmarks, auch für Fingerabdrücke sind die Oberflächen recht empfänglich. Die Versiegelung scheint also, wie eingangs angesprochen, nicht allzu stark zu sein. Mit einem Beat Ware Cymbal Cleaner ließen sich die Spuren allerdings nach dem Test sehr leicht beseitigen. Wer aber nicht ständig putzen mag, wird damit leben müssen, dass sich hier über kurz oder lang etwas Patina bildet.

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