Gitarre Bass
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03.04.2020

Tipps, wie dein Online-Musikunterricht gelingt

Musikunterricht per Videochat über Doozzoo, Zoom und Skype

Ich gehe davon aus, dass mir die meisten Instrumental- oder Gesangslehrer beipflichten werden, dass die ideale Form des Musikunterrichts den persönlichen Kontakt mit musikalischer Interaktion und die Möglichkeit voraussetzt, als Lehrer physisch eingreifen zu können, will man die bestmöglichen Ergebnisse für den Schüler erzielen.
Allerdings können immer wieder gewisse Situationen entstehen, die das persönliche Erscheinen des Schülers im Unterrichtsraum unmöglich machen, sei dies eine zu große räumliche Distanz oder eben unvorhergesehene Krisenzeiten, wie wir sie in Form der COVID19 Pandemie erleben.

Glücklicherweise gibt es im Internet-Zeitalter Videochat-Lösungen, mit denen man solch widrigen Umständen zumindest temporär überbrücken kann und die für Schüler wie für Lehrer eine Fülle an Optionen bieten. Diese stellen allerdings beide Seiten vor neue Herausforderungen, sei es die Beherrschung neuer Medien, aber auch die Hardware, mit der eine solche Unterrichtsgestaltung optimiert werden kann.
Hier wollen wir euch eine kleine Hilfestellung an die Hand geben, um zumindest die technische Seite eures Onlineunterrichts auf ein festes Fundament zu stellen.

Quickfacts:

  • Um den Unterricht optimal zu gestalten, kann man sowohl an der Internetverbindung, der Soft- und Hardware, sowie der Praxis ansetzen.
  • Auch wenn der Netzausbau nicht in der Macht des Users liegt, kann man überprüfen, ob die Internetgeschwindigkeit, Router und Platzierung des Rechners optimal sind.
  • Geeignete Videochatplattformen sind z.B. Doozzoo, Zoom oder Skype, wobei vor allem die beiden erstgenannten zu empfehlen sind.
  • Die Audioqualität lässt sich bereits durch den Einsatz von kostengünstigen USB-Mikrofonen, Kopfhören, Audiointerfaces und Kondensatormikrofonen steigern.
  • Gewisse Verhaltensweisen und Tricks, die man leicht umsetzen kann, tragen zu einem angenehmen Ablauf des Online-Unterrichts bei. Dazu gehören der Einsatz von Kopfhörern, die Verwendung von zwei Kanälen und gewisse Videochat-Kommunikationsregeln.

 

Prinzipiell kann man sagen, dass die Qualität der übertragenen Signale, ob Audio oder Video, insgesamt stark von vier Faktoren abhängig ist, nämlich von:

1. der Internetverbindung
2. der Software (genauer gesagt, der Videochatplattform)
3. der verwendeten Hardware auf Lehrer- wie auf Schülerseite
4. der praktischen Umsetzung

1. Die Internetverbindung

Die Optimierung des ersten Punktes liegt bedauerlicherweise nur begrenzt in unserer Hand und ist natürlich auch stark vom Netzausbau in Deutschland abhängig. Dennoch macht es Sinn zu überprüfen, ob man beim Anbieter eine ausreichend schnelle Internetverbindung gewählt hat, der Router auch für diese geeignet ist, und ob die Verbindung zum Router einer Nachbesserung bedarf.

2. Die Software

Videochatplattformen gibt es zuhauf und sicherlich können wir hier nicht alle berücksichtigen, allerdings würden wir konkret die drei Anbieter Doozzoo, Skype und Zoom vorstellen.
Grundsätzlich gilt es zu beachten, dass es in aller Regel nicht funktioniert, wenn man mehrere Videokonferenz-Plattformen bzw. -Programme parallel geöffnet hat, da das gleichzeitige Verwenden von Mikrofon und Kamera von einigen Plattformen nicht unterstützt wird.
Falls es zu Anmeldeschwierigkeiten kommt, sollte man die Sicherheitseinstellungen oder etwaige AdBlocker überprüfen und evtl. auf einen anderen Browser ausweichen. Meist geben die jeweiligen Plattformen Hinweise darauf, welche Browser für sie zu empfehlen sind.

a) Doozzoo

Der deutsche Anbieter Doozzoo ist eine speziell auf Musiker ausgerichtete Plattform,die einfach im Browser ohne Installation funktioniert und einen virtuellen Unterrichtsraum mit Cloud-Speicher, Metronom, Tuner, Audioplayer und Videorecorder bietet. Darüber hinaus lassen sich Noten und Audios ferngesteuert auf der Schülerseite anzeigen, abspielen und miteinander teilen."Doozzoo" ermöglicht mit der "local latency compensation" auch ein time-bezogenes Unterrichten, wodurch der Lehrer das Timing relativ zum Metronom oder Audiofile beurteilen kann. Einen ersten Überblick zur Arbeitsweise mit Doozoo bekommt ihr im Video. 

b) Skype

Skype ist sicherlich nicht für den Online-Musikunterricht optimiert und es bedarf auch einer Installation auf dem Rechner. Nichtsdestotrotz ist diese Videochat-Plattform international sehr verbreitet und sollte schon alleine aus diesem Grund in unserer Auflistung nicht fehlen. Nachteile sind z.B., dass nur der erste der beiden angewählten Audiokanäle funktioniert und dass die internen Filter oft Hintergrundgeräusche wegschneiden, wobei Backing-Tracks oder tiefe Töne manchmal nicht durch den Filter kommen. Auch wenn in den Audio- und Video-Einstellungen von Skype alles stimmt, kann es mit manchen Audio-Interfaces zu Problemen kommen.Wenn entweder Klangein- oder ausgabe oder beides nicht funktionieren sollten, dann kann ein Workaround Abhilfe schaffen. Dazu benötigt man das VB AUDIO VOICEMEETER, das sich kostenlos von der Website des Herstellers herunterladen lässt. Voicemeeter ist auch eine Möglichkeit, mehrere Mikrofone in Skype zu verwenden. Die genaue Verwendung könnt ihr unserem Video-Tutorial entnehmen

c) Zoom

Zoom bedarf ebenfalls einer Installation auf dem Rechner, allerdings bietet es eine bessere Audioqualität als Skype, es lassen sich die bei Skype erwähnten Hintergrundfilter abstellen, und zwei Kanäle des Audiointerfaces sind nutzbar.Der Unterricht kann als Video mitgeschnitten werden und Programme können auf dem Bildschirm der Schüler einzeln dargestellt werden, ohne dass man über Screensharing den ganzen Bildschirm zeigen muss.
Die kostenlose Version erlaubt einen Host und einen Teilnehmer (sprich: Lehrer-Schüler Einzelunterrichts-Situation) für 24 Stunden am Stück, bevor man das Meeting neu starten muss. Bei Gruppenunterricht (ein Host, zwei oder mehr Teilnehmer) beendet Zoom die Verbindung nach 40 min. Genaueres dazu könnt ihr hier nachlesen. Zoom ist übrigens auch als App verfügbar. Wie man Zoom einrichtet, erfahrt ihr im Video. 

3. Die Hardware

Grundsätzlich ist an Laptops (Windows/Linux, wie auch iOS- Geräten) der letzen Generationen, Smartphones oder Tablets, die On-Board Hardware in Form von Lautsprechern, internen Kameras und des internen Mikrofons vollkommen ausreichend, um den Unterricht via Videochat zu gestalten.
Benutzer von feststehenden Rechnern (Towern) hingegen, werden unter Umständen eine zusätzliche Webcam benötigen, die meist auch ein einfaches integriertes Mikrofon besitzt.

Eine Steigerung der Audioqualität lässt sich allerdings bereits mit wenigen und kostengünstigen Mitteln erzielen:

Anmerkung:

Das aufgelistete Equipment zeigt lediglich niedrigpreisige Budgetlösungen auf, die bereits erhebliche Qualitätssteigerung bringen können. Weiteren Qualitätssteigerungen nach oben sind keine Grenzen gesetzt, für den Zweck des Online-Unterrichts sind diese jedoch nicht zwingend nötig.

USB-Mikrofone

Der einfachste Weg ist sicherlich der Einsatz eines USB-Mikrofons, um seine gesprochene Stimme in Podcast-Qualität übertragen zu können.
Günstige Modelle wären beispielsweise:

Etwas teurere Varianten:

Kopfhörer

Der Einsatz von Kopfhörern kann den Unterrichtsverlauf und die Audioübertragung qualitativ deutlich aufwerten, aus Gründen, die ihr weiter unten nachlesen könnt.Hier unterscheidet man zwischen geschlossenen und offenen Systemen.
Geschlossene Kopfhörer sind dann sinnvoll, wenn man vermeiden möchte, dass Signale aus dem Kopfhörer leise vom Mikrofon eingefangen werden, wenn es sich beispielsweise um empfindliche Aufnahmen wie Sprachaufnahmen von Hörbüchern oder von akustischen Instrumenten handelt. Dies ist beim Unterricht über Videoplattformen jedoch nicht der Fall, weshalb ich hier zu offenen Kopfhörern raten würde. Diese bieten meist einen höheren Tragekomfort, da etwas Luft an die Ohren kommt, und stellen auch eine bequeme Alternative zu Ohrstöpseln dar.

Hier sind zwei Alternativen:

Audio Interfaces

Höhere Flexibilisierung und eine weitere Qualitätssteigerung erhält man durch die Verwendung eines Audio Interfaces. Prinzipiell würde ich auch jedem Neueinsteiger zu diesem Schritt raten, denn hier liegt natürlich auch das Potential, sich in Zukunft generell mit dem Thema Homerecording oder Arbeiten mit einer DAW auseinanderzusetzen, wenn man dies möchte.

Günstige Audio Interfaces sind:

Im Zusammenhang mit Audio Interfaces kann man nun auf Mikrofone mit XLR- Anschluss zurückgreifen.
Neben diversen Bauformen sind für die genannten Zwecke entweder dynamische Mikrofone zu empfehlen, die weniger empfindlich und oft günstiger, allerdings auch leiser sind. Die andere Form wären Kondensatormikrofone, die für bestimmte Bereiche eine bessere Klangqualität bieten, allerdings auch 48V-Phantomspeisung benötigen.

Anmerkung:

Beim Kauf eines Mikrofons könnte berücksichtigt werden, ob es sich evtl. auch für einen bestimmten Einsatzbereich neben dem Online-Unterricht qualifiziert. Beispielsweise könnte ein Live-Sänger sein dynamisches Mikrofon auch bei Auftritten einsetzen und ein Akustikgitarrist sein Großmembran-Kondensatormikrofon auch zum Recorden seiner Gitarre verwenden. All das sollte bei der Kaufentscheidung bedacht werden!

 

Dynamische Mikrofone:

Großmembran-Kondensatormikrofone:

Neben den oben erwähnten Produkten sollte man auch zusätzliche Anschaffungen bedenken, die für den Einsatz des neuen Equipments nötig sind. Diese wären z.B. ein Mikrofonstativ (evtl. Tischstativ) und XLR-Kabel zum Anschluss eures Mikrofons.

4. Tipps zur praktischen Umsetzung

Sind die Punkte 1-3 abgeklärt und ist euer Equipment einsatzbereit, gibt es noch ein paar kleine Hinweise, die relativ leicht umsetzbar sind und dennoch einen großen Qualitätssprung ermöglichen.

a) Um eine gute Audioqualität zu gewährleisten, empfiehlt es sich, dass beide Parteien einen Kopfhörer einsetzen und die externen Lautsprecher stumm schalten. Andernfalls nimmt das Mikrofon des jeweiligen Gegenübers das Signal aus den Boxen erneut auf, sodass man seine eigene Stimme mit einer gewissen Latenz doppelt hört. Möchte man keinen Kopfhörer verwenden, kann man auch alternativ das eigene Mikrofon in Sprechpausen deaktivieren bzw. stumm schalten.

b) Wer im Besitz eines Audiointerfaces mit zwei Eingängen ist, hat die Möglichkeit, den einen Kanal für die Sprechstimme und den zweiten für das Instrument zu verwenden (was entweder auch über ein Mikrofon oder aber direkt über ein Kabel in den zweiten Input z.B. im Falle eines Keyboards oder E-Gitarre/Bass spielen kann).Achtung: Zoom und Doozzoo beispielsweise ermöglichen die Verwendung von zwei Kanälen, aber je nach verwendeter Plattform (z.B. bei Skype) wird der Einsatz von zwei Eingängen nicht unterstützt. Hier kann man sich allerdings mit einem kleinen Mischpult behelfen, das jedoch bei der Verwendung von Kondensatormikrofonen Phantomspeisung bieten muss!

c) Da das Übertragen des Audiosignals an den Rezipienten immer mit einem leichten Zeitversatz (Latenz) einhergeht, sollte man nach Abschluss einer Aussage einen Moment warten, um dem Gegenüber eine Reaktionsmöglichkeit zu geben, denn dies erleichtert die Kommunikation und den Gesprächsfluss. Bei Gruppenunterricht empfiehlt sich eine Moderation seitens des Lehrers und das Erbitten von Handmeldungen.

d) Sollte aufgrund von temporärer Netzüberlastung die Bild- und Tonqualität zu schlecht sein, kann das Abschalten der Videoübertragung und das Ausweichen auf eine reine Audioübertragung hilfreich sein.

Damit wünsche ich euch gutes Gelingen beim Gestalten eures Online Unterrichts!

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