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29.07.2015

Synthesizer und Sounddesign #8 - Dance Chords

Synthesizer Sounddesign für Einsteiger

In der achten Folge des Crashkurses Synthesizer und Sounddesign programmieren wir einen polyphonen Sound für Chords, wie sie oft in House-Tracks und Dance-Hits verwendet werden. Neben Bässen, Leads und Drums braucht man auch etwas für das Akkordgerüst, und es muss ja nicht immer das gute alte House-Piano sein ... Viel Spaß mit der 8. Crashkurs-Folge!

Ich habe für den Sound den Arturia Prophet V2 verwendet, eine Software-Emulation des legendären polyphonen Analog-Synthesizers Sequential Circuits Prophet-5 und seines digitalen Nachfolgers Prophet-VS. Ihr könnt den Sound aber auch auf anderen polyphonen Soft- und Hardware-Synthesizern nachbauen. Ein Patch für den Arturia Prophet V2 gibt es am Ende der Folge zum Download.

Es geht los mit dem ersten Oszillator, dem eine Sägezahnschwingung zugewiesen wird. Der Prophet V2 hat einige „Reset-Patches“, die den Synthesizer auf Basis-Einstellungen zurücksetzen. Unter Templates → Pro5 Waves → Saw ist ein Preset zu finden, das einen simplen Sägezahn von Oszillator 1 produziert:

Oszillator 1 habe ich im Mixer etwas leiser gedreht, als es im Reset-Sound eingestellt ist (etwa drei Viertel). Nun kommt Oszillator 2 hinzu. Die Oszillatoren des Prophet können ihre Schwingungsformen gleichzeitig bereitstellen, man kann also wie zum Beispiel auch bei der Roland Juno Serie den Sägezahn und das Rechteck gleichzeitig verwenden. Das machen wir uns zunutze, um einen dichteren Sound zu bekommen. Bei Oszillator 2 werden also die Knöpfe für Sägezahn und Rechteck gedrückt. Die Pulsbreite der Rechteckschwingung (PW) habe ich auf etwa 30% eingestellt und den Oszillator im Mixer etwas weniger als zur Hälfte aufgedreht. Hier hört ihr Oszillator 2:

Um einen breiteren Sound zu bekommen, wird Oszillator 2 mit dem FINE-Regler leicht verstimmt, beim Prophet V2 habe ich mich für +8% entschieden. Außerdem kann man ganz rechts oben in der UNISON-Sektion den DETUNE-Regler etwas aufdrehen. Dadurch werden die einzelnen Stimmen leicht gegeneinander verstimmt, wie bei einem analogen Synthesizer mit nicht ganz stimmstabilen VCOs. Auch das ergibt einen satteren Sound mit schönen Schwebungen. Hier hört ihr nun beide Oszillatoren zusammen:

Der Filter-Cutoff wird recht weit herunter geregelt – er soll hauptsächlich von der Filterhüllkurve gesteuert werden. Dafür wird ENV AMT aufgedreht, bei mir steht der Regler etwa auf 3 Uhr. Nach Belieben kann man etwas Resonanz hinzufügen. Die Filterhüllkurve sieht so aus: kein Attack, eine Decay-Zeit von etwa 700 ms, kein Sustain und eine Release-Zeit von etwa der gleichen Länge wie das Decay. Auch die Amp-Hüllkurve wird so eingestellt. Bei einem Synthesizer, bei dem man Filter und Amp mit der gleichen Envelope steuern kann, könnte man auch so verfahren – beim Prophet sind die Hüllkurven fest zugewiesen und man muss beide separat einstellen.

Bei solchen Chords kann man damit experimentieren, etwas Rauschen hinzuzufügen – das gibt dem Sound etwas „Schmutz“. Ich habe den Rauschgenerator des Propheten im Mixer ganz leicht aufgedreht:

Nun fehlen noch ein paar Effekte, nämlich Chorus und Delay. Gut, dass der Prophet V2 beide eingebaut hat, wenn auch etwas versteckt. Mit einem Klick auf EDIT in der oberen Leiste klappt man die Effekte auf und mit den beiden Knöpfen links daneben werden sie eingeschaltet. Beim Chorus habe ich mich für Variante 2 entschieden. Beim Delay wird der Tempo-Sync aktiviert und die Delayzeit links auf eine Achtelnote und rechts auf eine Viertelnote gesetzt (natürlich könnt ihr aber auch mit anderen Zeiten experimentieren). Das Feedback wird für beide Seiten recht weit heruntergeregelt – zu viele Wiederholungen würden Matsch ergeben.

Durch Drehen an den Reglern CUTOFF, ENV AMT und DECAY in der Filterabteilung kann man den Sound nun vielseitig modulieren:

Das fertige Patch für den Arturia Prophet V2 könnt ihr euch hier herunterladen:

Ab der nächsten Folge des Crashkurses widmen wir uns einem Thema, das viel Spaß macht und oft vergessen wird: Drumsounds. Viele Synthesizer eignen sich nämlich hervorragend zum Programmieren eigener, analoger Drums.

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