Software
Feature
10
15.02.2019

String Libraries im Vergleich

Die besten Sample Libraries für Streichinstrumente 2019

Samples für Streicher gibt es reichlich und die Preise für sogenannte String-Libraries variieren teils auch drastisch. Es stellt sich die Frage, welche ist die beste Library? Dabei definiert erfahrungsgemäß jeder „beste“ etwas anders: einer sucht Authentizität in Form maximaler Details und Programmier-Möglichkeiten und ein anderer wiederum will vor allem schnell fertig werden; den Aufwand gering halten. Und ein wieder anderer möchte womöglich einfach nur ein gutes Ergebnis für den kleinsten Preis bekommen. Kein Problem - wir fühlen euch!

Wir haben deshalb die wichtigsten Kandidaten herausgepickt und Chris Hein Ensemble Strings, Natives Session Strings 2, Spitfires Solo Strings, Natives Symphonic Series String Edition sowie die Chamber Strings, die Orchestral Strings und auch die Appassionata Strings aus den Special Editions Plus 1&2 von VSL verglichen. Neben der allgemeinen Handhabung und der jeweiligen Charakteristika hatten wir außerdem ein besonderes Auge auf den Zeitaufwand für das Demo und die CPU-Auslastung.

Das Prozedere war dabei stets dasselbe; ein Stück, sieben Libraries und die Fragen, wie der Track mit den jeweiligen Libraries klingt und wie lange es dauert, sie halbwegs einzurichten und zum Klingen zu bringen. Nicht geachtet wurde dabei auf Feinheiten des Programming wie Tonausklänge, -übergänge etc. Es wurden wirklich nur die gröbsten Schnitzer ausgebügelt um einen Eindruck davon zu bekommen, wie die Libraries im Default-Modus klingen. Aus demselben Grund wurden auch keine EQs, Kompressoren oder gar externen Hallräume verwendet. Sofern überhaupt „getweakt“ wurde, wurden nur die Möglichkeiten der jeweiligen Library genutzt.

Best Service Chris Hein Ensemble Strings – Der schnelle und gute Allrounder

Los geht es mit den Chris Hein Ensemble Strings. Die Library ist grafisch gut gefüllt und auf den ersten Blick etwas unübersichtlich. Aber zum einen kann man sich recht schnell einen Überblick verschaffen, zum anderen klingt sie sehr gut. Der Klang ist weich, trotzdem schlank, tatsächlich eher Ensemble als Orchester. Außerdem reagieren die Samples auf Anschlags-Velocity, was nicht bei allen Libraries der Fall ist. Ich liebe das, da es mir intuitiv logisch erscheint, dass Anschlagsstärke in Lautstärke übersetzt wird. Artikulationen gibt es reichlich, auch ein paar Effekte und einige schön unkomplizierte Features, wie Regler für Legato-Geschwindigkeit, Glide-Geschwindigkeit oder Sordinos per Knopfdruck. Es lassen sich schnell gute Ergebnisse erzielen und überhaupt sämtliche Wünsche zügig umsetzen.

Chris Hein Ensemble Strings – Pro und Contra 

Die Library klingt exzellent und bietet manche Artikulationen wie z. B. Spiccato und Staccato in verschiedenen Längen. Und obwohl die Library auf den ersten Blick überfordernd viele Regler, Parameter und Leuchtdioden parat hält, ist es nicht nötig, sich mit diesen auseinanderzusetzen, um sofort gute Ergebnisse zu erzielen.

Negatives habe ich nicht entdeckt. Schön wäre es dennoch, wenn man eines Tages das Kontakt-Fenster weiter aufziehen könnte, damit die gesammelten Infos nicht so unübersichtlich klein dargestellt bleiben. Aber das hat natürlich nichts mit der Library an sich zu tun.

Ensemble Strings eignet sich gut für …

Chris Hein Ensemble Strings eignen sich für so ziemlich alles, was dem Namen entspricht: Musik für Streicher-Ensembles. Für episch-orchestrale Sounds würde ich eine andere Library nehmen, aber wenn es weitestgehend im Bereich Kammerorchester bleiben soll, ist diese Library spitze.

Ensemble Strings eignet sich nicht so gut für …

Wie viele ihrer Kollegen eignet sich auch diese Library nicht primär für Experimentelles oder Abseitiges; die Artikulationen sind größtenteils Standard. Dieser Standard ist allerdings hervorragend!

  • Zeitaufwand fürs Demo: 16 Minuten
  • CPU Spitze: 41,8
  • Straßenpreis: 389,- EUR

Hier geht es zum Chris Hein Test!

Native Instruments Session Strings 2 – from Disco to Disco

Mit ihrem Fokus auf die Streicherwelt von R'n'B und Disco ist diese Library auf jeden Fall angenehm eigenwillig. Ansonsten scheint sie sich eher an Kunden zu richten, die ihre ersten Gehversuche mit Streichern machen möchten. Automatisches Voice-Splitting und Akkordergänzung sprechen jedenfalls dafür und auch das Artikulationsangebot ist, abgesehen von genretypischen Slides und crescendo Arcs, absoluter Standard. Trotzdem erfüllt die Library ihren Zweck: für ihre Kerngenres bietet sie artikulatorisch alles, was gebraucht wird, bringt außerdem einen Rhythmusanimator zum Erzeugen von Pattern mit, und auch klanglich erfüllt sie die Erwartungen an die Genres vollkommen.

NI Session Strings 2 – Pro und Contra

Die Session Strings 2 sind für das Genre Disco und traditioneller R'n'B Gold wert. Die Ensemblegröße von elf Streichern trifft den Sound der damaligen Zeit und die typischen Figuren wie Slide up, Slide down und Fast Crescendo geben einem wirklich gute Mittel in die Hand, um in diesem Stil streichertechnisch voranzukommen. Außerdem gibt es Dutzende von Sound-Presets, um sich klanglich dem Sound von einst anzunähern. Auch der Rhythm-Animator macht einen guten Job und bietet viele Eingriffsmöglichkeiten in Sachen Pattern- und Artikulationsgestaltung.

Die Library bietet keinen Einzelzugriff auf Violine, Viola, Cello, Bass, es gibt nur das Ensemble. Töne können zwar per Smart Voice Split auf die verschiedenen Instrumentengruppen verteilt werden, aber Eingriffsmöglichkeiten sehen anders aus. Auch gibt es keine Keyswitches und klanglich ist die Library eher begrenzt.

Session Strings 2 eignet sich gut für …

Streicherfiguren und Licks in den obengenannten Genres und hintergründige, kleinformatige Rhythmuspattern kann man mit dieser Library wunderbar herstellen. Außerdem ist es sehr günstig zu haben.

Session Strings 2 eignet sich nicht so gut für…

Ausgearbeitete, mehrstimmige Streicherarrangements lassen sich mit Session Strings 2 nicht realisieren. Auch wenn es groß, mächtig und tief werden soll, sind Session Strings 2 nicht das Mittel der Wahl.

  • Zeitaufwand fürs Demo: 14 Minuten
  • CPU Spitze: 74,4 
  • Straßenpreis: 99,- EUR

Hier geht es zum Session Strings Test!

Spitfire Audio Solo Strings – Das komprimierte Streichquintett

Spitfire Audio, Garant für Samples mit Dreck unter den Fingernägeln, schickt die Solo Strings ins Rennen. Die Grafik der Library ist zwar nach wie vor sinnlos klein, aber Bedienung und Soundangebot erklären sich von selbst. Was ich an Spitfire nach wie vor rätselhaft finde, ist die Diskrepanz zwischen erstklassigem Sound und nicht zu Ende gedachtem Library-Konzept. Zum Beispiel gibt es alle Artikulationen in verschiedenen Instrumentenformen, All-in-One, getrennt in Core und Decorative Techniques und noch einmal als ein Instrument pro Artikulation. Dafür sind die Artikulationen aber nicht einheitlich, sondern schwanken zwischen zehn und zwölf Artikulationen je realem Instrument. Auch gibt es manche Patches, die auf Anschlagsvelocity reagieren, andere tun es nicht. Letztere sind default-mäßig dermaßen laut, dass beim unbedachten Anschlag schon mal das Regal von der Wand kracht. Für den Workflow und die Übersicht finde ich das etwas gewöhnungsbedürftig. Rein klanglich ist die Library aber super, bietet alles was man für den täglichen Bedarf benötigt und führt, hat man sich einmal zurechtgefunden, schnell zu guten Ergebnissen.

Spitfire Audio Solo Strings – Pro und Contra

Der Grundklang ist hervorragend und das Artikulationsangebot für den Tagesgebrauch gut gewählt. Diese Library wurde außerdem mit keinen Flüchen belegt. Lediglich die Optik ist, wie immer bei Spitfire, enervierend klein und die Übersicht teils sehr gewöhnungsbedürftig.

Solo Strings eignet sich gut für …

Spitfire Solo Strings eignen sich für alles, was Solo-Streicher im üblichen Rahmen benötigt. Wie üblich bei Spitfire klingen die Samples hervorragend und tänzeln ästhetisch auf einem schmalen Grat zwischen Dreck und Wärme.

Solo Strings eignet sich nicht so gut für …

Die Streicher sind für Seltsames und Experimentelles weniger zu gebrauchen. Auch FX und Spielereien sind in dieser Library nicht zu finden.

  • Zeitaufwand fürs Demo: 30 Minuten
  • CPU Spitze: 37,4 
  • Straßenpreis: 399,- EUR

Hier geht es zum Spitfire Test!

Native Instruments Symphony Series String Ensemble – Der Allrounder für den täglichen Bedarf

Symphonic Series String Ensemble von Native Instruments. Ich liebe dieses Ding. Von Native Instruments in Zusammenarbeit mit Audiobros entwickelt ist es wesentlich handlicher als sein großer Bruder, die L.A. Scoring Strings. Die Presets sind übersichtlich, die Handhabung sensationell einfach und die Samples klingen wirklich gut. Na schön, sie sind nicht Velocity-gesteuert, also müsste ich die Lautstärke komplett fahren. Aber alles andere geht einfach und schnell. Vier Mikrosignale lassen sich einzeln laden und ineinander mischen. Lädt man alle vier, geht das zwar zulasten des RAM, klanglich lohnt es sich aber und ich muss mir keine Gedanken über zusätzlichen Reverb machen. Das Zeit-Leistungs-Verhältnis ist top. Ein echtes Problem allerdings ist ein Keyswitch-Bug; bei manchen Keyswitches hält die Library vorangehende Töne aus, sodass ein wahnsinniges Cluster entsteht. Ich habe das hier gelöst, indem ich jeder Artikulation eine eigene Spur gegeben habe.

Als Teil des Native Instruments Komplete 12 Ultimate Collectors Edition ist String Ensemble besonders günstig zu erhalten.

NI Symphony Series String Ensemble – Pro und Contra

Die Library ist extrem übersichtlich gestaltet. Es gibt keinen Knopf, der sich nicht von selbst erklärt und keinen Regler, der keinen Sinn macht. Alle wesentlichen Artikulationen (pizzicato, tremolo, legato usw.) sind vorhanden, die Streicher können sowohl manuell als auch per Auto Divisi geteilt werden, und durch vier verschiedene Mikrofonsignale lassen sich im Handumdrehen eine Vielzahl von räumlichen Gegebenheiten herstellen.

Abgesehen vom rätselhaften Keyswitch-Bug, der allerdings ein echtes Unding ist, blieb diese Library von Problemen verschont. Einzig ein komplett einheitliches Artikulationsangebot wäre schön gewesen. Und mehr Artikulationen gehen natürlich auch immer …

NI Symphony Series String Ensemble eignet sich besonders gut für … 

Symphonic Series String Ensemble eignet sich für alles Übliche und ist für den regulären Hintergrundbedarf im Film- Game-, Werbe-, Popkontext stets eine gute Wahl. Das Sound-Angebot ist für diese Genres ausreichend und klanglich lässt sich durch die vier Mikros alles schnell einpassen.

NI Symphony Series String Ensemble eignet sich nicht so gut für …

Experimentelle Stücke lassen sich eher nicht realisieren. Auch Stücke mit spezielleren Artikulationen, oder Musik, die einen gewissen Dreck in den Streichern braucht, ist hiermit nicht zu machen. 

  • Zeitaufwand fürs Demo: 20 Minuten
  • CPU Spitze: 54,9
  • Straßenpreis: 499,- EUR /  NI Komplete 12 Ultimate CE: 1589,- EUR

Hier geht es zum NI Symphony Test!

VSL Special Edition Plus 1&2 - Für detailversessene Streicher-Nerds

Schlusslicht meiner kleinen Vergleichsrunde sind die Special Editions Plus 1 & 2 von Vienna Symphonic Library. Der Firmenname sagt es schon, hier geht es ums große symphonische Ganze. Entsprechend verhalten sich die Libraries. Ich kenne keine andere Library, die so viele Werkzeuge zur Klangbearbeitung bietet, Sampleüberblendungen, -kombinationen, x-Fades, Filter, verschiedene Arten von Hall etc.

Die Special Editions sind auch die einzige Library, die sich nicht des Kontakt-, sondern des VSL-eigenen Players bedient. Artikulationen gibt es reichlich, wenn auch keine Effekte. Hier geht es ganz klar darum, ein traditionelles Orchester möglichst realistisch nachzubilden. Das funktioniert auch, ist aber viel Gefummel, denn die Samples sind absolut trocken aufgenommen und bedürfen entsprechend langer Nachbearbeitung.

Was die Besetzung angeht, haben die Special Editions drei Pfeile im Köcher: die etwas kleineren Chamber Strings, die regulär großen Orchestral Strings und die überdimensionierten Appassionata Strings, wenn auch letztere mit massiv eingeschränktem Artikulationsangebot. Klingen tun alle, was den Realismus betrifft, hervorragend. Sie auch im musikalischen Sinne zum Klingen zu bringen, ist allerdings, wie gesagt, viel Arbeit und auch nicht ganz einfach, denn man muss relativ genau wissen, was im echten Leben spieltechnisch passiert, um es dann am Rechner realistisch nachbauen zu können. Dafür sind die Libraries von VSL aber auch am vielseitigsten. Man kann sie sehr verschieden zum Leben erwecken und ihnen eine erstaunliche klangliche Tiefe verleihen. Es ist einfach nur verdammt viel Arbeit.

VSL Special Edition Plus 1&2 – Pro und Contra

VSL Special Edition Plus bietet drei verschiedene Streicherensembles (Chamber Strings, Orchestra Strings, Appassionata Strings), von denen die ersten beiden mit einer Vielzahl von Artikulationen ausgestattet sind. Davon abgesehen gibt es sehr viele Eingriffsmöglichkeiten, um Realismus herzustellen; vom Velocity X-Fade über Fades und Kopplungen von Artikulationen bis zu Filtern ist alles dabei. 

Jedoch gibt es leider keine Divisi-Funktion. Außerdem sind die Samples ausgesprochen „nackt“ bzw. wirken kühl, was der komplett trockenen Aufnahme geschuldet ist. Durch diese Nacktheit ist entsprechend mehr Produktionszeit für das Programming nötig.

VSL eignet sich besonders gut für … 

Vienna Instruments VSL Special Edition Plus eignet sich erstklassig für aufwändige, detailverliebte Orchesternachbauten. Ich kenne keine andere Library, die derart viele Artikulationen und Eingriffsmöglichkeiten bietet. Und dabei ist die Special Edition noch eine ausgedünnte Variante der regulären Libraries. Auch um Sounds aus anderen Libraries mehr Kontur zu verleihen, sind die Streicher von VSL eine gute Adresse.

VSL eignet sich nicht so gut für …

Wenn es schnell fett werden muss, ist die VSL Special Edition wohl nicht meine erste Wahl. Durch die sehr trocken aufgenommenen und tendenziell statisch klingenden Samples ergibt sich ein zeitlicher Aufwand an der Reverb- und Edit-Front, den einfach nicht jede Produktion hergibt. Auch sind die detaillierten Eingriffsmöglichkeiten zur Klanggestaltung bei vielen Produktionen schlicht nicht nötig.

  • Zeitaufwand fürs Demo: 20 Minuten
  • CPU Spitze: 17,9
  • Straßenpreis: 630,- EUR

Hier geht es zum VSL SE 1&2+ Test!

Woodwind Librarys im Vergleich

Wir haben da mal was vorbereitet; ein Stück für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Kontrafagott! Was ist die beste Sample Library für Woodwinds ?

Brass Librarys im Vergleich

Ohne massives Blech funktioniert kaum ein Film oder Spiel. Welche Brass Library ist aber die beste? Wir haben ein paar bekannte Vertreter gegeneinander ant…

Verwandte Artikel

User Kommentare