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06.07.2019

Workshop: Der richtige Monitormix für laute Bands

Überleben in der Feedback-Schneise

Es gibt sie immer noch: Schwitzende Schweinerock Kapellen, bei denen „Lautstärke“ ein stilbildendes Element darstellt. Für den Ton- bzw. Monitortechniker ist solche Kundschaft oftmals eine Herausforderung, besonders was einen durchsetzungsfähigen und gleichzeitigen koppelfreien Monitorsound betrifft. Aber der „Bonedo Feedback Survival Guide“ bereitet euch für den Ernstfall vor.

Vorbereitung

Sich auf einen Gig vorzubereiten, entspricht vielleicht nicht der landläufigen Vorstellung eines gewagten Rock ’n’ Roll Lifestyles, ist aber die Grundlage für eine gelungene Show. Ein Blick in den hoffentlich aktuellen Rider der Band hilft bei der Zusammenstellung eines passenden Monitorsetups. Geht aus dem Rider nicht hervor, wie sich die Band auf der Bühne positioniert, dann zeigen vielleicht aktuelle YouTube-Videos die Aufstellung der Band. Grundsätzlich geht der Autor nicht davon aus, dass der Technical Rider einer Band hundertprozentig passt. Daher plane ich stets einen Monitorweg samt Wedge und einen weiteren InEar-Weg mehr ein.

Material

Nach der Vorbereitung sollte klar sein, wie viele Monitore und einzelne Mixe man benötigt. Wer die Monitore frei wählen kann, der ist eindeutig privilegiert. Wer im Vorfeld weiß, dass der Job schwierig sein könnte, sollte professionelle Monitore eines Premium-Herstellers anmieten. Touring Wedges gehen einfach deutlich lauter und koppeln später als eine günstige MuFu-Box für wenige hundert Euro. Aber Vorsicht! Nur durch die Anmietung teurer Profimonitore geht der Job nicht zwingend frei von Feedback über die Bühne geht. Oftmals geht jetzt die Arbeit erst richtig los.

Einrichten der Monitoranlage

Ein Blick in den Rider zeigt, ob ein „Wedge pro Musiker“ ausreicht oder ob eine Materialschlacht epischen Ausmaßes ins Haus steht. Manchmal werden pro Musiker zwei Wedges angefordert. Im angloamerikanischen Kreisen gerne als „double up“ bezeichnet. Die Anforderung eines double ups kann verschiedene Gründe haben. Banal aber logisch: Zwei Wedges sind lauter als einer. Zudem ist die akustische Ausleuchtung auf der Bühne breiter. Aber es geht sogar noch fetter.

In seltenen Fällen werden noch mehr Wedges für einen Musiker angefordert. Gründe dafür könnten ein ausgeprägtes Ego, eine fortgeschrittene Schwerhörigkeit, eine perfektionistische Persönlichkeitsstruktur oder eine Kombination aus dergleichen sein. Was auch immer der Grund sein mag, als Dienstleister stellt man auf, was gefragt und vor allem auch bezahlt wird. Es gibt definitiv Sänger, die auch mal vier Monitore um sich versammeln. Auf zwei Monitoren liegen die Signale der Band auf, oftmals als Stereomix, und auf Monitor drei und vier nur die eigene Stimme. Solch ein Setup ist natürlich eher die Ausnahme, funktioniert richtig eingerichtet allerdings sehr gut.

Zwei Monitore je Musiker sind dagegen auch in kleineren Clubs nicht ungewöhnlich. Jedenfalls ist dies mit ein Grund, generell nur identische Monitore anzumieten. Unterschiedliche Modelle auf einem Weg sind kaum in den Griff zu bekommen. Kommen ausschließlich koaxial bestückte Monitore (wo der Hochtöner auf dem Tieftöner aufsitzt), kann man diese relativ frei positionieren. Monitore, bei denen Tieftöner und Hochtoneinheit nebeneinander angeordnet sind, nötigen den Techniker zu weiteren Gedankenspielen.

Viele professionelle Monitore sind in einer linken und rechten Version erhältlich, weshalb man immer passende Paare anmieten (z.B. vier linke und vier rechte Versionen) sollte. Links und rechts bezieht sich dabei auf die Position des Hochtöners. Das eröffnet uns zwei Optionen: Entweder man stellt beide Monitore so auf, dass die Tieftöner oder die Hochtöner zusammenstehen. Aber welche Varianten ist die bessere? Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Es hängt unter anderem davon ab, was mit dem double up erreichen will und welches Mikrofon zum Einsatz kommt. Grundsätzlich generieren zwei eng aneinander stehenden Monitore Kopplungs- und Interferenzeffekte. Sprich: Audio-Artefakte sind unvermeidlich. Das tauschen die meisten Musiker allerdings gerne für den höheren Pegel des double ups ein.

Sind die Monitore für einen Musiker gedacht, der sich nicht viel bewegt und zudem über ein Mikrofon mit Nierencharakteristik singt, dann positionierte ich die Monitore derart, dass die Hochtöner zusammenstehen. Durch die Nierencharakteristik ist das Übersprechen der Hochtöner ins Mikrofon abgeschwächt und die Monitore neigen weniger zum Koppeln. Sänger, die sich viel auf der Bühne bewegen, bekommen ein double up, bei dem die Hochtöner jeweils außen sind. Das bedarf allerdings besonderer Beachtung.

Gerne verstärkt sich dabei der untere Mittenbereich durch das Koppeln der nah aneinander positionierten Tieftöner (Loading), was sich akustisch in einer Verstärkung im Bereich zwischen 100 und 500 Hz bemerkbar macht. Über einen EQ lässt sich dieser Effekt allerdings in den Griff bekommen.

Problematisch kann dagegen der Einsatz von Mikrofonen mit Super- oder Hypernierencharakteristik sein. Bei einer Superniere sollten die Monitore schräg zum Mikrofon aufgestellt sein, um die maximale akustische Auslöschung der Super- oder Hyperniere auszunutzen. Diese Aufstellung entspricht allerdings nicht immer dem Wunsch des Musikers, der meistens alle Monitore gerade vor sich positioniert haben möchte. Hier heißt es abzuwägen.

Tipp am Rande: Haben zwei zusammenstehende Monitore deutlich weniger Low Mids als ein einzelner Monitor, dann ist bei einem der Wedges die Polarität vertauscht. Entweder in der Zuleitung vom Mischpult, im LS-Kabel, Anschlussfeld oder beim Treiber selbst. Eine Funktionsüberprüfung aller Monitore vor dem Eintreffen der Band zählt daher zu den generellen Hausaufgaben. Funktionieren alle Wedges, sind alle gleich laut (Endstufen-Controller Gain)? Wenn dem so ist, können wir an diesem Punkt schon zwei, drei koppelfreudige Frequenzen aufspüren und mittels EQ absenken. Idealerweise mit dem gleichen Mikrofontyp, der später beim Gig zum Einsatz kommt.

Beim genauen Aufspüren der Frequenzen kann ein RTA (Real Time Analyser) hilfreich sein. Viele digitale Mischpulte bieten eine RTA-Anzeige in jedem Kanal. Der Autor hat sich angewöhnt, diese von der Ansprechzeit sehr langsam einzustellen und (falls vorhanden) einen Peak Hold zu aktivieren. Sollte es irgendwo koppeln, lässt sich die Frequenz dank der langsamen Abklingzeit des RTAs auch nach dem Feedback komfortabel im Display ablesen und zielgenau absenken. 

Drum Fill und Sidefill

Drummer, Keyboarder und DJs fragen mitunter nach einer Tieftonerweiterung ihres Monitors durch einen zusätzlichen Subwoofer. Sollten die Musiker zusätzlich auch noch ein Gesangsmikrofon benutzten, macht es Sinn, wiederum den gleichen Wedge-Typ als Topteil auf dem Subwoofer zu verwenden. Bezüglich des Subwoofers sollte dieser eher den „Nutzbass-Bereich“ (50 - 90 Hz) souverän abdecken, anstatt ultra-tief gehen zu wollen. Gerade in kleinen Indoor-Locations gibt es nicht selten ein, zwei tieffrequente Raumresonanzen, die im schlechtesten Fall die gesamte Bühne anregen, was wiederum den Monitorsound generell verschlechtert.

Das „Gehupe“ gehört daher vorsorglich mit gezielten EQ-Einschnitten entsorgt.

Je nach Bodenbeschaffenheit ist das Auslegen von Gummi- bzw. Antirutschmatten unter einem Drum Fill nicht verkehrt, verhindern diese etwaigen Abwanderungstendenzen des Drum Fills bei Double Bass Drum-Attacken. Auf großen Bühnen sind Sidefills gerade für laut aufspielende Bands eine Möglichkeit, die Bühne in Sound zu fluten. Natürlich gibt es auch hier klassische Problemfelder. Fast immer steht der Lead-Sänger in der Mitte der Bühne. Soll dieser mit sattem Pegel aus den Sidefills tönen, damit er sich überall auf der Bühne hören kann, dann föhnt der sportliche Gesangspegel den Musikern, die stage-left oder stage-right stehen, eine neue Frisur ins Haupthaar.

Abhilfe kann das Fliegen der Sidefill-Topteile verschaffen. Ist das nicht möglich, versucht man die Topteile derart zu winkeln, dass deren Hauptstrahl sich mehr auf die Bühnenmitte konzentriert. Wichtig: Sidefills sollten unbedingt stereo bzw. über zwei Mixbusse angefahren werden. Mono-Sidefills sind nur sinnvoll, wenn alle Künstler ausdrücklich einen „von allem ein bisschen-Mix“ verlangen. Möchte aber der Gitarrist stage-left auf seinem Sidefill mehr von dem stage-right Gitarristen, dann hat man ein Problem, falls die Sidfefills mono verkabelt sind.

Einstellungen am Mischpult

Nachdem die Monitoranlage laut Künstleranforderungen aufgebaut und spielbereit ist, ist es an der Zeit, das Mischpult vorzubereiten. Alle Monitormixe sollten eindeutig beschriftet sein, EQs aktiviert und ein Talkback-Mikrofon auf alle Wedges geroutet sein. Haben wir den Luxus eines separaten Monitorpultes, dann gehört an dessen PFL-Bus noch ein Listen-Wedge (identisches Modell zu den Bühnenmonitoren) angeschlossen, sodass man in jeden Mix separat reinhören kann. Erfolgt der Monitormix vom FoH aus, bietet es sich an, eine „Not-aus“ Mute-Gruppe für alle Monitor Sends anzulegen.

Noch eleganter ist es, alle Monitor Sends einer DCA-Gruppe zuzuordnen. Bei extremem Feedback kann man alle Monitore mit einem Fader sehr schnell einige dB leiser machen. Sehr komfortabel. Hat man zudem noch einige Kanäle am Mischpult frei, dann lohnt es sich, die wichtigsten Kanäle (Gesänge, Lead Instrumente) zu splitten. Ein Kanal dient für den FoH-Mix, während der Split-Kanal ausschließlich für den Monitorsound Verwendung findet.

Somit lassen sich die Signale unabhängig mit EQ, Dynamics und Effekten vom den FoH Kanälen bearbeiten. Bei analogen Pulten hat man dies meist mit einem Y-Kabel realisiert, bei digitalen Mixern geht dies alternativ mit einem Soft-Patch über die Routing-Matrix des Pults. Die Monitorkanäle würde der Autor vorzugsweise Post-Fader anlegen. Somit lassen sich einzelne Kanäle global über den Kanal-Fader lauter oder leiser fahren.

Soundcheck

Nachdem die Band ihren persönlichen Vergnügungspark, bestehend aus vier Marshall Fullstacks und dem obligatorischen Ampeg SVT Aussichtsturm in einem 200 Leute Club installiert hat, ist es Zeit für den Soundcheck. Der Autor startet unter solchen Voraussetzungen gerne mit dem Monitorsound und lässt die Haupt-PA zunächst aus.

Oftmals vereinigen sich Backline und Monitorsound zu einem derartigen Lautstärke-Inferno, dass an einem kontrollierten FoH-Sound nicht mehr zu denken ist. Manche Bands sind für solch revolutionäre Vorschläge wie „Könnet ihr eure Amps etwas leiser fahren“ zugänglich, andere wiederum nicht. Bei den letzteren sollte man im Club zum Schutz des Publikums nicht krampfhaft versuchen, mit der Front-PA pegeltechnisch Paroli bieten zu wollen. Man schiebt lediglich die Dinge ohne Eigenverstärkung (Keyboards, Sampler) auf die PA. Dazu kommt noch der Gesang, Kickdrum und etwas Toms. Alles andere verbietet sich eigentlich, wenn der SPL-Meter an deinem Pult satt im dreistelligem dB-Bereich hängt.

„Sound machen“ lässt sich nur, wenn die Band in puncto Backline den Hahn nicht vollends aufdreht. Bei Open Airs oder großen Locations ist dies deutlich weniger problematisch. Im Club wird es für den Monitorsound jetzt erst richtig schwierig. Laute Backline, kleiner Raum = lauter Monitor. Hier heißt es, Nerven zu bewahren. Auch in absurden Situation, wie folgende:

Der Band ist es auf der Bühne selbst zu laut und sie trägt daher durchweg Gehörschutz. Auf der anderen Seite fordern die Musikanten hohe Pegel auf den Monitoren, da sie ansonsten sich nicht hören. Solche Bands sind eigentlich perfekte Kandidaten für InEar-Monitoring! Wer eh ständig Gehörschutz im Ohr hat, kann auch direkt ein InEar-System einstöpseln. Aber auch bei gemäßigter Bühnenlautstärke kann ein koppelfreier Gesangsmonitor eine Herausforderung sein.

Der Grund, warum der Autor nicht empfiehlt, mehr als zwei, drei auffällige Frequenzen aus einen Monitor zuziehen, bevor die Band zum Soundcheck antritt ist folgender:

Operiert man hart an der Grenze des physikalisch Machbaren, dann ist der Einfluss des Sängers auf die Feedback-Anfälligkeit seines Monitors nicht zu unterschätzen. So verrückt es klingt, aber es macht einen Unterschied, ob ein Sänger Brillen- oder Hutträger ist. Beides reflektiert den Schall und kann das Koppelverhalten beeinflussen. Darüber hinaus umgreifen manche Sänger den Einsprechkorb (Einstellungsvorrausetzung für den Job als Rapper) und verwandeln damit die Richtcharakteristik in eine Kugel. Das heißt, es koppelt früher und klingt zudem recht nasal durch den entstehenden Boost in der Region zwischen 600 und 1200 Hz. Das alles kann man nur mit dem tatsächlichen Sänger vor Ort evaluieren und feinjustieren.

Zu guter Letzt noch der Tipp, wirklich jedes Instrument zu checken, das beim Gig später verwendet wird. Wer kennt nicht den Klassiker, dass der Sänger mitten im Stück zu einer Blues Harp greift und fröhlich in seinem Gesangsmikro trötet. Der Pegelunterschied führt garantiert zu der einen oder anderen Gesichtsentgleisung, sowohl auf der Bühne als auch im Publikum. Ruhe bewahren und gezielt arbeiten, dann gibt es nach dem Gig hoffentlich auch ein positives Feedback von der Band für den guten Monitorsound.

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