Test
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26.09.2010

Praxis

Das schwarze Pferdchen ist gesattelt und schon mal warm gelaufen, jetzt geht der Ritt los. Wir hören uns zuerst die drei Klang-Modi bei mittlerer Einstellung des Preamps (Gain, Bass, Treble auf 12 Uhr) an.  

Der Brit Mode kommt eher nach AC30 als ein Marshall mit dicken Mitten. Hier gibt es in der 12-Uhr Gain-Position schon eine leichte Übersteuerung bei hartem Anschlag. Der Klangcharakter lässt sich mit „schlank“ beschreiben, die Bässe sind nicht stark ausgeprägt, dafür wird es im oberen Mittenbereich etwas dominanter.

Das amerikanische Setting kommt dem Charakter des Vorbilds (Fender Amp) sehr nahe. Der Ton ist bei dieser Einstellung klar und unverzerrt. Der Bassbereich ist wesentlich stärker als in England und auch die typischen „Fender-Höhen“ kommen recht gut zur Geltung.

Den Klang beim dritten Voicing-Modus würde ich eher als rau bezeichnen - der klare Gegensatz zum polierten USA-Sound. Hier geht die Vorstufe schon sehr früh in die Übersteuerung. Vom Klang her ist der Ton etwas weicher, es dominieren die unteren Mitten. Schrauben kann man hier außer am Gain nichts mehr, denn der Tonestack, also die Klangregelung, wird übergangen und das Drehen am Bass- oder Treble-Regler hat keine Auswirkung.

Mit den drei unterschiedlichen Charakteren lässt sich natürlich einiges anstellen. Eine der wichtigsten Fragen werden wir sofort klären: Wie hoch sind die Gainreserven? Damit ihr einen Vergleich über die drei Modi habt, hören wir uns auch hier alle drei Grundsounds an. Diesmal gibt es aber etwas mehr Feuer im Eingang. Am Start ist mit der Les Paul eine Humbucker-Gitarre.

Der Brit Mode kommt eher als Fuzz-Sound bei voll aufgedrehtem Amp. Das Dynamikspektrum ist dabei nicht sehr groß, die Verzerrung kommt schon bei leichtem Anschlag. Schlägt man härter in die Saiten, setzt eine starke Kompression ein und der Ton kippt in eine fuzz-artige Verzerrung, was besonders im Bassbereich auffällt. Ich würde das aber auf keinen Fall als negativ ansehen, denn es handelt sich hier um eine Klangcharakteristik, die ihre Daseinsberechtigung hat, auch wenn sie nicht Jedermanns Geschmack ist. Dazu später mehr...

Mit dem USA-Modus sind da schon ganz andere Sounds zu hören. Dieser Modus klingt frischer und offener als das britische Angebot. Hier ist auch wesentlich mehr Ton über den Anschlag an der Gitarre steuerbar. Bei voll aufgedrehtem Gain erhalten wir einen Verzerrungsgrad, mit dem typische Classic Rock-Riffs gezimmert werden können.

Wie erwartet, hat der Pure Mode bei maximalem Gain den höchsten Verzerrungsgrad und ist auch in der Klangcharakteristik etwas ungehobelter als die anderen beiden. Außerdem klingt es recht fett, weil die unteren Mitten und Bässe dominieren.

Die dynamische Ansprache beim Pure Mode ist wirklich sehr gut. Gerade wenn man eine Singlecoil-Gitarre anschließt, dann kann man über die Anschlagsdynamik einiges an Verzerrung und Klang steuern. Der Pure Mode macht seinem Namen alle Ehre. Beim folgenden Beispiel habe ich zuerst leicht mit den Fingern angeschlagen und dann hart mit dem Pick. Der Unterschied ist sehr deutlich zu hören.

Auch mit dem Volumenregler an der Gitarre lässt sich die Verzerrung erstklassig steuern.

Die drei Grundsounds sind sehr verschieden angesiedelt, wie man ja in den vorangegangenen Beispielen hören konnte. Dadurch können variable Sounds erzeugt werden, die aber in ihrem Zerrgrad limitiert sind, denn der maximale Gain reicht für ein gutes Rockbrett. Wer singende Leadsounds mit viel Sustain benötigt oder eine Metal-Zerre haben möchte, der wird mit dem Darkhorse allein nicht fündig werden.

Den voll aufgerissenen Brit-Modus kann man wunderbar für Rocksounds benutzen, die ihr klangliches Vorbild in den 60ern oder Anfang der 70er haben. Im Moment sind solche Sounds sehr angesagt, wie bereits erwähnt, manche Klangpuristen bekommen Zahnschmerzen, wenn sie fuzz-ähnliche Verzerrung hören, die anderen finden es stylish-Retro. Mit der SG lassen sich sehr gut Sabbath-Sounds aus den frühen 70ern zaubern. Man hat das Gefühl, der Amp steht gerade kurz vor seinem Ende...

Der USA-Mode eignet sich (wie das Original) für schmatzige Funk-Sounds. Vor allem, wenn man den Gainregler etwas höher einstellt, bekommt man einen sehr dynamischen Klang, der bei hartem Anschlag leicht in eine harmonische Übersteuerung geht und den Ton noch fetter klingen lässt.

Der Pure Mode eignet sich bei schwächer eingestelltem Gain sehr gut für dynamische Crunchsounds in Blues, Country etc. Bei höherer Verzerrung kommt die gute Tonwiedergabe sehr schön zur Geltung. Akkorde oder auch Anschläge auf einzelnen Saiten sind trotz starker Verzerrung immer noch klar zu hören. Besonders beim Aufnehmen ist so etwas ganz wichtig, denn wer will schon totalen Soundbrei bei verzerrten Gitarren. Es soll dreckig klingen, aber man sollte die Riffs und Harmonien noch hören können. Und das funktioniert sehr gut.

Als nächstes widmen wir uns der Klangregelung und deren Wirkungsgrad. Beim Pure Mode ist sie ja ausgeschaltet, aber in Großbritannien und den Vereinigten Staaten ist sie aktiv. Beim USA-Mode werden im Bassbereich die Frequenzen unter 200 Hz gleichmäßig mit hohem Wirkungsbereich geregelt. Von total schlank bis fett, um mal Ausdrücke aus der Gitarristensprache zu benutzen, ist hier alles drin. Ihr hört drei Einstellungen des Bass Reglers, 7 Uhr, 12 Uhr und 17 Uhr. Der Treble Regler bleibt dabei jeweils in der 12 Uhr Position.

Jetzt das gleiche Spiel mit den Höhen im USA-Mode. Der Höhenregler hat seinen Arbeitsbereich relativ weit oben angesiedelt. Das hat zur Folge, dass man hier selbst bei abgedrehtem Treble noch einen recht hellen Sound erhält. Dreht man weiter auf, wird es brillanter, klirrt aber nicht in den Ohren.

Beim Brit-Mode hat die Klangregelung aufgrund des stark unterschiedlichen Grundsounds eine andere Auswirkung. Dreht man den Bass-Regler komplett zurück, dann klingt das Ganze sehr dünn und geht schon in Richtung Kofferradio. Aber keine Angst, bei weit aufgedrehtem Basspoti kommt das Ganze in Fahrt, der Sound ist aber immer noch schlank im Bassbereich. Für Aufnahmen ist das sehr gut, weil beim Gitarrensound einiges an Bässen meistens sowieso abgesäbelt wird, um den anderen Instrumenten noch etwas Platz zu schaffen und einen ausgewogenen Mix zu erhalten.

Die Centerfrequenz des Höhenreglers liegt beim Brit-Mode etwas tiefer, was zur Folge hat, dass man mit weit aufgedrehten Höhen einen eher bissigen Klangcharakter erhält.

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