Test
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26.02.2018

Praxis

Hält man zum ersten Mal einen Pocket Operator in den Händen, fällt der Einstieg ein bisschen schwer, da das Bedienkonzept – nun ja – etwas rudimentär ist und das Display in den meisten Modi eher als Gimmick dient und nicht wirklich dazu ausgelegt ist, die Interaktion mit dem Benutzer zu unterstützen. Um die Lektüre der Bedienungsanleitung kommt man also nicht herum. Hat man sich aber in das Prinzip eingefuchst und einige der Tastenkommandos auswendig gelernt, bedient man eigentlich alle Pocket Operatoren einigermaßen sicher und zielgerichtet.

In der Werksausstattung sind jeweils die ersten vier Slots der beiden Bänke „Melodic und Drum“ mit Samples belegt und die vorprogrammierten Patterns geben bereits einen guten Eindruck davon, wo die Möglichkeiten (und Grenzen) und die klangliche Grundcharakteristik des PO-33 K.O! liegen. Deutlich hörbar: Der Sampler arbeitet nach dem klassischen Transpositions-Prinzip nämlich der Änderung der Auslese-Rate. Nach oben transponierte Samples werden also kürzer, nach unten, entsprechend länger.

Sampling

Eigenes Samples verfrachtet man wahlweise über das integrierte Mikrofon oder den Audio-Eingang in das Gerät. Wobei einem hier eine einfache Pegelanzeige im Display hilfreich zur Seite steht. Dann hält man einfach die Taste für den gewünschten Slot gedrückt und die Aufnahme läuft, so lange man sie gedrückt hält. Sampelt man in einen der acht Melodic-Slots, steht der Audioschnipsel danach tonal Spielbar zur Verfügung. In den Melodic-Slots kommt hörbar eine auf 'C' startende, natürliche Molltonleiter zum Einsatz (c,d,es,f,g,as,b,c) – gerne hätte ich hier noch Alternativen gehört. Wählt man einen der acht Drum-Slots, bemüht sich der PO-33 K.O! diesen anhand seiner Transienten und Länge, in sechzehn Slices zu zerteilen. Das funktioniert eher so lala und ein Nacharbeiten mit Hilfe der integrierten Trimming-Funktionen (Start, Länge) ist fast immer erforderlich:

Spielt man mit den Werksdrums herum, stellt man fest, dass diese tatsächlich aus Einzelsamples bestehen – auf jeder Taste also nur ein Sample liegt. Selber erstellen kann der Anwender so ein Mapping allerdings nicht, sondern muss den Umweg über ein längeres Sample mit Einzeldrums gehen, bei dem man die gewünschten Stellen dann für die verschiedenen Tasten „anfährt“. 

Ein Bug beim Sample-Trimming an unserem Testgerät war, dass, wenn man ein Slice editiert hat und danach zu einem anderen Slice geht, der PO-33 oft die Einstellung des vorherigen Slices „mitnimmt“. Als wirksamer, allerdings den „Flow“ verzögernder Workaround erwies sich die Methode, zwischendrin in einen anderen Editier-Modus zu wechseln. Und davon gibt es drei, wobei sich in jedem davon die Belegung der beiden A/B-Potis entsprechend ändert:

  • Tone (Pitch & Volume)
  • Filter (High-/Low-pass Filter & Resonanz)
  • Trim (Startpunkt & Länger)

Und hier kommen wir auch direkt zum Thema:

Programmierung

Denn jede Einstellung von Tone und Filter kann für jede der sechzehn Steps des Sequenzers gespeichert werden: Einfach den Sound entsprechend anpassen, in den Write-Modus wechseln und für die jeweilige Stufe programmieren. Allerdings immer nur „Step für Step“ – das Aufnehmen einer Filterfahrt in Echtzeit ist entsprechend nicht möglich. Überhaupt ist das stetige Wechseln vom Performance- in den Step-Write-Modus das elementare Grundkonzept bei der Arbeit mit dem PO-33, das einem schnell in Fleisch und Blut übergeht.

Zwar kann man alle Tastenkommandos auch in Echtzeit aufnehmen, faktisch ist das „Spielen“ der kleinen Micro-Taster aber doch etwas ungenau (auch wenn die interne Quantisierung die gespielten Noten auf den nächstliegenden 16-tel-Wert zieht) und man kommt schneller und genauer zum Ziel, wenn man die Lauflichtprogrammierung zum Einsatz bringt. Ist einem das Ergebnis zu statisch kommt der Swing-Faktor ins Spiel, der das Triggering der Samples mit stufenlos einstellbarer Stärke wirkungsvoll verschleppt. Daneben verfügt der PO-33 über einen brauchbaren Satz an elementaren Funktionen zum Managen von Patterns und Sounds: Sowohl das Kopieren  von Slices, Sounds und Patterns ist möglich, wie auch das Löschen, Verketten und Wiederholen von verschiedenen Patterns.

Effekte

Was sich dagegen sehr gut in Echtzeit automatisieren lässt, sind die Effekte. Fünfzehn sind es insgesamt, denn Slot sechzehn ist praktischerweise mit keinem Effekt belegt. Indem man bereits applizierte Effektkombinationen mit diesem Leer-Effekt überschreibt löscht man sie. Was mich bei allen Pocket Operatoren – so auch am PO-33 K.O! - immer wieder erstaunt, ist wie elegant die Effekte programmiert sind. Sie agieren nicht abrupt, sondern interpolieren untereinander und klingen immer irgendwie musikalisch und „funky“. Hier einmal der Schnelldurchlauf aus:

  • 01. Loop 16
  • 02. Loop 12
  • 03. Loop short
  • 04. Loop shorter
  • 05. Unison
  • 06. Unison low
  • 07. Octave up
  • 08. Octave down
  • 09. Stutter 4
  • 10. Stutter 3
  • 11. Scratch
  • 12. Scratch fast 
  • 13. 6 / 8 Quantize
  • 14. Retrigger Pattern
  • 15. Reverse

Synchronisation

Alle Pocket Operatoren können untereinander einen Sync-Bus bilden. Dazu verbindet man lediglich den Audio-Ausgang des Masters vermittels eines Stereo-Miniklinkenkabels mit dem Eingang des zu clockenden Slave. Und nicht nur das Clock-Signal wird durchgereicht, sondern auch der Audiostrom. Das heißt, am Ende lässt sich die Summe aller Pocket Operatoren am Ausgang des letzten Operators abgreifen.  Unweigerlich wird aus dem Master dann allerdings ein Mono-Gerät (denn der rechte Kanal ist ja mit dem Clock-Impuls beschäftigt). Durch wiederholtes Drücken der „Record“- und „BPM“-Taste legt man dann fest, wie mit den Signalen umgegangen werden soll.

Klang 

Zwar schweigen sich Teenage Engineering über die Spezifikationen des Samplers aus, wenn man aber auf der Website von „Silicon Labs“ stöbert, findet man den verbauten „EFM32 Gecko“ 32-Bit-Microcontroller. Und dessen Datenblatt nennt eine Auflösung von 12-Bit für die AD/DA-Wandlung. Gegeben, dass der Flash-Speicher dieses Microcontrollers in der größten Version 128 Kilobyte hat, muss die Sample-Rate entsprechend weit unter 22 kHz liegen. Und das hört man natürlich: Der PO-33 K.O! stülpt allem, was man in ihn rein steckt, eine ausgesprochen charmante grobkörnig-raue Klangsignatur über. Um es mal augenzwinkernd zu sagen: Der „Glue-Faktor“ ist extrem hoch, denn alles, was am Ende den kleinen Sampler verlässt, wird in Bezug auf Dynamik, Transienten und Frequenzgang unweigerlich zu einer homogenen 12-Bit Masse. Und genau das will man ja, wenn man sich entscheidet, mit dem kleinen Taschen-Sampler Musik zu machen: Man will charaktervoll-rohen Sound – denn High-End hat man ja schon am Rechner. Das heißt übrigens nicht, dass der PO-33 K.O! klanglich unscheinbar wäre – ganz im Gegenteil: die etwas körnige Charakteristik besitzt eine erkennbare Prägnanz, die sich zwischen anderen Sounds und Klangquellen sehr gut durchzusetzen kann.

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