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29.07.2015

Tinnitus bei Musikern

Was tun, wenn das Piepen nicht mehr weggeht?

Ursachen der Ohrgeräusche, Prävention und Hilfe

Abends mal wieder derbe geprobt oder auf dem Konzert des Jahres gewesen. Als Folge gibt es dumpfe Ohren und einen Sound wie in Watte gepackt. Oder es taucht plötzlich ein Dauerpiepton auf, der einfach nicht verschwinden will. Ist am nächsten Morgen alles wieder gut, war es nur eine Hörermüdung (TTS = Temporary Threshold Shift) von der sich das Ohr erholen kann. Geht das Piepen nicht mehr weg, heißt es: Ab zum Arzt! Tinnitus-Gefahr.

Wusstet ihr, dass Musiker und Musikerinnen gegenüber normal sterblichen Menschen einem 57 % höheren Risiko ausgesetzt sind, an einem Tinnitus zu erkranken? Und das „Lärmschwerhörigkeit“ die häufigste Berufskrankheit unter professionellen Musikern ist? Grund genug, sich mit dem Thema Lärmbelastung durch Musik und seine möglichen Folgen für die Ohren auseinander zu setzen.

Was ist ein Tinnitus?

„Tinnitus Aurum“ heißt wörtlich übersetzt „das Klingeln der Ohren“ und meint eine Störung der Hörfunktion. Es „bezeichnet ein Symptom, bei dem der Betroffene Geräusche empfindet, denen keine äußeren Schallquellen zugeordnet werden können“. Ein Tinnitus äußert sich als Brummton, Pfeifton, Zischen, Rauschen, Knacken oder Klopfen und kann in seiner Intensität gleichbleibend oder rhythmisch an- und abschwellend sein. Zusätzlich psychisch beeinträchtigende Begleitumstände können Schlafstörungen, Angstzustände, Depressionen und sogar Arbeitsunfähigkeit sein.

Es gibt zwei Formen von Tinnitus. Von einem „akuten Tinnitus“ wird in einem Zeitraum bis zu drei Monaten gesprochen, von einem „chronischen Tinnitus“ ab drei Monaten aufwärts. Je länger ein Tinnitus bestehen bleibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er chronisch wird.

Ein Tinnitus muss nicht immer die Ursache für eine Hörstörung sein, sondern kann auch das Symptom einer anderen Krankheit sein. Oft ist ein Tinnitus aber ein Warnsignal des Ohres, dass sich der Mensch, körperlich wie auch seelisch, übernommen hat.

Wie entsteht ein Tinnitus?

Das Dauergeräusch in den Ohren entsteht dadurch, dass die Umwandlung eines akustischen Reizes in einen elektrischen Reiz durch die Haarzellen im Innenohr gestört ist, und das Gehirn mit dem Tinnitus einen „Ersatzton“ produziert, der außen gar nicht vorhanden ist. Vergleichbar mit Phantomschmerzen. Das Gehirn versucht also die Hörstörung zu kompensieren. Das Ergebnis nehmen wir als Dauerton oder -geräusch wahr.

Die hochempfindlichen Haarzellen im Innenohr, die für die Wahrnehmung der verschiedenen Tonhöhen zuständig sind, können absterben, wenn sie zu oft und zu lange Lärm ausgesetzt sind. Einmal geschädigte Haarzellen können nie wieder vollständig regeneriert werden.

Was sind die Risikofaktoren?

Die Gefahr durch Beschallung eures Ohres mit Lautstärke kann in drei Faktoren unterteilt werden:

1) Wie oft hört ihr laute Musik?


2) Wie laut, also wie viel Dezibel, ist bei euch „LAUT“?

3) Wie lange konsumiert ihr auf solch einem Level Musik?

Bevor ihr denkt „Ach ich höre / mache doch gar nicht so laut Musik“ macht euch klar, dass Lautstärke subjektiv empfunden wird! Ihr könnt viel Spaß haben, es tut nichts weh und trotzdem ruiniert ihr gerade euer Gehör. Bereits ein Pegel von 70 dB (Staubsauger in 1m Entfernung) als Dauerbeschallung reicht aus, euer Risiko auf einen Hörschaden richtig auszuweiten. Ohren gewöhnen sich nicht an Lärm, auch wenn euer Kopf die Lautstärke ausblenden kann.

Hilfe, ich habe einen Tinnitus!

Geht der Ton oder das Geräusch im Ohr nicht mehr weg müsst ihr, so schnell wie möglich, zum HNO-Arzt. Je früher die Behandlung beginnen kann, desto größer sind die Chancen auf Heilung. Gönnt eurem Ohr im akuten Zustand absolute Ruhe. Achtet auf Entspannung und nehmt viel Flüssigkeit zu euch.

Ein akuter Tinnitus wird meist medikamentös behandelt, damit er nicht chronisch wird. Bei einem chronischen Tinnitus geht es mehr darum, zu lernen, wie man den Ton ausblendet oder minimiert. Wirklich verschwinden wird er allerdings nicht mehr. Wege dorthin gibt es viele: Von der medikamentösen Behandlung über Physiotherapie (Entspannungsübungen) bis hin zu Psychotherapie (Verhaltenstherapie oder andere Körpertherapien). Auch alternative Medizin, Alexander-Technik, Beruhigung des Nervensystems durch mentale Übungen, Gehörstimulationsverfahren, oder die Kombination verschiedener Methoden gehören dazu.

Wie könnt ihr das Risiko minimieren?

  • Versucht nicht zu oft, zu laut oder zu lange Lärm an Euer Ohr kommen zu lassen. Wenn ihr schon einen der drei Punkte reduziert, verringert ihr die Gefahr eines Hörschadens.  
  • Gebt euren Ohren genügend Zeit, sich nach Lärmphasen zu erholen. Macht ganz bewusste Lärmpausen in denen ihr alle akustischen Quellen ausschaltet. Im Netz empfiehlt die Phonak-Audiologie-Expertin Daniela-Simone Feit mindestens 10 Stunden Ruhe für die Ohren nach einem Lärmeinsatz.

  • Tragt bei Konzerten Gehörschutz.
  • 
Lasst euer Gehör regelmäßig durch einen Arzt checken.

  • Vermeidet es, laute Musik mit Kopfhörern zu hören. Viele Abspielgeräte haben keine Lautstärkebegrenzung. 115 dB für 30 Sekunden, täglich, führen mit der Zeit zu Dauerschäden eures Ohres.

  • Nehmt das Thema Lärmbelastung für die Ohren ernst. Beschäftigt euch mit dem Thema Gehörschutz für Bandproben. Selbst für Sänger und Sängerinnen, die besondere Bedingungen an den Gehörschutz stellen, gibt es mittlerweile geeignete Systeme.

 

Quellen:

Wikipedia, Lärmschwerhörigkeit, https://de.wikipedia.org/wiki/Lärmschwerhörigkeit

Wikipedia, Tinnitus, https://de.wikipedia.org/wiki/Tinnitus


Gute Seite mit Grundinfos: http://www.tinnitus-mag.de


FAZ Artikel: http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/schwerhoerigkeit-bei-berufsmusikern-dem-ohr-ist-musik-auch-laerm-12935166.html


Metal Mirror Tinitus Special: http://www.hear-the-world.com/de/hoeren-und-hoerverlust/wie-laut-ist-zu-laut.html


http://www.music-music-music.de/S09-musiker-gesundheit.html


Musikergesundheit, Pete Josephs, Berlin: www.musikergesundheit.de

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