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01.04.2020

Zeit sparen mit eigenen DAW-Templates

Tutorial: Wertvolle Tipps zum Anlegen einer eigenen Vorlage

Workshop: So sparst du Zeit und kannst deine Kreativität ungehindert fließen lassen

Musik zu erschaffen ist und bleibt ein Mysterium. Niemand weiß so richtig, wie das genau funktioniert oder welche Abläufe dafür verantwortlich sind. Selbst der renommierte Filmkomponist Hans Zimmer erklärt, dass auch bei ihm eine musikalische Idee meist plötzlich da sei, ohne sich vorher auch nur im Geringsten angekündigt zu haben. So habe er oft das Gefühl, bei der Entstehung der Idee gar nicht dabei gewesen zu sein.

So geht das den meisten Musikern. Deshalb, so sind sich auch fast alle einig, ist es das Beste, eine Idee so schnell und vollständig wie möglich festzuhalten, sobald sie aufkommt. So kann nichts vergessen oder bereits beim Festhalten durch bewusste Entscheidungen verändert werden. 

Grundlage dafür ist ein schneller und effizienter Workflow und vor allem ein eigenes Template, mit dem du direkt loslegen kannst, ohne Dinge erst lange suchen oder einstellen zu müssen. Denn gerade beim Arbeiten mit einer DAW lässt sich durch gute Organisation viel Zeit sparen. Was genau beim Erstellen einer eigenen Vorlage zu beachten ist, erfährst du in unseren nun folgenden Tipps.

Ready to record

Auch wenn es besonders in der elektronischen Musik inzwischen völlig normal ist, ausschließlich am Laptop zu arbeiten und nur noch Sounds von VST-Synths oder Sample-Packs zu nutzen, wird in anderen Stilistiken umso mehr aufgenommen – sei es der Akustikgitarren-Track für einen Countrysong oder der individuelle Vocal-Effekt im Dancehall-Track. Egal, ob Recording nun oft oder selten in Produktionen eingesetzt wird, das Aufnahme-Equipment sollte stets zur Hand sein, damit direkt und ohne Verzögerungen aufgenommen werden kann. Wenn du dein Mikro erst aus dem Schrank holen musst und danach in deiner Kabelkiste nach dem richtigen Kabel suchen musst, ist die Melodieidee, die du gerade hattest, vielleicht schon wieder vergessen.

Lass das Mikrofon auf dem Stativ und trenne am besten auch die Verbindung zu deinem Audio-Interface nicht. In deinem neuen Template legst du zusätzlich gleich eine Mono-Audio-Spur mit dem Mikrofon als Eingang an und schaltest die Spur bereits scharf – du aktivierst sie also für die Aufnahme. Denn dann kannst du direkt nach dem Laden deiner Vorlage recorden. 

Und genau so machen das Künstler wie zum Beispiel Jacob Collier, der mit Mitte zwanzig bereits vier Grammy-Awards gewonnen hat. Hier kannst du dir ansehen, wie er arbeitet. Achte dabei besonders darauf, wie er schnellstmöglich alle musikalischen Ideen festhält und seine Komposition so direkt Gestalt annimmt. Ganz am Anfang erklärt er auch kurz, wie genau er sein Template aufgebaut hat.

Instrumente auf Abruf halten

Das gleiche gilt natürlich für alle Instrumente, die du regelmäßig in deinen Produktionen einsetzt. Auch hier solltest du versuchen, die Zeit zwischen Idee und Aufnahme so kurz wie möglich zu halten. In diesem Fall schauen wir uns ein negatives Beispiel an. In seinem Against-the-Clock-Video hat Tom Misch plötzlich technische Probleme, denn das Mikrofon funktioniert nicht. Sein Workflow wird dadurch merklich gestört.

Du siehst, es lohnt sich, sein Equipment stets funktional und griffbereit zu halten. Lege also auch für die Instrumente, die du am häufigsten benutzt, Tracks in deiner Vorlage an und benenne sie entsprechend. Lasse alle Instrumente stets mit dem Audio-Interface verbunden, falls möglich. So kann deine Kreativität ungehindert fließen.

In the box

Wer nun hauptsächlich in the box arbeitet, wendet das gleiche Prinzip an. Wenn du zum Beispiel ein MIDI-Controller vor dir stehen hast und gut Klavier spielst, dann solltest du in deinem Template unbedingt eine scharfgeschaltete MIDI-Piano-Spur anlegen, damit du ohne Umschweife direkt an einer Idee arbeiten oder sie schnell aufnehmen kannst. Wenn du meistens mit Synth-Sounds eine Produktion beginnst, dann lade dir zwei bis drei Standard-Synthesizer in dein Template. Wenn du deine Tracks immer mit den Drums beginnst, dann erstelle eine Spur mit deinem Drum-Sampler, in den du bereits ein Drum-Kit geladen hast. Achte je nach Stil darauf, dass du einen Basssound, wie auch Flächen oder perkussive Instrumente vorbereitest. Je mehr verschiedene Sounds und Instrumente in deiner Vorlage sind, desto weniger Sucherei kommt während der Produktion auf dich zu. Wenn deine Idee dann erst einmal grob festgehalten ist, kannst du immer noch in Ruhe Elemente und Klänge austauschen

So arbeiten auch viele Filmkomponisten, denn auch in diesem Bereich geht es darum, die verschiedensten Ideen schnell festhalten zu können und dabei auf so viele Sounds wie möglich zugreifen zu können. Der holländische Komponist Tom Holkenborg, aka Junkie XL, zeigt sein Standard-Template ausgiebig auf seinem YouTube-Kanal. Sein System besteht aus dutzenden Rechnern, die er alle über Ensemble Pro verbunden hat. Nach eigener Aussage dauert das Booten seines Systems bis zu 45 Minuten. So muss er bei Produktionen aber nie lange nach Sounds suchen. Ganz so groß musst du natürlich nicht gleich starten. Auch wenn du nur mit einem Rechner arbeitest, sparst du durch ein eigenes Template viel Zeit. 

Songstruktur anlegen

Eine weitere Möglichkeit ist es, die Struktur einer Produktion anzulegen, ohne die Instrumente oder Sounds zu laden. Falls du zum Beispiel elektronische Musik machst, wirst du so gut wie immer verschiedene Drum- und Bassspuren brauchen, das ist sicher. Du legst also Instrumenten- oder Audiospuren für Kick, Snare, Hi-Hat, Percussion usw. an, je nachdem, ob du mit Synths oder Samples arbeitest. Danach benennst du die Spuren, markierst sie farbig und routest dann alle in einen Drum-Bus, den du auch wieder passend benennen und einfärben kannst.

Lade auch alle Standardeffekte wie EQ oder Kompressor auf die Spuren und deaktiviere sie. So musst du sie später nur noch aktivieren und die Einstellungen anpassen. Wenn du dann einen guten Sound gefunden hast, musst du den Synth oder das Sample einfach nur noch auf die entsprechende Spur laden. So ersparst du dir das zeitraubende Routing, das Color-Coding und das Benennen, das sonst bei jedem Element deiner Produktion anfallen würde. 

Du kannst in den meisten DAWs inzwischen auch komplette Insert-Ketten, also eine Aneinanderreihung mehrerer Plugins, abspeichern. So kannst du mit einem Klick auf eine Gesangsspur deine Vocal-Effect-Chain laden.

Jede Sekunde zählt

Überprüfe auch andere Funktionen und Parameter deiner DAW darauf, ob du sie in deinem Template für dich optimieren kannst. Bei den meisten DAWs ist zum Beispiel das Tempo 120 voreingestellt. Wenn du aber nur Boom-Bap-Hip-Hop produzierst, wirst du damit nicht viel anfangen können. So musst du bei jedem Beat erst einmal ein anderes Tempo einstellen. Wenn sich bestimmte Tonarten nicht so gut für dein Genre eigen, schließe sie einfach aus.

Die meisten DAWs erlauben das Festlegen auf eine bestimmte Tonart, leiterfremde Töne können dann gar nicht eingespielt werden. Studio One bietet darüber hinaus eine Weiterentwicklung dieser Funktion. Ab Version 4 kann man über den Chord-Track Akkorde im Arrangement festlegen. Alle Spuren dieser Sektion werden dann automatisch an die festgelegte Harmonie angepasst, selbst bei Audiospuren.

Shortcuts und Macros

Im weitesten Sinne gehören auch Shortcuts zur eigenen Vorlage dazu, denn auch damit lässt sich Zeit sparen. Bei den meisten DAWs lassen sich diese ändern und den eigenen Wünschen und Gewohnheiten anpassen.

Bei Studio One ist es darüber hinaus möglich, die Tastaturbelegung anderer DAWs zu simulieren und eigene Belegungen zu ex- und importieren. Außerdem können über sogenannte Macros die verschiedensten Arbeitsschritte zusammengefasst werden. So lässt sich mit nur einem Tastendruck ein Effekt-Plugin mit bestimmten Einstellungen, wie zum Beispiel einem EQ-Low-Cut, oder eine ganze Effect-Chain auf eine Spur legen. Das spart enorm Zeit.

Aber auch schon mit herkömmlichen Shortcuts lässt sich der Workflow gut individualisieren. Nutze alle Möglichkeiten, die deine DAW bietet, und beschleunige deinen Workflow auch über die Tastaturbelegung.  

Eigene Installations- und Ablageordner anlegen

So gut wie jeder Musikproduzent sucht ständig nach neuen Sounds oder Effekten. Deshalb probieren wir auch alle des Öfteren neue Plugins aus. Teilweise werden unsere Neuanschaffungen dann von der DAW selbstständig in die richtige Kategorie eingeordnet. Das neue Hall-Plugin erscheint dann automatisch in der Reverb-Kategorie. Aber für den Fall, dass das nicht funktioniert, solltest du dir eine sinnvolle Installationstaktik überlegen, denn auch hier kann man sehr viel Zeit sparen.

Du kannst einen Musikordner anlegen, in den du alles installierst. Noch besser ist es aber, du legst jeweils einen Ordner für Instrumente und Effekte an. Alternativ kannst du auch für jeden Hersteller einen eigenen Ordner erstellen. Dann weißt du immer sofort, wo genau du suchen musst. Finde die Methode, die für dich am besten funktioniert.

Das Gleiche gilt natürlich auf für Drum-Samples, Loop-Packs, Synth-Presets oder Kontakt-Libraries. Lege alle Dateien sinnvoll ab, und zwar so, dass du sie jederzeit wiederfindest. Manche DAWs ermöglichen es dem User, neue Tabs für wichtige Ordner im Datei-Browser anzulegen. Auch das spart bei häufigem Umgang mit solchen Dateien sehr viel Zeit.

Fazit

Das waren unsere Tipps zum Erstellen einer eigenen DAW-Vorlage. Probiere einige davon aus, denn nur so wirst du schnell merken, ob dich dein alter Workflow ausgebremst hat, oder nicht. Deine Ideen sollten mit einem eigenen Template in Zukunft nur noch so sprudeln und nach einer Weile willst du wahrscheinlich gar nicht mehr auf deine Vorlage verzichten. Viel Spaß damit!

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