Gitarre Hersteller_Walrus_Audio
Test
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16.02.2021

Praxis

Für den Praxistest wurde das ACS1 direkt an das Audio Interface (Universal Audio Apollo) in Stereo angeschlossen. Bevor wir aber zu den Stereoanwendungen mit zwei unterschiedlichen Amps kommen, wird das ACS1 mit einem Amp bespielt und wir klopfen erst einmal die unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten und diverse Bandbreiten der Regelmöglichkeiten ab. Hier hört ihr erst einmal die drei Amp-Modelle direkt hintereinander mit neutraler Einstellung aller Regler (12 Uhr) und jeweils den vom Hersteller empfohlenen Cabs (Fender: A, Marshall: B, Vox: C).

Als nächstes ist der Room-Parameter mit vier verschiedenen Einstellungen im Fokus, zuerst komplett zurückgenommen, dann auf 10, 14 und 17 Uhr. Das Ganze mit dem Fullerton-Amp.

Der Raumanteil lässt sich recht feinfühlig einstellen und klingt sehr natürlich. Es gibt keine extremen Sounds bei hohen Settings, was meines Erachtens genau richtig ist, denn es geht hier ja nur um die gewisse plastische Abbildung des Ampsounds mit dezentem Raum, und das funktioniert sehr gut.

Fullerton

Das Fullerton Amp-Modell liefert einen sehr guten unverzerrten Cleansound in der typischen kalifornischen Klangfarbe mit perligen Höhen. Bei hohen Gain-Settings kann es auch etwas dreckiger klingen, es ist aber prinzipiell - wie das Original - eher für die klaren Töne zuständig. Vor allem verträgt sich die Fullerton-Variante sehr gut mit Overdrive- und Distortion-Pedalen. Wenn man die Konzeption Clean-Amp und Zerrpedale fahren möchte, ist das Fullerton Amp-Modell von allen dreien meines Erachtens am Besten dafür geeignet.

London

Das Amp-Modell aus der britischen Hauptstadt trifft den typischen Bluesbreaker-Klangcharakter mit einem etwas weicheren Ton und weniger Zerre bei Maximaleinstellung als zum Beispiel der Plexi aus dem Strymon Iridium. Für die etwas satteren Töne kann es auch gerne mit Boost-Pedalen in höhere Zerr-Regionen katapultiert werden. Die London-Ausgabe reagiert ausgezeichnet auf die Aktionen an der Gitarre und liefert bei leichtem Anschlag weniger Zerrgrad, aber immer noch eine satte Lautstärke; die Endstufenkompression des Combos wurde hier (aber auch bei den anderen beiden Amp-Modellen) sehr gut eingefangen. Auch die Reaktion auf das Volume-Poti an der Gitarre funktioniert bestens. Beim Setting 2 steht der Gain-Regler auf 16 Uhr und das Gitarren-Volume der Strat wurde auf 8 zurückgedreht, sodass der Sound fast clean ist.

Dartford

Der gemodelte AC30 kommt mit den typischen kernigen Höhen und mit der Klangregelung auf 12 Uhr klingt er schon recht brillant. Der Klangcharakter des Originals ist klar getroffen und auch hier gibt es in puncto dynamische Ansprache und Reaktionsverhalten auf die Aktionen an der Gitarre nichts zu beanstanden. Das Dartford Amp-Modell klingt etwas dreckiger als das Fullerton und liefert die beliebten glasigen Crunchsounds.

Die sechs Werks-Cabs bieten eine gute Grundlage zur Soundgestaltung und decken eine praxisnahe Bandbreite an Kombinationsmöglichkeiten ab. Generell tendiere ich zu den vorgeschlagenen Cabs A, B, und C für die einzelnen Amp-Modelle, die Variante von A mit dem Super Reverb Cab ist recht wuchtig und mitunter zu bassig für die Integration im Mix, aber wenn man einen fundamentalen Sound sucht, ist dieses Cab gut geeignet. Das Two Rock Cab (B Variation) liefert einen guten schlanken Ton und harmoniert meines Erachtens gut mit allen drei Amp-Modellen. Auf jeden Fall gibt man dem User mit diesen sechs Varianten eine amtliche Ausstattung mit auf den Weg. Generell liefert das ACS1 recht gute "Recording Ready" Sounds, denn alle Modelle zeigen sich etwas schlanker im unteren Mittenbereich. Was sich etwas dünner anfühlt, wenn man alleine spielt (das Strymon Iridium ist etwas muskulöser aufgestellt), erweist sich im größeren Zusammenhang unter Umständen als recht praktisch, denn man muss den üblichen Frequenzbereich in den unteren Mitten oder Bässen nicht unbedingt absenken.

Boost & Stereo

Der Boost liefert eine dezente Gain- und Volume-Anhebung, selbstverständlich abhängig von der Basiseinstellung des jeweiligen Amp-Modells. Wenn man den Gain dort bereits voll aufgedreht hat, kann man mit dem Boost nicht mehr viel nachlegen. Bei mittleren Gain-Settings hat man mit dem Boost aber eine zweite Alternative für einen höher verzerrten Sound, z.B. für Soli.

Jetzt geht es zum Stereoeinsatz, und dort ergeben sich weitere Gestaltungsmöglichkeiten, selbst wenn die Gitarre später im Mix gar nicht komplett in Stereo gefahren wird. Dezente Varianten, wie zum Beispiel einen Amp mit unterschiedlichen Cabs oder Einstellungen zu spielen, bringen einen etwas breiteren Klang und sind besonders gut geeignet, wenn im Arrangement bei der Aufnahme nur eine Gitarrenspur zu hören ist. Durch das Kombinieren von zwei Amps mit unterschiedlichen Settings kann man zum Beispiel den London Amp mit Vollgas fahren und für den Attack noch den Dartford Amp mit etwas weniger Verzerrung hinzunehmen. Im dritten Beispiel ist das zu hören.

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