Keyboards
Test
3
12.01.2021

Praxis

Wer einmal versucht hat, seine Groove Box oder Drummachine mit dem Computer via MIDI zu verbinden und diese in das DAW-Grid aufzunehmen, kennt folgendes Problem bestimmt. Es gibt einen Versatz zwischen der DAW-Aufnahme und wann die Drummachine tatsächlich abspielt. Dieses Offset ist per se kein Problem, da alle guten DAWs Latenzausgleich via Treiberfehlerkompensation und MIDI-Delay mitbringen. Aber wie so oft steckt der Teufel im Detail.

Der Startpunkt eiert bei jedem Anlauf immer wieder ein bisschen hin und her – und spätestens nach einigen Takten Durchlauf sitzt auch die Kick bestimmt nicht mehr zu 100% im Grid. Bei einer Aufnahme mag das egal sein, bei einer Produktion mit vielen Takes ein echter Time-Killer! Wenn man dann in der Session weitere Plug-Ins aufmacht, ein kompliziertes Monitoring aktiviert, oder stumpf den Sampel-Buffer der DAW-Session ändert – dann wird es meist nur schlimmer. Es sind die Jitter die nerven, denn diese korrelieren mit der Computer-Auslastung, sie sind damit nicht statisch und somit auch nicht ausgleichbar! 

Beispielhaft solltet ihr folgende 16tel HiHat meiner TR-8 genauer inspizieren – der einzige Unterschied ist hier die Clock, wobei ich meine TR-8 in eine ansonsten absolut leere Ableton-Live 11 Session aufnehme. Das Pattern stammt aus der TR-8 selbst. 

Die Differenz mag beim ersten Hinhören marginal sein, aber es ist logisch wie sich das bei größeren Systemen und Drum-Machines/Sequenzern schnell multipliziert! Sicherlich, bei langen Noten wie String-Pads ist das Problem der untighten MIDI-Verbindung zu vernachlässigen, bei Stakkato-Bässen und flinken Drums ist die Dringlichkeit indes deutlicher. 

Jitter sind dabei nichts anderes als das Fachwort für diese Schwankungen im Datenstrom, der durch das zeitliche Taktzittern bei der Übertragung von Digitalsignalen entsteht. Damit bezeichnet man eine leichte Genauigkeitsschwankung im Übertragungstakt – sprich der Clock. Wobei sie im Falle unseres USB-Problems nicht unbedingt auf der tiefsten technischen Ebene zu suchen sind, sondern viel mehr in dem komplexen Überbau, bestehend aus Betriebssystem, Treibern und DAW.

Es gibt noch einen weiteren Vorteil der ACME und ihrer Audio-Verbindung zur DAW für Clocking-Angelegenheiten. Buffer-Änderungen haben keinen Einfluss mehr auf das Delay. Auch bei höheren CPU-Loads beispielsweise in Ableton gibt es deutlich weniger Probleme. Und wenn man mal was ändern muss, kann man das jetzt mit einem eigenen Poti pro Maschine nach Gehör tun – und nicht abstrakt via ms-Eingabe. 

In dem Zusammenhang ebenfalls relevant: Es gibt an der ACME kein Display. Damit weiß man leider nicht zu hundert Prozent, was man da gerade Tempo-mäßig einstellt, wenn sie mal der Clock-Boss ist – das kann man aber auch als kreativen Boost verstehen. Ebenfalls schön sind die Artefakte der Maschine, wenn man ein Poti mal drastisch rauf oder runter kurbelt – dann stolpert das System meist recht musikalisch interessant. Und wenn es stolpert, dann tight im Takt - toll!

Editor

Der Java-basierte Editor funktionierte im Test tadellos und eröffnete noch mehr Möglichkeiten. Zum einen sieht man mal die unterschiedlichen Swing-Pattern, zum andern lassen sie sich organisieren, auch kann man eigene erstellen. Eine Setup-Page bietet weitere Feineinstellungen, die das Tool absolut professionell abrunden. Unter anderem schön: Der Clock-Divider für die analogen Triggerausgänge – damit konnte ich den Arpeggiator meines Juno-6 und Polysix unkompliziert syncen und mit den Kippschaltern die Geschwindigkeit auch noch halbieren und verdoppeln. Sehr praktisch.

2 / 3
.

User Kommentare