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Test
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04.11.2015

Toontrack Indiependent SDX Test

Sample-Library-Erweiterung für Superior Drummer 2

Indie-Drums aus der Dose

Der Toontrack Superior Drummer 2 ist seit der Veröffentlichung im Sommer 2008 eines der großen virtuellen Drum-Studios zur Erzeugung von realistisch klingenden Drum-Tracks. Dass sich die Kern-Software über einen so langen Zeitraum in weitgehend unveränderter Form halten konnte, hängt unter anderem damit zusammen, dass der Hersteller regelmäßig Erweiterungen auf den Markt bringt und die Anwenderschaft mit frischem Sample-Material versorgt. Bei der Indiependent SDX handelt es sich um das mittlerweile neunte Add-On in dieser Form, und wie der Name es vermuten lässt, hat sich das Toontrack-Team diesmal in den stilistischen Bereich der Indie-Musik begeben.

Zunächst stellt sich die Frage, was einen Indie-Drumsound ausmacht und ob man bei einem solchen Genre-Sammelsurium, das sich Eigenwilligkeit und Unabhängigkeit vom Mainstream auf die Fahnen schreibt, überhaupt von typischen Klangeigenschaften sprechen kann. Eine Art grundlegendes Klangideal mag es sicher geben, vielleicht ist es aber nicht nötig, an dieser Stelle zu tief in die Stil-Fibel abzutauchen. Zentrales Merkmal der Library ist, dass sie eben nicht versucht, druckvoller, größer und glänzender als der Rest der Welt zu klingen, sondern sich ganz im Gegenteil durch ein sehr angenehmes klangliches Understatement auszeichnet. Zu deutsch: Die Indiependent SDX klingt für eine Sample-Library an manchen Stellen wirklich erfreulich „ranzig“, und genau dieser rohe und charaktervolle Klang ist es, den man in Drum-Libraries öfter vermisst.

Details

Überblick

Werfen wir als kleine Orientierungshilfe zunächst einen kurzen Blick auf die bislang erhältlichen Libraries (nach ansteigendem Alter geordnet): Metal Machinery SDX, The Rock Warehouse SDX, The New York Studios Vol. 3 SDX, Roots SDX, Music City USA SDX, Custom & Vintage SDX, The Metal Foundry SDX, The New York Studios Vol. 2 SDX und Core-Library (The New York Studios Vol.1).

Audio-Beispiele sagen natürlich mehr als tausend Bilder, weshalb es nun ein MIDI-File zu hören gibt, das unter minimalem Drehen und Schrauben durch die Standard-Presets der Core-Library und verschiedenen Erweiterungen gejagt wurde.

Von den meisten SDX-Paketen für den Superior Drummer 2 gibt es kleinere EZX-Versionen für den ebenfalls von Toontrack vertriebenen EZdrummer 2. Beispielsweise fand sich ein Teil der Instrumente aus der zuletzt veröffentlichten Metal Machinery SDX bereits in der Metal Machine EZX, und auch die Samples von Roots SDX und Jazz EZX stammen aus den gleichen Recording-Sessions. Unser Testkandidat hat ebenfalls einen solchen kleinen Bruder, der auf den Namen Indie Folk EZX hört und bereits 2013 veröffentlicht wurde.

Wie immer bietet die SDX-Version einen wesentlich umfangreicheren Sample-Pool. Das Datenvolumen beträgt in diesem Fall 25 Gigabyte und nicht 1 Gigabyte, wie in der EZX-Version. Dies äußert sich einerseits in einer größeren Auswahl an Instrumenten (zwei zusätzliche Drumkits), Spielweisen und Mixer-Channels, andererseits wirkt aber auch der grundlegende Klang lebendiger und nuancenreicher, da pro Trommel mehr alternative Samples vorhanden sind. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Varianten ist aber auch der Grad der nachträglichen Bearbeitung. Für die Indie Folk EZX hat das Toontrack-Team die Samples nach dem Tracking noch ein wenig aufpoliert, in der Indiependent SDX findet man die Sounds dagegen in ihrer naturbelassenen Form. So hat man beim Mischen mehr Spielraum, und das freut natürlich alle, die mehr wollen, als nur ein schnelles Layout zu erstellen.

Facts zu Studio und Recording

Für die Aufnahmen begab sich das Toontrack-Team diesmal nach Seattle, wo nach dem Abflauen der Grunge-Bewegung um die Genre-Ikone Nirvana herum eine lebendige Indie-Pop- bzw. Indie-Rock-Kultur entstand. Das Studio der Wahl war die Avast! Recording Company, wobei es sich hier nicht unbedingt um eines der ganz großen und geschichtsträchtigen Studios handelt, wie sie von Toontrack oftmals gebucht werden. Queens of the Stone Age/Kyuss nahmen dort ihre erste EP auf, und auch Soundgarden, Death Cab for Cutie oder die Fleet Foxes waren dort zu Gast. Im Vergleich zu den gigantischen Aufnahmeräumen, in denen beispielsweise die Recording-Sessions für Rock Warehouse SDX oder die Music City USA SDX stattfanden, handelt es sich beim Avast! Studio A um einen moderater dimensionierten Raum, und das hört man natürlich auch in den Samples. Parallelen zur Custom & Vintage SDX sind eindeutig vorhanden.

Wenn es um das technische Equipment geht, kann man im Gegensatz zur Größe des Aufnahmeraums allerdings kaum von „moderaten“ Verhältnissen sprechen. Beim Tracking kam eine von insgesamt 13 hergestellten Trident A-Range Konsolen zum Einsatz. Das gute Stück wurde etwa 1975 gebaut und trägt die Seriennummer 3. Der zugehörige EQ dürfte einigen Anwendern aus der Software-Welt als Plug-In bekannt sein, da er mehrfach gemodelt wurde und unter anderem von Softube und in einer Version für die UAD-Plattform von Universal Audio erhältlich ist. Weitere Effekte wurden bei den Aufnahmen wiederum nur spärlich eingeschleift. An manchen Stellen findet man den Empirical Labs Distressor, den Urei 1176 (bzw. die Stereo-Variante 1178) und einen Massenburg GML 8200 EQ. Im Bereich der Klangformung hat sich Producer/Engineer Kevin Suggs (Band of Horses, The Walkabouts) also sehr zurückgehalten.

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