Test
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08.09.2019

Ufip Experience Blast Extra Dry Cymbals Test

Becken Serie

Dosierter Trash auf italienisch

Ufip Experience Collection Blast Extra Dry, so lautet der volle Name unserer heutigen Testobjekte. Aufgeschlüsselt bedeutet das, dass die Becken in Italien hergestellt werden, und zwar von der Unione Fabbricanti Italiani Piatti Musicali e Tam Tams, dafür steht die Abkürzung Ufip nämlich. Anders als die anderen Baureihen, steht die Experience Collection für eine Art loses Experimentierfeld, in dem neue Sounds vorgestellt werden. Und „Blast“ ist der Name einer relativ neuen Unterserie, die mit extrem tiefen Hammerschlägen und sehr dünner Konstruktion die trashigen und explosiven Klänge umsetzt, die unter Trommlern fast aller Stile äußerst beliebt sind. Bisher gab es diese Modelle ausschließlich in einem glänzenden Finish, also poliert und anschließend abgedreht. Genau darauf verzichtet man nun bei den Extra Dry Crashes und Hi-Hats. Trashig und explosiv soll es damit zwar bleiben, insgesamt sollen die neuen Modelle jedoch deutlich dunkler und trockener klingen. 

Nun kann man nicht gerade behaupten, dass der Beckenfreund solche dünnen, stark gehämmerten und mehr oder weniger roh belassenen Zimbeln noch nie gehört oder gesehen hätte, im Gegenteil. Praktisch alle Hersteller haben eine oder mehrere Serien im Programm, bei denen diese Charakteristika in verschiedenen Ausprägungen zum Konzept gehören. Allerdings bedient sich Ufip eines speziellen, einzigartigen Produktionsprozesses, nämlich des sogenannten Roto Castings. Anders als bei anderen aus B20 Bronze hergestellten Becken, werden die toskanischen Zimbeln nicht ausgewalzt, sondern in schnell rotierende Formen gegossen. Die Zentrifugalkräfte sollen dabei für eine besonders dichte Materialstruktur sorgen. Anschließend kommen verschiedene Hämmerungs- und Abdrehprozesse zum Einsatz, welche im Falle unserer Testmodelle sowohl maschinell als auch von Hand ausgeführt werden. Ob sich die Ergebnisse hören lassen können, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest.   

Details

Typisch Ufip: dicke Kuppen, dünne Ränder

Vier Crash-Becken der Größen 17, 18, 19 und 20 Zoll sowie zwei Hi-Hats in 14 und 15 Zoll finde ich im Versandkarton. Mit Ausnahme eines 16er Crashes und einer ebenso großen Hi-Hat treten damit alle aktuell verfügbaren Blast Extra Dry Modelle zum Test an. Gleich beim Auspacken fällt es mir wieder auf: Ufip Becken sehen nicht nur irgendwie anders aus als jene anderer Marken, sie fühlen sich auch anders an. Das liegt natürlich in erster Linie am oben angesprochenen Gießverfahren, in welchem die Becken entstehen. Dies kann auch geschulte Testeraugen irritieren, denn schaut man in ein Beckenloch hinein, um die Materialdicke zu beurteilen, kommt man bei den Ufips schnell zu dem Schluss, ziemliche Brecher vor sich zu haben. Das stimmt aber nicht, denn nur die Kuppen sind dick, die Materialstärke nimmt zu den Rändern hin graduell ab. Im Falle der Blasts haben wir es nämlich mit ziemlich dünnen Instrumenten zu tun, doch dazu später mehr. Kommen wir zunächst zu den Gemeinsamkeiten aller Modelle. Die beginnen bei den recht ausgeprägten Profilen. So sind die Beckenschultern ziemlich stark gewölbt, während die Kuppen groß und hoch ausfallen. Bei den Kuppen fällt zudem der weiche Übergang zum Profil auf, denn sie sind Teil der Gussform und werden nicht erst nachträglich herausgepresst. Die zweite Gemeinsamkeit aller Typen betrifft die Oberflächenbearbeitung. So verfügen alle Modelle über vollflächig abgedrehte Unterseiten. Das Abdrehmuster ist sehr fein und gleichmäßig gesetzt, entsprechend samtig fühlen sich die Blast Extra Dry Cymbals hier an. Auf den Oberseiten hingegen wirken die Becken wie angeschliffen. Ein Abdrehmuster erkenne ich nicht, wirklich roh erscheinen sie aber auch nicht. Stattdessen sind winzige Lufteinschlüsse zu sehen, einige Becken besitzen noch vereinzelte, rötlich schimmernde Gussrückstände. Das sind jedoch keine Verarbeitungsmängel, sondern ist wiederum ein Resultat des Rotocasting-Verfahrens. 

Die Blast Extra Dry Crashes fallen sehr dünn aus 

Wenden wir uns nun den speziellen Eigenschaften der vier Crashes zu. Zunächst fällt die starke, in mehreren Schritten ausgeführte Hämmerung auf. Drei Hammergrößen identifiziere ich. Mit der ersten werden die Becken in konzentrischen Kreisen dicht bearbeitet, wobei die Male eher flächig ausfallen und nicht sehr tief sind. Ein kleinerer Hammer wird am Rand eingesetzt, auch diese Einschläge fallen nicht sehr tief, dafür aber unregelmäßig aus. Das sieht jedoch bei der dritten Größe anders aus, welche gut zwei Zentimeter lange und sehr tiefe „Krater“ auf den Beckenoberseiten hinterlässt. Generell verleihen derartige Treffer dem Becken eine eher tonlose, „schmutzige“ Modulation. Die Auswirkung solcher Bearbeitungsmethoden könnt ihr auch gut bei Sabians's HHXtreme Crashes, Zildjian's Special Dry Modellen oder Meinl's Byzance Dual Crashes hören. Für eine schnelle Ansprache sind unsere Test-Crashes zudem sehr leicht konstruiert. Ich messe 1070 Gramm beim 17er, 1230 beim 18er sowie 1390 und 1570 beim 19er und 20er. Damit es klanglich nicht zu dunkel und verwaschen wird, bleiben die großen Kuppen vom Hämmerungsprozess ausgenommen. 

Die Kuppen der Hi-Hats werden gehämmert

Das Konzept geringer Masse finde ich auch bei den Hi-Hats wieder. So zeigt die Waage für das Top- und Bottom-Becken der 14er 900 und 1120 Gramm an, die 15er liegt bei 1000 auf 1190 Gramm. Im Gegensatz zu den Crashes hätte ich mir das Wiegen hier auch sparen können, denn Ufip vermerkt die Gewichte der Hi-Hats auf den Unterseiten der Kuppen. Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Instrumente nicht von den Crashes, bei näherer Begutachtung fallen aber doch Unterschiede ins Auge. Der deutlichste sind sicherlich die jeweils acht, tief gesetzten Hammerschläge auf allen Kuppen. Der zweite ist der Umstand, dass hier nur das Top-Becken der 15er über die kleinen Hammerschläge am Rand verfügt, die anderen drei Becken besitzen lediglich die vollflächigen, flachen sowie die großen, tiefen Hammerspuren. 

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