Test
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05.06.2018

Superstereo DN78ADB Test

Rotary DJ-Mixer

Es gibt sie noch, die guten Dinge

Rotary-Mixer sind sexy und Röhrensound auch. So werden wohl auch die Entwickler der englischen Audiohardware-Manufaktur „Superstereo“ gedacht haben und löten auf Kundenwunsch in Einzelanfertigung einen ziemlich luxuriösen Mixer. Die Rede ist vom DN78ADB, einem der exklusivsten derzeit erhältlichen Kommandopulte für Discjockeys mit großem Qualitäts- und Designanspruch und nicht minder großem Geldbeutel. Denn das Prachtstück englischer Ingenieurskunst kostet knapp 3000,- Euro. Ob die gut angelegt sind, haben wir getestet.

Details

Beim Superstereo DN78ADB handelt es sich um einen zweikanaligen Rotary-Röhrenmischer mit integrierter USB-Soundkarte und einem Dreiband-Kill-EQ in der Summe. Zudem verfügt die Steuerkonsole über einen Mikrofoneingang, Dreiband-EQ in jedem Kanal und eine Effektschleife. Der Mischer wird auf Bestellung in Handarbeit gefertigt und es kommen – laut Hersteller – beste Komponenten zum Einsatz, die den Mischer (und besonders die Phono-Preamps) in die absolute klangliche Oberklasse hieven sollen. Gut Ding will Weile haben, weshalb man sich nach der Bestellung vier bis sechs Wochen gedulden muss, bis das Gerät gefertigt wurde. Hinzu kommen drei (!) Tage, in denen der Mixer 24 Stunden auf Herz und Nieren getestet wird, bevor er in die Auslieferung geht – klasse! Erhältlich ist der Mixer in zwei Versionen: der Standard-Variante und der hier getesteten teureren Audiophile-Edition, bei der qualitativ noch etwas höherwertigere Röhren und Fader verbaut sind.

Auspacken

Mein Testgerät erreicht mich in einem Standard-Industriekoffer. Die modularen Schaumstoffklötze sind entsprechend der Abmessungen des Mixers entfernt, so dass er sich zusammen mit dem Netzteil sicher in das Behältnis schmiegt. Das Netzteil unseres Testgeräts hat allerdings eine lockere Zuleitung. Der deutsche Vertrieb versichert jedoch, dass es sich hier um einen Fehler der Demo-Unit handelt, die zur Begutachtung schon um die halbe Welt gereist und entsprechend mitgenommen ist (eine Aussage, der ich aufgrund des Gesamtzustandes gerne Glauben schenke).

Erster Eindruck

Es gibt nicht viele Geräte, die einem routinierten Tester noch ein aufrichtiges „Wow“ entlocken können. Der Superstereo DN78 jedoch tut das. Denn er sieht aus, als ob ihn ein BBC-Techniker im London der späten 1950er Jahre in der „TARDIS“ von „Doctor Who“ vergessen hätte und das Teil ins nächste Jahrtausend zeitgesprungen wäre: dunkle Seitenteile aus Holz, ein undefinierbar dunkelblaues und mattiert gebürstetes Stahlgehäuse, eine bezaubernd sachliche Typo und darauf dann ein Ensemble aus wunderschönen Retro-Potiköpfen, in deren Zentrum zwei klassische VU-Meter den Pegel visualisieren – hübscher geht nimmer.

Dieses Bild bietet sich auch an der Vorderseite, wo sich nach dem Einschalten zeigt, dass es aus dem Kopfhörerausgang heraus violett leuchtet – mega. Die Rückseite mit ihren vergoldeten Buchsen und den charmanten Kippschaltern für Phono/Line-Umschaltung offenbart dann ein nicht minder stimmiges Bild. Der hervorragende erste optische Eindruck findet seine Entsprechung in der haptischen Kontrolle: Alle Potis sitzen felsenfest an ihrem Platz und lassen sich mit unterschiedlichem, immer angenehmen Drehwiderstand bewegen (Kanal-Potis beispielsweise etwas „öliger“, Crossfader und Master-EQ etwas leichtgängiger).

Liebe auf den ersten Klick auch bei den Cue-Tastern, denn sie verfügen über einen wunderbar definierten Schaltpunkt und quittieren das Betätigen mit einer dezent leuchtenden LED. Apropos Leuchten: Die gesamte Illumination des DN78 kann in Bezug auf Farbigkeit, Platzierung und Gestaltung gefallen. Das beginnt beim bereits erwähnten Kopfhörerausgang, geht weiter mit den warmweiß hintergrundbeleuchteten VU-Metern bis hin zu den bündig mit dem Gehäuse abschließenden LED-Bögen über den Kanal-Potis, die den anliegenden Pegel visualisieren.

Anschlüsse

Der rückseitige Anschlussreigen lässt keine Wünsche offen: Neben den Standards wie Strombuchse, Master/Booth-Out (jeweils XLR symmetrisch und Cinch unsymmetrisch), einer Mikro-XLR-Klinke-Kombibuchse mit Gain-Regler und den vier Ports für Phono/Line-Signale nebst entsprechenden Kippschaltern, finden sich auch Besonderheiten. Da ist zum einen die Stereo-Send- und Return-Effektschleife zu nennen, ein zusätzlicher Record-Out in Form einer Stereo-Miniklinkenbuchse (sehr gut!) und – erstaunlicherweise – eine USB-Buchse mit einer Wortbreite von bis zu 32 Bit bei 384 kHz (!) Samplingrate. Diese Werte hat selbst die SC-78 Soundkarte aus gleichem Hause nicht. Erfreulich auch, dass der USB-Chipsatz auf MacOS-Rechnern class-compliant ist und ohne Treiber funktioniert. Windows Anwender müssen die Treiber allerdings installieren.

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