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Test
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15.11.2021

THEPHONOLOOP Tapes.01 Test

Kontakt-Library

Das „Mellotron“ des 21. Jahrhunderts

Die beiden Cassette Bundles der polnischen Klangschmiede THEPHONOLOOP hatten wir erst kürzlich im Test und sprachen eine Empfehlung für vintage-affine DAW-Musiker aus. Die Kontakt Library Tapes.01 setzt noch einen oben drauf.


Welche besonderen Möglichkeiten Tapes.01 bietet und wie die Library klingt, erfahrt ihr in unserem Kurztest!

Details

Konzept und grundlegende Features

Der musikalische Soundcontent basiert auf Tape-Recordings von Synthesizern, wovon zwei Sources (A / B) gelayert werden können. Als dritte Klangkomponente lässt sich ein Noise Sample hinzumischen, das sinnvollerweise unabhängig von der Anzahl gespielter Noten monofon erklingt. Die Auswahl an Noise Samples ist riesig und variiert von erwartbaren Rausch-, Brumm- und Knistersounds bis hin zu Naturgeräuschen.

Der Pool an Synthesizer-Samples fällt ebenfalls üppig aus und ist daneben in die drei Kategorien Tape Loops (ein Sample je Sound), Sound und Synced (jeweils 73-faches Multisampling) aufgeteilt. Die Synched-Samples basieren auf mehrtaktigen Recordings in 80 bpm und synchronisieren sich zum Tempo des Hostprogramms, was ein zum Teil ein rhythmisch lebendiges Klangbild bewirkt.

Prägend für die gesamte Klangästhetik von Tapes.01 sind auf jeden Fall die immensen Modulationsmöglichkeiten. Es gibt keinen Baustein der subtraktiven Klangsynthese und keinen Parameter der umfangreichen Effektausstattung, der nicht einem der vier LFOs, einem der vier Step Sequencer oder einer anderen Modulationsquelle zugewiesen werden kann. Somit wird meine plakative Überschrift „Mellotron des 21. Jahrhunderts“ der Library nicht wirklich gerecht.

Ein weiterer Clou ist der unkomplizierte Import eigener Samples per Drag-and-drop. Hiermit kann man beispielsweise im granular-ähnlichen Swarm-Mode im Handumdrehen interessante Klangkreationen erzeugen. Somit ist Tapes.01 weit mehr als eine einfache „Preset-Schleuder“. Dass beide Layers (A, B) außerdem über einen eigenen Step Sequencer verfügen, setzt dem Ganzen noch das Sahnehäubchen auf.

Installation

Zur Verwendung von Tapes.01 ist Native Instruments kostenloser Kontakt Player 6.60 erforderlich. Der Download und die Installation von Version 1.5 der Library erfolgen nach getätigter Eingabe des Lizenz-Codes also komplett über Native Access. Der Praxistest mit Logic Pro 10.6.3 verlief auf meinem iMac Pro (macOS 10.15.7) reibungslos.

Sound / Klangästhetik

Ja, ich mag derartige Sounds und der dicke, warme und stets organische Klang von Tapes.01 ist mir eine wahre Freude. Die Ästhetik vieler Presets kann man vielleicht irgendwo zwischen vintage, analogsynth-, mellotron- und roland-D50-artig beschreiben, was an den häufig verwendeten Noise Samples liegt, die nicht selten an das „Hintergrundgeklöppel“ des berühmt-berüchtigten Presets „Digital Native Dance“ des digitalen Roland-Klassikers erinnern.

Ob und wie viel Vintage-Schmutz und Gleichlaufschwankungen man dem Sound hinzufügen möchte, lässt sich in dem auf den allerersten Blick komplexen aber dennoch logisch strukturierten GUI sehr gut steuern. Am besten hören wir einfach mal rein. 

Alle Hörbeispiele stellen Tapes.01 pur ohne zusätzliche Effekte dar. Dramatische Veränderungen im Klangverlauf (Effekte, Filter, Sequenzen etc.) der Einzelsounds aus den angespielten Kategorien gehen in der Regel nach der Betätigung des Modulationsrads (CC#01) vonstatten. Dieses wurde in den Presets bereits mit sinnvollen Parametern verknüpft.   

Fazit

Die Kontakt-Library Tapes.01 von THEPHONOLOOP bietet charaktervolle und inspirierende Sounds für DAW-Produktionen und Scoring sowie ein hohes Kreativpotenzial zur Erzeugung eigener Klänge. Dabei reicht die Bandbreite von simplen Instrumenten bis hin zu epischen Klanglandschaften mit einem stets organischen und musikalischen Sound. Tapes.01 ist eine Bereicherung für alle ambitionierten DAW-Producer, deren Herz noch analog schlägt.

  • PRO
  • toller organischer und dicker Sound
  • umfangreiche Modulationsmöglichkeiten
  • inspirierender Sample Pool
  • unkomplizierter Import eigener Samples
  • lebendiges Spielgefühl (Modulation des Sample Starts, simuliertes Round Robin)
  • stilsichere und gut klingende Effekte
  • CONTRA
  • kein Contra
  • FEATURES
  • Sample Library
  • 11100 24-Bit-Samples von Bandaufnahmen (26,8 GB)
  • 443 synthesizerbasierte Klangquellen (überwiegend 73-faches Multisampling)
  • 217 Noise Samples
  • Import von User Samples
  • 492 Presets
  • umfangreiche Modulationszuweisungen (u. a. 4 LFOs, 4 Step Sequencer etc.)
  • 2 Step Sequencer (Noten)
  • 4 Multieffekt-Slots
  • zusätzliche Emulation von Tape-Artefakten
  • Pitch-, Filter, Amp-Hüllkurven
  • Erfordert Kontakt 6.60+ Player
  • NKS-kompatibel
  • Preis:
  • 120,- EUR (per Download am 15.11.2021)

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