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Test
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22.06.2018

Softube American Class A Test

Channelstrip-Plugin

API Deluxe Kanalzug

Es fing mit der griffigen SSL 4000 E an und es folgte die „cleanere“ SSL XL 9000K sowie der weichere Neve (British Class A) und der fette Summit Audio Tube Channel. Was fehlt da noch an großen Namen? Hmm… Lass mich kurz überlegen: Richtig, API! 

Mit dem „American Class A“ hat Softube dabei nicht nur eine weitere Emulation der dicken, fetten Mischpulte für die Controller/Software-Symbiose Console 1 aufgelegt, sondern diesen virtuellen Channelstrip auch erstmals als Stand-Alone-Plug-in veröffentlicht.

Details

Amercian Beauty

Der American Class A ist ein Channelstrip- bzw. Kanalzug- Plug-in der Softwareschmiede Softube aus Schweden. Es ist stand-alone für die Schnittstellen VST2, VST3, AU und AAXnative sowie für die Betriebssysteme ab Windows 7 und OSX 10.9 verfügbar.

Außerdem funktioniert das Ganze auch mit dem Software/Hardware-Controller-Konzept Console 1, welches Software-Emulationen auf eine ganz besonders feine Art und Weise bedienbar macht. Einen Testbericht zur MK2 Variante mit allen bisher erschienenen Emulationen (SSL 4000E, SSL 9000K, Summit Audio Channel und British Class A) habe ich bereits veröffentlicht. Aus Lizenzgründen darf Softube das Ganze nicht beim Namen nennen, was man bereits vom British Class A kennt, wohinter natürlich der Neve 1073 und Neve 2540 standen.

American Class A ist aber auch nicht wirklich schwer zu erraten und spätestens beim hübschen Blau muss man zwangsläufig an API denken bzw. an „Automated processes, inc.“. Seit den frühen 70ern gehört der amerikanische Hersteller zur High Society der Mischpult-Giganten und Edel-Equipment-Hersteller, berühmt für den modularen Ansatz (API 500er Lunchbox) und den punchy-crispen Sound, welcher vor allem bei Drumsound als das Nonplusultra gilt. Konsequent also, dass dieser Sound neben den anderen Charakterschweinen Einzug in die Console 1 Welt erhält. Und das sieht dann so aus:

Es handelt sich hierbei nicht um eine Suite oder einen einzelnen Effekt – nein, das Plug-in versteht sich als One-Stop-Shop, wie bereits alle anderen Console 1 Emulationen. Das bedeutet, es geht mit einer Eingang-Gain-Stufe los, gefolgt von einem High- und Low-Cut sowie einem Shaper, einem EQ und einem Compressor, abgerundet von einer Ausgangssektion inklusive Drive und Charakter. 

Die Reihenfolge der Prozessoren lässt sich bedingt variieren, denn der Shaper kommt immer vor dem Compressor, es geht also lediglich um die Position des EQs. Ebenfalls möglich: Der High- und Low-Cut kann für den Sidechain des Compressors benutzt werden. Kombinationen verschiedener „Brands“ wie SSL oder Neve sowie das Laden von vielen Universal Audio UAD2 Plug-ins und die Hardware-Bedienung bleiben indes exklusiv für Console 1 Nutzer. Die schicke Curves- und Waveform-Visualisierung inklusive Input/Output und RMS-Anzeige ist wiederum der „Nicht-Console-1-Variante“ vorbehalten.

Proportional Q Equalizer API 5500

Der Low- und High-Cut sind Teil der EQ-GUI, zählen aber nicht zu den vier verfügbaren Bändern hinzu. Die Kenner unter euch werden es sicherlich schon erraten haben: Es handelt sich um die Emulation des API 5500 mit dem „Proportional-Q“ Design. Das bedeutet, dass die Bänder mit zunehmenden Hub enger werden bzw. der Q-Faktor größer wird. Das ist ziemlich praktisch, möchte man im Allgemeinen doch stärkere Änderungen auf einen kleinen Frequenzbereich begrenzen und feine Nuancen eher meist recht breit setzen.

Ganz wie beim Original gibt es auch hier nur fixe EQ-Punkte, keine Zwischenfrequenzen und damit auch keine Q-Regler – mit einer kleinen Ausnahme, doch dazu später mehr. Das untere und obere Band kann als Shelf, Bell oder Cut agieren, die zwei Bänder dazwischen sind Glockenfilter. Alle arbeiten mit einem maximalen Hub von +/- 12 dB und kennen elf Zwischenpositionen. Die Sprünge betragen damit bis zu 3 dB, was unter Umständen zu grob sein kann. Deswegen bietet die Hardware einen Gain-Multiplikator-Umschalter, der folgende Werte kennt: 1, 0,5 und 0,25. Mit letzterer Position reduziert sich der maximale Hub somit folglich auf +3 dB und die feinste Anpassung auf +0,5 dB.

Ich bin kein allzu großer Freund von übertriebener Originalität und muss einen solchen Umschalter bei einer Software-Emulation nicht unbedingt haben, das sollte man besser in den Gain-Regler einarbeiten. Das haben sich wohl auch die Jungs von Console 1 gedacht und so gibt es einen zweiten EQ-Mode für Console 1 abrufbar, der alle möglichen Zwischenpositionen kennt. Sicherlich geschah dies auch notgedrungen, da die Console 1 Hardware diesen zusätzlichen Umschalter gar nicht darstellen kann. In dem Atemzug hat man dann wohl auch gleich den Q-Faktor anpassbar gemacht – Proportional Q ist in der Mittelposition trotzdem vorhanden.

API 2500 „Light“

Kommen wir zum Compressor, der seine Inspiration nicht aus dem API 2500er zieht, wie man vielleicht denken mag, sondern aus dem Compressor der API Console. Auch hier wird für ein paar Parameter der Umweg über unterschiedliche Presets gewählt. Konkret: Es gibt eine Punchy und Smooth Variation, was dem New- und Old-Type bzw. der Forward- bzw. Backward-Feedback-Verschaltung entspricht. Im stand-alone Plug-in gibt es einen entsprechenden Umschalter namens New Type. 

Forward und Backward beziehtensich übrigens auf den Abgriff des Sidechains vor oder nach dem Regel-VCA. Ersteres macht den Regelvorgang präziser sowie kontrollierter, letztere Variante klingt wie bei fast allen Vintage-Kisten knackiger und ist auch etwas zickiger durch unvorhersehbare Overshots und Co.

Ansonsten ist der Compressor ganz konservativ mit allen klassischen Parameter ausgestattet, sprich es gibt einen Attack, ein Release, eine Ratio und auch einen Threshold. Wie bei allen Softube Console 1 Kompressoren kann man mittels Dry/Wet-Regler parallel komprimieren, was beim Original nicht ohne weiteres Zutuen ging. Hard-Knee gibt es indes nur bei der Standalone Variante. 

Und der Rest

Der Shaper kann als simples Gate fungieren oder auch als Transient Designer oder Shaper. Ersteres ist zwar der Markenname von SPL, hat sich aber sicherlich nicht nur bei mir als Synonym eingeprägt – ähnlich dem Prinzip „Tempo – Taschentuch“. Egal, man kann hier wunderbar auf den Attack und auch den Bauch eines Signals Einfluss nehmen, was für mich neben EQ und Compressor zu den wichtigsten Tools der Klangverbiegung zählt. Solch ein Tool gibt es von API aber gar nicht, weswegen die Jungs von Softube ein wenig getrickst haben und einem aus dem Kompressor gezaubert haben, sodass es auch hier nach API klingt.

Ähnlich wichtig ist nur noch das gezielte Sättigen, um bewusst Obertöne für eine bessere Durchsetzungsfähigkeit im Mix zu erzeugen. Und genau das macht dann eben der Drive-Regler. Sein dazugehöriger Charakter-Regler nimmt hier bei Links-Anschlag entsprechend komplett die Bässe von der Verzerrung aus – was ebenfalls wirklich gut klingt.

Aber hört doch lieber selbst: Im ersten Durchlauf der folgenden Beispiele drehe ich den Drive immer höher, Charakter steht dabei auf links. Im zweiten Durchlauf bleibt Drive hingegen aufgedreht und Charakter wandert nach rechts. Das Volume hab ich angepasst.

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