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Test
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28.05.2013

Vestax PDX-3000MIX Test

MIDI-fähiger DJ-Plattenspieler

Scratch my Keys!

Vestax PDX-3000MIX ist ein direktangetriebener, MIDI-fähiger DJ-Plattenspieler, dessen Abspielgeschwindigkeit erstaunlicherweise via Keyboard oder Controller manipuliert werden kann. Bereit 1999 brachte das japanische Traditionsunternehmen seinen ersten Turntable der mittlerweile legendären PDX-Serie auf den Markt, dessen neuester Zugang PDX-3000MIX heute bei mir im Studio zu Gast ist. Hierbei handelt es sich um einen High-Torque-Profi-Turntable mit S-Shaped-Tonarm und zwei separaten Pitchfadern, dessen besondere Gabe es ist, MIDI-Steuersignale zu interpretieren, um die Geschwindigkeit des Plattentellers und der Bremse zu verändern. Doch bevor es soweit ist, muss der angehende Besitzer stolze 713 € (UVP) auf den Ladentisch legen. Eine Investition, die sich lohnen könnte, da die Marke Vestax gerade bei Turntablists ein sehr gutes Ansehen genießt. Wird auch der neueste Geniestreich der findigen Vestax Ingenieure dem guten Ruf der PDX-Serie gerecht?

Details

Dem Karton entnehme ich das Laufwerk mit seinem anthrazitfarbenen Chassis und den separat verpackten Aluminium-Plattenteller nebst einer weißen Slipmat. Zur Montage des Tellers liegen dem Paket ein Schraubenzieher und zwei Kreuzschrauben bei. Des Weiteren bringt meine Suche ein Kontergewicht für den Tonarm, einen Kunststoffadapter für 7-Inches sowie eine Headshell zum Vorschein. Ein Zusatzgewicht aus Metall sorgt bei leichteren Tonabnehmern für die nötige Masse. Zur Beleuchtung der Abtastnadel packt Vestax ein aufsteckbares Lämpchen dazu und legt ferner ein hochwertiges Stereo-Cinch-Kabel mit vergoldeten Anschlüssen sowie ein Erdungskabel bei. Leider liegt die Anleitung nur in englischer Sprache vor. Sie ist jedoch sehr ausführlich verfasst und mit zahlreichen gut verständlichen Abbildungen versehen. Ein ausgesprochen gut strukturiertes Manual – so etwas habe ich in letzter Zeit selten zwischen die Finger bekommen.

Erster Eindruck

Schon auf den ersten Blick wirkt das Laufwerk sehr robust. Das liegt unter anderem am schweren Metallboden und dem Aufbau aus sehr hartem, akkurat lackiertem Kunststoff. Die vier großen Standfüße machen eine gute Figur, genauso wie der hochwertige und stabile Aluminium-Tonarm. Ebenso gut verarbeitet ist der Plattenteller, welcher mit zwei Schrauben zuerst auf die Antriebsnabe montiert wird. Allerdings bringt der „Wackeltest“ ein leichtes Spiel des Lagers zum Vorschein. Mehr dazu später. Nichts auszusetzen gibt es an den Tastern, Schaltern, Fadern und Drehreglern. Darüber hinaus sitzen auch die Anschlussbuchsen des Backpanels bombenfest im Chassis und sind von guter Qualität. Abgesehen von leichten Punktabzügen für das Plattentellerlager hinterlässt unser Testkandidat also einen sehr positiven Ersteindruck.

Anschlüsse

Das Backpanel sitzt knapp zwei Zentimeter im Chassis vertieft. Da die Tiefe der Cinch-Anschlüsse nicht ausreicht, um die Stecker des Kabels vollständig „verschwinden“ zu lassen, liefert Vestax hier eine Spezial-Strippe, wo eines der Enden praktischerweise mit Winkelsteckern bestückt ist. Eine große verchromte Schraube befestigt das Erdungskabel mit seinen Kabelschuhen. Um den Plattenspieler per Faderstart in Gang zu bringen, integriert der Hersteller eine Kabelaufnahme in Form einer Miniklinkenbuchse (3,5 mm). Für die MIDI-Verbindung sorgt eine Standard-Fünfpol-Buchse. Das Netzkabel mit seinem Stecker nach Euro-Norm ist fest im Gehäuse verbaut.

Features

Der PDX-3000MIX mit seinem S-förmigen Tonarm wurde insbesondere für Scratch-DJs und Turntablists entwickelt. Das Gerät hat ein Gewicht von 9,5 Kilogramm und ist mit stoß- und vibrationsabsorbierenden Standfüßen ausgestattet. Sein Chassis misst 454 x 162 x 365 Millimeter und besteht aus robustem Kunststoff. Im Gegensatz zu Plattenspielern wie der 1200er-Serie von Technics oder einem Audio Technica AT-LP1240USB ist der Motor kein Teil des Plattentellers, sondern er ist im Gehäuse verbaut. Der Plattenteller wird also nicht lose auf die Nabe aufgesteckt, sondern fest mit dieser verschraubt. Das Drehmoment ist stufenlos über das Poti „Torque“ justierbar. „Brake-Adjust“ direkt daneben steuert die elektronische Motorbremse. Von einer abrupten Vollbremsung bis hin zum langsamen Auslaufen stehen alle Möglichkeiten offen. Die Abspielgeschwindigkeit lässt sich über gleich zwei Fader justieren. Mit 100 Millimetern Länge kümmert sich der Fine Pitch um den Regelbereich von +/-10 Prozent. Der 45 Millimeter lange Ultra-Pitchfader hat im Gegensatz zu seinem Gegenstück eine Mittenrastung und justiert die Geschwindigkeit um bis zu 50 Prozent in beide Richtungen. Diese Werte addieren sich auf maximal 60 Prozent.  

Mit dem Quarz-Lock-Button setze ich den Pitch (unabhängig von der Stellung der Fader) auf null Prozent zurück. Gestartet und gestoppt wird der Teller mit einer Taste, die einen stattlichen Durchmesser von 25 Millimetern aufweist. Mögliche Abspielgeschwindigkeiten sind 33 1/3 und 45 RPM. Drücke ich diese beide Buttons gleichzeitig, aktiviere ich den MIDI-Modus. Schicke ich dann per Controller, Keyboard oder Sequencer einige MIDI-Noten an den Plattenspieler, so kann ich dadurch das Tempo chromatisch abgestuft manipulieren. Nicht schlecht, Herr Specht!

Beim Tonarm setzt Vestax auf die bewährte S-Form. Er ist mit einem SME-Bajonettverschluss für Headshell-Tonabnehmer oder Komplettsysteme ausgerüstet. Um ihn optimal auf die verschiedenen im Handel erhältlichen Tonabnehmer einzustellen, kann er mit Hilfe einer großen Schraube um neun Millimeter in der Höhe angeglichen werden. Neben der üblichen Transportsicherung gibt es hier außerdem einen Tonarm-Lift sowie eine stufenlos regelbare Antiskating-Funktion. Ein Hieb auf die Reverse-Taste und der Plattenteller läuft rückwärts.

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