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Test
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28.07.2014

Praxis

Klang

Kommen wir zu den internen Sounds des Numa Stage. Das Piano wartet mit einem klassischen Flügelsound und einem weiteren Klavierklang namens „Stage-Piano“ auf. Wenn ich aus dem Test zum Numa Concert meines Kollegen Christian Frentzen zitieren darf:

„Auf der Musikmesse hatte man uns verraten, dass die beiden Grand Pianos auf einem 1 GB großen Sample-Content basieren. Die Samples stammen von einem F308 und einem D-Modell-Flügel. Also dürfte es sich vermutlich um einen Fazioli und einen Steinway handeln. Neun Dynamikstufen werden in Echtzeit mittels Cross-Filtering und Lautheitsparametern bearbeitet.“

Der Flügel klingt sehr ausgewogen und natürlich. Und sein Sound lässt sich noch weiter bearbeiten: Anteilig kann man Saiten-Resonanzen beimischen. Das sogenannte „String resonance modeling“ emuliert sowohl das Mitschwingen der Saiten bei getretenem Pedal, als auch das Mitschwingen von Obertönen von gehaltenen Tönen sowie das allgemeine Mitschwingen des Resonanzbodens. Dabei handelt es sich nicht um Samples, sondern um „Physical Modeling“. Diese Resonanzen machen den Klaviersound um Einiges lebendiger und authentischer. Studiologic hat hier wirklich einen sehr guten, vielseitigen Flügelsound im Angebot.

Der Sound des „Stage Piano“, also des zweiten Flügels, ist wesentlich schärfer und klingt fast ein bisschen wie eine Mischung aus Yamaha CP 70 und Klavier. Nicht wirklich natürlich, aber dafür recht durchsetzungsfähig. Das kann im rockigen Bandzusammenhang gut funktionieren.

Als E-Pianos sind ein Rhodes, ein Wurlitzer, eine glockige DX7-Rhodes-Variante und ein Clavinet dabei. Das Rhodes klingt leider nicht wirklich gut, ist mit Effekten versehen aber vertretbar. Ähnlich ist es bei Wurlitzer, DX7 und Clavinet. Die Sounds sind alle nicht aus dem obersten Regal, für's Studio ungeeignet, aber im Livekontext einsetzbar. 

Zwei Padsounds sind mit an Bord, wovon der eine eher nach weichem Synthesizer und der andere eher nach Streichern klingt. Beide sind recht durchschnittliche, grobe Kost. Eher nichts für Sound-Feingeister. Gleiches gilt für die beiden Orgelklänge. Ein Hammond-artiger Sound und eine Vox-Variante sind mit von der Partie. Schließlich findet man noch einen akustischen und einen elektrischen Bass, die nicht zuletzt für den Einsatz bei gesplitteter Tastatur prädestiniert sind. Alle Sounds sind, abgesehen von oben genannter Ausnahme beim Flügel, nicht weiter editierbar. Von mehr als Grundausstattung kann man hier also wohl nicht sprechen. 

Ganz ähnlich verhält es sich mit den Effekten: Phaser und Tremolo sind für die E-Piano-Sounds durchaus brauchbar, gehören aber nicht zu den besten. Auch der Rotary-Effekt ist von einer detailgetreuen Emulation doch ein ganzes Stück entfernt. Generell sind die fehlenden Editiermöglichkeiten der Effekte zu bedauern. Bei den Modulationseffekten sind diese zwar noch ausreichend (Änderung der Modulationsgeschwindigkeit), aber besonders beim Delay stößt man schnell an die Grenzen, da hier nicht mal das Timing regelbar ist.

Weitere Funktionen

Dass sich das MIDI-Modul per Knopfdruck an- und ausschalten lässt, ist eine praktische Sache. So kann man beispielsweise den internen Klaviersound verwenden und per Knopfdruck ein externes Synth-Modul dazuschalten. Es ist also auch möglich, externe und interne Sounds gleichzeitig zu spielen, sowohl gesplittet als auch gelayert. Natürlich ist man mit zwei gleichzeitigen Sounds recht begrenzt – aufwändige Split- und Layer-Setups mit mehr Sounds lassen sich am Numa Stage nicht realisieren. Will man mehr Sounds gleichzeitig zur Verfügung haben, muss man das am externen Klangerzeuger programmieren.

Ein kleiner Kritikpunkt ist das Fehlen eines internen Metronoms, wobei man durch den Audioeingang natürlich einen externen Taktgeber einschleifen kann. Dennoch wäre das zu Übungszwecken eine schöne Sache gewesen.

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