Feature
3
09.05.2014

Vintage Synth: Korg Trident

Polyphoner Analogsynthesizer

Reden ist Silber – Hören ist Gold

Der Korg Trident ist ein polyphoner, analoger Synthesizer aus dem Jahr 1980. Mit drei unabhängigen Sektionen für Synthesizer, Strings und Brass und einer Splitfunktion war er als „All-in-one“-Instrument für Keyboarder konzipiert. Was unterscheidet den Trident von den anderen Klassikern aus dieser Ära, wie etwa dem Korg Polysix und den Roland Jupiter- und Juno-Serien, und sollte man sich trotz der mittlerweile stolzen Preise ein Exemplar sichern?

Haben wollte ich ihn schon seit den Achtzigern. Neu war er mit etwa 8000 DM allerdings unbezahlbar. Meine einzige Chance: Warten, bis es ihn gebraucht gibt und dann zuschlagen. Doch obwohl mein Budget stieg, eilten die Gebrauchtpreise immer wieder davon. Also wartete ich weiter und las in der Zwischenzeit immer wieder, was andere über den Trident zu berichten wussten. Und auch das war nicht ganz unschuldig daran, dass ich letztlich erst Anfang 2014 einen Trident MkII kaufte. Denn fast einheitlich liest man, der Trident klinge zu dünn, er biete zu wenig Routingmöglichkeiten, sei nicht stimmstabil, zu anfällig, zu schwer und überhaupt. Dass mein Interesse nicht vollends erloschen ist, habe ich wohl nur der Tatsache zu verdanken, dass er immer teurer und teurer wurde.

Wie kann ein Synthesizer, der angeblich so schlecht ist, auf dem Gebrauchtmarkt so explodieren? 2005 kostete er noch rund 300 Euro – heute wechseln Tridents für mehr als 2000 Euro den Besitzer. Prügeln sich die Leute wirklich um einen Synthesizer, der bloß dünn, schlecht und schwer ist? Ist das der Solina-Effekt, der ganz spezielle „Da-hat-doch-mal-einer-einen-Hit-mit-gelandet-Sound“, den man unbedingt haben muss, um auch einen Hit zu landen? Bestimmt nicht nur. Allerdings: Wenn man den Trident spielt, dann meint man schon, den Sound aus unzähligen 80er-Produktionen wiederzuerkennen.

Im folgenden, ersten Hörbeispiel habe ich die verschiedenen Sektionen ein- und ausgeblendet. Es geht los mit dem Synthesizer, dann blendet das extern getriggerte Brass ein, kurz später die Strings mit Flanger, dann für kurze Zeit ein zeitgemäßer MFB 501-Drumcomputer, der die Brasses triggert. Dann werden die Brasses und danach die Strings wieder ausgeblendet und es bleibt die Synthesizersektion stehen mit einem „à la Jupiter-Sound“. Das alles mit ein wenig Federhall (Fostex Reverb Unit 3180), ansonsten nur mit dem internen Trident-Flanger auf den Strings.

Nachdem ich mich jahrelang von ähnlichen Trident-Sounddemos im Internet ernährt hatte, habe ich jetzt also endlich selbst zugeschlagen und bin nun stolzer Besitzer eines gut aussehenden und gut funktionierenden Trident MkII. Probieren wir also einmal aus, was er zu bieten hat!

Der Trident – ein Kind seiner Zeit

Als der Trident 1980 auf den Markt kam, stand die Musik vor einem großen Umbruch. Die 70er waren vor allem durch Gitarrenmusik und hin- und wieder ein Moog-Solo geprägt. In den 80ern sollten die Synthesizer sich deutlich mehr in den Vordergrund spielen. Verschanzten sich die Keyboarder in den 70ern noch hinter wahren Analogburgen, so bevorzugte man jetzt die „Neue Deutsche Schlichtheit“ à la Kraftwerk. Ein Mann – ein Instrument. Und es gab noch kein MIDI, um Synthesizer miteinander zu verbinden. Also wollte Korg mit dem Trident ein Instrument schaffen, das alles miteinander vereint, was ein Keyboarder Anfang der 80er so brauchte. Das Konzept war nicht ganz neu: Schon 1978 baute Arp den Quadra mit Synth, Bass und Strings und Yamaha veröffentlichte 1980 mit dem SK50D eine Allzweckwaffe mit Orgel, Polysynth, Monosynth, Bass- und Stringsektion. Ebenfalls 1980 kam der Moog Opus3 mit Strings, Brass and Organ auf den Markt. Crumar folgte 1983 mit dem Trilogy, mit Orgel, Synth und Strings. Die Kombination entsprach offenbar ganz dem Zeitgeist.

Als solches „All-in-one“-Instrument umfasst der Trident einen polyphonen Synthesizer, der für Flächen und Soli geeignet ist, einen Brass-Synth und zuletzt eine Stringsektion, mit der es sich herrlich herumschnulzen lässt. Eine solide, tourtaugliche Kiste drum und fertig ist eine Art „Nord Stage der frühen Achtziger“. Im Hause Korg folgte der Trident zeitlich auf MS10, MS20 und MS50 sowie Delta und Sigma, die in den Jahren 1978/1979 das Licht der Welt erblickten. 1980 – zeitgleich mit dem Trident – versuchte Korg mit dem Mono/Poly einen Angriff auf den Minimoog. Der Polysix kam dann ein Jahr später.

Technische Daten im Überblick

 

  • Polyphonie: insgesamt 8 Stimmen
  • Synthesizer-Sektion: 2 Oszillatoren pro Stimme (Sägezahn, Rechteck, Pulsbreite und Pulsbreitenmodulation)
  • Brass- und String-Sektionen: 1 VCO pro Stimme
  • Filter: Synth und Brass bieten jeweils ein resonanzfähiges Tiefpassfilter mit gleicher Charakteristik, wobei es beim Brass kräftiger wirkt. Die Strings haben eine eigenwillige Filterkonstruktion mit einem zusätzlichen „Bowing-Effekt“
  • LFO: lässt sich über den Joystick bedienen und wirkt sich auf die Tonhöhe aller Sektionen aus.
  • Hüllkurven: 2x ADSR für VCF/VCA der Synth-Sektion, 1x ADSR für Brass-Sektion, Attack/Release für Strings
  • Spielhilfen: Joystick, Brass-Trigger In und zahlreiche Pedalanschlüsse.

 

Ein Arpeggiator wie beim Polysix fehlt leider.

Erstkontakt

Ja, schwer ist er. Meine Waage zeigt 23 Kilo. Anders als zum Beispiel der Polysix ist der Trident mit massiven Holzseitenteilen ausgestattet und das Gehäuse besteht aus dickem Metall, sagen wir: Er ist hart wie Krupp-Stahl. Runter von der Waage und rauf auf den Präsentierteller im Studio. Wie bei einem Weihnachtsgeschenk sind die wirklich interessanten Dinge im Inneren zu finden. Also löse ich feierlich die Schrauben und stelle fest, dass das Gewicht nicht alleine von den Holzseitenteilen kommt. Ein Chip reiht sich an den nächsten, zig Platinen sind optisch voneinander abgehoben und das alles wird scheinbar mit mehreren Kilometern Kabeln verbunden. Kein Wunder – der Trident vereint ja auch drei Instrumente in einer Box! 

SSM Inside – die Innereien des Trident

Im Trident wurden Chips des Herstellers SSM verbaut. Ende der 70er hatten Synthesizer-Hersteller hauptsächlich die Wahl zwischen SSM- und Curtis-Chips. SSMs werden häufig als etwas wärmer und organischer klingend beschrieben (was ich nicht bestätigen kann), während den Curtis-Chips manchmal ein etwas bissiger Sound zugesprochen wird (was ich ebenfalls nicht bestätigen kann). SSM wurde vor allem von EMU, Sequential Circuits (Rev. 1 und 2 beim Prophet 5), Crumar (Bit One/99), Oberheim (OBXa), PPG und eben Korg (fast komplette Modellreihe) verwendet. Es gibt im Sound eine gewisse Ähnlichkeit mit anderen Korg-Produkten, zum Beispiel mit dem Polysix. Aber ob dies alleine auf die Verwendung von SSM-Chips zurück zu führen ist, wage ich zu bezweifeln. Letztlich ist die gesamte Architektur des Synths entscheidend.

Anschlüsse

Mein Eindruck, dass die Korg-Entwickler den Trident als Allzweckwaffe konzipierten, verstärkt sich beim Anblick der Rückseite. Nicht weniger als 15 Ein- und Ausgänge befinden sich hier. Neben zwei Mix-Ausgängen (High/Low) gibt es Einzelausgänge für die drei Sektionen. Darüber hinaus besitzt der Trident eine ganze Reihe von Pedalbuchsen. 

Die Synthesizer-Abteilung bietet einen Anschluss für ein Release-Pedal, das eine Verlängerung der Release-Zeit bewirkt, und eine Buchse zur Filtersteuerung per CV, zum Beispiel mit einem CV-Pedal. Letzteres erinnert mich an den Jupiter-8 – auch bei dem macht es einen Heidenspaß, beim Spielen zusätzlich mit dem Fuß zu pumpen und die Filter zu quälen. Für den Brass-Bereich gibt es einen Trigger-Eingang und ebenfalls einen VCF-(Pedal)-Anschluss. Außerdem hat der Trident für alle drei Sektionen separate Expressionpedal-Buchsen und zusätzlich eine weitere namens Total Expression, die auf das gesamte Instrument wirkt. Wenn man alle Pedaleingänge nutzt, tummeln sich sieben Pedale unter dem Keyboardständer!

Der Trident MkII besitzt zusätzlich Tape From/To-Anschlüsse – diese gibt es beim MkI nicht. Darüber kann man den Inhalt des internen Speichers als Audioaufnahme archivieren – damals auf Tonband, heute eher in der DAW. Die zusätzlichen Bohrungen in meinem Trident stammen übrigens von einem MIDI-Kit, von dem sich der Vorbesitzer wohl nicht trennen konnte. Kits zur nachträglichen Midifizierung eines Trident gibt es schon für unter 100 Euro (z.B. bei CHD Elektroservis). Zumindest ein Loch in meinem Exemplar werde ich bald mit einem Midi-In füllen.

Erster Eindruck

Ich schraube den Trident wieder zu, denn jetzt will ich ihn hören. Synthesizer anschalten, Tasten drücken, Presets ausprobieren. Die Parameter und Bedienelemente erschließen sich schnell. Manche Sounds wirken tatsächlich dünn und grell, andere klingen mächtig, warm und wunderschön analog – fast ein wenig nach Jupiter-8. Hier hört ihr einige Werkspresets der Synthesizer-Sektion und eine Filterfahrt.

Dann die Brass-Sektion. Hier gibt es keine Presets und deutlich weniger Einstellmöglichkeiten. Aber beim Brass – der natürlich längst nicht nur für Bläser-Sounds zu gebrauchen ist – wummst der Trident so sehr, dass die Decke knackt und die Gläser in der Lounge aneinander schlagen. Deep Brass Nine! Ein Gruß der „Bläser“-Sektion an die Nachbarschaft:

Dann noch die Stringabteilung. Schmalzige analoge Strings erklingen. Mit dem „Bowing“-Effekt soll ein „natürliches“ Streicherverhalten simuliert werden. Ich habe noch keine Ahnung, was das genau macht. Aber es hört sich gut an.  

Dann schalte ich alle drei Sektionen zusammen an. Über den Key Assign-Bereich lassen sich Synth, Brass und Strings auf der Tastatur layern und/oder splitten. Man kann mal eben im laufenden Betrieb tiefe Strings erklingen lassen und dabei ein Synth-Solo in den höheren Oktaven spielen. Auch das macht Sinn. Es klingt großartig. Dann schalte ich den eingebauten Flanger ein. Der rauscht. Aber es passt alles wunderschön.

Zuletzt nutze ich die Trigger-In-Buchse für die Brass-Sektion und lasse meine geliebte Roland CR78-Drumbox laufen. Der Trident haut mir im Takt die Brasses um die Ohren, die Strings wabern gleißend darüber und hin und wieder spiele ich dazu ein kleines Solo auf dem Synth. Nach fast einer Stunde habe ich einen ersten Eindruck. Und was für einen. Der Trident macht riesig Spaß! Er ist nicht so fett wie ein Jupiter oder Oberheim aus der Zeit. Aber er klingt perfekt, wenn man sich und den geneigten Hörer in das Jahr 1980 zurück schießen möchte. Seit mehreren Wochen spiele ich den Trident jetzt und habe mich immer intensiver mit seinen Möglichkeiten beschäftigt. Ich finde ihn großartig. Und damit ich keiner Selbsttäuschung unterliege, lasse ich meinen Tastronauten-Kollegen Marcus bei der nächsten Studiosession spielen. Über eine halbe Stunde schraubt er sich die Finger wund, lässt Synth und Gläser klingen und sieht dabei aus, wie ein völlig entrücktes Kind im Sandkasten. Dann lässt er den letzten Ton ausklingen, seufzt und sagt schließlich grinsend: „Ja, viel zu dünn!“ – seitdem ein Running-Gag bei uns.

1 / 2
.

Verwandte Artikel

User Kommentare