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17.10.2018

The Sound of Musaeus College Auditorium, Colombo (Sri Lanka)

Insiderinfos: Beschallung, Venues, Technik und Anekdoten

Die Tour groovte sich sozusagen langsam ein, erstens indem spätestens jetzt alle Beteiligten auf Tourmodus umgeschaltet hatten, zweitens, weil das gemeinsame Troubleshooting uns auch noch mehr zusammengeschweißt hat und drittens, weil ich auch endlich gesundheitlich wieder vollends auf’m Damm war! Damit es neben unserem internen Groove aber auch wirklich tendenziell ruhiger oder zumindest klarer zugehen sollte als auf unseren letzten beiden Tourstopps, haben die Verantwortlichen vom Goethe-Institut für Sri Lanka ganz smart agiert.

Nach unserer ersten Show auf der Asientour in Bangalore kam die Produktionsleiterin für Sri Lanka auf mich zu und setzte sich mit mir zu einer Art Krisenbesprechung zusammen. Ich verpasste zwar so etwas unseren Empfang bei der „Attakkalari India Biennial“, aber das verspätete Abendessen war es absolut wert, Klarheit zu schaffen! Die Produktionsleiterin hatte nämlich gehört, dass wir bisher schon auf erhebliche Herausforderungen gestoßen waren und auch, dass uns beim zweiten Tourstopp wohl auch so manch Überraschungen erwarten könnten.

Die spezielle Situation mit Sri Lanka

... war, dass unser komplettes Bühnenbild dort noch einmal komplett neu gebaut werden musste, da der Transport von Indien nach Sri Lanka sowohl zeitlich als auch finanziell ein noch größerer Aufwand gewesen wäre, als es das Stück ohnehin schon war. Unser Tourmanager und ich konnten in dem gemeinsamen Gespräch mit der Colombo-Delegation immerhin schon auf Erfahrungswerte von dem Bühnenbildbau in Indien profitieren und auf Schwierigkeiten hinweisen, die uns vorher gar nicht so klar gewesen waren. Zusätzlich gestand uns die Produktionsleiterin in dem Gespräch ein, dass die Technikfirma, mit der ich gemeinsam mit ihr als Dolmetscherin aus Deutschland geskypet hatte, nicht mehr an Bord war. Zumindest hatte sie aber von der neu involvierten Verleihfirma offene Fragen zu meinen Belangen und Mikro-Anforderungen dabei. So sah dann der zurückgespielte Ball meinerseits auf deren „rote“ Fragen zum Sound-Department aus:

Dieses Gespräch viel also nur vermeintlich in die Kategorie „Es bleibt spannend“, es sorgte im Gegenteil im Nachhinein eher für ein gutes Gefühl. Und diesen offenen Umgang mit Schwierigkeiten schätze ich sehr! Wir konnten dann auch einige Fragen klären und ich konnte mir anhand der mitgebrachten Mikro-Replacement-Liste auch eine etwas abgeänderte Mikrofonierung ausdenken. Und da eben auch zu diesem Zeitpunkt noch gute drei Tage drüber nachdenken, bevor wir nach Colombo fliegen sollten. Wir packten natürlich auch wieder alle Töpfe und Pfannen, welche mittlerweile einige unserer Percussion-Instrumente auf der Tour ersetzt hatten ein und flogen von Chennai nach Colombo.

In Sri Lanka angekommen, ging es dann nach kurzem Hotel-Check in für mich auch direkt mit einem TukTuk zum Venue. Unser Venue sollte der Hörsaal eines Colleges sein, weil dies der einzige theatermäßig bestuhlte Saal in Colombo sein sollte, in den auch unser Bühnenbild passte. Tatsächlich wusste ich dank des oben beschriebenen Krisengesprächs ziemlich genau, was mich an technischem Material im „Musaeus College Auditorium“ erwarten sollte. Klar, war ich gerade durch unsere aktuelle Tour auch auf weitere Überraschungen gefasst, aber ich sollte diesbezüglich enttäuscht bzw. jetzt mal positiv überrascht werden.

Der „Hörsaal“ entpuppte sich als absolut amtliche Theater-Location und beim Eintreten sah ich schon das für mich vorbereitete Yamaha M7Cl. Da auch beide anderen Shows in Asien auf diesem Pult gelaufen waren und ich von Chennai aus noch mal eine E-Mail schreiben konnte, in der ich die „neue“ Verleihfirma darum bat zu checken, ob auf dem Pult die aktuelle Firmware aufgespielt war, war das schon einmal eine große Freude! Ich konnte tatsächlich mein für Sri Lanka etwas modifiziertes „Editor-File“ einfach laden und dann weiter an Details schrauben.

Zwei Mikrofontypen warteten hier auf mich und wurden meinerseits im Vorfeld auf dem Plan skeptisch beäugt: Das Shure PG81 und noch doller, weil ich es wirklich noch nie davor oder danach in der Hand hatte, das SAMSON C01 Großmembran Mic.

Das Shure Condenser war mir schon mal untergekommen und da wusste ich, dass selbst dieses vergleichsweise günstige Modell was kann. Absolut positiv überrascht hat mich aber besagtes Samson Großmembran Mic. Ein sehr günstiges Modell, das ich mir von unterwegs auf thomann.de zumindest mal anschauen konnte, machte seinen Job als Overheadmic für Percussion-Istrumente ganz ausgezeichnet. Ich musste zwar die blaue LED abkleben, welche die Versorgung mit Phantomspeisung anzeigt, aber sonst top Mic!

Ob nun subjektiver Eindruck, weil die Tour bisher so wild verlaufen war oder real durch wachsameres Reagieren der Partner vor Ort im Vorfeld – EGAL, hier lief endlich alles entspannter als bei allen anderen Tourstopps. Einzige technische Änderung war dann noch, dass ich ein paar Toneinspielungen, zu denen am Ende des Stückes noch live gespielt wird, als ein Backup auch direkt vom FOH gefahren habe, da es da in Chennai Schwierigkeiten bei der Perkussionistin gab.

Hierfür kam dann noch mein mitgebrachtes RME-Babyface und meine präferierte Zuspielsoftware Qlab zum Tragen. Um das Game trotzdem spannend zu halten, baute die Choreographin und Regisseurin Constanza Macras aber noch zwei lokale Performer in unser Stück ein. Einige auch politische Texte von der Situation Sri Lankas wurden gemeinsam improvisiert und dann festgelegt und änderten damit so manche meiner Cues, vor allem in den wilden Mixturen aus viel Text und dann Choreographien, aber hierfür hatte ich ja dadurch, dass alles andere so gut lief, auch den Kopf frei.

Damit war es zwar final kein einfaches Abliefern, hielt einen aber wach und machte ja auch Spaß, immer weiter flexibel zu bleiben. Vor allem, wenn diese Flexibilität aus künstlerischen Veränderungen gedeiht und nicht aus Problemlösungen. Versteht mich nicht falsch, Letzteres liegt mir auch sehr, aber die Tour hatte diesbezüglich wirklich genug geliefert ;)

Ein kurzer Gang hinter die Bühne kurz vor der Show versetze mich dann doch mit einem minimalen Schreck – so einen wirren Kabelsalat zwischen Amps und Dimmern hatte ich noch nie gesehen. Aber hey, es schien ja zu funktionieren und ich konnte darüber lachen, rannte, um nicht darüber nachzudenken, schnell wieder an meinen FOH-Platz und wir hatten eine tolle Show und einen großartigen Tourabschluss.

Nach einen schönen gemeinsamen Essen verabschiedete ich mich dann in zwei Wochen Sri Lanka Urlaub und konnte da dann auch nahtlos die Anstrengungen der Tour loslassen. Am Ende viele kleine tolle Geschichten und auch eine spannende Tour. Bis zur nächsten Show irgendwo auf dieser Welt

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