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Test
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30.05.2019

Toontrack Orchestral Percussion SDX Test

Percussion-Library

Toontrack auf neuen Pfaden!

In der mittlerweile zwanzigjährigen Firmengeschichte hat das Team von Toontrack eine stolze Anzahl großer und teils geschichtsträchtiger Tonstudios auf der ganzen Welt bereist, um erweiterten Content für den Superior Drummer und den kleineren EZdrummer aufzunehmen. Im Zentrum standen dabei stets Samples von Drumsets und Percussion-Instrumenten, die für die Verwendung in Rock, Pop, Jazz und Co. vorgesehen waren. Dass die Schweden mit der Orchestral Percussion SDX nun einen ausgewachsenen Vorstoß in die Bereiche der großen Orchestermusik wagen, ist also durchaus etwas Außergewöhnliches.

Vor allem daran, dass hier in feinster Tradition des Superior Drummer hochgradig detaillierte und natürlich klingende Samples mit zugehörigem MIDI-Content angeboten werden, die mit maximaler Freiheit den eigenen Klangvorstellungen angepasst werden können, ändert sich aber nichts. Und auch der Preis bleibt gemessen an der orchestralen Konkurrenz verhältnismäßig günstig. Da hier eine erweiterte Zielgruppe angesprochen wird, ist es zudem eine feine Sache für Neulinge, dass die Library auch in einem vergünstigten Bundle-Angebot mit dem zur Verwendung benötigten Superior Drummer 3 in der Orchestral Edition erhältlich ist. Alle weiteren wesentlichen Details zur Library klären wir im Review.

Details

Zurück in den Galaxy Studios

Genauso wie schon die Core Library des Superior Drummer 3 wurde auch die Orchestral Percussion SDX in den Galaxy Studios in Belgien aufgenommen. Der mit 330 Quadratmetern Grundfläche und acht Metern Deckenhöhe ausgesprochen große Aufnahmeraum ist durch eine freischwingende Lagerung auf Federn vollständig von der Außenwelt entkoppelt und gehört zu den leisesten seiner Art. Ein guter Ort also, wenn es darum geht, bei Aufnahmen auch die ganz feinen Nuancen einzufangen – und auch wenn dies grundsätzlich immer zu begrüßen ist, so ist es gerade im Kontext von Orchestermusik mit ihrem oft hohem Dynamikumfang natürlich besonders wünschenswert.

Alle Instrumente wurden über zum Teil mehrfache Close-Mics und eine stattliche Anzahl von Raummikrofonen aufgenommen, die als sieben separate Kanäle (sechs davon Stereo) im internen Mischer der Software verwendet werden können. Vergleichbar mit der Core Library ermöglicht dies neben der konventionellen Stereo-Anwendung auch die Arbeit in Surround bis hin zum 11.1-Format. Unter den verwendeten Mikrofonen finden sich einerseits einige typische Verdächtige wie das Neumann U87 oder das Neumann M150, andererseits aber auch einige nicht ganz so gängige und sehr auf Realismus bedachte Kleinmembraner (z. B. Sonodore RCM-402 und Brüel & Kjaer 4006). Alle Mikrofone wurden ganz ohne Umwege mit den Vorstufen eines Neve 88D Pults verbunden und ohne weiteres Processing aufgenommen.

120 Instrumente in zwei Teil-Libraries

Die Orchestral Percussion SDX belegt in ihrer verlustfrei komprimierten Form etwa 65 GB Speicherplatz auf der Festplatte und enthält nach meiner Zählung Samples von exakt 120 real aufgenommenen orchestralen Schlaginstrumenten. Um all dies übersichtlich zu halten und ein sinnvolles Mapping der vielen zugehörigen Artikulationen auf dem Masterkeyboard zu ermöglichen, gliedert sich die Library in zwei große Teile.

Teil 1 konzentriert sich auf das große Besteck und bietet eine 36" große Bassdrum, eine Snare mit sieben Alternativen zwischen Concert-Snares, Marching-Snares und der obligatorischen Ludwig Black Beauty, ein Set aus vier Pauken in unterschiedlich gestimmten Varianten, Tubular Bells, japanische Taikos, Toms, Becken, Gongs und einige Effekt-Sounds. Teil 2 kümmert sich dagegen um das tendenziell unauffälligere „Drumherum“. Um ein Set aus Congas und Bongos reihen sich Woodblocks, verschiedene Chimes, ein Set aus Boobams (Verwandte der Octobans), einige Stomps, Claps und Snaps und viele weitere Kleininstrumente.

Was mancher Anwender allgemein vermissen könnte, wären noch mehr tonale Instrumente wie Vibraphon, Marimbaphon und Konsorten. Wenn man sich vor Augen hält, wie groß der Sampling-Aufwand (und folglich auch der Speicherbedarf) für solche Stabspiele mit ihren vielen einzelnen Tönen sein müsste, um den hohen Standards des Superior Drummer gerecht zu werden, dann ist es aber mehr als nachvollziehbar, dass man bei Toontrack jenseits von Pauken und Tubular Bells eine Grenze gezogen hat.

Gewohnt hohe Standards und erweiterte Auswahl an „Tools“

Die Orchestral Percussion SDX reiht sich mit ihrem Detailgrad nahtlos in die Riege der Libraries für den Superior Drummer ein und geht an manchen Stellen sogar darüber hinaus. Je nach Instrument gibt es eine variierende Anzahl von Artikulationen, und in manchen (wenigen) Fällen liegt diese auch einmal bei einer einzelnen (z. B. bei Chimes oder einigen Kleininstrumenten). Meist findet man aber eine durchaus ansehnliche Auswahl an verschiedenen Spieltechniken pro Instrument. So lässt sich beispielsweise die Bassdrum nicht nur in offener und gedämpfter Form am Schlagfell, sondern auch am Spannreifen der Trommel anschlagen. Die Taikos bieten vier Artikulationen, eine Cowbell lässt sich auf sechs unterschiedliche Arten spielen und das TamTam kommt dank einiger Effekt-Sounds sogar auf zwölf unterschiedliche Möglichkeiten, zum Schwingen gebracht zu werden. All diese Spielweisen wurden mit gewohnt vielen Velocity-Layern für unterschiedliche Anschlagstärken und natürlich zusätzlich über die Raumkanäle verfügbar gemacht.

Neben dem allgemein hohen Detailgrad von Libraries für den Superior Drummer 3 hat die Orchestral Percussion SDX für viele Instrumente eine erweiterte Auswahl an „Tools“ anzubieten. So wurden beispielsweise die Pauken mit drei unterschiedlich harten Arten von Schlägeln und die Bassdrum zusätzlich noch mit Sticks und von drei Percussionisten gleichzeitig angespielt. Bei den Becken und Snares finden sich Sticks, Mallets und Besen, wobei es bei den Snares zum Teil auch Varianten mit gelöstem Teppich gibt. Die Auswahl ist allgemein wirklich enorm, und insgesamt geht all das schon ein ganzes Stück weit über den „ganz normalen Sampling-Wahnsinn“ einer solchen Library hinaus.

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