Test
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24.01.2011

Praxis

Sound
Der Sound ist letztendlich das Wichtigste bei einem Hammond-Imitat. Und das hat man bei Studiologic vorzüglich gelöst. Der Grundsound des Instruments ist äußerst druckvoll, mächtig und durchsetzungsfähig.

Die Percussion hat genügend Biss, ohne dabei zu scharf zu wirken. Beim Legato-Spiel verstummt sie. Es gibt aber nicht nur an und aus, sondern auch leisere Zwischenwerte wie beim Original, wodurch der Sound sehr lebendig und ungekünstelt wirkt. Dies sorgt für ein absolut authentisches Spielgefühl. Die NUMA Percussion ist die beste Emulation, die ich bisher gehört habe.

Für noch mehr Lebendigkeit und vor allem Flexibiliät im Klang sorgen die Effekte Drive, Key Click und Leakage, mit denen man den Charakter der Orgel im Handumdrehen von clean und brav in dreckig und böse verwandeln kann.

Genauso gut sind den Entwicklern Vibrato und Chorus-Effekt gelungen. Die Chorus-Varianten weisen keine extremen Einstellungen auf. Da eiert nix! Sie verleihen dem Orgelsound eine schöne Breite und Tiefe, wobei wie bei einer echten Hammond die Höhen geschmeidig angehoben werden. Die Vibratos dagegen tun genau das, was sie sollen: Sie eiern schön geschmeidig, aber auch schön musikalisch. In den Audiobeispielen habe ich den C3-Chorus mit dem meiner Hammond A100 verglichen.

Die Leslie-Simulation hat einen warmen, weichen und schwebenden Charakter. Sie nimmt dem direkten Orgelsignal die Höhen weg und betont etwas die unteren Mitten. Allerdings geht dadurch auch etwas der Druck des trockenen Signals verloren und ihr fehlt – wie jeder Simulation – die räumliche Tiefe. Mir persönlich klingt sie etwas zu brav und im Fast-Modus zu indirekt. Sie könnte gerne mehr Schreien und Kreischen. Dennoch ist sie sehr gut gelungen. Ich habe trotz der langen Anlauf- und Abbremszeiten die fehlenden Editiermöglichkeiten während der Testphase nicht vermisst. Einige Audiobeispiele habe ich sowohl mit dem internen Rotor-Kabinett als auch über ein echtes Leslie 122 gespielt, was einen guten Vergleich der Qualität des Rotary Effektes erlaubt.

Bedienung
Das Bedienfeld wirkt auf den ersten Blick sehr spartanisch und durch ein fehlendes Display etwas altbacken. Allerdings ist es dadurch auch aufgeräumt, übersichtlich und klar strukturiert. Die Anordnung der Orgelfunktionen ist ergonomisch und angelehnt an das Vintage-Vorbild. Alle Regler sind bereits nach kürzester Zeit im Blindflug erreichbar.

Aufgrund der wenigen Parameter hat jede Funktion ihren eigenen Taster bzw. ihr eigenes Poti. Durch die rote Hintergrundbeleuchtung der Buttons ist der Status der NUMA Orgel schnell und deutlich zu erfassen. Dies erlaubt spontane und intuitive Eingriffe ins Klanggeschehen und bindet den Spieler nicht an vorgefertigte Presets. Hier macht das wortwörtliche Spielen mit dem Instrument wirklich Spaß - keine Parameterflut und kein Menu-Dschungel. Man hat jederzeit die Übersicht und die Kontrolle: Plug and Play, wie es bei einer echten Orgel sein soll. Klasse! Gleiches gilt für die Masterkeyboard-Funktion.

Ein paar Diskussionspunkte gibt es aber auch hier. So sind nicht alle Funktionen (wie z.B. Tune oder das Speichern von Presets) sofort ersichtlich, sondern erschließen sich erst nach einem Blick in die Bedienungsanleitung. Diese ist kurz und bündig und leicht verständlich. Eine schöne Zugabe ist die Erklärung der Funktionsweise der alten Tonewheel-Orgeln.

Aufgrund der fehlenden optischen Anzeige für Transpose, Tune, Splitpunkt und der Zugriegeleinstellungen können vor allem Keyboarder der Workstation-Fraktion anfänglich Schwierigkeiten mit der Soundkontrolle bekommen. Kollegen, die schon Orgelerfahrung haben, kommen hier sicherlich leichter und schneller zurecht. Ich persönlich habe ein Display nicht wirklich vermisst.

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