Software
Test
10
26.04.2018

u-he Repro-5 Test

Software-Synthesizer

Die Champions League der Synthesizer-Emulationen!

Emulationen – inklusive aller allgemein bekannten Vor- und Nachteile – sind stets ein heiß diskutiertes Thema. Besonders virtuelle Nachbildungen analoger Synthesizer halten nicht immer das, was sie versprechen und im extremen Einzelfall gibt es überhaupt keine klanglichen Gemeinsamkeiten, wie es beispielsweise bei meinem Polysix und der entsprechenden Soft-Synth-Version von Korg der Fall ist. 

Der Repro-5 der Berliner Software-Schmiede u-he ist eine Emulation des ikonenhaften Prophet-5 von Sequential Circuits, zu welcher bereits eine Vielzahl beeindruckender Vergleichsvideos im Internet online sind. Selbst wenn mir die Hardwarevariante zur Verfügung stünde, würde ich mich aus diesem Grund mit weiteren A/B-Vergleichen eher zurückhalten und stattdessen den Fokus dieses Testberichts darauf richten, wie hoch der praktische und kreative Nutzen des Repro-5 für zeitgenössische Musikproduktionen ist. Was hat unser Test ergeben?

Details

Allgemeines

Der Repro-5 ist eigentlich „nur“ ein Bestandteil des Bundles u-he Repro, welches über die Homepage des Herstellers zu einem fairen Preis von ca. 150 Euro als Download zu erwerben ist. Dieses Paket beinhaltet außerdem die einstimmige Emulation des Pro One, Repro-1 , zu welchem bereits ein ausführlicher Testbericht meines Kollegen Alexander Eberz vorliegt. Ein Charaktermerkmal vieler Software-Nachbildungen ist die Erweiterung des Funktionsumfangs gegenüber dem Hardware-Vorbild. So ist der anschlagsdynamische Repro-5 unter anderem bis zu 8-stimmig spielbar und die LFOs sind zum Tempo des Hostprogramms synchronisierbar. Über welche Funktionen verfügt der Synthesizer im Detail?

Klangerzeugung

Gemäß dem Vorbild handelt es sich um einen klassischen subtraktiven Synthesizer mit zwei synchronisierbaren Oszillatoren plus Rauschgenerator, einem LFO sowie dem 4-poligen und zur Selbstoszillation fähigen Tiefpassfilter. Sowohl das Filter als auch der Verstärker sind mit einer ADSR-Hüllkurve ausgestattet. Die insgesamt acht Stimmen, der Prophet-5 war lediglich 5-stimmig, des Soft-Synths lassen sich zur monophonen Spielweise in den Unisono-Modus mit einstellbarem Glide schalten. Eine Besonderheit beider Oszillatoren ist, dass man die verfügbaren Schwingungsformen Saw, Square mit variabler Pulsbreite und Triangle (nur Oszillator 2) gleichzeitig anwählen und mischen kann, wobei Oszillator 2 noch weitere Spezialitäten auf Lager hat. Er lässt sich von der Tonhöhenveränderung durch die Tastatur entkoppeln und zusätzlich in eine tiefere Lage außerhalb des Hörbereichs versetzen, wodurch er als zweiter LFO einsetzbar ist. Als Modulationsziel können Frequenz und Pulsbreite des ersten Oszillators sowie die Filterfrequenz zugewiesen werden, wodurch der Repro-5 u. a. dazu fähig ist, FM-Sounds zu erzeugen. Mit der luxuriösen und genial einfach zu bedienenden Modulations-Matrix übertrumpft das Plug-in die Möglichkeiten der Hardware, wie die folgenden Abbildungen zeigen.

Tweaks

Diese Ansicht ermöglicht das Modifizieren verschiedener Komponenten der Klangerzeugung, die auch bei der Hardwarevariante aufgrund abweichender Baureihen bzw. Bauteile zu unterschiedlichen Klangergebnissen führen. Weiterhin öffnen sich in dieser Page einige Möglichkeiten, den Funktionsumfang „aufzubohren“ oder alternative Verhaltensweisen (z. B. Note Priority: High, Last, Low) einzustellen, die beim Prophet-5 nicht verfügbar waren. Besonders gefällt mir die Möglichkeit des separaten Pannings aller acht Voices, wodurch sich bei einigen Sounds eine fantastische Stereobreite erzeugen lässt. Eine Eigenschaft, die ich beim Prophet12  sehr schätze und die sich beim Repro-5 mindestens genauso gut und zielgerichtet einsetzen lässt.

Effekte

Der subtraktiven Klangerzeugung folgt zunächst das Distortion-Modul mit vier Algorithmen von Soft Clip bis zur härteren Gangart inklusive Bit-Crusher. Absolut erwähnenswert ist der Umstand, dass die Verzerrung je Synth-Voice separiert erfolgt, was auch bei polyphonem Spiel eine feine Dosierung ermöglicht. Anschließend passiert das Signal eine Effektkette, welche aus fünf fantasievoll benannten Effekten besteht. 

  • Velvet: Hierbei handelt es sich um einen Bandsättigungseffekt, der auf dem Plug-in Satin von u-he basiert.
  • Lyrebird: Der Delay-Effekt ist für Echo- und Modulationseffekte zuständig.
  • RESQ: Dieser Effekt kann wahlweise als EQ oder dreifacher Bandpass zur weiteren Klangformung eingesetzt werden.
  • Drench: Für die notwendige Räumlichkeit sorgt diese virtuelle Hallplatte mit einstellbarem Pre-Delay.
  • Sonic Conditioner: Als Inspiration hierfür dürfte SPLs Transient Designer gedient haben. Die Attack-Phase lässt sich mit diesem Effekt auffrischen oder auch abmildern.

Für Synthese-Puristen werden die Effekte vielleicht von sekundärem Interesse sein, allerdings eignet sich die Auswahl sehr gut zum stilsicheren Aufwerten der Sounds des Repro-5 und sind für meinen Geschmack sehr zweckdienlich. Positiv anzumerken ist außerdem die unkomplizierte Änderung der Reihenfolge der Effektmodule im Signalfluss.

Sonstiges

Auch die Auswahl der weiteren Features ist absolut durchdacht und dürfte wohl kaum Wünsche offenlassen. Neben einem sehr übersichtlichen Preset-Browser gibt es jede Menge Anpassungs- und Konfigurationsmöglichkeiten des Repro-5 zur Anpassung an den Arbeitsplatz und eventuell vorhandene MIDI-Controller.

1 / 3
.

u-he Repro-1 Test

Repro-1 nennt der Berliner Hersteller U-He seine Reproduktion des 80-Jahre-Klassikers Pro One von Sequential Circuits. Die monophone Legende wird nun als S…

U-He RePro One (Alpha-Version) Test

RePro One nennt die Software-Schmiede U-He ihre Emulation des 80er-Jahre-Synthesizers Pro One. Mit der Alpha-Version bekommt man einen kleinen Vorgeschmack…

u-he Diva Test

Mit der Diva präsentiert die Berliner Software-Schmiede U-he einen massiven Synth, der besonders analog klingen soll.

User Kommentare