Test
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16.06.2017

Squarp Instruments Pyramid Test

Hardware Sequencer

Die Multifunktions-Steuereinheit

Hardware Sequencer wie der Squarp Pyramid sind in den letzten Jahren wieder stark im Kommen. Nicht nur für Live Performer interessant, erzeugen sie auch in einer Studioumgebung viele Ideen und Möglichkeiten, die mit dem Rechner zwar machbar sind, aber meist nicht so kreativ umgesetzt werden können. Hier spielt die Haptik eine sehr große Rolle, denn über Trigger-Pads, die durch ein Lauflicht die Position der Note anzeigen, kann gerade in elektronischen Stilen viel schneller und intuitiver eine Sequenz programmiert werden. Dazu kommen Automationsverläufe, die über verschiedene Eingabequellen, wie Drehregler und Touchfelder (X/Y-Pad) eine ganz andere Dynamik entwickeln, vielleicht dem Song sogar mehr Groove geben, als eine Maus- oder Touchpad-Bewegung am Bildschirm.

Dennoch müssen sich die eigenständigen Kontrolleure in Sachen Funktionsvielfalt, Workflow und Flexibilität von den rechnerbasierten DAWs absetzen, um eine echte Alternative zu sein. Das dachte sich wohl auch die französische Firma Squarp Instruments und zeigte 2015 ihr erstes Produkt, den Prototypen eines Hardware Sequencers namens Pyramid. Der polyrhythmische Sequencer kommuniziert über die Anschlussarten DIN MIDI, USB MIDI, DIN Sync und CV und wartet mit einer Funktionsvielfalt auf, die kaum ein anderer Live Sequencer bietet. Mittlerweile liegt die Hardware in einer neuen Auflage vor und die interne Software wurde auf Version 2.0 upgedatet. Zeit für uns, den Squarp Pyramid einem ausführlichen Test zu unterziehen.

Details

Der Erstkontakt

Schon beim Auspacken überrascht Squarp Instruments mit einem Papp-Overlay, das über dem Pyramid liegend ins Auge sticht. Farbige Bereiche auf dem Aufleger grenzen die einzelnen Funktionsbereiche ein, die von einem Textfeld in englischer Sprache kurz und knapp (aber für den Anfang wirklich ausreichend!) erklärt werden. Das ist sehr gut durchdacht und vereinfacht den Einstieg in das komplexe und sehr umfangreiche Gerät. Nach dem Abnehmen der „Overview“-Maske erscheint eine sehr minimale und aufgeräumte Benutzeroberfläche. Durch das Update-fähige Betriebssystem wird Pyramid von den Entwicklern stetig weiterentwickelt und bekommt neben neuen Funktionen auch Verbesserungen für den Workflow oder auch Anwenderwünsche eingepflanzt, was man sehr gut im Update-Verlauf der letzten Jahre verfolgen kann.

Gehäuse und Oberfläche

Das Gehäuse ist komplett aus Metall mit einem schwarzen, leicht glänzenden Lack, der Staub und Fingerabdrücke sehr gut kaschieren kann. Auf der schwarzen Oberfläche werden die weiße Beschriftung und die kleinen farbigen Felder neben den Buttons und Reglern sehr gut sichtbar. Die 35 gummierten Trigger Pads sind dagegen weiß und werden von hinten mit teilweise farbigen oder weißen LEDs bestrahlt. Links oben befindet sich ein 32 x 52 mm großes, grafikfähiges, schwarz-weißes LC-Display, auf dem Daten und Menüfunktionen, aber auch Steps der Sequenzen und die Klaviatur für Notenwerte angezeigt werden. Auf der rechten Seite liegt das X/Y-Touch-Pad mit einer Fläche von 65 x 105 mm zur Steuerung frei zuweisbarer MIDI CC Parameter. Dazu kommen sechs klickbare Endlos-Drehregler, von denen fünf mit Funktionen frei belegbar sind. In dem Paket befinden sich ebenso ein Netzteil (bei der Bestellung muss das Land wegen des Steckerformats angegeben werden!) mit einem integrierten Mini-USB-Kabel und sechs selbstklebende Gummifüße für einen rutschfesteren Stand.

Sequencer

Der Fokus liegt beim Pyramid natürlich auf dem Sequencer, der in vier verschiedenen Modi betrieben werden kann. Der TRACK Mode kontrolliert den polyphonen Sequencer mit 64 Spuren, bei dem jede Spur autark und abgekoppelt von den anderen laufen kann (unterschiedliche Länge von einem Schlag bis zu 300 Takte, unterschiedliche Taktart, etc.). Jede Spur kann einem anderen MIDI-Kanal und Ausgang an der Hardware zugewiesen werden. Physisch wären hier zwei mal 16 MIDI-Kanäle und ein CV Ausgang möglich. Copy und Paste zwischen den Tracks funktioniert über einen Druck auf die zugewiesenen Buttons.

Im SEQ Mode werden bis zu 32 vorgefertigte Sequenzen abgelegt, die on-the-fly abgefeuert und neu zu einem Song arrangiert werden können. Dabei lassen sich Spuren einzeln live muten, um Breaks zu generieren. Die fertigen Sequenzen werden auf einer eingesteckten SD-Karte im SMF-Format (Standard MIDI) abgespeichert. Diese Datei kann auf Wunsch in eine DAW importiert werden, um dort weiterzuarbeiten.

Im STEP Mode erstellt man die einzelnen Spuren in einer Art Pianorolle, wie sie aus DAWs bekannt sind. Dieser Modus ist am vielseitigsten. Er umfasst weitere Sequencer-Modi wie NOTE. Hier werden im Editor einzelne oder polyphone Notenlinien gesetzt. Der CHORD Mode erstellt Verläufe aus vorgegebenen Akkorden zur passenden Skala. EUCLID öffnet einen euklidischen Sequencer. Dieser erzeugt interessante Wiederholungen einer einzelnen Note basierend auf einem Algorithmus nach Euklid.

Zu guter Letzt gibt es noch den LIVE Mode. Wie der Name schon vermuten lässt, werden hier die Noten und MIDI-Parameter live eingespielt und aufgenommen. Die in drei Reihen angelegten Step-Buttons werden für diese Eingabe als Klaviatur „missbraucht“. Das ist sehr gut gelöst, denn die ersten beiden Reihen spiegeln eine Oktave eines Klaviers wieder (weiße Tasten unten, schwarze oben). Die untere Reihe dagegen spielt Chords, die vorher dort wie in eine Preset-Bank abgelegt wurden und in die vorgegebene der 24 auswählbaren Skalen passen.

MIDI-Effekte

Zu allen Modi gesellt sich eine MIDI-Effekt-Sektion mit 11 Echtzeit-MIDI-Effekten. Jede Spur enthält vier eigene Effekt-Slots, die frei belegbar sind. Zur Auswahl stehen ein Quantisierer, Arpeggiator, Harmoniegenerator, Swing, MIDI Delay, MIDI Equalizer, Skaleneditor, Notenwert-zu-MIDI-CC-Wandler, BPM Editor, Chanceneditor, MIDI CC LFO und Zufallsgenerator. Im STEP Modus können bis zu 120 verschiedene MIDI-CC-Automationen zu Pitch Bend, Channel Pressure und Program Change generiert und aufgezeichnet werden.

Anschlüsse

Auf der Rückseite des Squarp Instruments Pyramid befinden sich folgende Anschlüsse, über die sich der Sequencer sehr flexibel mit den verschiedenen Komponenten eines Studio- oder Live-Setups verbinden lässt:

  • ein MIDI-Eingang
  • zwei getrennt adressierbare MIDI-Ausgänge, einer hiervon kann als DIN-Sync-Anschluss genutzt werden
  • ein Fußpedal-Anschluss
  • ein CV Ein- und Ausgang
  • ein Gate Ein- und Ausgang
  • ein CV Env Ausgang
  • ein Mini-USB-Anschluss für die Stromversorgung und zur Kommunikation mit einem Rechner

Darüber hinaus findet man hier auch den SD-Karten-Slot und den Power-Schalter. Und jetzt geht es ran an den Controller und den Check im Studio!

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