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Test
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15.05.2017

Yamaha FM Essential App und MX61 v2 Test

FM Synthesizer App für iOS

Zusätzliche FM-Klangquelle für den preiswerten Synthesizer

In der Yamaha MX Synthesizern lebt die bewährte Motif-Klangerzeugung zum günstigen Preis weiter. Mittlerweile gibt es die kleineren MX-Modelle mit 49 bzw. 61 Tasten in der Version v2, und gerade erst kam der MX88 als Variante mit Hammermechanik-Klaviatur hinzu. Die Motif-Topmodelle wurden hingegen inzwischen vom Montage ersetzt, der zeigt, dass die Kombination von gesampelten AWM2-Sounds und erweiterter FM-Synthese eine interessante Mischung ergibt. Mit der kostenlosen iOS-App „FM Essential“ bietet Yamaha auch den Besitzern der preiswerten MX v2 Synthesizer die Möglichkeit, das iPhone oder iPad zu einem FM-Klangerzeuger mit vier Operatoren zu machen, der direkt mit dem Keyboard verbunden und mit dessen Sounds kombiniert werden kann. Wir haben die FM Essential App zusammen mit einem MX61 v2 getestet.

Eines vorweg: FM Essential kann man auch nutzen, wenn man keinen MX v2 besitzt. Allerdings ist es nur MX v2-Benutzern möglich, das iPhone/iPad mit einem „Lightning auf USB Kamera Adapter“ direkt mit dem Synthesizer zu verbinden, wodurch sich die Sounds der App mit denen des MX kombinieren lassen und durch die Audio-Ausgänge des Keyboards geschickt werden. Es entsteht also quasi ein „kleiner Montage“, in dem wie beim großen Bruder die beiden Sound Engines AWM und FM gemischt werden. Wie gut das klappt und wie es dann klingt, zeigt dieser Test.

Details

Die neuen Yamaha MX v2 unterstützen „class compliant“ USB Audio und MIDI. Das ermöglicht „Plug&Play“-mäßiges Anschließen der iOS-Geräte ohne zusätzlichen Treiber. Ich war sehr angenehm überrascht, wie gut das funktioniert. Man benötigt lediglich ein normales USB-Kabel und den Apple Lightning auf USB Kamera Adapter, der für 35€ im Apple Store zu haben ist.

Die App steht kostenlos im App Store zum Download bereit. Im nicht-lizensierten Zustand bietet FM Essential nur 10 Presets, die sich zwar editieren, aber nicht abspeichern lassen. Verbindet man das iOS-Gerät erstmalig mit dem MX v2, so wird die App freigeschaltet und alle 270 Sounds und die volle Funktionalität stehen zur Verfügung. Die App kann danach auch ohne einen Yamaha MX v2 Synthesizer in vollem Umfang genutzt werden. Soeben hat Yamaha die Aktion „FM GO“ ins Leben gerufen und fordert interessierte Kunden auf, sich ihre eigene FM Essential App in einem Musikfachgeschäft durch den kurzzeitigen Anschluss des iOS-Devices an ein zertifiziertes Instrument kostenlos freischalten zu lassen.

Aufbau

Das Hauptfenster gibt einen Überblick über alle Funktionen der App. Die Sounds können mit einer kleinen Tastatur am unteren Bildschirmrand angespielt werden. Man kann auch umschalten auf eine Leiste mit Chord-Buttons, mit denen komplette Harmonien hörbar gemacht werden. Über ein kleines Zahnrad-Symbol gelangt man ins Setting-Menü für allgemeine Einstellungen. Mit den beiden Tasten FM und DRUM kann man zwischen den Menüs der FM-Synthese und dem Drumcomputer umschalten. In der iPad-Version werden beide Menüs gleichzeitig angezeigt, wenn das Display quer genutzt wird.

FM Essential bietet acht Voice-Bänke mit jeweils 64 Sounds. Neben der Preset Bank gibt es vier User-Bänke für eigene Soundkreationen und drei Bänke mit Sounds der bekanntesten 4-Operatoren-FM-Synths von Yamaha: DX100, TX81Z und V50. In der MX49/61 Combination-Bank findet man zusätzlich 15 Voices, die mit internen AWM-Klängen des Keyboards gelayert werden. Dazu wird beim Aufruf einer Voice ein Bulkdump zum MX v2 gesendet.

Die Benutzeroberfläche der App ist optisch an den DX7-Stil angelehnt. Alternativ kann sie farblich an die drei erhältlichen Farben der Yamaha MX v2 Serie angepasst werden: weiß, blau oder schwarz.

Ball Controller

Auffälligstes Element im Hauptfenster ist der sogenannte Ball Controller, der auch schon in anderen Yamaha Apps zum Einsatz kam. Es handelt sich um ein X/Y Control Pad, das man bedient, indem man mit dem Finger auf dem Display streicht. Dabei bewegt sich der Ball auf dem Bildschirm und beeinflusst verschiedene Parameter der Voice gleichzeitig. Für jedes Preset wurde eine individuelle Kombination aus Parametern und Werten vorprogrammiert, die in ein bestimmtes Verhältnis gesetzt wurden. Beim Einsatz des Ball Controllers entstehen dann teilweise überraschende Klangeffekte. Leider kann man diese Parameter-Zuweisungen nicht selbst vornehmen, sondern ist bei der Editierung von Presets auf die jeweils vorgegebenen Funktionen des Ball Controllers beschränkt. Allerdings kann man eine Position des Ball Controllers als eine von 16 „Scenes“ abspeichern und jederzeit durch Fingertipp aufrufen. Diese Scenes können temposynchron als 16-schrittige Sequenz abgespielt werden, wodurch sich sehr interessante rhythmische Klangveränderungen ergeben können. Dabei startet die Sequenz mit der gespielten Note auf dem Keyboard.

Fernsteuerung

Die Bewegungen des Ball Controllers können auch vom MX v2 aus gesteuert werden. Mit den Knobs C und D ist der Ball vertikal und horizontal fernsteuerbar. Auch der Filter der FM Voice lässt sich mit Knob A (Cutoff) und B (Resonance) am MX v2 beeinflussen. Schaltet man um, so können mit den vier Knobs noch andere Parameter gesteuert werden wie: Level der Operatoren, Gesamtvolumen, Panorama und die Intensität der Pitch- und Amplituden-Modulation. Mit den Tastern INC/YES und DEC/NO auf dem MX kann man die Voices in der App umschalten.

Im folgenden Video spiele ich einige der Preset-Sounds von FM Essential an und nutze die Möglichkeit der Beeinflussung einiger Parameter und des Ball Controllers durch die Drehregler am MX V2. Auch Drumloops können durch das Tippen auf entsprechende Flächen in der App angetriggert und gestoppt werden. Im Test stand ein Yamaha MX61 V2 BU zur Verfügung, also ein MX V2 mit 5 Oktaven-Tastatur in blau.

Edit und EFX/EQ

Im Edit Modus kann man die Voices detailliert bearbeiten und danach in einer User-Bank abspeichern. Es stehen acht verschiedene Algorithmen zur Verfügung um die vier Operatoren zu verschalten. Ein Operator kann je nach Algorithmus entweder als Carrier oder als Modulator dienen und verfügt über eine eigene regelbare Feedback-Schleife. Jedem Operator steht eine eigene Amplituden-Hüllkurve zur Verfügung. Ein LFO kann jeden Operator in Bezug auf Pitch und Amplitude in einstellbarer Intensität auch temposynchron beeinflussen. Mit dem PEG wird das Gesamt-Signal in der Tonhöhe moduliert. Ein resonanzfähiges Tiefpassfilter, Portamento und Einstellungen wie Transpose und Pitch Bend Range gehören auch zum Parameter-Satz. Schließlich gibt es eine EFX/EQ-Sektion mit zwei Effekten und einem 3-Band-Equalizer. Es stehen 15 Effekt-Typen zur Verfügung, darunter auch ein Rotary- und ein Distortion-Effekt. Das sind viele Möglichkeiten, aber der Editierung der Sounds sind dennoch Grenzen gesetzt. Wie bereits erwähnt ist es nicht möglich, die Parameter-Zuweisung des Ball Controllers selbst zu programmieren. Außerdem ist der Sysex-Bulkdump an den MX v2, der bei den 15 Combination Presets wichtig ist, nicht veränderbar.

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