Test
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17.03.2021

the t.racks DSP 4X4 Mini Amp Test

Kompakter Verstärker mit 4-Kanal DSP und 4-Kanal Endstufe

Nachschlag! Das Musikhaus Thomann präsentiert eine neue „the t.racks Mini“-Kreation. Nach dem erfolgreichen the t.racks DSP 4X4 Mini 4-Kanal-Lautsprecher-Controller folgt nun der nächste logische Schritt. Der the t.racks DSP 4X4 Mini Amp ist eine Kombination aus besagtem vierkanaligen Lautsprecher-DSP und einer vierkanaligen Endstufe, die pro Kanal 60 Watt an 4 Ohm zur Verfügung stellt. Damit bietet sich der the t.racks DSP 4X4 Mini Amp für verschiedenste Einsatzgebiete an. Kleinere Installationen, als Antrieb für Studiomonitore und Hi-Fi-Projekte oder in der Lautsprecherentwicklung.

Details

Der kompakte DSP-Amp wiegt gerade einmal 1,6 Kilogramm und benötigt dank seiner kompakten Abmessungen von 24 x 16 x 4,3 Zentimetern nur sehr wenig Platz. Nur wenig mehr als Handteller groß ist der DSP-Amp und er verfügt links und rechts am stabilen Gehäuse über Montageschienen, mit denen der Kandidat problemlos in Racks, hinter Theken oder Technikräumen verschraubt werden kann. Die schwarze, flache Metallkiste würde auf den ersten Blick wohl auch als Barebone-Rechner durchgehen. 

Die Bedienungselemente sind übersichtlich: Vier Klinkeneingänge auf der Vorderseite werden begleitet von Signal-LEDs, die anliegende Audiosignale anzeigen. Rechts daneben befindet sich eine Mini-USB-Buchse, welche die Verbindung zwischen dem internen DSP und einem Windows-Rechner herstellt. Ein passendes Mini-USB-Kabel ist im Lieferumfang enthalten sowie ein Manual und eine Mini-CDR mit der passenden Remote Software. Mac- und Linux-Nutzer müssen leider draußen bleiben, der the t.racks DSP 4X4 Mini Amp verbindet sich ausschließlich mit einem Windows-Rechner.

Unser Kandidat ist mit einem festangeschlossenem Netzkabel ausgestattet. Das gefällt mir! Eine Power LED auf der Vorderseite zeigt eine bestehende Netzspannung an. Die Rückseite der Mini-DSP-Amps gibt sich unspektakulär. Neben besagtem Netzkabel befinden sich lediglich vier Link-Through-Klinkenbuchsen und vier Lautsprecherausgänge im Schraubklemmblock-Format auf der Rückseite.

Schraubklemmblöcke sind ein beliebtes Format aus dem Installationsbereich. Dicke Lautsprecherleitungen sind bei der maximalen Leistung von 4 x 60 Watt an 4 Ohm nicht wirklich notwendig. Bei nicht allzu langen Kabelwegen sollte der Durchmesser der Schraubklemmblock-Terminals ausreichen. Kümmern wir uns als nächstes um die inneren Werte des Kandidaten.

Software Installation

Die DSP Software ist als Mini-CD-ROM im Lieferumfang enthalten. Ich bevorzuge allerdings den Download Link des Thomann Online Shops.

 Die Software ist nicht Windows-zertifiziert, daher blockt meine Windows-10-Pro-Installation die Ausführung der Exe-Datei durch den Microsoft Defender SmartScreen. Um die Exe-Datei dennoch ausführen zu können, klicke ich auf „weitere Informationen“ und auf „Trotzdem ausführen“. Danach folge ich den Anweisungen des Installers, bestätige das Anlegen eines Desktop Icons und beende die Installation mit dem Angebot „Launch the t.racks DSP 4x4 Mini Editor V1.03“.

Die Verbindung mit der Hardware ist schnell erstellt. Mini-DSP-Amp unter Strom setzten, das beigelegte Mini-USB-Kabel mit dem Computer verbinden und die „t.racks DSP 4x4 Mini Editor DSP Editor V1.03“-Software starten. Die Oberfläche ist in wenigen Sekunden geladen und die Software verbindet sich nach einem ersten Start automatisch mit der Hardware, wenn man zuvor einmal den Scanvorgang eingeleitet hat. Ich spiele mit der Software herum und bemerke den einen oder anderen Software-Bug. Ziehe ich beispielsweise mit der Maus den Delay-Fader eines Kanals auf den Maximalwert, erscheint eine Fehlermeldung. Was tun? Auf der Thomann-Produktseite wird ein Hardware-Update-Programm angeboten, das die Hardware auf den neusten Stand bringt.

Herunterladen, ausführen und abschließend den DSP-Mini-Amp kurz vom Netz trennen und neu starten: Siehe da – Problem gelöst! Daher sollte das Firmware-Update beim Einrichten des Amps obligatorisch sein.

Kommen wir zur Remote Software. Diese ist in weiten Teilen identisch mit der des the t.racks DSP 4X4 Mini 4-Kanal-Lautsprecher-Controller, was nicht weiter überraschen dürfte. Ich verbinde den Laptop mittels Mini-USB-Kabel mit dem Controller und starte die Software. Die Oberfläche erscheint und ein Pop-up macht mich darauf aufmerksam, dass kein Device zur Verfügung steht. Ich drücke auf den „Scanning“-Button und in wenigen Sekunden bezeugt ein grün aufleuchtender „Online“-Button, dass die Verbindung steht. Einfacher geht es wohl kaum.

Software-Übersicht

Die Software ist erstaunlich umfangreich und dennoch übersichtlich gestaltet. Oben links finde ich neun Tabs, welche die Hauptfunktionen aufrufen (Gain, Gate, Comp, Delay, Matrix und die Ausgänge 1–4). Die „Gain“-Seite stellt die Startseite der Software dar. Hier lassen sich die Pegelverhältnisse der vier Ein- und Ausgänge einstellen.

Der Anwender kann zwar keine direkten Werte in die Anzeigefelder tippen, dafür reagieren die virtuellen Fader recht feinfühlig auf mein Mausrad (in 0,1-dB-Schritten). Jeder Ein- und Ausgang verfügt über eine neunstellige LED-Meter-Anzeige, eine Mute-Taste und eine Polaritätstaste. Die Ein- und Ausgänge lassen sich für Stereoanwendungen bei Bedarf auch linken. Ideal für klassische Standard-Setups. Man könnte beispielweise die Eingänge 1 & 2 verlinken und die Ausgänge 1 & 2 und 3 & 4. Eingang 1 & 2 wird von einem Mischpult gespeist, die Ausgänge 1 & 2 versorgen die Subwoofer, während die Ausgänge 3 & 4 die Topteile mit Signal versehen. Das Linken hat den Vorteil, dass die Parameter beider Kanäle stets identisch sind und wir diese nur einmal einzugeben brauchen. Das beschleunigt nachhaltig die Preset-Erstellung. Alternativ bietet die Software auch die Möglichkeit, Einstellungen der Kanäle zu kopieren.

Gate & Kompressor

Ja, der Mini DSP bietet beides, wobei ein Gate bei DSP-Controllern nicht zur Standardausstattung gehört. Nützlich kann es dennoch sein, vor allem wenn das Eingangssignal nicht frei von Rauschanteilen ist. Anstatt das Rauschen unkommentiert an Endstufen oder Aktivboxen weiterzuleiten, filtert man das Grundrauschen mit Hilfe des Gates heraus.

Für jeden der vier Eingänge stehen separate Gates zur Verfügung, die mit Threshold, Attack, Hold und Release die üblichen Parameter bieten. Die Gates lassen sich nicht ein- oder ausschalten. Ob sie ihre Arbeit aufnehmen oder nicht, wird lediglich über den Threshold-Regler definiert. Da das Gate Threshold als niedrigste Schwelle mit -90 dB angegeben ist, dürfte selbst ein sehr leises Signal in der Praxis nicht abgeschnitten werden.

Das Gleiche gilt für die vier Kompressoren in den Ausgängen des DSPs. Wie bei den Gates lassen sich auch die Kompressoreinheiten nicht komplett ausschalten. Ob sie ihre Arbeit aufnehmen oder nicht, wird ebenfalls über die Stellung der Threshold-Regler definiert. Die Kompressoren klingen für ihre Preisklasse erstaunlich gut! Auch bei hoher Kompression sind kaum Artefakte vorhanden und bei Limiter-Einstellungen (1:20 oder höher) wird Pumpen nur beim Überfahren der Limiter hörbar.

Schade ist, dass es keine dedizierte Gain-Reduction-Anzeige gibt. Aber die meisten User dürften die Kompressoren überwiegend als Limiter konfigurieren, um damit einen entsprechenden Treiberschutz für nachgeschaltete Lautsprecher zu generieren. Zumindest bietet die Software eine Anzeige pro Ausgang, die das Erreichen der Limiter-Schwelle anzeigt. Schade, dass man der Hardware selbst keine Limiter/Clip-LEDs für die Ausgänge spendiert hat. Lediglich die Eingänge verfügen über Signal-LEDs. Wer sich über die vorherrschenden Pegelverhältnisse innerhalb des Mini DSPs eine Übersicht verschaffen möchte, der muss stets den Umweg über den Laptop/Software gehen.

Zurück zu den Limitern. Diese lassen sich penibel genau einstellen. Die niedrigste Ratio ist 1:1,0. Bis 1:2 geht es in 0,3er-Schritten weiter, ab 1:2 dann in 0,5er-Schritten und ab 1:4 dann in den Ratios: 1:5, 1:6, 1:8, 1:10, 1:20, Limit. Der Attack ist von 1 bis 999 ms einstellbar, Release von 10 bis 3000 ms und das Knee von 0 bis 12 dB.

Time Aligment

Laufzeiten-Delays gehören zur Grundausstattung eines jeden Controllers, und auch der kleine t.racks DSP-Mini-Amp enttäuscht in diesem Punkt nicht. Jeder Ausgang verfügt über ein Delay, dass sich in der Anzeige von Millisekunden über Meter und Feet umschalten lässt. Die kürzeste Verzögerung beträgt 0,008 Meter (0,023 ms), die längste Verzögerung reicht bis 680 ms (233,6 m). Ideal, um Lautzeiten Unterschiede innerhalb einer Box auf das genaueste abzugleichen oder Delay-Lautsprecher mit einer entsprechenden Lautzeitenkorrektur zu versehen.

Auch hier gilt, die Delay-Funktion besitzt keinen On/Off-Taster. Der Matrix-Tab erlaubt ein Routing der Signale. Jeder Eingang kann mit Hilfe der Matrix auf jeden Ausgang geroutet werden. Im Matrix-Tab lassen sich die zudem alle Ein- und Ausgänge umbenennen. Dabei darf man sogar deutsche Umlaute verwenden, die ansonsten bei günstigen Geräten oftmals unterschlagen werden. Leider sind die neuen Ein- und Ausgangsbezeichnungen nur auf der Matrix-Seite ablesebar und nicht auf der „Gain“-Seite, dort heißt es stets „Input A“ oder „Output B“.

Die Ausgänge

Die letzte Seite der Software adressiert die Ausgänge. Hier setzten wir die Cross-Over-Filter (Hochpass & Tiefpass) und können dem Ausgang noch eine ganze Ladung EQ-Punkte verpassen. Jeder Ausgang verfügt über sieben parametrische EQ-Punkte. Jedes dieser EQ-Filter lässt sich vom Typ her umschalten. Der Anwender kann wählen zwischen: Peak, Low Shelf, High Shelf, Tiefpass, Hochpass, Allpass 1 und Allpass 2. Die Crossover-Filter bieten die Auswahl des beliebten Trios „Linkwitz-Riley, Bessel und Butterworth“ und das mit Flankensteilheiten angefangen mit 6 dB über 12, 18 bis hin zu 24 dB. Eine gute Ausstattung für einen derart günstiges Gerät.

Store & Recall

Wer mit dem the t.racks DSP 4X4 Mini Amp verschiedene Boxen antreiben möchte, dürfte sich über die Möglichkeit freuen, unterschiedliche Einstellungen auf bis zu 30 User-Speicherplätzen direkt auf der Hardware abzuspeichern. Die Steuerung über „Store & Recall“ ist dabei denkbar einfach. Wem diese 30 Speicherplätze nicht reichen, der kann alternativ auch unbegrenzt Presets auf seinem Rechner ablegen und bei Bedarf wieder aufrufen.

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