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Test
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30.06.2015

Toontrack Metal Machinery SDX Test

Sample-Library-Erweiterung für Superior Drummer 2

Rockig-rohe Drumsamples

Toontrack Metal Machinery SDX – diese hier getestete Software ist nicht die erste dieser Art: Alle Jahre wieder feiert Toontrack im November in einer groß angelegten Aktion den Metal Month, und auch 2014 wurden im Zuge dessen mehrere neue Sample-Produkte veröffentlicht. Den Anfang machte mit der Made Of Metal EZX eine sehr natürlich klingende Erweiterung für den EZdrummer, worauf gleich zwei EZmix-Packs auf einmal folgten, die sich nicht nur für Einsteiger im Bereich Metal-Mixing als Hilfestellung anbieten. Die hier getestete Metal Machinery SDX kann man dagegen durchaus als den Höhepunkt der gesamten Aktion bezeichnen, denn bei Erweiterungen für den Superior Drummer handelt es sich bekanntlich um verhältnismäßig umfangreiche Software.

Toontrack hatte schon immer eine ausgeprägte Neigung zu allem, was mit Metal und den dazugehörigen Sub-Genres zu tun hat. Schon das 1999 als Startschuss von Toontrack veröffentlichte Drumkit From Hell, das als erstes virtuelles Drumset separate Samples für Direktsignale und Raumanteile bot, ordnete sich klar in die klanglich gewichtigeren Genres ein. Ein weiterer Glanzpunkt in dieser Hinsicht war die zehn Jahre später veröffentlichte Metal Foundry SDX, die als damals zweite Erweiterung für den Superior Drummer tonnenweise unbearbeitete Drumsounds bot, und damit sehr erfolgreich war. Bei der Metal Machinery SDX handelt es sich nun um das mittlerweile achte Add-On für den Übertrommler, und im Test werden wir sehen, was die Library zu bieten hat.

Details

Allgemeines

Die einzelnen SDX-Pakete (SDX = Superior Drummer Expansion) sind weit davon entfernt, klanglich immer wieder in die gleiche Kerbe zu schlagen. Die Aufnahmen stammen größtenteils aus unterschiedlichen Studios und wurden dementsprechend von unterschiedlichen Teams mit ganz unterschiedlichen Philosophien produziert. Das hört man natürlich. Bevor wir uns die Metal Machinery SDX genauer ansehen, werfen wir als kleine Orientierungshilfe also zunächst noch einmal einen kurzen Blick auf die grundlegenden Eigenschaften der Software und auf die bislang erhältlichen Libraries: Core-Library (The New York Studios Vol.1), The New York Studios Vol. 2, The Metal Foundry, Custom & Vintage, Music City USA, das Roots-Bundle, The New York Studios Vol. 3 und The Rock Warehouse SDX.

Generell gilt für alle Sprösslinge der Superior-Familie, dass sich die Anzahl der Einzelsamples für jedes Instrument im Drumset über verschiedene Spielweisen, Anschlagstärken und Übersprechungen in eine umfangreiche Auswahl an verschiedenen Mikrofonen ergibt. Toontrack bietet also prinzipiell einen äußerst umfassenden Sample-Pool, der den Klang jeder Trommel und jedes Beckens über jedes der verwendeten Mikrofone beinhaltet. So hört man beispielsweise ein Crash-Becken auch in den Tom-Kanälen oder ein Tom in den Snare-Kanälen. Wie im richtigen Leben eben – mit dem kleinen Unterschied, dass all das auch in der Lautstärke angepasst oder deaktiviert werden kann.

Die klangliche Vielfalt der unterschiedlichen Erweiterungen macht es nicht ganz einfach, Bestandteile verschiedener SDX-Libraries untereinander zu kombinieren, ohne dabei gewisse Einbußen im Realismus des Klangs zu verzeichnen. Hinzu kommt die variierende Ausstattung an verschiedenen Mixer-Channels. So wurden die Instrumente der Core-Library beispielsweise zusätzlich von einem trashigen Bullet-Mikrofon eingefangen, die Rock Warehouse SDX bietet Stützmikrofone für einzelne Becken, und um die Snaredrums der Metal Foundry SDX reihten sich im Studio sage und schreibe fünf Close-Mics. Aus diesen Gründen zieht die Engine bewusst eine Trennlinie zwischen den unterschiedlichen Libraries. Eine Integration von Trommeln aus anderen Erweiterungen ist über die sogenannten X-Drums aber natürlich trotzdem möglich. Da dies nicht immer sinnvoll sein muss, ist die Software nicht dazu ausgelegt, solche Neukombinationen in die Extreme zu treiben. Das Prinzip der X-Drums und vieles mehr wird in unserem ausführlichen Testbericht zum Superior Drummer 2 erklärt.

Bevor es nun ans Eingemachte geht, bekommt ihr ein MIDI-File zu hören, das unter minimalem Drehen und Schrauben durch die Standard-Presets der Core-Library und der verschiedenen Erweiterungen gejagt wurde. Schon hier wird deutlich, dass sich die erhältlichen SDX-Pakete zum Teil durch sehr unterschiedliche klangliche Eigenschaften auszeichnen.

Aus Metal Machine wird Metal Machinery

Es ist keine Seltenheit bei Toontrack, dass die Sounds einer SDX für den Superior Drummer zuvor schon mit einer kleineren EZX für den EZdrummer veröffentlicht wurden. So waren beispielsweise einige Instrumente der Rock Warehouse SDX bereits in der Rock Solid EZX zu finden, und das Gleiche gilt entsprechend für die Music City USA SDX und die Nashville EZX. Im Fall unseres Testkandidaten sind die verwandtschaftlichen Beziehungen schon alleine durch den Titel der Library offen erkennbar, denn die Metal Machinery SDX stammt aus der gleichen Recording-Session wie die 2011 erschienene Metal Machine EZX. Trotzdem sind sich die beiden Libraries im Grundklang gar nicht so ähnlich, wie man es vermuten könnte. Auch wenn es sich um das gleiche Instrumentarium handelt (die SDX bietet nur einige zusätzliche Becken), ist ein grundlegender Unterschied, dass die Samples der SDX-Version keinerlei nachträglichen Bearbeitungen unterzogen wurden und dementsprechend weitaus natürlicher wirken. Der rohe Klang der Metal Foundry SDX lässt also grüßen, und darüber werden sich vor allem Anwender freuen, die selbst am Sound schrauben wollen und die damit einhergehende Flexibilität schätzen.

Die durchschnittliche Größe von SDX-Libraries hat sich über die letzten Veröffentlichungen hinweg auf etwa 20 GB eingependelt, und genau in diesem Bereich liegt auch die Metal Machinery SDX. Der Content ist auf einem Disc-Set aus drei DVDs untergebracht. Ein digitaler Download ist nur partiell möglich, was bedeutet, dass nur ein kleiner Teil der Library heruntergeladen werden kann, um direkt und ohne Lieferzeit genutzt zu werden. Zur vollständigen Installation werden also in jedem Fall die DVDs benötigt. Die Online-Autorisierung der Software läuft gewohnt problemfrei. Wie immer kann die Software für zwei Rechner gleichzeitig aktiviert werden.

Studio, Team und Equipment

Für das Recording der Samples verschlug es das Toontrack-Team diesmal in die Henson Studios in Los Angeles. Der Studio-Komplex blickt auf eine ansehnliche Geschichte zurück, und tatsächlich beherbergte das Gebäude ursprünglich die im Jahre 1917 von Mr. Charlie Chaplin höchstpersönlich gegründeten Chaplin Studios. In den 1960er Jahren richtete die Plattenfirma A&M Records dort ihren Hauptsitz ein, die wiederum 1999 von Universal übernommen wurde. Im Zuge dessen wurden die Räumlichkeiten verkauft und in „Henson Studios“ umbenannt. Die Liste der Künstler, die über die Jahrzehnte hinweg dort über die Schwelle traten, ist selbst in der ausgedünnten Auswahl mit den wichtigsten Namen so lang und vielfältig, dass es schwierig ist, in diesem Artikel einen kompakten Querschnitt zu liefern, der sich nicht über mehrere Absätze erstreckt. So sei also ganz willkürlich gesagt, dass neben Aufnahmen von The Doors, Pink Floyd, The Police, Black Sabbath oder Rage Against The Machine auch Teile der viel gerühmten Recordings für das Album Random Access Memories von Daft Punk dort gemacht wurden – und zwar genauso wie im Falle der Samples unseres Testkandidaten in Studio B, das mit seinen zum Teil unbehandelten Beton-Wänden für einen knackigen Raumklang sorgt und mit einem für Drumsounds legendären SSL 6000 E Analogpult ausgestattet ist.

Geleitet wurden die Aufnahmen von Produzent, Engineer und Gitarrist Andy Sneap, der durchaus als Koryphäe des Heavy Metal bezeichnet werden darf und manchen Toontrack-Anwendern möglicherweise schon aus Presets für die Metal Foundry SDX und einem persönlichen EZmix-Pack bekannt ist. Im „richtigen Leben“ produzierte er Alben mit Machine Head, Cradle Of Filth, Megadeth und vielen mehr. Die Trommeln und Becken wurden für das Sampling von John Tempesta bedient, der als Drummer der Band Testament ebenfalls schon mit Sneap gearbeitet hat. Der MIDI-Content wurde dagegen von Nick Barker eingetrommelt, der als Gründungsmitglied der Band Cradle Of Filth einen imposanten Werdegang als Metal-Drummer startete.

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