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Test
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09.09.2017

Waldorf mod1, dvca1 und cmp1 Test

Eurorack-Module

Verstärker, Modulation und Kompressor für Eurorack-Systeme

Neben dem nw1 und dem neuen vcf1 umfasst die Waldorf Eurorack-Serie auch die drei modularen Helferlein mod1, dvca1 und cmp1. mod1 ist ein Modulator-Modul mit einem LFO und zwei Envelopes. Das Modul dvca1 ist ein doppelt ausgelegter VCA für Audio- und Steuersignale. Schließlich bietet Waldorf mit dem cmp1 auch einen Kompressor im Eurorack-Format an. In diesem Test nehmen wir die drei unter die Lupe.

Alle drei sind im gleichen Design gehalten wie auch der nw1, mit weißen Frontplatten, silbernen Kappen, für Eurorack-Maßstäbe wuchtigen Hebeln und vor allem ziemlich viel Platzbedarf. Damit fallen sie designtechnisch gegenüber den meisten anderen Modulen etwas aus der Reihe, integrieren sich aber perfekt in die Optik und Haptik des Modular-Keyboards kb37.

Waldorf mod1

Das Waldorf mod1 Modul besteht aus einem LFO, einem A3DSR Envelope und einem AR Envelope. Die beiden Hüllkurven sind loopbar, können also auch als LFOs mit einstellbarer Verlaufsform eingesetzt werden. Beim LFO des mod1 kann man zwischen Dreieck und Rechteck wählen, die beide in ihrer Symmetrie verbogen werden können. Das Dreieck lässt sich so auch in einen steigenden und fallenden Sägezahn umbiegen, beim Rechteck wird die Pulsweite geändert. Sowohl Symmetrie als auch die Geschwindigkeit können über CV gesteuert werden, allerdings kommt der LFO auch bei angelegter Steuerspannung nicht über 25 Hz hinaus. Das langsamste Tempo wird von Waldorf mit 0,2 Hertz angegeben. Über eine Stellschraube kann man die Geschwindigkeiten verändern, allerdings verändern sich dann immer Maximal- und Minimalwert gleichzeitig.

Waldorf nennt den LFO allerdings nicht ohne Grund "Symmetry Generator", denn er kann im "Trig" und "Gate" Modus auch als Hüllkurve verwendet werden. Für diese Zwecke gibt es denn auch einen Trigger/Gate Input, mit dem der LFO extern gestartet werden kann.

Obwohl der LFO weder besonders viele Wellenformen abdeckt noch besonders langsam oder schnell ist, kann er doch überzeugen.Mit der Symmetrieveränderung hat er einen Trumpf in der Tasche, der für vielseitige und abwechslungsreiche Modulationen sorgt, zumal mit der Symmetrie auch das gefühlte Tempo geändert und unterbrochen werden kann. Trotz aller Einfachheit bekommt der LFO deshalb die volle Punktzahl.

Der A3DSR ist ein Multistage-Envelope mit einer Attackphase, drei Decayphasen und einer Releasephase. Attack und Release sind klar, was machen die drei Decayphasen? Diese kann man sich ein bisschen so vorstellen wie die Hüllkurven beim Yamaha DX7, denn man gibt für jede Decayphase das Level an, das erreicht werden soll und außerdem die Zeit, in der das Level erreicht werden soll. Dabei kann das zweite Level durchaus höher sein als das erste und das dritte wiederum noch höher oder auch alles andersherum oder hoch, tief, hoch... Mit dem A3D(S)R sind viele Grenzen, die ein normaler ADSR steckt, aufgelöst. Wieviele Decayphasen verwendet werden, kann man über einen Hebel einstellen. Immer die letzte Decayphase ist dann übrigens auch die Sustainphase, auf deren Level der Ton stehen bleibt, solange das Gate offen ist, also zum Beispiel bei Tastendruck. Auch hier sind die Zeiten nicht übertrieben: Die Attackphase kann maximal drei Sekunden dauern, die Delayzeiten nicht länger als fünf. Dafür besteht aber die Option den Envelope zu loopen und es gibt einen Invers Out, welcher negative Spannungen ausgibt. Ein rein analoger Multistage-Envelope ist selten, dazu ist er noch loopbar. Das lässt die doch recht kurzen Zeiten verschmerzen.

Zu guter Letzt enthält das Dreifachmodul noch einen AR Envelope. Bei diesem letzen Baustein kann die Symmetrie der Attackphase (Rise) stufenlos von linear zu exponentiell geändert werden. Dabei reichen die Zeiten von 15 Sekunden bis weit in den Hörbereich hinein und auch dieser Envelope kann geloopt werden. Die stufenlose Verstellbarkeit ist selten, die Loopbarkeit auch, der Bereich der Zeiten ist klasse – dafür gibt es fünf Punkte.

Fazit

Wenn man alle drei im Waldorf mod1 Modul kombinierten Einheiten zusammen nimmt, bekommt man drei Hüllkurven respektive LFOs, die viele anderen Modulationsmodule in ihren Möglichkeiten weit hinter sich lassen, auch wenn ich mir hin und wieder einen weiteren Bereich der Zeiten gewünscht hätte. Der komplexe Multistage Envelope geht weit über ADSR hinaus und wird durch den LFO und den einfacheren AR Envelope optimal ergänzt. 329.- Euro sind zwar kein Pappenstiel für ein Modulatormodul, aber man bekommt ja auch gleich drei flexible Modulatoren, die hervorragend zusammenspielen. Und damit bekommt auch das gesamte Modul fünf Punkte.

 


												
  • PRO
  • drei verschiedene Hüllkurven/LFOs unter einem Dach
  • die verschiedenen Möglichkeiten ergänzen sich gut
  • sehr flexibler Multistage Envelope
  • CONTRA
  • Geschwindigkeit des LFOs und Zeiten der A3DSR Hüllkurve könnten größer sein

Waldorf dvca1

Der dvca1 ist ein doppelt ausgelegtes Verstärkermodul mit regelbaren Eingängen für Klänge (AC) und Steuersignale (DC). Dazu gibt es für jede Einheit noch einen Gainbooster von bis zu 13,5 dB, welcher das Signal sehr schön und musikalisch in den Overdrive schickt. Gerade in Verbindung mit dem nw1 ist das eine tolle Sache. Zusätzlich gibt es aber auch noch einen 12 dB Tiefpassfilter, der im Zusammenhang mit dem Verstärker steht und nach Art eines Lowpass Gates arbeitet.

Das Lowpass Gate ist eine Erfindung von Don Buchla und resultiert aus der Beobachtung, dass leise Töne bei akustischen Instrumenten weniger Obertöne haben als laute (man denke nur an die Trompete, Waldhorn oder Rhodes Piano). Das Lowpass Gate schließt sich also bei leisen Tönen und lässt bei lauteren Tönen mehr Obertöne zu. Im Gegensatz zum klassischen, Vactrol-basierten Buchla Lowpass Gate arbeitet die Schaltung beim dvca1 aber auf OTA-Basis, was für eine deutlich schnellere Ansprache sorgt.

Alles bisher besprochene gibt es, wie gesagt, doppelt. Wir haben es also mit einem Verstärkermodul zu tun, bei dem man den Klang zweimal unterschiedlich einfärben kann. Als wäre das noch nicht genug, gibt es zusätzlich die Möglichkeit, die beiden Signale zusammenzumischen. Außerdem lassen sich die beiden Verstärkereinheiten parallel beziehungsweise gegenläufig schalten. Und damit haben wir einen Panner, mit dem wir zwei Signale im Stereoraum verteilen beziehungsweise sich dort bewegen lassen können.

Fazit

Waldorf zeigt mit dem dvca1, was man aus einem einfachen Verstärkermodul machen kann. Auch dieses Modul ist ein Blickfang, vor allem aber bietet es klanglich viel. Leider sind 300 Euro eine Menge Geld für einen Verstärker und beim Low Pass Gate hätte man sich vielleicht noch ein paar Regelmöglichkeiten mehr gewünscht, weshalb es hier trotz guter Ideen und tollem Sound nicht nach ganz oben reicht.

  • PRO
  • sehr musikalische Klangformung
  • doppelte Ausführung
  • Panning-Funktion
  • CONTRA
  • Preis

Waldorf cmp1

Zum Schluss kommt der cmp1 genannte Kompressor, der wie die anderen Module breit, stark und weiß daher kommt. Acht Drehregler, drei Hebel und neun Ein- und Ausgänge, das ist einiges mehr als das, was man üblicherweise an einem Kompressor so findet. Überhaupt könnte man sich fragen, wie Waldorf eigentlich auf die Idee gekommen ist, ausgerechnet einen Kompressor in seine Eurorack-Serie zu integrieren, gibt es im nw1 doch gerade mal ein Wavetable mit Percussion. Was man dafür aber umso öfter findet, sind leise Klänge, die sich in einem Wavetable verbergen, zum Beispiel leise Obertöne bei Filterfahrten, die man doch vielleicht gerne lauter gehört hätte. Und genau dafür kann man einen Kompressor in jedem Modularsystem sehr gut gebrauchen, zumal der cmp1 jeden Klang sehr schön andickt und die analoge Anfettung genauso wie beim dvca1 den Klängen aus dem nw1 sehr gut tun.

Wie die Anzahl der Regler, Schalter und Ein- und Ausgänge schon vermuten lässt, ist der cmp1 ein recht umfangreich ausgestatteter Kompressor. Zudem kann er auch als einfacher Verstärker fungieren und das Signal genauso mit dem Overdrive andicken wie der oben besprochene dvca1. Leider führt das allerdings auch dazu, dass man am Anfang etwas verwirrt auf die Regler schaut. Nach einiger Zeit wird dann alles klar. Im Einzelnen findet man folgende Anschlüsse und Bedienelemente:

 

  • Main Input für das Audiosignal
  • Sidechain Input für das Steuersignal
  • Balanceregler zwischen Main und Sidechain Input
  • Regler für Attackzeit
  • Regler für Releasezeit
  • Wahlschalter für drei verschiedene Kompressionstypen: Adapt, RMS, Peak mit eigenem Signalausgang
  • Wahlschalter für zwei verschiedene Kompressionsverhalten (Hard/Soft Knee)
  • Wahlschalter für zwei verschiedene Attack- und Releaseverhalten
  • über CV regelbarer Thresholdregler, an dem der Kompressor anfängt zu arbeiten
  • über CV regelbarer Compression-Regler anstelle der üblichen Ratio
  • Bleed-Regler für die Balance zwischen Original und komprimierten Signal
  • Gainregler für die letzte Verstärkung vor dem Ausgang

Weil der cmp1 aber auch noch den einfachen Verstärkerpfad ohne Kompression hat, gibt es auch noch einen über CV regelbaren Level-Regler für die Verstärkung des Eingangssignals. Und weil Waldorf auch noch die Idee hatte, dass man ja eventuell mehrere cmp1 in sein Eurorack einbauen möchte, besitzt der cmp1 auch noch einen Link Ein- und Ausgang.

Wow, ist noch jemand da? Hier scheint doch ein Studiogerät ins Eurorackformat gerutscht zu sein. Bei dieser Fülle an Möglichkeiten muss man sich fragen, ob man das live überhaupt noch steuern kann, zumal man bei den meisten Wahlschaltern ohnehin nur nach dem Ohr gehen kann. Auch die Möglichkeit, gleich noch einen zweiten cmp1 anzuschliessen scheint darauf hinzuweisen, dass Waldorf hier vielleicht eher nach dem Studiomarkt schielt. Ob Eurorack aufgrund seiner Begrenzung auf 12 Volt technisch da überhaupt das Mittel der Wahl ist, steht dann aber auf einem anderen Blatt.

Fazit

Als einziges Modul der ersten Waldorf Modularserie hinterlässt der cmp1 einen zweispältigen Eindruck: Wo die anderen Module mit einfallsreichen und auf die Modularwelt zielenden Ideen trumpfen, ist der cmp1 eher unübersichtlich und passt trotz der vielen Anschlussmöglichkeiten nicht so richtig ins Bild. Der integrierte Verstärker klingt wie beim dvca1 sehr schön, was allerdings daran liegen könnte, dass es genau der gleiche ist. Und so reicht es am Ende zu drei Punkten, denn funktionieren tut ja alles, der Overdrive klingt schön und ein Kompressor am Ende des Signalwegs ist auch im Modularsystem eine sinnvolle Investition.

  • PRO
  • viele Einstellmöglichkeiten
  • gleiches schönes Overdrive wie im dvca1
  • CONTRA
  • eher ungeeignet für den live Einsatz
  • Link mit zweitem cmp1 für den Stereoeinsatz vielleicht etwas für den gutbetuchten Connaisseur, wobei ein richtiges Studiogerät dann wohl die bessere Wahl wäre
  • FEATURES MOD1
  • Drei Modulationsquellen in einem Modul
  • Alle Modulatoren basieren auf einer neuen analogen Schaltung, die schnelle Attacks und sehr weiche Kurven ermöglicht
  • 1. AD3SR
  • ADSR Hüllkurve mit bis zu drei Decaystufen
  • Jede Decaystufe verfügt über eine Zeit- und eine Zielpegelkontrolle
  • Konfigurierbar für eins, zwei, oder drei Decaystufen
  • Loop-Mode zum loopen von Attack über alle Decaystufen
  • Gate- und Triggereingänge
  • Positiver und invertierter Ausgang
  • 2. Symmetrie Generator
  • Zwei-Segment Modulator mit regelbarer Symmetrie
  • CV- Eingänge für Speed und Symmetrie
  • LFO Mode mit bipolarem Ausgang
  • Gate- und Trigger-Hüllkurvemodi mit unipolarem Ausgang
  • Lineare- oder Rechteck-Wellenform
  • 3. Rise & Fall
  • Zweistufige Hüllkurve
  • Flexible Reglung für die ansteigende Kurvenform
  • Optionaler Loop-Mode
  • Gate Eingang
  • Signal Ausgang
  • Modulbreite: 32HP
  • FEATURES DVCA1
  • Zwei analoge VCAs
  • Variable Timbre Kontrolle basierend auf State Variable Filtern
  • Timbre über CV Eingang steuerbar
  • Simultan nutzbare linear und exponentiale Kontrollen und CV Eingänge
  • Zusätzliche Gainkontrolle bis zu +12 dB
  • Separate AC und DC gekoppelte Eingänge für Verarbeitung von Audio oder Steuerspannangen
  • Zusätzlicher Summenausgang, der beide Signale kombiniert
  • Link-Mode für die parallele Modulation von zwei Signalen
  • Anti-parallel Link Option für Panoramaeffekte
  • Modulbreite: 20HP
  • FEATURES CMP1
  • analoger Kompressor
  • Flexibler Sidechain
  • Steuersignal basierend auf der regelbaren Balance zwischen dem Side- und dem Hauptsignal
  • RMS und Peak Modi
  • Threshold und Kompression sind auf dem Panel über zusätzliche CV-Eingänge kontrollierbar
  • Attack & Release im Manual- oder Automatic-Mode
  • Hard- und soft-knee Kompression
  • Beimischbares Originalsignal zum komprimierten Ausgang
  • Regelbarer Gesamteingangspegel
  • Separater Steuersignalausgang für den Einsatz als Envelope Follower
  • Zusätzlicher Eingang zur Pegelkontrolle für die optionale Verwendung als exponentieller VCA
  • Modulbreite: 20HP
  • PREISE
  • mod1: Straßenpreis ca. 330 Euro
  • dvca1: Straßenpreis ca. 300 Euro
  • cmp1: Straßenpreis ca. 310 Euro

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