Hersteller_Waldorf Software
Test
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04.10.2011

PRAXIS

Schnell vonstatten geht die Installation, die Freischaltung der Software per E-Licenser dauert ein paar Minuten. Mit dem “E-Licenser” wird ein Freischaltungs Code abgefragt und der Benutzer online autorisiert.  
Das Arbeiten mit Lector geht leicht von der Hand, das grafische Interface ist dabei sehr übersichtlich gestaltet. Etwas Erfahrung mit dieser Spezies vorausgesetzt, sollte es einem hier recht schnell gelingen, schicke Vocodersounds aus dem Plug-In herauszukitzeln. Ein Haufen guter Presets begünstigt das erste Auskundschaften, wer dennoch etwas Anleitung braucht, findet diese im wirklich gut geschriebenen, ausführlichen PDF-Handbuch in deutscher Sprache.

Allein mit dem Ausprobieren verschiedener Spektren der Oszillatoren oder Filter-Modi kann man schon eine Weile verbringen. Besonders die “Whitening”-Funktion des Filters ist interessant: Mit ihr kann man einen bestimmten Frequenzbereich stark absenken, wodurch sich besonders bei Sprachverfremdungen dröhnende Überbetonungen in den Mitten effektiv bekämpfen lassen.

Über Side-Chain-Experimente und Filterbank-Modulationen probiere ich mich bis zu den Effekten durch – und kann konstatieren: Der Lector kann eine ganze Menge und klingt wirklich gut! Gute Roboterstimmen, Vocoderchöre, Vocoderdrums und auch richtig Abgefahrenes bekommt man hier schnell hin, von störendem Aliasing ist keine Spur. Klanglich spielt er in der Liga des von mir sehr geschätzten „Orange Vocoders“ von Prosoniq und übertrifft diesen in puncto Verfremdungsmöglichkeiten sogar noch um einiges. Die klanglich besten Ergebnisse habe ich mit externen Carrier-Signalen per Side-Chain Input erreicht. Der interne Synthesizer des Lector trifft nicht so ganz meinen Geschmack, er klingt mir generell etwas zu grell. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten... Begeistert hat mich hingegen die „Synthesis Filterbank“, gerade auch in ihren extremen Bereichen. Feinste Glitch-Sounds und ähnliches digitales Geschwurbel fernab kultivierter Stimmenverfremdung oder Sprachverständlichkeitsansprüche lassen sich damit basteln. Daher ist der Lector auch für Soundschrauber, die eigentlich nur eine experimentelle Filterbank suchen, ein heißer Tipp!

Alle Parameter sind von meiner DAW aus automatisierbar, auch Poti-Bewegungen im GUI werden auf umgekehrtem Wege aufgezeichnet. Bei gehaltener Apfeltaste und Mausklick auf einen Poti springt dieser auf seinen Default-Wert Mittelstellung zurück. Auch das Mausrad lässt sich zum Editieren der Parameter einsetzen. Einen benutzerfreundlichen MIDI-Learn-Modus gibt es zwar nicht, externe MIDI Controller lassen sich aber immerhin zur Steuerung der meisten Parameter des Lectors einsetzen. Wer ein solches Ansinnen hegt, kann sich an den CC-Nummern orientieren, die oben im „Display“ angezeigt werden, wann immer ein Poti im GUI bewegt wird.

Hier das Audio-Protokoll meiner Lektoratssitzung.

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