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Test
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31.05.2013

Universal Audio Ocean Way Studios Plug-In Test

UAD Software Update 7.0 – Plug-In

Ocean Way Studios für jedermann?

Wir haben das gerade erschienene Ocean-Way-Studios-Plug-In aus Universal Audios Software-Update 7.0 für die UAD-Prozessoren schon im Review! Prozessoren auf Basis des Faltungs-Verfahrens gehören nun schon viele Jahre zum Standard-Arsenal in der Musikproduktion. Universal Audio haben es trotzdem geschafft, diesem Funktionsprinzip eine neue Facette abzugewinnen. Und der Schlüssel dazu liegt im reichhaltigen Erbe, das Firmengründer Bill Putnam der Nachwelt hinterlassen hat.

Das Ocean Way Plug-In ist im Kern eine Faltungs-Engine, die den Raumklang eines der berühmtesten Studios der Popmusikgeschichte in der DAW verfügbar macht. Dafür hat Universal Audio eigens ein proprietäres Verfahren entwickelt, das sich „Dynamic Room Modeling“ nennt.

Ocean Way Studios: Eine der legendärsten Recording-Locations der Welt

Bevor wir uns jedoch den Funktionsumfang des Plug-Ins anschauen, blicken wir erst einmal zurück – und zwar auf die Geschichte dieses Studios, das zu Recht zu den größten Legenden zählt, und dessen wechselvolle Vergangenheit von Anfang an untrennbar mit Universal Audio verbunden ist. In den 50er-Jahren arbeitete Bill Putnam, der Engineer, Recording-Pionier und spätere Firmengründer von Universal Audio, noch in Chicago, wo er sich mit seinen bahnbrechenden Produktionen schnell einen Namen machte. Putnams Neuerungen (darunter der erste Einsatz einer Hallkammer bei einer Pop-Produktion) sprachen sich schnell herum und schon bald galt er als Lieblings-Engineer von Frank Sinatra. Als der Crooner dem Ruf der aufstrebenden Filmindustrie folgte und an die Westküste zog, musste Putnam mitkommen. Er gab sein Studio Universal Recorders in Chicago auf und baute ein neues in Hollywood, nicht zuletzt mit der Unterstützung von Frank Sinatra, dessen Label Reprise Räumlichkeiten im selben Gebäude bezog – United Recorders war geboren.

Schnell wurde der 1958 eröffnete Recording-Tempel einer der musikalischen Hotspots der Glam-Metropole, in dem neben Sinatras „Rat Pack“ die Größen aller Genres ein- und ausgingen. Und so eröffnete Putnam 1962 das Schwesterstudio „Western Recorders“ (heute: EastWest Studios). Mit beiden Komplexen bildete das „United Western“ für Jahrzehnte eines der bedeutendsten Recording-Imperien weltweit. Beide Studios tragen durch und durch Bill Putnams Handschrift, denn der Tausendsassa zeichnete nicht zuletzt auch für den Akustik-Ausbau der Säle verantwortlich, die Allen Sides einmal sehr treffend als „Miniatur-Konzerthallen“ bezeichnete. Für eine Weile befanden sich auch der Universal-Audio-Firmensitz und die Equipment-Produktionsstätten in diesem Gebäudekomplex. 1985, wenige Jahre vor seinem Tod, verkaufte Bill Putnam den Studiokomplex an Allen Sides, seinerseits Engineer und Entrepreneur, welcher den älteren Teil der Studios, das United, kurzerhand in „Ocean Way Studios“ umbenannte.

Bis heute zählt das Studio zu den legendärsten Recording-Einrichtungen der Welt, und auch wenn Sides den Komplex erst kürzlich an die benachbarten Sunset-Gower-Studios verkaufte, soll doch der Studiobetrieb wie gewohnt weitergeführt werden. Hoffentlich ist dies auch der Fall, gibt es doch in den USA Stimmen, die dem Studio den Wert eines kulturellen Erbes von nationalem Rang zusprechen.

Ocean Way für alle

Doch unabhängig von der Frage, wie es mit dem Ocean Way langfristig weitergeht, wurde sein Raumklang nun schon einmal von Universal Audio für die Ewigkeit konserviert – und als netter „Nebeneffekt“ uns allen zugänglich gemacht.

Details

Nicht "einfach nur" Convolution

Das Ocean Way Plug-In arbeitet auf Basis zahlreicher Impulsantworten, die in den Studios A und B des Ocean Way aufgenommen wurden. Es handelt sich aber nicht um eine reine Faltungs-Engine, sondern das Plug-In kombiniert diese Impulsantworten mit algorithmischen Prozessen in einem Verfahren, das Universal Audio eben als „Dynamic Room Modeling“ bezeichnet. Die Idee dahinter ist, den originalgetreuen Sound einer gut gemachten Impulsantwort mit der Flexibilität eines algorithmischen Hallprozessors zu verbinden.

Zwei grundsätzliche Betriebsmodi

Jedes Audiosignal, das in einem Raum erklingt, besteht aus drei Komponenten: dem Direktsignal, den Erstreflektionen und der Hallfahne. Das Ocean Way Studios Plug-In lässt sich in zwei unterschiedlichen Betriebsmodi nutzen, die sich durch verschiedene Mischungsverhältnisse dieser Signalanteile unterscheiden. Im Reverb-Modus spielt das Direktsignal keine Rolle, hier wird das Plug-In wie ein „gewöhnlicher“ Hall-Effekt eingesetzt, der normalerweise über einen Aux-Send gefüttert wird, und der über den Return das Direktsignal mit Early Reflections und/oder Hall anreichert.

Daneben bietet das Ocean Way Studios Plug-In aber auch noch den sogenannten „Re-Mic“-Modus, bei dem das Plug-In immer direkt im Audiokanalzug und 100% Wet eingesetzt wird. Hier wird das Direktsignal also ersetzt durch eine dritte Impulsantwort, die zusätzlich zu den Mikrofonpaaren für Erstreflektionen und Hallfahne zum Einsatz kommt, und die dem Ausgangsmaterial den Sound der originalen Ocean Way Aufnahmekette überstülpt, als ob der Signal tatsächlich im Ocean Way aufgenommen worden wäre. Ein ähnliches Prinzip hat Antares bereits einmal mit dem Microphone Modeler versucht, diese Idee ist also nicht ganz neu. Im Idealfall lässt sich einem Audiosignal mit diesem Prinzip etwas Charakter mitgeben, aber man darf andererseits auch keine Wunder erwarten. Ein Direktsignal, das mit einem Shure SM58 aufgenommen wurde, klingt auch mit U47-Impulsantwort versehen selbstverständlich anders als ein Signal, das tatsächlich mit einem dieser Neumann-Klassiker aufgezeichnet wurde. Nichtsdestotrotz eröffnet der Re-Mic-Modus ein paar interessante Möglichkeiten.

Ideale Orte für die verschiedenen Schallquellen wählbar – und fast unbezahlbare Mikrofone

Zudem kann das Ocean Way Studios Plug-In an verschiedene Signalquellen angepasst werden. Studio A bietet insgesamt 10 und Studio B 11 Rückwurfmuster (etwa: Drums, Horns, Vocals Solo, Vocals Group...), die für bestimmte Anwendungen optimiert wurden. Dabei handelt es sich nicht um Simulationen, sondern um echte Impulsantworten, die mit unterschiedlichen Mikrofonierungs-Setups basierend auf Allen Sides’ jahrzehntelanger Erfahrung mit den Ocean-Way-Räumen aufgenommen wurden. Und jedes dieser grundsätzlichen Presets (die selbstverständlich auch nach persönlichem Gusto „zweckenentfremdet“ werden dürfen) verfügt dann eben über ein eigenes Sub-Set für Direktisgnal, Erstreflektionen du Hallfahne. Jede dieser Komponenten kann vielfältig angepasst werden. Zunächst einmal steht eine ganze Palette an Mikrofonen zur Auswahl, wobei es sich hier tatsächlich um die „goldenen“ Exemplare aus der Sammlung handelt, deren Grundstein Allen Sides einst noch zusammen mit Bill Putnam legte – und die nach dem Bestand des Abbey Road vermutlich die bedeutendste Mikrofonsammlung auf diesem Planeten ist.Es steht eine große Reihe von Klassikern zur Auswahl, darunter AKG C12, Neumann U47, U67, M50 und KM54, aber auch das Sennheiser MKH20 und ein Shure SM57. Auch Bändchen fanden Verwendung, etwa das RCA BX44. Während hier selbstverständlich eine Achtercharakteristik zum Zug kommt, lassen sich bei anderen Mikrofontypen teilweise sogar unterschiedliche Polar Patterns wählen. Jedes Mikrofon(-paar) vefügt über einen Distanzparameter, mit dem es im Aufnahmeraum verschoben werden kann. Auf Knopfdruck kann der Zeitversatz zum Direktsignal ausgeglichen werden. Das ist hilfreich für Spezialeffekte, etwa krass komprimierte Raummikros, deren Signal dem Direktsignal nicht „hinterher hängt“. Dazu verfügt jedes Mikrofon(-paar) noch über eigene Low- und Highcuts, Phasendrehung, Mute-Button sowie einen Fader für die Pegeleinstellung.

Global verfügt das Plug-In über ein Predelay-Poti (nur im Reverb-Modus aktiv), sowie Schalter für L/R Swap und Mono-Betrieb. Das Mischungsverhältnis zwischen Original- und Effektsignal kann nur im Reverb-Modus eingestellt werden (im Re-Mic-Modus arbeitet das Plug-In prinzipbedingt 100% wet), der Masterfader ist aber in allen Fällen aktiv. Dazu bietet das Ocean Way Studios Plug-In noch einen Master-EQ, der hinter der Reverb-Einheit liegt. Hier kommen zwei Shelving-Filter mit ±12 dB Amplitude und Eckfrequenzen zwischen 20 Hz und 2 kHz respektive 200 Hz und 10 kHz zum Einsatz. Ein großes Display gibt Aufschluss über den Grundriss der beiden Säle und die Positionierung der Schallquellen und Mikrofone darin. Auch Fotos und Hintergrundinformationen lassen sich hier abrufen.

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