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09.05.2014

Der Polysynth

Lassen wir die ganzen ersten Eindrücke nun hinter uns und schauen uns an, was der Trident im Einzelnen zu bieten hat. Das ist – auf jede Einzelsektion bezogen – gar nicht so viel, in Kombination aber beeindruckend. Einzeln aktivieren lassen sich die drei Sektionen in der Tasterleiste oberhalb der Tastatur, wo sich auch die Lautstärkeregler für die drei Abteilungen befinden.

Für die Synth-Sektion gibt es auf dem Panel folgende Regler:

Für Oszillator 1

  • Octave (16’, 8’ und 4’)
  • Waveform: Sägezahn, Puls (Pulsbreite einstell- oder modulierbar)
  • PW/PWM (manuelle Einstellung der Pulsbreite bzw. Intensität der Modulation)
  • PWM Speed (Einstellung der Modulationsfrequenz)

Für Oszillator 2

  • Octave (16’, 8’ und 4’ oder OFF)
  • Detune (zum leichten Verstimmen gegenüber OSC1)

Oszillator 2 liefert immer eine Sägezahnschwingung.

VCF

  • Cutoff
  • Resonance
  • Keyboard Track (bestimmt den Grad, in welchem die Grenzfrequenz sich im Verhältnis zur Höhe der gespielten Note verändert - 0% bis 150%)
  • EG Intensity

Dazu verfügt die Synth-Sektion beim Trident MkII über getrennte ADSR-Regler für VCF und VCA – der MkI besitzt hingegen nur eine Hüllkurve. Ganz rechts gibt es noch einen Attenuator, mit dem man die Lautstärke beim Programmwechsel begrenzen kann, damit es nicht zu große Schwankungen beim Umschalten auf einen anderen Sound gibt. Das zahlt sich vor allem im Live-Betrieb aus. Darunter befindet sich der Auto Damp-Schalter, mit dem man verhindern kann, dass sich im Solo einzeln gespielte Töne bei Sounds mit langer Ausklingzeit überschneiden und gegenseitig stören. Bei Auto Damp On wird jede einzelne Note gedämpft, sobald eine neue angeschlagen wird.

Die Sounds der Synthesizer-Sektion lassen sich beim Trident abspeichern. Beim MkII stehen neben 32 Presets auch 32 Speicherplätze für eigene Sounds zur Verfügung, beim MkI sind es nur 16. Aber noch eine weitere, wichtige Verbesserung gab es beim MkII: Hier lassen sich Sounds aus den Presets heraus verändern, während es beim MkI nur die Wahl gab zwischen Preset oder Manual. 

Wäre die Synthesizer-Sektion übrigens alles, was der Trident zu bieten hätte, dann wären die Klangbeeinflussungsmöglichkeiten tatsächlich eher sparsam. Aber das war’s ja noch nicht.

Die Brass-Sektion

Für den Brass-Bereich gibt es weder Presets noch Speicherplätze und die Einflussmöglichkeiten beschränken sich auf acht Regler:

  • Cutoff
  • Resonance (treibt man die Brasses in die Selbstoszillation, so klingt das deutlich böser als bei der Synth-Sektion)
  • Silence Note / Trigger Select (dazu gleich mehr)
  • EG Intensity / VCF (hier wird eingestellt, wie sich die Hüllkurve auf die Einsatzfrequenz des Filters auswirkt)
  • ADSR (4 Regler)

Auch bei den Brasses lassen sich die Fußlagen auswählen (16’ und/oder 8’). Den Abschluss machen zwei Trigger-Tasten (Multiple Trigger und Trigger Select).

Brass Trigger

Als MIDI-Verwöhnter mag man heute darüber schmunzeln, aber die Trigger-Funktion wertet den Trident deutlich auf. Die Brass-Sektion – und leider nur die – lässt sich nämlich über einen Trigger-Eingang durch externe Geräte ansteuern. Das macht eine Menge Spaß. Du suchst dir ein nettes Drumpattern aus und schraubst dabei an dem niedlich-kleinen Brass-Panel. Ganz schnell lassen sich so fette Basspattern oder zwitschernde Sequenzen realisieren.

Ein paar nützliche Helfer zur Kontrolle der Trigger-Funktion finden sich auf dem Bedienfeld: Multiple Trigger, Trigger Select und Silence Note. Multiple Trigger heißt, dass die EG-Operation mit jedem einzelnen Tastendruck ausgelöst wird. Trigger Select aktiviert die Silence Note-Funktion. Mit dem Silence Note-Drehschalter kann man bestimmen, ab welcher Tastenzahl (2,4,6 oder 8) die EG-Operation ausgelöst wird. Wählt man die Nr. 2, dann müssen gleichzeitig zwei Tasten gedrückt sein, um den Hüllkurvengenerator in Gang zu setzen. Bei Nr. 4 starten die Bläser erst ab der vierten Taste. Diese Funktion lässt sich übrigens auch durch ein Fußpedal auslösen.

Strings

Auch in der Strings-Sektion gibt es keine Speicherplätze, aber die Eingriffsmöglichkeiten in den Klang sind wieder ein wenig umfangreicher gestaltet als bei den Brasses. Für die Strings gibt es eine einfache Lautstärkenhüllkurve mit Attack und Release. Hinzu kommen die zwei ungewohnten Regler der Bowing-Funktion. Über das Bowing soll der natürliche Anstrich eines Streichers, sozusagen der „Aufprall“ des Bogens auf die Saiten, simuliert werden. Mit den beiden Reglern Tone und Level kann man darauf Einfluss nehmen. Was man hört ist vor allem eine Veränderung des Attacks. Die Töne bekommen dadurch ein seltsamen Klirren. Im nächsten Beispiel habe ich den Effekt kontinuierlich ein- und wieder ausgeblendet.  

Zur Klangregelung verfügt die Strings-Sektion über einen 2-Band-Equalizer (High / Low) und ein Ein-Knopf-Filter (Keyboard Balance). Außerdem gibt es eine Vibrato-Funktion (Delay-Time, Intensity, Speed) und einen Ensemble-Effekt, der sich lediglich an- und abschalten lässt.

Die Strings mal ganz ohne Effekte und mit kurzem Anschlag:

Und jetzt mit 100% Release und allen internen Effekten:

Key Assign

Über den Key Assign-Bereich lassen sich die einzelnen Sektionen in verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten auf die Tastatur verteilen. Jede Sektion kann dem Bereich unterhalb des festen Splitpunkts, dem Bereich darüber oder der gesamten Tastatur zugewiesen werden. Daneben befindet sich noch der Assign Mode mit zwei Wahlmöglichkeiten. Der Schalter wirkt sich vor allem auf das Ausklingverhalten eines Tones aus. In Stellung 1 erhält jede einzelne Note eine eigene Ausklingzeit, während beim Aktivieren der 2 nur der letztgespielte Ton einzeln ausklingt. Der Unterschied macht sich zum Beispiel beim schnellen Solieren bemerkbar.

Joystick / Delay Vibrato

Anders als bei den meisten Konkurrenzprodukten aus dieser Zeit gibt es keine Drehräder für Pitch und Modulation, sondern einen kleinen Metallstift, mit dem sich zwei Parameter gleichzeitig verändern lassen: Links/rechts verändert die Tonhöhe, während rauf/runter eine LFO-Modulation der Tonhöhe mit einer Sinus- oder Rechteckschwingung bewirkt. Diese lässt sich über zwei Drehregler in Intensität und Geschwindigkeit einstellen und wirkt auf alle drei Sektionen. 

Alternativ dazu verfügt der Trident über eine Delay Vibrato-Funktion, die automatisch mit einer gewissen Verzögerung ein Vibrato erzeugt. Wenn Delay Vibrato aktiv ist, ist die Y-Achse des Joysticks ohne Funktion.

Flanger

Neben den schon erwähnten Strings-Effekten lässt sich ein Flanger hinzuschalten, leider nur für eine Sektion zur Zeit. Er bietet die Regler Speed, Intensity, Feedback und Manual. Vorsichtig dosiert klingt der Effekt schön subtil. Aber je nach Einstellung können sich die Töne auch überschlagen und es lassen sich abgedrehte Sounds einstellen. Wie die meisten Effekte aus dieser Zeit hat der Flanger allerdings die Eigenart, ziemlich stark zu rauschen. Außerdem dünnt er den Sound etwas aus. Man muss sich also entscheiden, ob man einen fetten Sound haben will oder einen dünn-schwirrend-klirrenden Flanger, der eben rauscht. Ich habe alternativ auch mal externe Effektgeräte angeschlossen. Der t.c. electronics Chorus/Flanger hört sich sehr gut an zum Trident, der Boss CE1 ebenfalls, allerdings rauscht der auch ein wenig. Ein digitaler Effekt (Line 6 Modulation Moduler) zerstörte den Höreindruck. Der Trident ist halt ein alter, analoger Synthesizer mit seinen wunderbaren Macken und Eigenheiten. Also benutze ich meistens, wenn ich einen Flanger brauche, den eingebauten.

Fazit

Es gibt wahrscheinlich bessere Synthesizer – den Jupiter-8 zum Beispiel – und auch bessere Experten für Brasses. Vielleicht gibt es auch bessere String-Synthesizer, wie etwa den Korg Lambda. Aber wenn man sich von all dem ein bisschen abschneidet und gemeinsam in einem Gehäuse unterbringt, dann hat man einen Trident. Er kann bissig und bassig oder warm und weich und dabei unglaublich sphärisch klingen. Vor allem aber macht er unglaublich viel Spaß und ist eine Bereicherung für jede Live-Performance. Die verschiedenen Sektionen und die zahlreichen Möglichkeiten sie zu kombinieren, das Antriggern der Brasses und die Einzelausgänge machen den Trident auch zu einem vielseitigen Instrument im Studio. Ein Midikit für den MkII gibt es ab 95 Euro, so dass er noch einmal aufgewertet werden kann.

Betrachtet man jede Sektion einzeln, dann sind die Einflussmöglichkeiten auf den Sound zum Teil begrenzt. Andererseits kommt man so schnell zur Sache – der Trident war ja auch und vor allem als Bühneninstrument konzipiert. Alle drei Sektionen zusammen gespielt ergeben wunderschöne Layer-Sounds. Oder man splittet die Tastatur über den Key Assign-Bereich.

Hier noch ein kleiner Beispiel-Track. Von Krautrock bis Elektro-Pop – Der Trident ist ein Spielzeug im allerbesten Sinne!

Mit meiner Begeisterung kann ich wohl kaum hinter dem Berg halten. Aber es ist einfach so. Die Behauptungen, der Trident klinge zu dünn, kann ich nur in Ansätzen teilen – er kann auch sehr fett daherkommen. Mich hat der Trident deshalb vor allem gelehrt, nicht so sehr auf Aussagen selbsternannter Experten in diversen Synthesizer-Foren zu achten, sondern eher auf das zu hören, was der Synthesizer selbst dazu zu sagen hat. Ich werde diesen Trident wohl nie wieder hergeben. Vielleicht denken die meisten Trident-Besitzer so und sorgen damit für die Verknappung auf dem Markt. Und die Preise steigen und steigen...

  • PRO
  • Klang
  • Spielspaß
  • Übersichtlichkeit
  • Vielseitigkeit (3 Sektionen, Split-/Layer-Mode, Einzelausgänge)
  • robuste Verarbeitung
  • CONTRA
  • Ein Arpeggiator wäre schön gewesen
  • Gewicht (23,5 kg) und Größe (101 x 54 x 17cm)
  • Preis (zur Zeit zwischen 1700 und 2500 Euro)
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